Ein weiteres Juwel auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises ist Franziska Gänslers „Orca“, in dem die Protagonistin Cora zwischen zwei vollkommen konträren Welten oszilliert: einerseits der Fleischtheke, an der sie arbeitet, obwohl sie in ihrer Jugend als hochbegabt eingestuft wurde, und andererseits der Aktivistinnen- und Aktivistengruppe, in der sie versucht, radikale Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Aus einer Ich-Perspektive heraus webt Gänsler dabei bewusst verschiedene Themen ein wie Identitätssuche, Zukunftsangst, Klima- und Chancengerechtigkeit, Gewalt und Radikalisierung. Durch Gegenwartsbeobachtungen und Rückblenden entsteht so zunehmend ein Bild, bei dem man nie so recht weiß, inwiefern man ihm trauen darf – und bis zur letzten Seite keinen Plan hat, wohin einen diese aufreibende literarische Reise am Ende führt.
Dieser Artikel ist zuerst in der Printausgabe 10/26 der SZENE HAMBURG erschienen.

