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Hamburger Kandidaten: Was wollen die denn?

Die Programme von CDU, Grünen, Die Linke, SPD, FDP und AfD könnten unterschiedlicher nicht sein. Vor der Bundestagswahl haben Hamburger Kandidaten für den Bundestag einen SZENE HAMBURG-Fragebogen ausgefüllt – und mit ihren Antworten nicht bloß politische Vorhaben verraten

Fragebögen: Marco Arellano GomesFelix Willeke, Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG hat allen im Bundestag vertretenen Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 einen einheitlichen Fragebogen zugesendet. Dieser dient der politischen Meinungsbildung der Leser:innen. Für die Antworten sind die Kandidat:innen und Parteien selbst verantwortlich. Sie stellen nicht die politische Meinung der SZENE HAMBURG-Redaktion dar.

Christoph Ploß, 36, CDU

 

CDU-Kandidat Christoph Ploß; Foto: Tobias Koch

CDU-Kandidat Christoph Ploß; Foto: Tobias Koch

 

SZENE HAMBURG: Wann haben Sie sich zum ersten Mal für Politik interessiert?

Christoph Ploß: Bei der Bundestagswahl 1998.

Wer war Ihr erstes politisches Vorbild?

Die Arbeit des Hamburger CDU-Senats zwischen 2004 und 2008 fand ich sehr beeindruckend. Die CDU hat damals viele neue Impulse geschaffen, von denen Hamburg bis heute profitiert. Verstärkt in Wissenschaft und Forschung zu investieren: Daran müsste Hamburg auch heute wieder anknüpfen.

Warum sind Sie der CDU beigetreten?

Weil die CDU die großen Herausforderungen wie Klimaschutz europäisch und mit Sozialer Marktwirtschaft lösen möchte, sich für eine konse quente Bekämpfung von Kriminalität und Extremismus ausspricht und weil die CDU immer für gute Bildung gekämpft hat.

Und warum sind Sie Berufspolitiker geworden? Weil ich mich einbringen möchte, um unser Land voranzubringen. Ich hatte die Möglichkeit, für ein Bundestagsmandat zu kandidieren. Das war eine großartige Chance, um Themen für unsere Gesellschaft voranzutreiben – etwa den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder Investitionen in die Infrastruktur Hamburgs.

Was wären Sie sonst wohl geworden?

Vorher habe ich in der Unternehmenskommunikation in einem großen Hamburger Medienhaus gearbeitet.

Zwischendurch mal über einen Parteiwechsel nachgedacht?

Nein.

 

Infrastruktur, Bildung und Kriminalität als zentrale Probleme in Hamburg

 

Welches sind Ihrer Ansicht nach die derzeit drei zentralen Probleme der Stadt?

Wir brauchen bessere Bildung, wir müssen die Hamburger Infrastruktur endlich stärker ausbauen und wir müssen die Kriminalität in Hamburg stärker bekämpfen.

Und welche Lösungen haben Sie konkret dafür?

Als CDU wollen wir mehr Mittel insbesondere für frühkindliche Bildung bereitstellen, wir setzen uns für notwendige Investitionen, wie etwa in den Hamburger Hauptbahnhof, ein und stärken der Polizei sowie den Sicherheitskräften den Rücken.

Wie beurteilen Sie die bisherige Hamburger Pandemie-Politik?

Die Leidtragenden der CoronaKrise sind in Hamburg die Kinder und Jugendlichen. Hier hätte man viele Probleme verhindern können. Leider hat der rot-grüne Senat die Situation an den Schulen völlig falsch eingeschätzt und zu spät gehandelt. Von der unzureichenden Digitalisierung des Unterrichts bis zu den zu spät bestellten Luftreinigungsanlagen: Wir brauchen in Hamburg dringend einen Politikwechsel, damit unsere Kinder besser lernen können.

Sind Sie für oder gegen eine Impfpflicht?

Dagegen.

Was wollen Sie gegen den Klimawandel tun?

Mehr Klimaschutz erreichen wir vor allem mit neuen Technologien und Innovationen, nicht mit Verboten oder Gängelung. Daher setze ich mich für den Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur und klimaneutrale Kraftstoffe wie E-Fuels ein, wovon der Hafen und der Luftfahrtstandort Hamburg profitieren werden.

Mit welchem Wahlergebnis wären Sie zufrieden?

Bundesweit wollen wir über 30 Prozent erreichen.

 

Kurze Fragen – kurze Antworten mit Christoph Ploß

 

Elbe oder Alster?

Alster.

Fisch- oder Franzbrötchen?

Franzbrötchen.

St. Pauli oder HSV?

HSV.

Molotow oder Elphi?

Elphi.

Haus oder Wohnung?

Wohnung.

Auto oder Fahrrad?

Fahrrad.

Fitnessstudio oder Sofa?

Fitnessstudio.

Fleisch oder vegetarisch oder vegan?

Ab und zu mal Fleisch, aber häufig auch vegetarisch.

Komödie oder Drama?

Beides.

Gendern oder nicht gendern?

Nicht gendern.


 

Katharina Beck, 39, Grüne

 

Grüne-Kandidatin Katharina Beck; Foto: Christine Fiedler

Grüne-Kandidatin Katharina Beck; Foto: Christine Fiedler

 

SZENE HAMBURG: Wann haben Sie sich zum ersten Mal für Politik interessiert?

Katharina Beck: Meine allererste Hausarbeit im Studium war zu Kommunalpolitik in Lateinamerika und wie dort „nachhaltige Entwicklung“ lokal umgesetzt wird. Bei der Recherche fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Wir „Homo sapiens sapiens“, also die „Weisen“ unter den Menschen, handeln alles andere als klug, sondern eher ziemlich blöd: Wir vernichten unsere Lebensgrundlagen – unser Zuhause –, wir holzen unseren Regenwald – die Lungen der Welt – ab, zerstören die lebensnotwendige Diversität und mit dem Klimawandel unsere Aussicht auf eine gute Zukunft. Irgendwie bin ich da aus einer rosaroten Wolke aufgewacht und seitdem engagiert.

Wer war Ihr erstes politisches Vorbild?

Zunächst fand ich Joschka Fischer gut, weil er so anders war, mutig und inhaltlich selbstbewusst und mit seinen Turnschuhen irgendwie auch cool. Und Mutter Teresa, weil sie Nächstenliebe wirklich gelebt hat. Heute habe ich einige politische Vorbilder aus unterschiedlichen Gründen, vor allem weil sie für ihre Visionen einer besseren Welt positiv und aktiv einstehen oder eingestanden sind, zum Beispiel Jacinda Ardern, Nelson Mandela, Alexandria Ocasio-Cortez und Mahatma Gandhi.

Warum sind Sie den Grünen beigetreten?

Weil wir nur einen Planeten haben. Für mich war klar: Wenn ich einer Partei beitrete, dann den Grünen, denn unsere Lebensgrundlagen sind die Voraussetzungen für ein schönes Leben für alle.

Und warum sind Sie Berufspolitikerin geworden?

Berufspolitikerin werde ich erst nach der Wahl sein, sehr wahrscheinlich. Bisher habe ich 14 Jahre außerhalb der Politik meine hauptberuflichen Erfahrungen gesammelt. Immer wieder musste ich dabei erleben, dass positiver Wandel an schlechten politischen Rahmenbedingungen scheitert. Das will ich ändern und das geht nur in der Politik. Darum möchte ich nun meine Energie voll in die politische Gestaltung stecken.

Was wären Sie sonst wohl geworden?

Das was ich bisher mache: Unternehmensberaterin für Nachhaltigkeit. Oder erstes weibliches Mitglied bei Die Ärzte.

Zwischendurch mal über einen Parteiwechsel nachgedacht?

Nein, nie. Natürlich findet man immer irgendwas, das einen stört, aber mein politischer Heimathafen sind zu 100 Prozent die Grünen.

 

Bezahlbarer Wohnraum, wirtschaftliche Perspektiven und Energie, Gebäude und Mobilitätswende als zentrale Probleme in Hamburg

 

Welches sind Ihrer Ansicht nach die derzeit drei zentralen Probleme der Stadt?

Erstens: bezahlbaren Wohnraum schaffen. Zweitens: wirtschaftlich neben dem Hafen auch in weiteren Bereichen florieren. Drittens: wie wir die Energie-, Gebäude- und Mobilitätswende noch schneller hinbekommen können – für Klimaschutz und leider auch, um uns für die Klimafolgen zu rüsten.

Und welche Lösungen haben Sie konkret dafür?

Für bezahlbares Wohnen planen wir ein nationales Aktionsprogramm, unter anderem mit einer endlich wirksamen Nachschärfung der Mietpreisbremse, deutlich mehr Sozialwohnungen, Wohngemeinnützigkeit und genossenschaftlichem Wohnen. Außerdem brauchen wir bessere und andere Anlageoptionen zum Beispiel für die Altersvorsorge, damit Immobilien nicht Spekulationsobjekte sind – Wohnen ist ein Grundrecht. Wirtschaftlich möchte ich eine großartige Zukunft für die Hamburger Kultur-, Kreativ- und Veranstaltungswirtschaft mit bereiten und mich für bessere Arbeitsbedingungen für die vielen (Solo-)Selbstständigen und Kleinunternehmer*innen einsetzen. Für den Energie-, Gebäude- und Mobilitätsbereich haben wir Grünen das umfassendste Programm mit diversen Maßnahmen, die den Planeten schützen und wirtschaftlichen Aufschwung bedeuten. Ich möchte mich besonders für eine finanzielle und ideelle Aufwertung der dafür dringend notwendigen Handwerksberufe einsetzen, auch weil ich selbst einer Bäckerei-Handwerksfamilie entstamme und so die Situation der Handwerker kenne.

Wie beurteilen Sie die bisherige Hamburger Pandemie-Politik?

Die Corona-Krise war so schlimm für viele, dass positive Politik-Bewertungen einfach nicht passend sind. Vielmehr ging es um ein Abmildern des Allerschlimmsten. Das ist in Hamburg einigermaßen gut gelungen, und zum Beispiel in einigen Kulturbereichen haben manche Abfederungen vergleichsweise gut funktioniert. Zwei Punkte sind aktuell absolut wichtig: Wir müssen jetzt endlich wirklich die Kinder und die teils völlig überlasteten Familien in den Mittelpunkt der Politik stellen, gerade auch in den bundesweiten Leitplanken der Corona-Politik. Noch einen Lockdown mit Homeschooling stehen viele Familien einfach nicht mehr durch – das höre ich von allen Seiten. Der zweite Punkt ist, dass sehr viele Kleinunternehmer*innen aktuell Rückforderungen für Soforthilfe und Co. erhalten, die teils extrem verunsichernd sind. Hier muss die Politik, vor allem im Bund, Wort halten, dass sie unbürokratisch hilft und das dann auch so bleibt.

Sind Sie für oder gegen eine Impfpflicht?

Das ist eine echt schwierige Abwägung. Ich bin dafür, dass alle geimpft sind und finde aktive Gegnerschaft gegen das Impfen schlimm, weil sie mir eher unbegründet und vor allem unsolidarisch scheint. Gleichzeitig ist Selbstbestimmung als Grundprinzip unserer Gesellschaft extrem wichtig. Und deshalb bin ich aktuell gegen eine Impfpflicht. Wichtig für Politik und Gesellschaft ist es, dass wir die besseren Argumente für eine Impfung haben, um die Zweifelnden zu überzeugen.

Was wollen Sie gegen den Klimawandel tun?

Natürlich haben wir Grünen in unserem Programm dazu einen umfassenden Plan. Gerne hier in Kürze ein kleiner Überblick. Das Allerwichtigste ist, dass wir endlich ins Tun kommen, und die Regierung nicht weiter nur Ziele beschließt und dann aber nicht entsprechend handelt. Wenn wir diese Regierung anführen, werden wir sofort und nicht irgendwann mit Folgendem beginnen: den Kohleausstieg auf 2030 vorziehen, endlich die Hürden für den Ausbau Erneuerbarer Energien beenden und die günstigen Energieformen Solar und Wind durchstarten lassen, die 57 Milliarden umweltschädlichen Subventionen abbauen, neue Technologien wie Wasserstoff fördern, einen Pakt mit der Industrie schließen, Klimaneutralität wirtschaftlich lohnenswert auch für Kleinunternehmer*innen und ärmere Menschen machen, die Mobilitäts- und Gebäudewende vorantreiben, und die Landwirtschaft ökologischer machen.

Mit welchem Wahlergebnis wären Sie zufrieden?

Kanzlerin, stärkste Kraft in Hamburg und wenn ich das Direktmandat in Hamburg-Nord gewinne.

 

Kurze Fragen – kurze Antworten mit Katharina Beck

 

Elbe oder Alster?

Ich liebe beide von ganzem Herzen. Aber mein Wahlkreis ist an der Alster und ich liebe den Spaziergang um das Wasser zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ich genieße diese wunderbare Oase inmitten der pulsierenden Großstadt. Seit Neuestem natürlich sehr gern und oft mit meiner kleinen Tochter im Kinderwagen.

Fisch- oder Franzbrötchen?

Fischbrötchen, im Zweifel mag ich lieber salzig als süß. Ist bei Pommes vs. Schokolade auch so.

St. Pauli oder HSV?

St. Pauli!!! Ich bin ja im rauen Ruhrgebiet aufgewachsen, darum fühle ich mich am ehrlichen Millerntor wohl. Ich finde es aber immer gut, wenn man sich zu seinem Verein bekennt: Mein Herz schlägt für den FCSP, aber ich respektiere den HSV und drücke immer die Daumen, wenn sie nicht gegen Pauli spielen.

Molotow oder Elphi?

Ich liebe Punkrock, Rock und Indie, ich hatte früher diverse Muskelkater vom Headbangen auf Konzerten, in Clubs oder in unserer WG-Küche. Ich spiele aber auch klassische Geige, war in mehreren Orchestern, unter anderem in St. Jacobi, und träume von einem Konzert in der Laeiszhalle.

Haus oder Wohnung?

Wohnung.

Auto oder Fahrrad?

Ich bin bei den Grünen … Natürlich Fahrrad!

Fitnessstudio oder Sofa?

Fitnessstudio oder Yoga und danach Sauna und dann Sofa.

Fleisch oder vegetarisch oder vegan?

Vegetarisch mit der Ausnahme, dass ich im Bergurlaub alles esse.

Komödie oder Drama?

Komödie. Humor ist einer meiner Grundansätze durchs Leben zu gehen.

Gendern oder nicht gendern?

Ich selbst gendere gerne, aber nicht dogmatisch.


 

Zaklin Nastic, 41, Die Linke

 

Die Linke-Kandidatin Zaklin Nastic; Foto: Konstantin Eulenburg

Die Linke-Kandidatin Zaklin Nastic; Foto: Konstantin Eulenburg

 

SZENE HAMBURG: Wann haben Sie sich zum ersten Mal für Politik interessiert?

Zaklin Nastic: Meine ersten Demos habe ich in den 90er Jahren besucht. Als Schüler und Schülerinnen im Osdorfer Born sind wir gegen Kürzungen in den Schulen auf die Straße gegangen. Massiv erschüttert und vollends politisiert hat mich 1999 der Jugoslawien-Krieg: Unter zum Teil heute klar widerlegten Argumenten von der damaligen rot-grünen Regierung, ging von deutschem Boden erstmals nach dem Faschismus im „Dritten Reich“ wieder Krieg aus. Gerade vor dem Hintergrund unserer Geschichte war das für mich ein äußerst einschneidendes Erlebnis.

Wer war Ihr erstes politisches Vorbild?

Rosa Luxemburg und sie ist es auch bis heute. Die für mich beeindruckendste, mutigste Frau der Geschichte, die für ihre Überzeugungen gekämpft hat und letztlich für diese ermordet wurde. Eine gehbehinderte, jüdisch-polnische Frau in Zeiten der vorletzten Jahrhundertwende, deren Stimme bis heute nachhallt und ihre Widersacher so um Jahrhunderte überlebt hat.

Warum sind Sie Die Linke beigetreten?

Weil ich fest davon überzeugt bin, dass in einem der reichsten Länder der Welt Teilhabe und Menschenwürde für alle Menschen möglich sein müssen. Dass Chancengerechtigkeit für Kinder nicht von der Armut ihrer Eltern abhängen darf, dass niemand arm trotz Arbeit sein sollte und dass Altersarmut nicht Gott gegeben ist, sondern das Ergebnis von politischen Entscheidungen. Und dass Kriege und Rüstungsexporte beendet gehören. Manche Fragen liegen doch auf der Hand: Wie kann es sein, dass in einem so reichen Land so viele Menschen nicht partizipieren? Keine andere Partei steht so klar für Frieden und soziale Gerechtigkeit wie Die Linke.

Und warum sind Sie Berufspolitikerin geworden?

Ich bin ehrlich gesagt ziemlich überraschend in den Bundestag gewählt worden. Bei der letzten Bundestagswahl wurden wir zum ersten Mal mit zwei Linken-Abgeordneten in den Bundestag gewählt, ich war auf Platz zwei der Liste. Ich war jahrelang Bezirksabgeordnete in Eimsbüttel und bin 2017 überraschend von der Bezirksversammlung in die Hamburgische Bürgerschaft nachgerückt, da eine Kollegin ihr Mandat aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hatte. Und nur knapp zwei Monate später wurde ich in den Bundestag gewählt. Einen Karriereplan dafür hatte ich nicht. Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen der Wähler*innen und der Partei und versuche, dieses Vertrauen in meiner täglichen Arbeit zu rechtfertigen.

Was wären Sie sonst wohl geworden?

Ich habe nach meinem Abitur Slawistik studiert, irgendwas wäre schon aus mir geworden. Ich habe mich die Jahre vor meiner Wahl als Angehörigenpflegerin um meine schwerstbehinderte Tochter gekümmert.

Zwischendurch mal über einen Parteiwechsel nachgedacht?

Ein ganz klares Nein, mein Herz schlägt links.

 

Bezahlbares Wohnen, Armut und Verkehr als zentrale Probleme in Hamburg

 

Welches sind Ihrer Ansicht nach die derzeit drei zentralen Probleme der Stadt?

Bezahlbares Wohnen, Armut und Verkehr.

Und welche Lösungen haben Sie konkret dafür?

Der Wohnungsmarkt ist aus den Fugen gebracht worden, Einkommen und Miete stehen längst in keinem Verhältnis mehr. Dies gilt nicht nur für Hamburg, aber es ist eine der besonders betroffenen Städte. Das Menschenrecht auf Wohnen, auf ein Zuhause, ist eine Grundsäule der Daseinsvorsorge und darf nicht dem Profitstreben der Wohnkonzerne überlassen werden. Ein bundesweiter Mietendeckel muss her, auf städtischem Boden darf es nur noch zu 100 Prozent sozialen Wohnungsbau geben. Dann die Armut. Hamburg ist Hauptstadt der Reichen in Deutschland und gleichzeitig Hauptstadt der Altersarmut. Wenn Rentner und Rentnerinnen Flaschen sammeln müssen, um über die Runden zu kommen, läuft etwas gehörig schief! Wir brauchen eine Mindestrente, die vor Altersarmut schützt und einen Mindestlohn von mindestens 13 Euro, denn nur so können extreme Arbeit im Berufsleben, aber auch im Alter verhindert werden. Auch der Verkehr ist und bleibt ein riesiges Problem: Wer den Verkehr in der Stadt minimieren möchte sollte die Fahrpreise im ÖPNV – Hamburg hat bundesweit die höchsten – senken, statt ständig zu erhöhen. Damit würden wir übrigens auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Bürgerschaftsfraktion meiner Partei macht seit Jahren konkrete Vorschläge hierzu, der Wille für eine echte Verkehrswende ist für mich unter diesem Senat allerdings nicht erkennbar.

Wie beurteilen Sie die bisherige Hamburger Pandemie-Politik?

Grundsätzlich ist festzuhalten: die Regierenden – ob auf Bund- oder Länderebene – haben in den letzten eineinhalb Jahren eine Menge Vertrauen verspielt, weil sie leider selten angemessen reagiert und ihr Wort vielfach nicht gehalten haben. Da waren etwa die Verwirrungen um die Ostertage, als sowohl Bundesregierung als auch der Hamburger Senat in vorderster Reihe erst mehrere und dann einen „Ruhetag“ verkündeten, dann aber nicht umsetzen konnten, weil die rechtlichen Bedingungen nicht geprüft worden waren. Besonders verstört hat viele Hamburgerinnen und Hamburger auch die völlig unverhältnismäßige Verfolgungsjagd im Jenischpark: Hier hatte ein junger Mann nach Monaten der Isolation Freunde umarmt und wäre dafür fast von einem Polizeiauto überfahren worden. Mir ist völlig klar, dass die Pandemie-Situation ganz besonders zu Anfang des Jahres 2020 überfordernd war und ein Umgang damit erst erlernt werden musste. Aber leider habe ich nicht den Eindruck, dass die Bundesregierung oder der Senat besonders lernfähig sind. Und ganz besonders übel nehme ich ihnen, dass auf die Schwächsten und Verletzlichsten unserer Gesellschaft nicht ausreichend Acht gegeben wurde. Es ist doch längst erwiesen, dass Menschen, die ärmer sind und in ärmeren Stadtteilen leben ein sechsmal höheres Risiko haben, sich mit Corona zu infizieren. Das hat sowohl mit den beengten Wohnverhältnissen zu tun, in denen sie leben müssen, als auch mit den Arbeitsbedingungen in den Betrieben, denn die Betroffenen können oft eben nicht im Homeoffice arbeiten. Auch die Ausgangssperre hat diskriminierende Züge gehabt, weil die Polizei die Einhaltung dieser eben selten in Blankenese, aber regelmäßig in den Wohnquartieren prüfte.

Sind Sie für oder gegen eine Impfpflicht?

Ich bin gegen eine Impfpflicht, weil ich der festen Überzeugung bin, dass nur mehr Aufklärung und vor allem flexible Impfangebote dazu führen können, dass sich mehr Menschen für eine Impfung entscheiden. Man muss sich doch einmal etwa in Alleinerziehende oder pflegende Angehörige hineinversetzen, die Sorge haben, wegen eines Impf­termins oder anschließender Nebenwirkungen auszufallen. Und ich möchte die Regierenden eindringlich daran erinnern, dass sie ihr Wort, es werde keine Impfpflicht geben, mehrfach gegeben haben. Daran werden sie gemessen und auch hier geht es um Vertrauen, das nicht verspielt werden darf.

Dass jetzt versucht wird, eine Impfpflicht durch die Hintertür einzuführen, halte ich für äußerst gefährlich. Rufe nach einem Lockdown nur für Ungeimpfte sind wissenschaftlich höchst umstritten und bieten zudem großen gesellschaftspolitischen Zündstoff. Das gleiche gilt für pauschale Verbote für Ungeimpfte sowie für die Abschaffung kostenloser Testmöglichkeiten. Ganz besonders macht mir Sorgen, dass es wieder einmal ärmere Menschen besonders treffen würde. Denn Wohlhabende könnten sich jeden Tag „freitesten“.

Was wollen Sie gegen den Klimawandel tun?

Um das Klima zu retten, ist ein grundlegender Wandel unserer Gesellschaft notwendig, doch wir können uns nicht leisten, die Menschen auf diesem Weg zu verlieren, in dem wir die Akzeptanz für diese notwendigen Maßnahmen beispielsweise durch explodierende Energiekosten unterminieren. Wir haben ein sehr umfangreiches, konkretes Klimaschutzprogramm verabschiedet, im Kern wollen wir bis 2030 aus der Kohle raus, bis 2035 Klimaneutralität erreichen. Diese Transformation bietet die Chance, Wirtschaft unter der Beteiligung der Menschen neu zu denken.

Mit welchem Wahlergebnis wären Sie zufrieden?

Mit einem guten zweistelligen für Die Linke, denn es braucht eine starke soziale Stimme wie uns im Parlament.

 

Kurze Fragen – kurze Antworten mit Zaklin Nastic

 

Elbe oder Alster? Elbe. Fisch- oder Franzbrötchen?

Ich mag Fisch, bin nur dummerweise allergisch gegen die meisten. Ein fieses Dilemma.

St. Pauli oder HSV?

Beide Teams spielen letztlich für unsere Stadt und repräsentieren uns, ich freue mich auch über Punkte für den HSV. Aber im Zweifel: St. Pauli.

Molotow oder Elphi?

Molotow.

Haus oder Wohnung?

Beides ist in Hamburg schlicht zu teuer für die meisten Menschen. Für mich ist es am wichtigsten, schnell ins Grüne zu können und ruhig zu wohnen.

Auto oder Fahrrad?

Ich fahre am liebsten mit dem öffentlichen Nahverkehr. Trotzdem bin auch ich gelegentlich auf ein Auto angewiesen. Wir müssen sowohl die Infrastruktur für Fahrradfahrer verbessern, als auch den ÖPNV attraktiver gestalten, um mehr Menschen eine echte Alternative aufzuzeigen.

Fitnessstudio oder Sofa?

Fitnessstudio, ich mache gerne Sport.

Fleisch oder vegetarisch oder vegan?

Ich habe großen Respekt vor Menschen, die aus ethischen Gründen auf tierische Produkte verzichten. Ich esse Fleisch nur selten, schaffe es aber noch nicht, komplett drauf zu verzichten.

Komödie oder Drama?

Komödie. Ich lache lieber.

Gendern oder nicht gendern?

Ich versuche zu gendern, erhebe aber nicht den moralischen Zeige­finger, wenn es jemand nicht tut. Wichtiger ist mir, dass die Lohnungleichheit zu Ungunsten von Frauen von mindestens 18 Prozent endlich beseitigt wird und dass Posten in Wirtschaft und Politik endlich paritätisch vergeben werden


 

Aydan Özuğuz, 54, SPD

 

SPD-Kandidatin Aydan Özoguz; Foto: SPD/Özoguz

SPD-Kandidatin Aydan Özoguz; Foto: SPD/Özoguz

 

SZENE HAMBURG: Wann haben Sie sich zum ersten Mal für Politik interessiert?

Aydan Özoğuz: Es gab nicht den einen Zeitpunkt. Ich durfte früher in der Körber-Stiftung viele Politiker und Politikerinnen zusammenbringen, um heikle Themen zu debattieren. Irgendwann habe ich da gedacht: Ich möchte auch mitreden und mit gestalten. Als Kind von Einwanderern kam meine Perspektive damals in Politik und Gesellschaft kaum vor.

Wer war Ihr erstes politisches Vorbild?

Ich hatte nie ein richtiges Vorbild. Aber Johannes Rau hat mich sehr beeindruckt. Und Anke Fuchs war meine Heldin, nachdem sie damals dem Rechtspopulisten Ronald Schill bei seinen Hasstiraden im Bundestag das Mikrofon abgedreht hat.

Warum sind Sie der SPD beigetreten?

Weil sie die einzige richtige Partei für mich ist.

Warum sind Sie Berufspolitikerin geworden?

Das hat sich aus den Mandaten ergeben, für die ich gewählt wurde. Und ich wollte gern mitmischen und mehr Respekt und Fairness in den Debatten einfordern, besonders bei sozialen Fragen. Die Kategorisierungen in Einwanderer oder Ausländer/Migranten waren und sind ein völlig falscher Weg. Gegen solche Schubladen kämpfe ich immer an.

Was wären Sie sonst wohl geworden?

Ich war ja schon Projektleiterin bei der Körber-Stiftung. Irgendwann kommt immer etwas Neues. Wer weiß…

Zwischendurch mal über einen Parteiwechsel nachgedacht?

Nie! Auch wenn ich nicht immer mit allen Parteikollegen und -kolleginnen gleicher Meinung bin.

 

Wohnungsbau, Verkehr/Baustellen und Klimaneutralität im Einklang mit einer starken Wirtschaft als zentrale Probleme in Hamburg

 

Welches sind Ihrer Ansicht nach die derzeit drei zentralen Probleme der Stadt?

Wohnungsbau, Verkehr/Baustellen, Klimaneutralität im Einklang mit einer starken Wirtschaft.

Und welche Lösungen haben Sie konkret dafür?

Unser Bundesprogramm mit fünf Milliarden Euro für mehr Wohnungen und Sozialwohnungen umsetzen. Das erfolgreiche „Bündnis für das Wohnen“ zwischen Stadt und Wohnungswirtschaft muss fortgesetzt werden. Die Anbindung Hamburgs an den Fernverkehr muss von der Deutschen Bahn verbessert und der Hauptbahnhof modernisiert werden. Den Umstieg auf den ÖPNV immer attraktiver machen, zum Beispiel durch eine bessere Anbindung von Stadtteilen wie Rahlstedt durch eine S-Bahn. Die Finanzierung haben wir jetzt im Bund gesichert. Und auch den Sanierungsstau auf den Autobahnen müssen wir in der nächsten Legislatur endlich anpacken. Klimaschutz muss Chefsache werden. Nach dem Vorbild Hamburgs sollte der Bund einen Klimaplan mit konkreten Maßnahmen, CO2-Reduzierungsbeiträgen und Umsetzungsschritten vorlegen und zügig umsetzen.

Wie beurteilen Sie die bisherige Hamburger Pandemie-Politik?

Keine Hektik, kein Starker-Mann-Getöse – angenehm ruhig, mit Augenmaß. Diese Pandemie hat uns alle sehr herausgefordert, einigen schlimme Ängste bereitet. Durch eine gemeinsame Bund-Land-Unterstützung konnten wir viele Unternehmen und Arbeitsplätze retten, die Digitalisierung anschieben. Hamburg hat immer wieder neue Finanzierungsund Unterstützungsmöglichkeiten geschaffen und deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir gut durch die Pandemie kommen.

Sind Sie für oder gegen eine Impfpflicht?

Ich finde Impfpflichten grundsätzlich schwierig. In diesem Fall haben wir es nicht nur mit Gegnern sondern auch mit Angst und Verunsicherung zu tun. Das sollte erst einmal ausgeräumt werden.

Was wollen Sie gegen den Klimawandel tun?

Zusammengefasst: Die Umsetzung der Pariser Klimaziele und des deutschen Klimaschutzgesetzes, das wir verabschiedet haben, mit einigen Nachbesserungen, um dabei mehr sozialen Ausgleich zu berücksichtigen. Ein Vorbild könnte der Hamburger Klimaplan sein.

Mit welchem Wahlergebnis wären Sie zufrieden?

Wenn wir eine Regierung jenseits der Union gründen können.

 

Kurze Fragen – kurze Antworten mit Aydan Özuğuz

 

Elbe oder Alster?

Bramfelder See.

Fisch- oder Franzbrötchen?

Morgens Franz, abend Fisch.

St. Pauli oder HSV?

Hauptsache wieder 1. Liga.

Molotow oder Elphi?

Molotow ist schon lange her …

Haus oder Wohnung?

Hauptsache nette Nachbarn.

Auto oder Fahrrad?

Meistens U- und S-Bahn.

Fitnessstudio oder Sofa?

Wenn ich die Wahl habe: Sofa.

Fleisch oder vegetarisch oder vegan?

Auch Fleisch – aber nicht aus Massentierhaltung.

Komödie oder Drama?

Komödie.

Gendern oder nicht gendern?

Jede*r nach seinem Geschmack.


 

Jimmy Blum, 51, FDP

 

FDP-Kandidat Jimmy Blum; Foto: braunphotography.de

FDP-Kandidat Jimmy Blum; Foto: braunphotography.de

 

SZENE HAMBURG: Wann haben Sie sich zum ersten Mal für Politik interessiert?

Jimmy Blum: Als ich in der 5. Klasse zum Klassensprecher gewählt wurde!

Wer war Ihr erstes politisches Vorbild?

Nelson Mandela, die Apartheid und seine Verhaftung haben mich früh geprägt. Noch heute unterstütze ich ein Kinderheim in KwaZulu-Natal (Südafrika) und setze mich dort für Chancengleichheit ein.

Warum sind Sie der FDP beigetreten?

Beim Wahl-O-Maten schlackern mir zwar manchmal die Ohren, was da so rauskommt. Allerdings bietet mir nur die FDP das passende Zuhause. Freiheit und Liberalismus sind die Grundsteine unserer Demokratie.

 

Zwischendurch mal über einen Parteiwechsel nachgedacht?

In einer Partei ist es wie in einer Familie… nicht immer leicht. Und genau so bleibe ich der FDP treu. Also: Nein!

 

Verkehrsplanung, die fehlende Chancengleichheit für alle Kinder und Grundrechtseinschränkungen während der Pandemie als zentrale Probleme in Hamburg

 

Welches sind Ihrer Ansicht nach die derzeit drei zentralen Probleme der Stadt?

Die Verkehrsplanung, die fehlende Chancengleichheit für alle Kinder in Hamburg und die Grundrechtseinschränkungen während der Pandemie.

Und welche Lösungen haben Sie konkret dafür?

Zu 1.: Beim Verkehr wird in Hamburg zu sehr in „gut“ und „böse“ gedacht: Auto = böse, Fahrrad und ÖPNV = gut. Ich werde mich für ein ganzheitliches Konzept einsetzen. Ich selber fahre in der Stadt fast nur mit dem Fahrrad, und wenn ich mal mit dem Auto losmuss, kann ich einige Stadtteile in Hamburg-Mitte gar nicht mehr erreichen. Das kann so nicht bleiben. Wir müssen auch an ältere oder eingeschränkte Menschen denken.

Zu 2.: Wir erleben momentan, wie unterschiedlich die Inzidenzen in Hamburg-Mitte sind. Der Wert war in Billstedt zumeist höher, dort sind die Bildungsmöglichkeiten auch erheblich schlechter. Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, dass alle Kids die gleichen Startmöglichkeiten erhalten. Dafür werde ich mich einsetzen. Nur so ist unsere Gesellschaft langfristig sicher und stabil.

Zu 3.: Wir müssen zukünftig individueller auf die aktuelle Situation eingehen. Warum muss man in Finkenwerder um 21 Uhr zu Hause bleiben, wenn in Horn die Inzidenz hoch ist? Und die Einschränkung unserer Grundrechte darf nicht endlos fortgesetzt werden.

Wie beurteilen Sie die bisherige Hamburger Pandemie-Politik?

Ich achte seit Beginn der Pandemie penibel auf alle gängigen Regeln und musste für knapp sechs Monate mein Geschäft schließen. Das machte gar keinen Sinn, weil beispielsweise in Supermärkten auch keine Ausbrüche zu verzeichnen waren. Wir müssen, wie oben schon beschrieben, individueller auf jede Situation eingehen. Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben und können nicht jedes Mal das komplette Leben herunterfahren.

Sind Sie für oder gegen eine Impfpflicht?

Das sollte jeder für sich frei und selbstbestimmt entscheiden. Also bin ich gegen eine Impfpflicht.

Was wollen Sie gegen den Klimawandel tun?

Wir wollen den CO2-Emissionshandel ausweiten. Unternehmen, die CO2 einsparen, werden belohnt, wer viel emittiert, muss zahlen. Über die anfallenden Kosten werden alle Verursacher schnell Wege finden, nachhaltiger zu produzieren.

Mit welchem Wahlergebnis wären Sie zufrieden?

Ich will Rot-Rot-Grün verhindern! Nur mit einer starken FDP ist das möglich, darum bitte ich um beide Stimmen für mich und für die FDP. Damit es zu einem Wechsel in Berlin kommt, der Hamburg nach vorne bringt, möchte ich es als erster nach dem Krieg schaffen, das Direktmandat für die FDP zu bekommen, dafür bitte ich um Vertrauen.

 

Kurze Fragen – kurze Antworten mit Jimmy Blum

 

Elbe oder Alster?

Elbe.

Fisch- oder Franzbrötchen?

Fischbrötchen.

St. Pauli oder HSV?

Ich freue mich immer, wenn beide ihre Spiele gewinnen.

Molotow oder Elphi?

Das Logo in de Grindelallee.

Haus oder Wohnung?

Wohnung.

Auto oder Fahrrad?

In der Stadt nur Fahrrad.

Fitnessstudio oder Sofa?

Fitness.

Fleisch oder vegetarisch oder vegan?

Alles.

Komödie oder Drama?

Komödie.

Gendern oder nicht gendern?

Gendern.


 

Dr. Bernd Baumann, 63, AfD

 

AfD-Kandidat Dr. Bernd Baumann; Foto: AfD

AfD-Kandidat Dr. Bernd Baumann; Foto: AfD

 

SZENE HAMBURG: Wann haben Sie sich zum ersten Mal für Politik interessiert?

Dr. Bernd Baumann: Ich habe mich schon immer für Politik interessiert, und bin aber erst 2013 aktiv in die Politik eingestiegen.

Wer war Ihr erstes politisches Vorbild?

Ich halte viel von Gerechtigkeit und Verantwortung und ich bin Kaufmann. Friedrich der Große hat schon vor fast 300 Jahren gesagt: „Es ist gerecht, dass jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, dass er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muss.“

Warum sind Sie der AfD beigetreten?

Es ist die einzige Partei, die bürgerliche, freiheitliche und wertkonservative Positionen vertritt – und nicht Teil des linksgrünen Mainstreams ist. Auch die CDU unter Merkel hat sich dort in existenziellen Fragen eingereiht: Von unkontrollierte Massenmigration bis hin zu gigantischen Schuldenübernahmen für unsolide Staaten in der EU.

Und warum sind Sie Berufspolitiker geworden?

Ich bin ein ausgesprochener Anhänger der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Diese ist in Gefahr – nicht nur die Meinungsfreiheit. Auch bürgerlich-wertkonservative Einstellungen müssen eine Stimme in den Parlamenten haben.

Was wären Sie sonst wohl geworden?

Ich bin in der komfortablen Lage, nicht noch etwas werden zu müssen. Ich habe gedient, studiert, promoviert und war in unterschiedlichsten Positionen in der Wirtschaft tätig.

Zwischendurch mal über einen Parteiwechsel nachgedacht?

Nein, ein Parteiwechsel kommt für mich nicht infrage.

 

Sicherheit und Recht, Verkehr und Energie als zentrale Probleme in Hamburg

 

Welches sind Ihrer Ansicht nach die derzeit drei zentralen Probleme der Stadt?

1. Sicherheit und Recht, unkontrollierte Masseneinwanderung und importierte Kriminalität

2. Verkehr: Mobilität ist ein Freiheitsrecht, Dauerstau und Parkplatzvernichtung, einseitige Politik gegen Autofahrer

3. Energie: Umweltschutz statt Klimahysterie, Wohnkosten und Energiepreise auf künstlichen Rekordhöhen

Und welche Lösungen haben Sie konkret dafür?

Zu 1. Die Bürger müssen wieder in Sicherheit leben können, das heißt Opferschutz statt Täterschutz. Die Grenzen müssen gegen unkontrollierte Einreise in die Sozialsysteme geschützt werden, die Ausreisepflicht muss konsequent durchgesetzt werden.

Zu 2. Der grün-rote Senat reduziert Parkplätze und plant sogar ganze Stadtteile ohne Autos zugunsten von teuren Fahrradschnellwegen. Die krude Baustellenkoordination des grün-roten Senats hat vor Kurzem sogar den gesamten Zugang zum Hafen, der Herzkammer der Stadt, blockiert. Also nicht nur teure Fahrradwege ausbauen, sondern auch die anderen Verkehrsteilnehmer nicht vergessen, denn im Stau kommt auch der Bus nicht voran und der Rettungsdienst. Und ohne Strom fährt die S-Bahn auch nicht.

Zu 3. Die Weltbevölkerung wächst und die Stadt wächst auch. Der Energieverbrauch wird also steigen. Die Energieversorgung der Stadt mit grundlastfähiger und günstiger Stromerzeugung muss sichergestellt werden. Bei Dunkelheit und wenig Wind sind wir schon jetzt auf Strom-importe aus dem Ausland angewiesen. Der überzogene Ausbau volatiler Energieerzeugung ist ein Irrweg. Die Abschaltung des Kraftwerks Moorburg war ein Fehler.

Wie beurteilen Sie die bisherige Hamburger Pandemie-Politik?

Das lässt sich leicht zusammenfassen: Pleiten und Pannen. Die Corona-Politik des grün-roten Senats ist desaströs. Dänemark hebt am 1. Oktober alle Corona-Maßnahmen ohne Einschränkung auf und Bürgermeister Tschentscher (SPD) wünscht sich künftig einen kostenpflichtigen PCR-Test von jedem Bürger, der ein Restaurant betreten möchte, schaffte es aber lang genug nicht einmal, den Impfwilligen genügend Impfstoff zur Verfügung zu stellen. Diese unverhältnismäßigen Drangsalierungen müssen aufhören.

Sind Sie für oder gegen eine Impfpflicht?

Artikel 2 Absatz 2 Grundgesetz: Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. Impfen ist freiwillig. Jeder hat das Recht, für sich selbst zu entscheiden, ob er sich impfen lässt oder nicht. Ich lehne eine Impfpflicht ab, egal, ob diese direkt oder indirekt durch die Hintertür eingeführt werden soll.

Was wollen Sie gegen den Klimawandel tun?

Es ist ein Denkfehler, das globale Klima von deutschem Boden durch völlige Vermeidung nationaler CO2- Emissionen „retten“ zu wollen. Das Klima wandelt sich seit es die Erde gibt. Hamburg ist keine Insel, Deutschland ist es nicht und Europa auch nicht. Es hilft dem Weltklima nicht, wenn in Deutschland unsere heimische Industrie wettbewerbsunfähig wird durch zu hohe Kosten und Auflagen – weil die weltweite Konkurrenz das nicht auch muss und sich kaputtlacht. Das zerschlägt unsere Industrie – und an anderer Stelle stößt die ausländische Konkurrenz, die die gleiche Produktion hat, viel mehr CO2 ins Weltklima hinaus. Am Ende müssen alle Bürger die Rechnung bezahlen: die weltweit höchsten Strom- und Spritpreise, Arbeitslose, durch Windräder zerschnittene Landschaften, explodierende Bodenpreise, die immer mehr Bauern von ihren Äckern verdrängen. Wir als AfD treten dafür ein, dass wir unsere Natur und Landschaft schützen, aber eine wild gewordene Klimahysterie in Deutschland lehnen wir ab.

Mit welchem Wahlergebnis wären Sie zufrieden?

Wir streben ein zweistelliges Ergebnis für die AfD an.

 

Kurze Fragen – kurze Antworten mit Dr. Bernd Baumann

 

Elbe oder Alster?

Es ist schade, dass unsere schöne Stadt immer nur auf die Elbe und die Alster reduziert wird. Es gibt viele wunderschöne Orte entlang der Bille, der Este, der Dove Elbe, der Wandse, der Süderelbe, der Tarpenbek, der Engelbek, der Kollau, viele Fleete, die immer einen Ausflug wert sind.

Fisch- oder Franzbrötchen?

Da sage ich ganz ehrlich: Ich mag das Herzhafte, nichts geht über ein gutes Fischbrötchen!

St. Pauli oder HSV?

Auch hier: Schade, dass Sport in Hamburg sich auf Fußball, auf HSV und St. Pauli zu konzentrieren scheint. Selbstverständlich freue ich mich, dass Hamburg mit zwei Vereinen in der zweiten Bundesliga aufwarten kann, aber es gibt sehr viele nichtkommerzielle Vereine in jedem Stadtteil, die für eine sehr lange Zeit nicht spielen durften aufgrund der Corona-Maßnahmen. Diese Vereine verdienen Anerkennung.

Molotow oder Elphi?

Ganz klar: Elphi! Die Elbphilharmonie auf dem alten Kaispeicher spaltete vor zehn Jahren die Hamburger Gesellschaft. Das Gebäude ist schon imposant. Jedes Bauteil ist eine Sonderanfertigung. Wir wollen hoffen, dass die Corona-Maßnahmen wie in Dänemark alsbald komplett zurückgenommen werden und so viel Konzerte wie nur irgend möglich gegeben werden können, um möglichst viele Hamburger in den Genuss der Konzerte bringen zu können.

Haus oder Wohnung?

Das ist eine sehr individuelle Frage. Der eine wünscht sich ein Haus, wo die Kinder im Garten spielen können. Der andere liebt die abgeschlossene Wohnung ohne Schneeräumverpflichtung im Winter und Rasenmähenim Sommer. Wichtig ist, dass es Raum gibt für jeden Wunsch, was heute durch die grün-rote Verbotspolitik leider nicht mehr gegeben ist. Neue Bebauungspläne für Einfamilienhäuser sind in einem Hamburger Bezirk laut Koalitionsvertrag ausgeschlossen. Auch Eigentumswohnungen sind fast nicht mehr bezahlbar. Eigentum ist die beste Altersvorsorge und schützt vor Mieterhöhungen.

Auto oder Fahrrad? Beides! Sowohl als auch. Es darf keine Bevormundung geben. Es muss für jeden Verkehrsteilnehmer Raum zur Verfügung stehen.

Fitnessstudio oder Sofa?

Beides! Ich würde es auch nicht so einengen. Wichtig ist die frische Luft. Wir haben so schöne Orte in der Stadt, wo frische Luft getankt werden kann. Insofern würde ich die Fragestellung mit einer dritten Option erweitern wollen: Stadtpark, Elbstrand, Alsterwanderweg, der Weg um die Außenmühle oder Baden im Oortkatensee beispielsweise.

Fleisch oder vegetarisch oder vegan?

Auch das möge wirklich jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich ernähre mich gesund. Ich habe Spaß an einem frischen Salat an heißen Sommertagen, genieße aber auch ein Steak und – wie oben schon geschrieben – ein Fischbrötchen. Es muss abwechslungsreich sein. Ich genieße das vielfältige Angebot in den Restaurants und unterstütze die Gastwirte so oft es mir möglich ist, um den Verlust, den die Unternehmen durch den unverhältnismäßigen Corona-Lockdown erlitten haben, auszugleichen.

Komödie oder Drama?

Sowohl als auch! Der Mix macht’s. Je nach Inszenierung kann eine Komödie genauso inspirieren wie ein Drama. Das hängt auch von der persönlichen Stimmung ab.

Gendern oder nicht gendern?

Die deutsche Sprache ist ein zentrales Element der deutschen Identität. Bei der sogenannten „Genderwissenschaft“ handelt es sich um eine politische Ideologie. Es geht nicht um Erkenntnisgewinn, sondern um eine irrlichternde linksgrüne Ersatzreligion. Gleichberechtigung der Geschlechter ist eines der obersten Gebote. Aber der Genderunsinn ist mit der Lebenswirklichkeit der Menschen nicht in Einklang zu bringen. Die Gendersprache ist künstlich erschaffen und wird von den meisten abgelehnt – auch von mir.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2021. Das Magazin ist seit dem 28. August 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburger des Monats – Comicautorin Kathrin Klingner

Die Comicautorin Kathrin Klingner arbeitet in einem Hamburger Medienunternehmen, das Onlinekommentare überprüft. In „Über Spanien lacht die Sonne“ hat sie das Thema Hate Speech im Netz künstlerisch verarbeitet. Ein Gespräch über rechtsradikale Trolle, deren fort­ schreitende Enthemmung und darüber, warum Empörung keine Lösung ist

Interview: Ulrich Thiele

 

SZENE HAMBURG: Kathrin, welche Kommentare ärgern dich am meisten?

Kathrin Klingner: Wenn nicht-prominente Personen, die in Artikeln vorkommen, auf persönliche Weise attackiert werden. Es ist etwas anderes, wenn zum siebzigsten Mal Claudia Roth beleidigt wird, als wenn eine geflüchtete Frau, die eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin macht, in Kommentaren angegriffen wird. Das ist wie mit dieser Liste von Abiturienten, die neulich in einer Zeitung veröffentlicht wurde. Darunter waren auch arabisch klingende Namen und die rechten Kommentatoren haben sich sofort empört darauf gestürzt und das Niveau des Abiturs infrage gestellt.

Kommentare wie „Bevölkerungsaustausch“ und „Merkel-Diktatur“ stehen für Kitty, deine Protagonistin, auf der Tagesliste. Nimmst du so was noch wahr oder winkst du das nur gelangweilt ab?

Ich finde es lächerlich unoriginell. Es gibt immer Trends. Einer fängt mit etwas an und der Rest steigt mit ein. Eine Zeit lang wurde über Flüchtlinge hämisch als „Goldstücke“ geschrieben. Was am albernsten daran ist, ist wie wahnsinnig originell die Kommentarschreiber sich dabei vorkommen.

Ich denke mir jedes Mal: Leute, das könnt ihr doch nicht schon wieder bringen. Im Comic kommt dieses Phänomen auch vor. Etliche User schreiben: „Über Spanien lacht die Sonne, über Deutschland lacht die ganze Welt“ – und glauben tatsächlich, einen besonderen Beitrag geleistet zu haben.

Das ist wie mit diesen immer gleichen Zitaten, mit denen sie sich als Widerstandskämpfer gerieren: „Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt, desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“ Oder: „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus‘. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus.‘“

(lacht) Ja, darin liegt viel Komik, in diesem Kontrast zwischen dem Gefühl dieser Leute, total originell und pointiert zu sein, und der Tatsache, wie abgenutzt ihre Sprüche sind. Das wollte ich in dem Comic auch zeigen. Ich nehme in den Kommentaren oft auch eine Leidenschaft zum Bürgerkrieg wahr.

Diese Leute scheinen sich richtig auf einen Umsturz zu freuen, das bereitet ihnen einen wohligen Schauer. Das lese ich den ganzen Tag, dann gehe ich nach Hause und beobachte auf dem Heimweg, wie das Leben in Deutschland ist. Alles ist geordnet, wir leben in einem der reichsten Länder der Welt. Natürlich gibt es Armut, Kriminalität und viele Probleme. Aber wie sehr diese Bürgerkriegsfantasien im Kontrast zur Realität stehen, ist schon absurd.

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Arbeitsalltag im Medien­ unternehmen: Szenen aus „Über Spanien lacht die Sonne“

Warum hast du dich entschieden, das Thema Hate Speech im Netz mit dem Medium Comic, genauer: einem humorvollen Comic, zu behandeln?

Als Moderatoren werden wir in den Kommentarspalten permanent angefeindet, als „Zensor“, als „fetter, hässlicher Sesselfurzer“ und was weiß ich – ohne dass wir Rückmeldung geben können. Ich mochte den Gedanken, dass ein Troll meinen Comic liest und sieht, wie wir uns über die Kommentare lustig machen – auch wenn in der Realität vermutlich keiner von ihnen ihn liest.

Die Geschichte ist aber nicht zu hundert Prozent autobiografisch. Mit der Ästhetik gehe ich auch auf Distanz und sende ein Signal an den Leser, dass nicht alles, was hier passiert, eins zu eins der Wahrheit entspricht. Gleichzeitig war es auch so, dass ich dachte, wie absurd dieser Job ist. Ich hatte das Gefühl, das festhalten zu müssen, weil es für die Nachwelt interessant sein könnte. Ich glaube nicht, dass das immer so weiter geht, in zehn Jahren wird das nicht mehr so sein.

Wie kommst du darauf ?

Viele große Nachrichtenseiten überlegen schon heute, wie sie mit den enthemmten Kommentaren umgehen sollen, die „Süddeutsche Zeitung“ hat die Kommentarfunktion schon komplett abgeschafft. Und Facebook wird auch nicht ewig so weitermachen können.

Woher kommt diese Enthemmung?

Ein Grundproblem mit Kommentaren ist, dass die Empörung, die sie auslösen, die Leute dazu bringt, immer krassere Sachen zu schreiben. Ich weiß nicht, ob alle von ihnen wirklich meinen, was sie schreiben. So wie jemand, der auf Instagram Duckface-Fotos von sich postet und süchtig nach den Herzchen ist, sind sie süchtig nach der Empörung, die sie auslösen.

 

„Empörung ist eine Internetwährung“

Kathrin Klingner

 

Ist Humor deine Methode, um auf Distanz zur Empörung zu gehen?

Vielleicht. Es bringt halt nichts zu sagen: „Ich verurteile Hass im Internet.“ Das hält niemanden davon ab. Mich darüber lustig zu machen natürlich auch nicht, aber es ist eine Möglichkeit, Abstand zu nehmen. Ich weiß auch nicht, wie der richtige Umgang aussieht. Ich glaube nur, dass es der falsche Weg ist, wie in den vergangenen Jahren medial die AfD und ihre Wähler kommentiert wurden. Wie auf jede Äußerung reagiert wurde, darin lag kein Erkenntnisgewinn. Niemand liest einen solchen Artikel über die AfD und denkt: „Achso, die haben also etwas gegen Ausländer. Jetzt versteh ich’s endlich.“ Und das hält auch niemanden davon ab, die AfD zu wählen.

Eine von Kittys Kolleginnen im Comic sagt über das Internet, dass es einerseits Demokratisierung und Teilhabe bedeutet, aber gleichzeitig auch gefährlich ist in seiner Grenzenlosigkeit: „Aber man muss doch darüber reden, was die gesellschaftlichen Folgen von so einer Entwicklung sind.“ Wie sollte man damit umgehen?

Ich habe dazu keine Message, ich finde einfach viele Sachen, die ich beobachte, absurd, und hatte das Gefühl, die müssten mal dringend niedergezeichnet werden, bevor sie in Vergessenheit geraten. Dieser Vergleich mit der Atombombe, der im Comic gezogen wird, spiegelt nicht zu 100 Prozent meine Meinung wider, aber ich stimme zu, dass es so nicht weitergehen kann.

Empörung ist nun einmal eine Internetwährung. Vermutlich müsste jeder aufhören, sich darüber aufzuregen und das einfach wegignorieren. Aber das geht wahrscheinlich nicht.

Du legst auch einen Schwerpunkt auf die Arbeitswelt. Warum?

In den Kommentaren geht es oft um Arbeit. Darum, dass sie, die Trolle, arbeiten und Steuern zahlen und dass die Flüchtlinge angeblich gar nicht arbeiten wollen. Ich fand es interessant zu schauen, was Arbeit ist und was sie mit einem macht. Und ich wollte meine Beobachtungen der Arbeitswelt dokumentieren.

Die Mitarbeiter des Unternehmens haben alle ihre dunklen Seiten. Warum hast du ihre Ambivalenz hervorgehoben?

Wenn ich mir Figuren ausdenke, lerne ich sie immer besser kennen, und sie entwickeln sich selber immer weiter. Ich mag es, wenn sie sich wie echte Personen anfühlen, und dann müssen sie ja auch negative Eigenschaften haben. Ich wollte auch, dass es nicht um durch und durch gute Charaktere geht, die sich heroisch dem rechten Mob im Internet entgegenstellen, das wäre plakativ. Das sind Leute, die einfach zur Arbeit gehen und sich auf den Feierabend freuen.

Wie ernst nimmst du den Rechtsruck?

Sehr ernst. Der Grund, warum ich vor zehn Jahren aus den Niederlanden weggezogen bin, war, dass damals die PVV um Geert Wilders so viele Stimmen bekommen und die Minderheitsregierung von Mark Rutte gestützt hat. Ich habe acht Jahre in Amsterdam gelebt und dachte erst, dass das wieder vorbeigeht. Aber das Klima hat sich schleichend verändert und wurde sehr unangenehm.

UeberSpanienLachtDieSonne_CoverHast du ein Beispiel?

Wenn ich Holländisch geredet habe, wurde ich als „scheiß Ausländerin“ beschimpft. Anscheinend war es plötzlich okay, jemanden so anzugehen. Ich hatte das Gefühl, dass das vorher nicht so war. Das Limit, welche Dinge zu sagen okay ist, hat sich verschoben. Bei uns in Deutschland könne so was ja nicht passieren – dachte ich.

Kathrin Klingner: „Über Spanien lacht die Sonne“, Reprodukt, 128 Seiten, 20 Euro (ersch. am 10.3.)


Szene-Cover-März-2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Februar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Hamburger Trendbüro – So verändert sich der Arbeitsmarkt

Mit seinem Hamburger „Trendbüro“ betreibt Peter Wippermann ein „Beratungsunternehmen für gesellschaftlichen Wandel“. Ein Gespräch über die Umbrüche auf dem Arbeitsmarkt, die daraus folgenden Spannungen und über die Spaltung der Gesellschaft.

Interview: Ulrich Thiele
Beitragsbild: Salvatore Vastano via Flickr, CC BY-ND 2.0

Im Jahr 1992 gründete Peter Wippermann das „Trendbüro“.

SZENE HAMBURG: Herr Wippermann, das Jahr 2019 hat gerade angefangen. Welche Entwicklungen haben Sie, sagen wir, vor 15 Jahren für heute vorausgesagt?

Das kann ich Ihnen relativ genau sagen. Damals war das Thema Globalisierung zentral, vor allem der Export deutscher Arbeitsplätze nach Asien.

Mit welchen Auswirkungen auf die Gesellschaft?

Steigende Arbeitslosigkeit und eine Veränderung der Arbeitsplätze im Land. Es hat sich insofern nicht viel verändert, als die qualifizierten Arbeitsplätze nach wie vor im Land bleiben, aber ein großes Thema war damals die Internationalisierung der Führungskräfte.

Wie sieht es heute, 15 Jahre später, aus?

Ich würde das ins Verhältnis zu damals setzen. Was sich verändert hat, ist, dass die Großunternehmen genauso unsichere Arbeitgeber geworden sind wie all die Start-ups, die wir heute haben. Die Konzentration auf die eigenen Fähigkeiten hat enorm zugenommen. Erstaunlicherweise hat sich der mittelständische Arbeitgeber kaum verändert.

Es hat also eine zunehmende Individualisierung stattgefunden?

Sie müssen sich das so vorstellen: Seit der Industrialisierung war es so, dass man seine Arbeitskraft perspektivisch sein Leben lang an eine Firma verkauft hat. Das nannte man Karriere und bedeutete: Je länger man dabeibleibt und je mehr Know-how man erwirbt, desto mehr Geld, Privilegien und Aufgaben kriegt man zugeteilt. Wenn man angefangen hat, gehörte man noch zu der Gruppe, die erst einmal etwas lernen muss. Es handelte sich also um ein relativ sicheres, hierarchisches System.

Und heute?

Was wir heute haben, ist ein sehr flexibles System, das sich permanent neu erfindet. „Agilität“, also Anpassungsfähigkeit, ist im Moment das Lieblingswort im Management. Das Überraschende ist, dass die jungen Menschen, die heute auf den Arbeitsmarkt kommen, schon Qualifikationen haben und digitale Infrastrukturen zu nutzen wissen. Die Älteren haben diese Qualifikationen mühsam erlernt oder müssen sie noch erlernen. Es gibt also einen Switch im Know-how zwischen Jung und Alt.

 

„Die alte, sichere Arbeitswelt verliert an Wert“

 

Welche Nachteile ergeben sich daraus?

Dass die lebenslange Planung zum künstlerischen Projekt geworden ist. Früher konnte man relativ genau absehen, in welchem Altersstadium man was genau erreicht haben muss und wo man hingehen muss, um mit seiner Grundausbildung und ein paar Updates genug Geld zu verdienen. Heute muss man damit rechnen, dass man sich mehrfach völlig andere Qualifikationen zulegen muss, um auf dem Arbeitsmarkt attraktiv zu sein.

Inwiefern haben diese Umbrüche mit der Polarisierung in unserer Gesellschaft zu tun, die wir heute erleben?

Die Polarisierung ist sozusagen eine Folge. Diejenigen, die sich gerne in der alten, sicheren Arbeitswelt aufhalten würden und nicht bereit sind, sich zu verändern, verlieren als Arbeitnehmer an Wert und werden ausgesondert. Auf der anderen Seite sind neue Arbeitsplätze entstanden, die vor allem von Jüngeren verstanden und ausgefüllt werden. Die Youtube-Bloggerin Bibi verdient über 100.000 Euro im Monat an Werbegeldern. Eine solche Ebene hätte man früher nicht der Jugend, sondern den Arbeitnehmern im letzten Drittel ihres Berufslebens zugerechnet.

Hat dieses flexible Modell auch Vorteile?

Klar, wenn Sie Spaß daran haben, Chancen zu suchen und auszubauen, dann haben sie eine traumhafte Zeit – weil sich viel verändert und immer wieder neue Möglichkeiten entstehen.

Sie sind Trendforscher, kein Hellseher. Haben Sie die Ereignisse der letzten Jahre überrascht? Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Trump, AfD …

Ja, besonders die Finanzkrise habe ich nicht kommen sehen. Ich will mich mit meiner persönlichen Meinung zurückhalten. Aber so viel: Sehen Sie sich die Finanzkrise an, die ihren Ursprung in den USA hatte, aber Auswirkungen auf den weltweiten Arbeitsmarkt hatte – diese Entwicklung macht deutlich, dass wir unterschiedliche Einflusssphären in der Wirtschaft haben, die unmittelbar durchschlagen auf jeden Arbeitsplatz. Die Jüngeren haben gelernt, mit diesen veränderten Umweltbedingungen gut zu leben und sich mehr auf sich selbst zu konzentrieren – während die Älteren das verdrängen und eher Angstgefühle haben.

 

„In den 90ern sind wir auf die amerikanische Idee gekommen“

 

Sie machen also vor allem eine Jugend-Alter-Unterscheidung?

Nein, eigentlich mache ich eine Analog-Digital-Unterscheidung. Sehen Sie: Vor zwölf Jahren kam das iPhone auf den Markt. Damit ist ein anderes Businessmodell möglich geworden, nämlich global gesehen individuell mit Kunden zu handeln. Denken Sie an die Musikindustrie oder auch an Unternehmen wie Amazon. Dieses sich verändernde Businessmodell ist etwas, dass man als Umwelt aufnimmt, wenn man jünger ist, und deswegen wunderbar damit umgehen kann. Für Ältere bedeutet es das Entlernen alter Strukturen, um die neuen zu erlernen und zu meistern. Insofern gibt es eine unterschiedliche Standpunktlogik zwischen Jung und Alt.

Sie betonen, dass Sie Entwicklungen beschreiben und nicht bewerten wollen. Die von Ihnen beschriebene Flexibilisierung und Individualisierung wird scharf als neoliberal kritisiert, weil damit auch ein Sozialabbau einhergeht. Inwiefern ist dieser Vorwurf berechtigt, oder wäre Ihnen das zu viel Wertung?

Wie Sie bereits sagten: Ich versuche, Veränderungen zu beschreiben und nicht zu propagieren. Aber ich kann sagen: Ich finde diese Entwicklung interessant, weil wir in einer Gesellschaft leben, die ursprünglich mal nach dem Faschismus auf Ausgleich ausgerichtet war. Die Wiederaufbau-Phase und das Wirtschaftswachstum waren über viele Jahrzehnte davon geprägt, den großen Bauch der Gesellschaft, den Mittelstand, zu stärken. In den 90ern sind wir allmählich auf die amerikanische Idee gekommen: Wer nicht arbeitet, sollte auch nichts zu essen kriegen. Gott sei Dank sind wir von den amerikanischen Verhältnissen noch weit entfernt, trotzdem ist Eigenverantwortlichkeit heute für die Politik viel wichtiger geworden als sozialer Ausgleich.

Blicken wir in die Zukunft: Was werden die größten Umwälzungen der nächsten 15 Jahre sein?

Die größten Umbrüche sind relativ deutlich zu erkennen. Der erste kommerziell nutzbare Quantencomputer ist gerade auf der Computer-Elektronik- Show in Las Vegas vorgestellt worden – noch mit recht geringen Rechnerfähigkeiten. Die Beschleunigung und die Möglichkeiten der Kalkulation werden weiter zunehmen, immer mehr Prozesse werden in die virtuelle Welt verlagert. Denken Sie allein an die Auswirkungen, die das autonome Fahren auf die Automobilindustrie haben wird. Diejenigen, die in der virtuellen Welt aktiv sind, werden gewinnen. Gleichzeitig entsteht als Gegentrend eine neue Industrie. Ich verwende dafür den Arbeitsbegriff „Zuwendungsindustrie“.

Diese Industrie ist eng verknüpft mit den Entwicklungen unserer Gesellschaft, die sich immer stärker virtuell organisiert und gleichzeitig individualisiert. Die Familien nehmen ab, die Singlehaushalte zu. Menschen aber sind soziale Wesen und brauchen Zuwendung. Das schafft neue Arbeitsplätze in der Gesundheitspflege: über Therapien, Altenpflege bis hin zu Nagelstudios. Wir haben jetzt in Deutschland 60.000 Nagelstudios. Vor zehn Jahren hätte wohl niemand gedacht, dass man damit mal so gut seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Es wird also ein Spannungsfeld zwischen Analog und Digital geben.

Was noch?

Wir haben enorme Veränderungen zwischen Jung und Alt. Wir haben mehr Alte als Junge. 1960 hatten wir in Deutschland 14 Prozent Über-60-Jährige, heute sind es 23 Prozent. Und wir hatten damals 31 Prozent Unter-20-Jährige, heute sind es 16 Prozent. Das Verhältnis zwischen Jung und Alt hat sich umgedreht.

 

„Neue Berufe entstehen, die früher als skurril gegolten hätten“

 

Die Prognosen angesichts dieser Veränderungen sind meist beängstigend – auch in Bezug auf die Digitalisierung und ihre Auswirkung auf die Arbeitsplätze …?

Nein, das sind sie im Moment nicht. Die erste Studie der University of Oxford besagte, dass ein Großteil der Arbeitsplätze entfallen würde. Mittlerweile sagen viele kompetente Leute das Gegenteil, nämlich dass viele neue Arbeitsplätze entstehen werden. Die Mehrheit der Experten rechnet damit, dass viele Arbeitsplätze wegfallen und in der gleichen Größe neue entstehen.

Womit rechnen Sie?

Ich vermute, dass tatsächlich erst einmal mehr Arbeitsplätze verschwinden werden als neue entstehen. Aber am Beispiel der Influencer kann man sehen, wie neue Berufe entstehen können, die früher noch als skurril gegolten hätten.

Wie soll man die Übergangsphase bewältigen?

Eigentlich muss man das gesellschaftlich bewältigen – und genau das tun wir in Deutschland nicht.

Können Sie das konkretisieren?

Eine öffentliche Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen findet praktisch nicht statt. Auf den Konferenzen, die ich besuche, sagen sowohl technologisch versierte Leute, als auch Leute aus der Finanzszene, dass es absolut notwendig ist, eine Auffangsituation zu haben für all die Leute, die aus dieser Arbeitswelt herausfallen – einfach um die Gesellschaft ruhig zu halten. Die bisherigen Versuche mit einem bedingungslosen Grundeinkommen – zum Beispiel in Skandinavien – wurden positiv aufgenommen. Warum testet man ein solches Modell nicht auch mal in Deutschland?

 

„Bei Flut sollte man sich ein Boot anschaffen, anstatt Sandburgen zu bauen“

 

Welche Chancen gibt es für die Lebensqualität der Menschen?

Die Debatte über die Frage, wie wir eigentlich leben wollen, findet interessanterweise auch nicht statt. Man trifft meist nur auf Empörung, nach dem Motto: Um Gottes Willen, die Welt verändert sich, lasst uns am liebsten nach hinten gucken, Retrotrends nutzen und den Stillstand feiern. Die Politik unter Frau Merkel ist ein gutes Beispiel dafür: Solange wir uns nicht verändern müssen, ist die Welt in Ordnung. Oder sehen Sie sich die Re-Nationalisierung an, die wir in Deutschland mit der AfD erleben, in den USA mit Trump, in Ungarn mit Orbán oder in Brasilien mit Bolsonaro.

Wohin man auch schaut, kann man die gleichen Reaktionen beobachten: Es gibt Teile der Bevölkerung, die sich nicht ändern möchten, die Angst haben und versuchen, eine Festung zu bauen. Aber der Wandel wird kommen, ob man will oder nicht. Das ist wie Ebbe und Flut: Momentan haben wir Flut. Man sollte versuchen, sich ein Boot anzuschaffen, anstatt Sandburgen zu bauen.

Sie wirken ziemlich genervt von den Reaktionen auf Entwicklungen, die nicht aufzuhalten sind …

Ja! Es gibt einfach so viele Chancen, die nicht genutzt werden. Gerade in Deutschland herrscht eine Lust an der Empörung, die notwendige Debatten verhindert.


 Diese Topliste stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Falk Richters Königsweg

Das neue Jelinek-Stück am Schauspielhaus ist ein starker Stoff über autokratische Herrscher in unserer Zeit und das Debüt des frisch gebackenen Hausregisseurs Falk Richter. Im Interview spricht er über Rechtsextremismus, den kulturellen Wandel und persönliche Bedrohungen aus dem rechten Lager.

SZENE HAMBURG: Sie sind in Hamburg geboren und haben vor 18 Jahren im Schauspielhaus erste Erfahrungen als Regisseur gemacht. Ist es für Sie eine besondere Herausforderung in Hamburg zu inszenieren?
Falk Richter: Es ist besonders schön, wieder in Hamburg zu sein. Ich habe hier meine ersten Theatererfahrungen gemacht, mit 14, 15 Jahren, als Peter Zadek Intendant war. Und Ilse Ritter am Schauspielhaus gespielt hat. Sie spielt jetzt auch in meiner Inszenierung „Am Königsweg“. Damals habe ich meine Liebe fürs Theater entdeckt. Das ist auch eine persönliche Geschichte für mich. Ich freue mich total, hier inszenieren zu dürfen. Herausforderung ist es immer, weil es eines der größten Theater in Deutschland ist. Mit meinem Interesse an aktuellen, gesellschaftspolitisch relevanten Stoffen fühle ich mich hier am Haus gut aufgehoben. Das Stück von Elfriede Jelinek ist ein Auftragswerk. Die Intendantin Karin Beier hat Jelinek sofort nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten angerufen.

Das Stück „Am Königsweg“ ist eine Parodie auf Trump, worum geht es?
Es geht um die Verzweiflung darüber, dass jetzt wirklich Rechtsextreme an die Regierung gekommen sind in den USA, und dass die autokratischen Herrscher zunehmen in der Welt. Dieser Schock ist unglaublich spürbar. Jelinek erlebt das als echte Kulturrevolution, als Bruch auch. Und es ist eine Selbstanklage an sich und die Intellektuellen, die es trotz jahrelanger Warnungen nicht geschafft haben, diesen Prozess zu stoppen.

Sehen Sie auch so einen kulturellen Wandel?
Ja, das sehe ich ähnlich. Wir werden in den nächsten Jahren einen krassen gesamtgesellschaftlichen Wandel auf allen Ebenen erleben. Der Klimawandel wird zunehmen, das ist wahrscheinlich die schlimmste Bedrohung. Aufgrund von Klimakatastrophen, Kriegen und Hunger werden immer mehr Menschen weltweit ihre Heimat verlassen und sich auf die Flucht begeben müssen, auch nach Europa. Die westlichen Demokratien sind stark gefährdet, wir erleben auch in Deutschland einen enormen Rechtsruck, eine Radikalisierung der Gesellschaft und eine zunehmende Gewaltbereitschaft.

Vor zwei Jahren haben Sie in der Berliner Schaubühne „Fear“ aufgeführt, ein Stück über die Ängste von Rechtspopulisten. Dafür wurden Sie angezeigt und haben auch Morddrohungen erhalten. Wie hat sich das auf Ihre Arbeit ausgewirkt?
Ich versuche, mich nicht davon beeindrucken zu lassen. Die drei Klägerinnen Beatrix von Storch, Hedwig von Beverfoerde und Gabriele Kuby stehen alle den Positionen der AfD sehr, sehr nahe. Das sind schwerst reaktionäre, radikal christliche Aktivistinnen, die aus dem gleichen ideologischen Lager wie Trump, Putin, Orban, Le Pen stammen. Ich habe alle drei Gerichtsverfahren gewonnen. Das war nervig, zeitaufwendig und ärgerlich. Jedes Verfahren war verbunden mit einer großen Internet- Aktion gegen mich. Die Neurechten sind ja sehr umtriebig in den sozialen Medien. Sie nutzen das Internet viel aggressiver als die etablierten Parteien. Es sind alte faschistische Positionen, die jetzt mit den sozialen Medien im neuen Gewand zu den Menschen getragen werden. Es hat mich nicht davon abgehalten, weiter politische Texte zu schreiben oder Stücke zu inszenieren, in denen ich neurechte Strategien beschreibe und ihre antidemokratischen und rassistischen Positionen offenlege. Ich habe noch mehr über die Arbeits- und Wirkungsweise der neuen Rechten gelernt. Auch über ihre Verleumdungskampagnen, wie sie im Internet versuchen, Hass zu schüren. Ich kriege viele Mails von Leuten, die noch nie ein Stück von mir gesehen haben und nur auf bestimmte Trigger-Wörter reagieren, die im Internet über mich verbreitet werden.

Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zieht in ihrem Stück einen Bogen von Ödipus zu Donald Trump.
Das Stück zeigt Trump als Teil einer riesigen Muppet Show. Dahinter verbergen sich aber viel größere Kräfte: Kolonialisierung und Imperialismus, die weiße Vorherrschaft, die letztlich die Welt ausbeutet. Ödipus tritt an, das Land von der Pest zu befreien. Irgendwann wird klar, dass er die Ursache dafür ist. Ähnlich ist es mit Donald Trump, der nur vorgibt, er würde die Gesellschaft heilen und Menschen Arbeit geben. Aber es ist genau dieser Geschäftsmann Trump, der ausbeutet und das Land spaltet. Er ist genau das Gegenteil von dem, was er verspricht. So ein Mensch regiert jetzt die Welt!

Interview: Angela Kalenbach

Am Königsweg, 28.10.2017 (Premiere), SchauSpielHaus

 


Dieser Text ist ein Auszug aus der SZENE HAMBURG, November 2017. Das Magazin ist zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!

 

15 Jahre gehasst: Ein Neonazi steigt aus

Ausländer waren für ihn Abschaum. 15 Jahre lang hat Oliver Riek gehasst. „Die Burschenschaft hat mich indoktriniert“, sagt er. Für den ehemals überzeugten Nationalisten zählte nur Deutschland. Jetzt ist der 36-Jährige aus der rechten Szene ausgestiegen

Text: Ilona Lütje
Beitragsbild: Philipp Jung

 

Oliver Riek wartet schon. „Lebenslänglich“, steht auf seinem Shirt. Das Wort Hamburg unten fällt erst auf den zweiten Blick auf. Ein waschechter Hamburger. „Hey, schön dass du da bist“, sagt er mit kräftiger Stimme und strahlt. Sein Händedruck ist fest, sein Blick offen und einnehmend. Das war nicht immer so. „Früher hätte ich wahrscheinlich nicht mit dir geredet“, wird er später sagen. „Du bist recht dunkel, ich hätte meine Zweifel gehabt, ob du deutsch bist. Mit Menschen wie dir wollte ich damals nichts zu tun haben.“

 

Geistige Brandstifter

 

Damals. Als Oliver Riek Nazi war. Einer von der ganz üblen Sorte. „Man muss keine Glatze haben und Springerstiefel tragen“, sagt er. „Leute wie ich sind viel gefährlicher – geistige Brandstifter, die alles tun, um der Demokratie zu schaden.“

Oliver Riek kippt einen Schluck Milch in seinen „ganz normalen Filterkaffee“, albert mit der libanesischen Bedienung, spricht selbstbewusst und schämt sich seiner Worte im vollbesetzten Eppendorfer Café nicht. „Warum auch? Ich möchte andere Menschen schließlich vor der Ideologie der neuen Rechten warnen und zeigen, wie man aus dem Sog des Rechtsradikalismus herauskommen kann. Ich stehe zu meiner Vergangenheit.“

Die Vergangenheit. Ihren Anfang nimmt sie in Finkenwerder. Dort wächst Oliver in einem behüteten Zuhause auf – mit einer älteren Schwester und einer Mutter, die SPD wählt. „Ich komme aus einem eher linken Haus. Mein Onkel war sogar Mitglied in der PDS“, sagt der heute 36-Jährige.

Als ihm vor 20 Jahren das Fotoalbum seines Opas in die Hände fällt, ist er fasziniert. Ein strammer Nationalsozialist, der seine Zeit bei der Wehrmacht mit der Kamera begleitete. Die Geschichte interessiert den Jugendlichen, er verschlingt alles, was er über die deutsche Vergangenheit findet. Und knüpft während der Bäckerlehre erste Kontakte zur rechten Szene.

Die Burschenschaft. An sie gelangt Oliver Riek über Umwege. Ein Mitglied der umstrittenen „Pennalen Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg“ merkt schnell, dass er mit seinen rechten Parolen bei dem Jugendlichen auf fruchtbaren Boden stößt. „In die Burschenschaft kommst du nur über einen Leumund“, erzählt Oliver, der an seinem ersten Abend sofort begeistert ist. „Ein großes Männerbündel. Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Rechtsanwälte, Ärzte. Alle waren sehr nett, wir haben wahnsinnig viel Bier getrunken, alle haben sich für mich interessiert. Und dann ging es ganz schnell und ich wurde Fux.“

 

„Du musst tun, was man dir sagt“

 

Die Fuxenzeit. „Du musst tun, was man dir sagt: Trinken bis zum Umfallen oder bei Verfehlungen ein Glas Salzwasser runterkippen“, sagt Oliver und erzählt von strengen Hierarchien und permanenter Anwesenheitspflicht.

Die Hitlertouren findet er „spannend“. Im Vollwichs mit Band und Mütze geht’s nach Obersalzberg, in den Löwenbräukeller, zum Grab des Groß-Admirals Karl Dönitz, zu befreundeten Burschenschaften. Auch zu ehemaligen SS-Männern. „Das waren Popstars für uns“, sagt Oliver, der sich von ihnen Autogramme geben lässt. Er ist fasziniert. „Ich hatte das Gefühl, dass wir einen besonderen Platz in der Welt haben. Mit unserem deutschen Fleiß, unserer Identität. Während andere Länder permanent pleite sind, geht es bei uns immer weiter hoch. Ich fühlte mich plötzlich einem sehr starken Volk zugehörig.“ Der nächste Schritt: „Wir müssen patriotischer sein. Wir müssen nationalistischer sein. Wir müssen stolz auf unsere Nation sein.“

Ausländer? Alles böse Menschen. Oliver ist wütend. Immer. Die Wut wird zum Lebensinhalt. „Wenn ich etwas in der Zeitung gelesen hab und die Namen sah, dachte ich sofort: ,Das ist nun eindeutig kein Bio-Deutscher.‘ Das war für mich immer ein Beweis, dass die hier falsch sind. Integrieren sich nicht und machen nur Mist.“

 

Deutsch sein

 

Zwei Jahre dauert Olivers Fuxenzeit. Zwei Jahre, die er heute mit einer Sektenzeit vergleicht. „Du wirst dort extrem indoktriniert“, warnt der 36-Jährige. Das Gefährliche sei, dass auf den ersten Blick nicht wirklich erkennbar sei, welche Burschenschaften rechtsradikal sind. „Nach außen geben sich alle immer als völkisch, aber auch demokratisch aus: ,Wir sind stolz, Deutsche zu sein, aber wir diskriminieren nicht.‘ Aber das ist natürlich alles Quatsch. Gerade die Chattia ist eine rechtsradikale ultra-antisemitische Vereinigung“, betont Oliver Riek.

Das sieht auch der Verfassungsschutz so, der die Chattia als rechtsextrem einstuft. „In den bisherigen Äußerungen der Chattia ist ihre Affinität zu völkisch-rassistischem Gedankengut deutlich erkennbar“, sagt Annika Frahm vom Hamburger Verfassungsschutz, „seit ihrer Gründung wirken in der PB! Chattia außerdem Personen mit, die Beziehungen in die rechtsextremistische Szene unterhalten, unter anderem für die NPD aktiv waren und die deutliche Sympathien für den Nationalsozialismus zu erkennen geben.“ Als „schlagende“ Burschenschaft erwarte die PB! Chattia von ihren aktiven Mitgliedern zudem mindestens einen „Waffengang“ (Mensur) auf dem „pennalen Säbel“ gefochten. So sollen „Feiglinge und Dummschwätzer“ aussortiert werden.

 

„Das ist unehrenhaft“

 

So weit kommt Oliver nicht. Kurz vor Ende der Fuxenzeit entscheidet er sich für die Bundeswehr. „Das wird dort nicht gern gesehen. Die Bundeswehr ist schließlich die Besatzungsarmee, das ist unehrenhaft.“

Als er an seinem ersten Heimwochenende auch noch eine Einladung zu einer Ausfahrt ablehnt, kappt die Burschenschaft die Verbindung. „Ich wurde mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt“, erzählt er, der plötzlich als Abtrünniger gilt. Im Kopf jedoch ist er keiner. „Ideologisch eckte ich bei der Bundeswehr gar nicht an. Dort gibt es eh nur einen ganz schmalen Grad zwischen Patriotismus und Rechtsradikalismus.“

 

„Ich will nicht mehr hassen“

 

Oliver verbreitet auch dort weiter Verschwörungstheorien, spricht vom Weiterbestehen des Deutschen Reichs, sucht sich die richtigen Leute, die er auf seine Seite ziehen kann. Und lernt irgendwann einen Pakistaner kennen, der im Bus nach dem Weg fragt. „Ich wollte ihn ignorieren, aber meine gute Kinderstube siegte. Und dann haben wir uns irgendwie angefreundet.“ An seiner Einstellung ändert das aber nichts. „Ich hab einfach entschieden: Der ist nett, aber die anderen finde ich weiterhin scheiße. Dass das total beknackt ist, war mir damals nicht klar.“

Die Wende. Sie beginnt erst, als Oliver seine Ausbildung zum Restaurantfachmann beginnt – ausgerechnet in einem Hotel, das für Integration und Inklusion bekannt ist. Dort lernt er, der überzeugte Nationalist, viele ausländische Kollegen kennen, lässt nach und nach Kontakt zu. Das Schlüsselerlebnis: Im Dezember 2016 bringt die Tochter der syrischen Nachbarsfamilie einen Teller mit Keksen zu Oliver und seiner Verlobten, wünscht frohe Weihnachten. „Einfach so. Ich dachte, das kann nicht wahr sein. Das war der allerletzte Tropfen.“

Oliver entscheidet: „Ich will nicht mehr hassen. Ich will die Menschen sehen, wie sie wirklich sind.“ Eine Woche später macht er seine Geschichte das erste Mal öffentlich, warnt in der Hamburger Morgenpost vor dem braunen Sumpf. Seitdem wird der 36-Jährige vom Hamburger Verein Kurswechsel betreut – dessen Psychologen erleichtern den Ausstieg aus der Szene.

 

Ein langer Prozess

 

Aber ist das so einfach? Ist es möglich, mit einer solchen 15-jährigen Vergangenheit ein ganz aufrechtes demokratisches Leben zu führen? „Mein Ausstieg ist ein langer, langer Prozess“, sagt Oliver und gibt zu: „Es ist auch heute noch schwierig. Manchmal muss ich noch mal einen Schritt zurückgehen und neu denken. Man ist ja nicht irgendwann geheilt. Ich habe viele Jahre aktiv daran gearbeitet, die Demokratie zu zerstören.“

Kurz überlegt er und sagt dann: „Es ist schwer, an sich zu arbeiten, aber wenn man niemanden hat, der etwas erwartet, der fordert oder von mir verlangt, eine einseitige Haltung einzunehmen, so ist man in der Lage, die Welt wirklich rational zu betrachten. Immer ein Stück mehr. Ich bin noch nicht am Ziel. Das ist auch nicht der entscheidende Punkt. Der entscheidende Punkt ist, zu wissen, was das Ziel ist.“

Vieles ist jetzt neu für den Restaurantfachmann, der von Familie, Freunden und Arbeitgeber sehr bei seinem Ausstieg unterstützt wird. „Ich fange jetzt erst an, mir auch andere Meinungen anzuhören, informiere mich auch über Parteien wie Die Linke zum Beispiel. Das wäre früher nie in Frage gekommen, da wären es Volksverräter für mich gewesen. Jetzt fange ich an, andere Meinungen zu akzeptieren. Da stoße ich manchmal schon noch an meine Grenzen. Nicht, weil ich jemanden ablehne, sondern weil es so schwer ist, zu lernen, die Welt aus einer anderen Sicht zu betrachten.“

Was motiviert ihn, so offensiv mit seiner Geschichte nach außen zu gehen? „Mein Weg ist kein typischer. Ich will zeigen, dass es ganz normale Menschen sein können, denen man das Rechts-sein nicht gleich ansieht. Und das macht es so viel gefährlicher. Wie die AfD: die posten bewusst Fake-News zum Thema Asylpolitik und nutzen das, um Stimmung zu machen. Die kommen mit einem bürgerlichen Anstrich und haben damit auch noch ganz großen Erfolg. Das darf nicht sein!“

www.kurswechsel-hamburg.de


Szene Hamburg Titel Oktober Der Text ist erscheinen in der  SZENE HAMBURG, Oktober 2017. Das Magazin ist im Oktober am Kiosk, in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


 Das sagt der Verfassungsschutz

Die Schülerverbindung „Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg“ (PB! Chattia) ist im Dachverband „Allgemeiner Pennälerring“ (APR) organisiert, dem nach Eigenangabe aus dem Jahr 2013 neun Bünde angehören. 2013 fand ein von der „PB! Chattia“ ausgerichtetes APR-Treffen in Hamburg statt. Da die Schülerverbindung kein eigenes Verbindungshaus besitzt, ist sie bei größeren Veranstaltungen stets auf die Unterstützung anderer Burschenschaften angewiesen. Für dieses APR-Treffen hatte die studentische Hamburger Burschenschaft Germania („HB! Germania“) ihr „Germanenhaus“ zur Verfügung gestellt. Da die „PB! Chattia“ in der Vergangenheit bereits öfter im Fokus kritischer Berichterstattung stand, erhielt auch die „HB! Germania“ unerwünscht mediale Aufmerksamkeit, was das Verhältnis belastete und zu einer gewissen Distanzierung führte. Die Internetseite der Verbindung ist mittlerweile knapp und allgemein gehalten. Ihre Zurückhaltung und Vorsicht dürfte auch darauf zurückzuführen sein, keine weiteren Angriffsflächen für den Vorwurf des Rechtsextremismus zu bieten sowie um „Outings“ und Angriffen der hiesigen Antifa-Szene zu entgehen.

Frauen gegen die AfD: Neue Kampagne gegen Rechts

Am 24. September geht’s ums Kreuz. Dann entscheiden 61,5 Millionen Wahlberechtigte darüber, wer künftig das Land regieren soll. Jetzt hat sich ein überparteiliches Bündnis gebildet, das vor allem eines will: „Keine AfD im deutschen Bundestag!“ Heute startet dazu die Social-Media-Kampagne der Frauen* gegen die AfD (#FgdAfD)  

„Unsere Demokratie ist in Gefahr“, sagt #FgdAfD-Initiatorin Carolin. Ihren Nachnamen möchte sie nicht veröffentlichen. Grund: Der Gegenwind scheint unausweichlich, aber er sollte es so schwer wie möglich haben. „Man soll uns nicht gleich mundtot machen“, betont die 44-Jährige. Die letzten 14 Tage vor der Bundestagswahl wollen sie und ihre Mitstreiter*innen dazu nutzen, das wahre Gesicht der Partei, die sich selbst als „bürgerlich-demokratisch“ bezeichnet, zu zeigen. Und das sei durch und durch rechtspopulistisch und stütze sich auf einen „krassen Antifeminismus“, wie Carolin betont. „Viele wissen leider gar nicht, was die AfD für ein Frauenbild hat.“ Mit ihrer Video- und Social-Media-Kampagne wollen die Frauen* gegen die AfD darum die Aufmerksamkeit auf die Frauen- und Familienpolitik der AfD lenken. „Diese Partei vertritt nicht nur rassistische, völkische und antiislamische Inhalte“, sagt die Initiatorin der Kampagne. „Durch die Ablehnung von Frauenförderung, Gender-Mainstreaming und Quoten sowie das Propagieren einer traditionellen Geschlechterordnung wird auch eine frauenfeindliche Politik verfolgt.“

Frank Spilker: „Wenn eine Partei mit menschenverachtenden Positionen auf Stimmenfang geht, sollte man nicht nur Frauen darin unterstützen, sich zu wehren, sondern jeden.“

Vorbild des Bündnisses: Die österreichische Kampagne „Frauen gegen Hofer“, die vor der letzten Bundespräsidentenwahl an den Start gegangen ist und sich gegen die rückständige Frauenpolitik der FPÖ und deren Kandidaten Norbert Hofer stark machte. Mit den Initiatorinnen hatte Carolin Kontakt aufgenommen, nachdem sie aus ihrer Schockstarre erwacht war: „Erst der Brexit, dann Donald Trump und dazu jede Menge europafeindliche und antidemokratische Länder wie Ungarn, Türkei und Polen  – wir dürfen nicht untätig daneben sitzen und zuschauen, wie die Demokratie den Bach runter geht.“ Durch Aufklärung über die frauenfeindliche Politik der AfD will das Bündnis jetzt vor allem potenzielle Nichtwähler*innen und auch AfD-Sympathisant*innenmotivieren, zur Wahl zu gehen und sich für die Demokratie einzusetzen. Und das bedeutet: „Auf keinen Fall die AfD wählen!“ Denn eine Stimme für die AfD sei nicht nur eine Stimme für Rechts, sondern auch eine Stimme gegen die Frauenrechte.

Über die sozialen Medien werden zu diesem Zweck ab heute Videobotschaften unter dem Hashtag #FgdAfD verbreitet. Das Bündnis hatte frauenfeindliche und antifeministische Zitate der AfD aus den Programmen und anderen Schriften der Partei, Protokollen von Landtagssitzungen und Äußerungen aus sozialen Medien gesammelt.Passant*innen und Personen des öffentlichen Lebens wurden mit diesen Zitaten konfrontiert und ihre Reaktionen gefilmt. Zusätzlich werden die Frauen* gegen die AfD von Personen des öffentlichen Lebens unterstützt. Dazu zählen unter anderem die Autorin Simone Buchholz, der Journalist Michalis Pantelouris, die Schauspielerin Pheline Roggan und Frank Spilker, Autor und Sänger der Band „Die Sterne“. Zwei Wochen lang bis zur Bundestagswahl werden nun auf Facebook, Twitter und YouTube die Videoclips mit den Reaktionen veröffentlicht.

Michalis Pantelouris: „Das Programm der AfD reduziert Frauen zu Bürgern zweiter Klasse. Ich erziehe aber zwei erstklassige Töchter. Deshalb unterstütze ich die #FgdAfD.“

„Wir wollen auf keinen Fall unvorbereitet vor dem Ergebnis der Bundestagswahl stehen, sondern handeln, bevor es zu spät ist“, betont Carolin. „Wir werden nicht alle dieselbe Partei wählen, aber wählen wird jede von uns, denn wir sind überzeugte Demokratinnen“, sagt sie und fügt hinzu. „Und wir wollen verhindern, dass die AfD in den Bundestag einzieht.“

Text: Ilona Lütje

Weitere Informationen und jeden Tag ei neuer Film unter:

www.frauengegendieafd.org

Wer die #FgdAfD unterstützen möchte, kann per E-Mail Kontakt aufnehmen: fgdafd@posteo.de