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Smoothica: Neuer Stern am Hamburger Neo-Soul-Himmel

Das Quartett Smoothica, formiert an der Hamburg School of Music, setzt auf seiner ersten EP „Inside“ auf eine extrem entspannte Klangästhetik

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Julia, Angelo, Alex und Julian, ihr habt alle an der Hamburg School of Music studiert. Die School ist bekannt dafür, dass dort schnell neue Bands entstehen. Welche Möglichkeiten wurden euch dort geboten?

Julian: Einer der Vorteile, den wir dort hatten, war natürlich die Nutzung der Räumlichkeiten. Wir haben auch die Sommer- und Winterkonzerte der School mitgespielt. Aber wir sehen uns nicht als reine School-Band. Es gibt ja Bands, die ausschließlich während ihres Studiums bestehen. Wir aber haben früh erkannt, dass wir auch in größeren Kontexten auftreten möchten.

Die Bandgründung war 2018. Konntet ihr euch damals schnell auf den Smoothica-­Mix aus Neo­-Soul, HipHop, Pop und Jazz einigen, der jetzt auf eurer ersten EP „Inside“ zu hören ist?

Angelo: Ich hatte damals die Vision, etwas Richtung Neo-Soul zu machen. Schritt für Schritt habe ich mir die Leute dafür zusammengesucht, und jeder hat seinen eigenen Stil mitgebracht – sodass aus der anfänglichen Neo-Soul-Idee ein ordentlicher Genre-Mischmasch wurde.

Julia: Auf „Inside“ gibt es den Song „Flappy Bird“. Das ist einer unserer ersten Songs. Wir sind zwar vor der EP-Veröffentlichung nochmal ran gegangen, aber eigentlich stand dieser Sound, den „Flappy Bird“ hat, also dieser Genre-Mix, schon von Anfang an. Wir haben ihn nur weiterentwickelt.

Julian: Und auch diese Weiterentwicklung ist ganz natürlich passiert, nämlich durchs regelmäßige miteinander Spielen. Wir haben uns nie hingesetzt und gesagt: „Wir wollen so und so klingen und müssen Musik deshalb auch genau so und so schreiben und üben!“

 

„Das „smooth“ in unserem Namen soll schon Programm sein“

Angelo

 

Beim Hören von „Inside“ möchte man meinen, es hätte zumindest eine Devise im Vorfeld gegeben: Hauptsache entspannt!

Angelo: Das trifft es! Wir haben sogar einen Slogan, wenn man so will, oder zumindest einen Hashtag, den wir regelmäßig benutzen: #smoothdigga. Das „smooth“ in unserem Namen soll schon Programm sein.

Musikalisch sind die Songs entspannt, textlich hingegen wiegt manches schwerer. Zum Beispiel der Song „Love Hurts“. Darin gehe es um die Trauer einer sehr engen Freundin von dir, Julia, heißt es.

Julia: Genau, der Hintergrund des Songs ist schon sehr heftig. 2018 hatte sie zwei schwere Verluste, und obwohl ich diese gar nicht so erfahren haben wie sie, sind sie mir sehr nahegegangen. Ich habe textlich versucht, das alles für sie, aber auch für mich zu verarbeiten. Gleichzeitig wollte ich einen Mut entwickeln. Ihr Schmerz hat ja gezeigt, dass sie Menschen total geliebt hat – und das ist etwas Positives. Wir haben mit dem Song und dem dazugehörigen Video zeigen wollen, in dem es eine Tanzperformance gibt, dass man da wieder rauskommt und es überstehen kann.

 

 

Nun hattet ihr eigentlich vor, mit dieser EP zu touren – was Corona-­bedingt nicht geht. Wo in Hamburg wäre denn ein passender Auftrittsort, um die EP live zu präsentieren?

Angelo: Die Barclaycard Arena (lacht).

Julian: Im Ernst: Extrem schön dafür fände ich die Prinzenbar.

Alex: Auch das Häkken wäre passend. Im vergangenen Jahr haben wir dort eine Show gespielt – und es geschafft, als Newcomerband die Location auszuverkaufen. Es war eine riesige Party. Und das hoffen wir natürlich auch für die Release-Show: den Laden vollzubekommen.

Die Barclaycard Arena war zwar ein Scherz, aber: Gibt es bei euch so eine Art Höher-­Schneller­-Weiter­-Denken?

Angelo: Oft ist es ja so, dass wenn man natürlich wachsen will, dazu neigt, die Sachen auch mal ein bisschen schleifen zu lassen. Wenn man aber klare Ziele erreichen will, muss man sich ranhalten.

Julian und ich sind beide in der Nähe von Scheeßel groß geworden – und wir wollen beim Hurricane Festival spielen. Klar ist es ein weiter Weg dorthin, aber auch nicht komplette Utopie. Wir glauben, dass wir das schaffen können.

„Inside“ von Smoothica ist am 26.2. erschienen


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Diese Songs bringen die Redaktion durch den Lockdown

Da ist er wieder, der „harte“ Lockdown. Aktuell sind noch weniger Kontakte erlaubt, also genau einer, außerhalb des eigenen Haushaltes. Es ist ungemütlich, nicht nur wettermäßig. Was immer hilft: Musik aufdrehen und durch die Wohnung grooven, schlurfen oder wild tanzen. Das sind die Lockdown-Songs, die uns SZENE-Redakteure durch die Zeit bringen:

 

„Die neue Seltsamkeit“ von Tocotronic

Ulrich Thiele, Ressortleiter Literatur und Theater, hört gerne Die neue Seltsamkeit von Tocotronic, wegen des maximalen Identifikationspotenzials: „Und ich liege im Bett, und ich muss gestehen / Ich habe große Lust, mich nochmal umzudrehen.“

 

 

„Von der Liebe“ von Fettes Brot

Volontärin Johanna Zobel  ist oldschool unterwegs und tanzt zu Von der Liebe von Fettes Brot wild durch ihre Wohnung.

 

 

„Hoch im Norden“ von Udo Lindenberg

Marco Arellano Gomes, Ressortleiter Film, hört seit Beginn der Corona-Krise am liebsten den Song Hoch im Norden von Udo Lindenberg. Das Lied kommt erfrischend leicht daher und bringt zugleich den Wunsch nach Freiheit zum Ausdruck. Das bringt ihn einfach auf andere Gedanken.

 

 

„Immer noch die Musik“ von Niels Frevert

Chefredakteurin Hedda Bültmann wirft Immer noch die Musik von Niels Frevert in den Topf, denn damit ist alles gesagt: „Wenn da jemand ist, der dich unterkriegt und der Regen keinen Bogen biegt. Ist da immer noch, immer noch die Musik“.

 

 

„How Much Is The Fisch“ von Scooter

Essen+Trinken-Ressorleiterin Jessica Bolewski fragt sich seit dem Lockdown noch häufiger How Much Is The Fisch und dreht Scooter auf maximale Lautstärke.

 

„Havana“ von Castillo

Online-Redakteurin Isabel Rauhut träumt aktuell mehr denn je von einem „Roadtrip im Cadillac“ und hat daher 24/7 den sexy Song Havana von Castillo auf den Ohren und das Urlaubsfeeling im Kopf.

 

 

„Little Numbers“ von BOY

Praktikantin Eira Richter hört gerne Little Numbers von BOY. Der Track macht gute Laune und für 3 Minuten und 40 Sekunden ist Corona vergessen!

 

 

„Zugvögel“ von Thees Uhlmann

Redaktionsleiter Erik Brandt-Höge lauscht Thees Uhlmann mit Zugvögel. „Weil, wenn man hier genau zuhört und an die da oben denkt, dann weiß man, dass es immer irgendwie weitergeht“, so Erik.

 

 

„Endlich Nichtschwimmer“ von Dendemann

Mediaberaterin Anna Kraft ist auf dem Hurricane 2010 zu Dendemann mit Endlich Nichtschwimmer durchgedreht. Eine kleine Gedankenreise dorthin katapultiert sie daher aus jedem Corona-Tief.

 

 

„Hey, Hey“ von MEUTE

Essen+Trinken-Redakteurin Beke Detlefsen dreht MEUTE mit Hey, Hey richtig laut auf und wirbelt so im Home Office ab und an aus Versehen die ein oder andere Vase aus dem Regal.

 

 

„I Need Some Fine Wine“ (Cardigans-Cover) von Torpus & The Art Directors

Grafiker Thomas Escher empfiehlt Torpus & The Art Directors mit I Need Some Fine Wine. „Sönke Torpus darf so ziemlich alles (nach-)singen. Weil er es kann.“, so Thomas.

 


Cover_SZ0121 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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30M Records: Strahlkraft persischer Klangästhetik

Der Hamburger Matthias Koch hat ein Label gegründet, das als Plattform für eine aufstrebende Musikergeneration aus dem Iran dient. Ein Gespräch über die Strahlkraft persischer Klangästhetik

Interview: Erik Brandt-Höge

 

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Setzt auf den Zauber iranischer Musik: Matthias Koch (Foto: Lena Dann)

SZENE HAMBURG: Matthias, kleiner Zeitsprung zurück ins Jahr 2015. Damals bist du zum ersten Mal in den Iran gereist. Steckte mehr dahinter als ein Urlaub?

Matthias Koch: Damals, kurz nach dem Atom-Deal, fing das deutsche Feuilleton gerade an, über die iranische Kunst- und Kulturszene zu schreiben. Es gab erste Reiseberichte, Backpackergeschichten, den ersten „Lonely Planet“-Reiseführer vom Iran. Das Land wurde immer interessanter.

Und da ich schon ein paar Rucksackreisen in den Nahen Osten gemacht hatte, dachte ich irgendwann: Hin da! Hattest du bestimmte Erwartungen? Nein, nur eine große Neugier auf ein Reiseziel, das ganz anders war als alle, die ich zuvor hatte. Eine Reise an einen Ort, der nicht wirklich westlich ist, und wo ich nichts verstehen und lesen können würde. Es fühlte sich abenteuerlich an. Im Flugzeug dann dachte ich auch kurz, ob das wirklich so eine gute Idee war …

… aber die Zweifel verflogen sofort bei der Ankunft?

Nicht sofort. Am Flughafen musste ich erst mal an den Uniformierten vorbei, den Revolutionsgarden. Diese wickeln dort, wie bei uns der Bundesgrenzschutz, den Betrieb ab. An den Wänden in der Empfangshalle hingen riesige Bilder von den Revolutionsführern. Aber erste Widersprüche tauchten auf: Neben ihnen direkt großflächige Werbung für das aktuelle Top-Handy von Samsung! Und draußen war es vor allem erst mal sehr warm.

Der Flughafen von Teheran liegt fast in der Wüste, es gab eine ganz eigene Luft, ganz eigene Gerüche. Alle Frauen trotz Hitze mit Kopftuch! Vor der Tür warteten klapprige Taxis mit freundlichen alten Männern, die mir „Mister, welcome to Iran! Mister, come here!“ zuriefen. Ich nahm dann so ein Taxi – und bekam vom Fahrer erst mal Datteln und Tee gereicht.

Gab es auch Musik im Taxi?

Ja. Aus dem Autoradio kamen scheinbar religiöse Gesänge, untermalt von Saiteninstrumenten, die mir bis dahin noch nicht geläufig waren.

Ein Überbleibsel aus der Zeit nach der Revolution 1979, als im Iran nur religiöse Musik erlaubt war?

Genau. Populär- und Weltmusik ganz allgemein wurden damals verboten – und das nach einer sehr erfolgreichen Ära des iranischen Pop in den 60er und 70er Jahren. Googoosh etwa hört man ja auch hier noch bis heute auf Partys. Viele Künstler sind nach der Revolution ins Ausland gegangen, andere wollten oder konnten nicht auswandern und haben dann eben damit weitergemacht, was nicht verboten war, nämlich mit religiöser, meist sehr melancholischer Musik. So haben sie ihr Schaffen gerettet.

 

 

Im Laufe der Jahre hat sich die Lage für iranische Musiker wieder relativ entspannt – vor allem, seit es das Internet gibt. Iran war ja nie komplett abgeschottet, und die Leute dort waren und sind bestens informiert, was Kunst und Kultur aus dem Ausland angeht. Dazu zählt natürlich auch die Musik.

Westliche Klangästhetik ist heute überhaupt kein Problem mehr im Iran, im Gegenteil, sie wird sogar hoch angesehen. Einzig HipHop und eventuell Metal ist nach wie vor nicht etabliert. Zu klischeehaft westlich für die Ordnungshüter. Ich habe HipHop-Künstler kennengelernt, die wegen ihrer Musik auch schon temporär hinter Gittern saßen.

 

„Frauengesang solo ist verboten“

 

Sind Auftrittsgenehmigungen erforderlich?

Ja, die braucht jeder Künstler. Sämtliche Musik, die öffentlich aufgeführt werden soll, geht erst mal zu einer Kontrollbehörde: Ministry of Culture and Islamic Guidance. Die prüfen alles, vom Cover der CDs bis zu den Texten. Auch, ob Frauen mit dabei sind und, wenn ja, welche Rolle sie haben.

Frauengesang solo ist zum Beispiel verboten. Es besteht auch keine wirkliche Infrastruktur für Musik, wie es sie zum Beispiel in Deutschland gibt. Und Förderung für Popmusik gibt es schon mal gar nicht. Da ist eine Handvoll Label, aber kein Export von iranischer Musik. Auch ein Copyright ist im Grunde nicht vorhanden, was nicht gerade zur Wirtschaftlichkeit des inländischen Musikbusiness beiträgt.

Du bist nach deiner ersten Iran-Rucksackreise immer wieder ins Land gekommen, hast aufgrund deiner jahrelangen Arbeit in der Musikbranche auch irgendwann Musiker nach Teheran gebracht und ihnen Auftritte organisiert …

… zum Beispiel für Martin Kohlstedt. Meine Kontakte habe ich der deutschen Botschaft vermittelt, auch dem Goethe Institut. Ich wusste ja, dass es im Iran ein Publikum für sie gibt. Schon auf meiner Rucksackreise habe ich das gemerkt. Ich war in der Wüste unterwegs, in Orten, in denen es gerade mal Elektrizität gab, und bin trotzdem auf Leute gestoßen, die die aktuelle Platte von zum Beispiel Nils Frahm auf ihrem Handy hatten oder streamten. Radiohead sind Superstars im Iran!

Dieses große Interesse dort an dieser nicht unbedingt fröhlichen Musik erkläre ich mir mit der musikalischen Geschichte des Landes und dem Hang der Iraner zur Poesie, das passt gut. Das Konzert von Martin Kohlstedt war dann auch gut besucht. Die Leute standen Schlange, auch später, um noch ein Autogramm zu bekommen. Genauso war es mit Ólafur Arnalds und Frederico Albanese, mit denen ich später wiederkam. Es besuchten wirklich Tausende ihre Konzerte.

Und dann wolltest du mehr.

Richtig. Ich habe natürlich von Reise zu Reise mehr Musiker mit wahnsinnig spannenden Projekten kennengelernt, auch Konzertveranstalter, Plattenläden. Ich habe recherchiert, mich mit vielen Leuten hier unterhalten und festgestellt, dass es in der westlichen Welt kein Label gibt, das sich darauf spezialisiert hat, Musik aus dem Iran zu veröffentlichen. Und das wollte ich von meinem Lebensmittelpunkt Hamburg aus ändern.

 

„Es geht nur ganz oder gar nicht“

 

War die Label-Gründung leicht für dich, weil du wusstest, wie es funktioniert?

Ich kannte die einzelnen Elemente, aber wie lange es vom ersten Gespräch mit den Künstlern bis zur fertigen Platte dauert, wenn man alles selber macht, hat mich dann doch ein bisschen überrascht.

Und der Label-Name, heißt es, sei angelehnt an eine persische Erzählung.

Stimmt, an eine persische Fabel aus dem 12. Jahrhundert. Es geht darum, dass die Vögel der Welt etwas desorientiert sind und deshalb den großen Weisenvogel aufsuchen, um ihn zu fragen, wo sie ihren König finden können. Der Weisenvogel beschreibt ihnen den Weg, durch Unwetter und alle möglichen Prüfungen, und verspricht ihnen, am Ende der langen Reise den König zu finden. Letztlich kommen nur 30 Vögel an, finden zwar keinen König, merken aber, dass sie durch ihre Erfahrungen, durch ihre eigenen Werte, selbst zu Königen geworden sind. Das gefiel mir und passt gut! Der Label-Name setzt sich aus der Zahl, dem Fabel-Namen des Königs und dem persischen Wort für Vögel zusammen.

Und wie kamen die ersten Label-Signings zustande?

Die waren gar nicht so kompliziert. Am Ende meiner zuletzt unternommenen Iran-Reise, das war im Dezember 2019, habe ich den ersten Vertrag gemacht. Die Veröffentlichung („RAAZ“; Anm. d. Red.) ist für November 2020 geplant. Wie gut dieses erste Projekt funktioniert hat, hat dann auch den Ausschlag dafür gegeben, dass ich gesagt habe: Ich mache nicht nur ein kleines Digital-Label, sondern ein richtiges, mit digitalem und physischem Vertrieb.

Ich presse schick aussehendes Vinyl und versuche, alles in möglichst vielen Ländern zu promoten und Einnahmen für die Künstler zu generieren. Als Nächstes ist eine Compilation geplant, die die Teheraner Musikszene präsentieren soll, mit rund zehn vertretenen Künstlern. Mir ist längst klar: Es geht nur ganz oder gar nicht.

Du hast im Zuge der Label-Gründung einmal gesagt, du würdest damit auch mit Missverständnissen aufräumen wollen. Was ist denn deiner meiner nach das größte Missverständnis bezüglich des Iran?

Das liegt auf kultureller Ebene. In der westlichen Welt wird oft gedacht, dass die Iraner im Wesentlichen mit Flaggen verbrennen oder Geiseln nehmen beschäftigt sind. Religiöse Fanatiker eben. Mit diesem hier gern genutzten Klischee geht auch eine abschätzende Wertung gegenüber Kulturellem, das von dort kommt, einher.

Wenn man sich aber mit den Menschen beschäftigt, mit der Kultur und Musik dort, stellt man fest, dass es unglaublich viel Modernes, Spannendes und Hintergründiges zu entdecken gibt.

30m-records.com


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Trixsi: Für den Glam-Faktor

Vor zwei Jahren formierte sich eine Band, die sich ebenso vom gängigen deutschsprachigen Indie-Kosmos abgrenzen wollte wie von substanzlosen Deutschrockern. Kürzlich veröffentlichten Trixsi ihr erstes Album „Frau Gott“

Interview: Erik Brandt-Höge

 

Es ist ein Supergroup-Projekt von Nicht-Superstars. Trixsi wurden im Herbst 2018 von Herrenmagazin- Gitarrist Torben Leske und Paul Konopacka gegründet, Bassist derselben Band. Dazu kamen bald Sänger Jörkk Mechenbier, bekannt aus den Gruppen Love A und Schreng Schreng & La La, sowie Ex-Jupiter-Jones-Basser Klaus Hoffmann und Kristian Kühl, ehemals Gitarrist bei Findus. Übergeordnetes Ziel dieses Fünfers: Spaß, und zwar bedingungslos. Lieber keinen kommerziellen Erfolg haben und stattdessen alles spielen und singen, worauf sie Lust haben.

Große Gesten sind jederzeit erlaubt, ebenso Kritik am schnöden Alltagsleben – aus dem es mit Trixsi schließlich zu entfliehen gilt. Das erste Produkt dieser, nun ja, Arbeit ist „Frau Gott“, ein rumpelndes Gitarrenrockalbum samt ungenierter Gesellschaftskritik. Torben Leske über die Alles-ist-erlaubt-Attitüde, einen Hang zum Glam und Exzess und „den letzten verdammten Rockstar“.

 

 

SZENE HAMBURG: Torben, in einer Pressemitteilung zum Trixsi-Debütalbum „Frau Gott“ hat Sänger Jörkk Mechenbier kürzlich erklärt, Deutschrock würde aktuell nur scheitern, weil „die Leute keinen gesellschaftskritischen Auftrag“ hätten. Wer sind denn „die Leute“?

Torben Leske: Keine Ahnung, wer die Leute sind – aber Jörkk ist einfach der letzte verdammte Rockstar, zumindest, wie ich Rockstars als Jugendlicher idealisiert habe. Ich rede nicht von Idioten wie Axl Rose oder so, sondern von glamourösen Persönlichkeiten mit einem kreativen Output, der auf eine gewisse Art und Weise der Gesellschaft einen Spiegel vorhält, ohne dabei penetrant politisch und fingerzeigend zu sein, aber das eigene Sein und Tun ständig in Frage stellt.

Rockmusik muss in meinen Augen stark sein, aufwühlen und gleichzeitig tief zerbrechlich sein. Aktuelle Deutschrock-Stars hingegen scheinen ziemlich austauschbar zu sein – das wiederum ist natürlich auch ein Spiegel der Gesellschaft.

Inwiefern?

Ich meine den hyperangepassten Menschen im Turbokapitalismus als letzte Form der Revolte. Spießigkeit als der neue Punk. Es wird Zeit für einen abgefuckten Star! Jörg wird es leider nicht. Er ist zu alt.

Habt ihr euch denn gezielt vorgenommen, Deutschrock Substanz zu verleihen?

Keiner meiner Bandkollegen mag das Wort Rock in den Mund nehmen. Das Deutschrock-Ding habe ich ins Leben gerufen, weil ich mich in diesen Indie- und Punk-Gefilden relativ fehl am Platz fühle. Ich vermisse da einfach den Glam-Faktor. Die Szenen sind oft etwas dogmatisch und in sich geschlossen – auch das ist spießig.

Früher fand ich genau das saucool und spannend und habe mich für meine Jugendmucke geschämt. Jetzt höre ich wieder Aerosmith und merke, dass mich die großen Gesten einfach abholen.

 

„Trixsi sind frei, textlich wie musikalisch“

 

Tatsächlich wird beim Hören von „Frau Gott“ schnell klar: Trixsi, das steht nicht für Anbiederung gegenüber der breiten Masse, sondern für das Gegenteil – klanglich wie lyrisch. Gleich die ersten zehn Sekunden des Albums beinhalten die erste klare, unbequeme Ansage: „Es geht mir schlecht, jeden Tag, wenn ich sehe, was die Leute um mich herum so interessiert.“ Gab es anfänglich ganz bestimmte Botschaften, die ihr textlich unbedingt mit den Songs transportieren wolltet?

Wir haben uns wirklich überhaupt keine Gedanken gemacht, was wir transportieren wollen. Vor dem ersten Konzert haben wir nicht mal darüber nachgedacht, wie wir die Instrumente transportieren sollen (lacht).

Aber ich denke, unterbewusst weiß jeder von uns, was ihn erwartet, wenn wir Jörkk texten lassen. Wenn er nicht gezügelt wird, geht er bei ihm ab, der lyrische Durchfall. Ungehemmt bricht er dann bei den Proben heraus. Wir sind sehr oft einfach nur am Lachen und können nicht fassen, was Jörkk da singt. Zum Beispiel: „Alle wollen höher, schneller, weiter, leider frisst das Pferd dabei den Reiter.“ Großartig! Wir stellen seine Texte aber eh nie in Frage. Trixsi sind frei, textlich wie musikalisch.

Apropos musikalisch: Bei Trixsi ist klassischer Slacker Rock ebenso hörbar wie die zweite Welle des Britpop Mitte der Nullerjahre. Konntet ihr, die aus ganz unterschiedlichen Bands stammt und erst seit zwei Jahren zusammen Musik macht, euch fix auf einen Stil einigen?

Wir wollten der Musik einfach etwas zurückgeben, was unserer Ansicht nach in den letzten Jahren verloren gegangen ist, nämlich die Message: Musik machen muss keine harte Arbeit sein, sondern darf eben anders sein als – in Anführungszeichen – ein Job.

Darum ging es doch immer: Anders zu sein als die arbeitende, alltägliche Welt. Es ging um Exzentrik, Exzess und emotionale Achterbahnfahrten. Zumindest ist das die Rockwelt, die uns als Teenager verkauft wurde. Wir leben einfach unsere kleine Illusion bei Trixsi weiter, auch wenn wir mittlerweile zur klassischen deutschen Mittelschicht gehören. Wenn man nämlich mit Naivität und Spaß zur Sache geht, entsteht automatisch ein Soundgemisch aus allem, was einen beeinflusst hat.

Manchmal fängt Jörkk an, Pearl Jam-Texte über ein Gitarrenriff zu singen – aber es juckt eben niemanden. Und wenn es mal alberner Deutsch- punk ist: auch gut.

Wohin soll es denn noch gehen mit Trixsi? Oder anders gefragt: Wie sehr halten sich der Wunsch nach Spaß und der nach kommerziellem Erfolg die Waage?

Den Wunsch nach kommerziellem Erfolg hat keiner von uns. Wenn der Erfolg kommen sollte, dann nehmen wir ihn mit – wir sind aber realistisch genug, um zu wissen, dass das Quark ist. Ich kann nur für mich sprechen: Ich gehe lieber arbeiten – solange es mich ausfüllt – und bewahre mir dadurch die künstlerische Freiheit.

Ebenso halten wir es mit dem Spielen von Konzerten. Wir wollen in ausgewählten Herzensläden spielen, mit der Energie eines Stadionkonzerts (lacht). Trixsi-Konzerte sollen eine Party für uns sein, und es würde uns umso glücklicher machen, wenn viele mitfeiern. Bescheidenheit und Egozentrik: Das sind Trixsi. Ein Höllengemisch.

„Frau Gott“ ist am 26.6. auf Glitterhouse Records erschienen


Szene_Juli_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Rick McPhail über sein Musikprojekt Mint Mind

Rick McPhail, bekannt als Tocotronic-Gitarrist und -Keyboarder, setzt mit seinem Musikprojekt Mint Mind auf simple Riffs und deutliche Botschaften

Interview: Erik Brandt-Höge

 

Verstärker, Pedale, Platten, Kabel und, vor allem: Gitarren, in jeder Ecke Gitarren. Rick McPhails Proberaum, den er sich in seinem Altonaer Zuhause eingerichtet hat, ist ein regenbogenbuntes, pickepackevolles Musiklabor. Hier hat der gebürtige US-Amerikaner auch die Songs für „Thoughtsicles“ ausgetüftelt, das neue Album seines Drei-Mann- Projekts Mint Mind. Geradliniger Garage-Rock ist die Basis für McPhails Texte, in denen es auch um aktuelle Politik geht.

 

SZENE HAMBURG: Rick, es heißt, deine Ziele für das neue Mint-Mind-Album wären gewesen: wenig Ambition, viel Spaß. Geht das so leicht?

Rick McPhail: Eigentlich schon. Ich glaube, ich kann einfache Songs eh besser schreiben, als welche für, zum Beispiel, mein vorheriges Projekt Glacier. Die Texte für Glacier waren immer sehr ernst, die Musik auch, und das hat wahnsinnig viel Arbeit gemacht.

Klar, einige Texte für Mint Mind sind schon auch ernst, aber doch mit einem Augenzwinkern zu nehmen.

Du sagst, du kannst einfache Songs besser schreiben. Bedeutet das auch schneller?

Auf jeden Fall. Wir haben „Thoughtsicles“ innerhalb von nur einem Monat fertig gemacht. Einerseits sind die Texte sehr schnell gekommen, und dann haben wir die Stücke auch noch sehr Riff-basiert arrangiert, in einer Dreierbesetzung ohne Bassist, das hat es uns zusätzlich vereinfacht.

 

„Ich habe ganz klare Vorstellungen“

Rick McPhail

 

Die Dreierbesetzung machen Schlagzeuger Tim Wenzlick und Gitarrist Christian Klindworth komplett. Gibt es in der Band eine klare Hierarchie?

Ja, leider (lacht).

Wieso leider?

Na ja, ich hätte die Rollen schon gerne gleichmäßiger verteilt, vielleicht kommt das auch noch. Aber wenn ich momentan Lieder schreibe, habe ich schon alles im Kopf. Ich habe ganz klare Vorstellungen, wie die Songs am Ende klingen sollen. Also nehme ich Demos auf, verschicke sie an die anderen, und die müssen das dann lernen (lacht).

Womöglich schauen die beiden anderen ja auch zu dir auf, also zu dem Rockstar, der auf den ganz großen Bühnen steht?

Ach, das weiß ich nicht. Tim zum Beispiel ist, glaube ich, nicht unbedingt ein Tocotronic-Fan (lacht). Außerdem haben wir uns als ganz normale Menschen kennengelernt, nicht als Rockstars oder Nicht-Rockstars.

Wie habt ihr euch denn gefunden?

Diese Band hatte schon viele Besetzungen, und ich wollte irgendwann etwas Festes, also eine Gruppe von Leuten, mit denen man aufnehmen und auf Tour gehen kann, wenn es denn soweit ist. Und ich wollte eine Band, bei der die Aufgaben klar verteilt sind. Das halten wir bei Tocotronic auch so, wo Dirk die Lieder schreibt und ich mich um das Equipment und die Roadies kümmere.

Gibt es einen Austausch zwischen Tocotronic-Autor Dirk von Lowtzow und Mint Mind-Autor Rick McPhail?

Nein, ich zeige Dirk meine Texte nicht. Er bekommt immer eine fertige Platte von mir – wobei ich gar nicht genau weiß, ob er sie auch hört (lacht).

 

 

Zurück zu „Thoughtsicles“. Nicht durchgängig sind die Lyrics leicht und locker, es gibt auch eine politische Ebene, etwa im Song „The Hassle From The Man“, in dem „Man“ offensichtlich für eine Regierung steht. Gab es etwas Politisches, was du unbedingt ausdrücken wolltest?

„The Hassle From The Man“ handelt tatsächlich von politischen Protesten und Polizeibrutalität. Es geht dabei um vieles: die „Black Lives Matter“-Bewegung ebenso wie G20 und Greta Thunberg. Ich habe gesehen, welche heftigen Reaktionen es zuletzt in Amerika auf Greta gab, wo Leute mit SUVs durch die Gegend fuhren, aus deren Kofferräumen Zöpfe hingen und auf deren Scheiben stand: „The solution to the problem with Greta.“ Und dann habe ich angefangen, etwas dazu zu schreiben.

War Wut der Antrieb beim Schreiben?

Ja, schon. Ich hatte auch schnell die Musik aus alten Biker-Filmen im Ohr, aus „Die wilden Engel“ zum Beispiel, mit Peter Fonda. Und da ich schon immer einen Bongo-Song machen wollte, kam mir das Instrument auch gerade recht.

Hattest du eigentlich Schreibroutinen?

Ich muss mich beim Schreiben grundsätzlich sehr zusammenreißen, weil ich dazu neige, es vor mir herzuschieben.

Woher kommt das?

Vielleicht, weil ich oft Angst davor habe, dass ein Songtext nicht gut genug wird, und dann fange ich gar nicht erst an (lacht). Ich kann ewig in meinem Musikzimmer herumdaddeln, weil es Spaß macht. Liederschreiben sehe ich eher als Arbeit an, und dafür brauche ich den Druck, den eine Deadline mit sich bringt. Dann kann ich auch jeden Tag einen Song schreiben, so war es auch bei „Thoughtsicles“.

Und wenn so ein Album herauskommt: Hoffst du, der sehr erfolgsverwöhnt ist, dass der kommerzielle Durchbruch schnell passiert?

Natürlich wünsche ich mir, dass wir mit Mint Mind auch außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfinden können. Aber ich bin kein Snob, der nur vor Tausenden von Leuten auftreten will. Jede Publikumsgröße ist gut, ich freue mich auch sehr über 150 Menschen vor der der Bühne.

Komet: Erichstraße 11 (St. Pauli), 27.+28.2., 22 Uhr


Szene_Hamburg_Februar_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Januar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Burger Invasion: Indie- und Punk-Party im Molotow

Das kalifornische Label Burger Records kommt erneut für eine Präsentation ihres Katalogs ins Molotow und veranstaltet mit der Burger Invasion eine Club-Party mit Live-Musik und kunterbuntem Punk-Merch

Text: Erik Brandt-Höge
Foto: Pooneh Ghana

 

Fullerton, Kalifornien, 2007. Im immer sonnigen Palmentstädtchen haben zwei High-School-Kumpels die Idee von einer eigenen Plattenfirma, und zwar einer sehr speziellen. Sean Bohrmann und Lee Rickard wollen ein Label, das unbekannten Garagenrockbands eine Plattform bietet und sich gleichzeitig einem, nun ja, etwas aus der Mode gekommenen Tonträger widmet: der Kassette. Im industriellen Teil des Küstenortes mieten sie Büroräume und richten sich ein, mit zerknautschten Sofas und Sesseln, Bandpostern als Tapeten und unzähligen, wackligen Regalen – die ziemlich fix voll werden sollen.

Burger Records, wie Bohrmann und Rickard ihr Unternehmen nennen, signt wie verrückt, auch weil die Burger-Philosophie Indie- und Punk-Bands aus der Seele spricht und sie geradezu magnetisch anzieht. In den ersten zehn Jahren kann das Duo mehr als 1.000 Veröffentlichungen realisieren, natürlich vornehmlich auf Tapes.

 

Club-Partys rund um den Globus

 

Eines der Burger-Release-Highlights: Die Punk-Superstars Green Day erlauben ihnen, das legendäre „Dookie“-Album von 1994 auf Kassette herauszubringen. Und neben dem bestens laufenden Tonträgergeschäft veranstalten Bohrmann und Rickard bald sogar ein Burger-Festival. Im nicht weit entfernten Santa Ana lassen sie ihre Künstler auftreten und verkaufen ihren Katalog, gewinnen immer mehr Anhänger und Marktanteile.

Und weil das alles so prima klappt, setzen die Burger-Jungs noch einen drauf: „Burger Invasion“ nennen sie ihre Club-Partys, die sie rund um den Globus veranstalten. Zum dritten Mal kommen sie nun schon ins Molotow, präsentieren Punkrock, kunterbuntes Burger-Merchandising von Shirts über Plakate, Sticker und Buttons, und, eh klar, die Prestigeobjekte des Labels: Kassetten.

Bohrmann: „Lee und ich lieben unser Festival in dieser Stadt. Geradezu surreal zu sehen, dass unser Logo mittlerweile an in so vielen verschiedenen Orten zu sehen ist, vor allem in einer Stadt namens Hamburg.“

Auftreten werden am Burger-Tag im Molotow auf den drei Bühnen des Clubs u. a. die New Yorker Gruppe Surfbort (Punk), Fruit Tones aus Manchester (Garage), die Kasseler Suck (Punk), Jealous aus Berlin (Post-Punk) und – regelmäßige Molotow-Gänger kennen sie längst – die Lokalmatadoren Swutscher (Indie-Rock).

 

 

Burger Invasion: 17.8., Molotow, ab 15 Uhr


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Szene #backstage – mit The Bland

Fünf Schweden für ein Redaktionskonzert: The Bland kommen mit sommerleichtem Indie-Pop – und ihr seid am 24.6. mit dabei!

The Bland stehen für einen locker-flockigen Folk-Sound, karibische Rhythmen, Melodien wie Piña Coladas mit Schirmchen. Die Vorboten ihres neuen Albums (Veröffentlichung 30.8.), nämlich die Singles „17“ und „Like The Rest“, laufen bereits auf starker Radiorotation – und bald auch in der SZENE HAMBURG-Redaktion.

/ EBH / Foto: Olof Grind

Los geht’s am Montag, 24.6.19, um 19:00 Uhr in der Gaußstraße 190c.


Perserteppich, Yuccapalmen, Lichterketten und gute Geschichten: Das ist das Rezept für die ­SZENE HAMBURG-Redaktionskonzerte. In unseren Räumen waren unter anderen schon Fotos, Y’akoto, Vivie Ann, EUT  und ZIBBZ zu Gast und haben vor SZENE-Lesern und -Redakteuren Akustik-Sets gespielt.

 

So war’s die letzten Male bei SZENE HAMBURG #backstage:

 

Abramowicz sind der Hammer und waren zu Gast bei unserem Redaktionskonzert #szenebackstage. 🖤❤️🖤❤️🖤Nicht verpassen: ✔️Release-PARTY am 19.4. im Molotow! ✔️Release-KONZERT am 11.5. auch im Molotow! 😘

Gepostet von Szene Hamburg Stadtmagazin am Dienstag, 16. April 2019

ZiBBZ bei SZENE #backstage

Jetzt live bei uns in der Redaktion: ZiBBZ! 🎉Morgen, 30.10.18, im Häkken.

Gepostet von Szene Hamburg Stadtmagazin am Montag, 29. Oktober 2018


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Hamburger des Monats – Anne de Wolff

Die Musikerin Anne de Wolff spielte schon mit Popgrößen wie Bosse, Elif oder BAP zusammen. Eines ihrer Herzensprojekte neben der Musik ist das Benefizkonzert der Stiftung „Initiative Courage“

Interview: Hedda Bültmann
Foto: Rene van der Voorden

SZENE HAMBURG: Anne, du hast ja einen traumhaften Wintergarten hier bei dir zu Hause …

Anne de Wolff: Danke. Ja, hier haben wir auch schon oft geprobt. Zum Beispiel mit Bosse die „Leise Landung“. Oder mit Mark Forster das zdf@bauhaus. Mit Elif, mit Tokunbo, Stoppok und sogar mit BAP. Natürlich alles nicht in voller Lautstärke. Aber dennoch: Wir haben sehr freundliche Nachbarn, die das geduldig aushalten.

Erzähl doch mal, was du als Musikerin genau machst.

Ich bin Multi-Instrumentalistin. Angefangen hat alles mit der Geige, doch da fühlte ich mich später musikalisch zu sehr eingeschränkt. Nicht jede Band braucht in jedem Song ein Geigengeräusch, deshalb hatte ich schnell Lust, meine klangliche Bandbreite zu erweitern und es kamen unter anderem Bratsche, Akkordeon, Percussion, Cello, ein bisschen Gitarre, Mandoline und Posaune dazu.

Du spielst nicht nur auf der Bühne, sondern arbeitest auch im Studio, das praktischerweise auch hier im Hause ist …

Genau. Vieles nehme ich hier zusammen mit meinem Mann Ulle (Gitarrist Ulrich Rode, Anm. d. Red.) auf. Es kommen oft Musiker zu uns, die noch Farben für ihr Album suchen, so wie letzte Woche zum Beispiel Fayzen. Für Niels Frevert und Johannes Oerding haben wir gerade ein paar Streicher aufgenommen. Momentan bereiten wir das neue BAP-Album vor.

 

Hdm-Anna-de-Wolff

In ihrem Wintergarten hat Anne de Wolff (48) schon mit Bosse geprobt

 

Hast du dir schon einmal gewünscht, du hättest einen anderen Beruf?

Nein, Musik spielte schon in meiner Kindheit eine wichtige Rolle und ließ mich seitdem nie los. Dazu kam noch ein bisschen Glück. Eigentlich hätte ich nie gedacht, dass ich von Musik leben kann – erst recht nicht so lange. Ich dachte früher, Popmusik wäre eher etwas für junge Frauen, da ich quasi keine Instrumentalistinnen jenseits der 40 kannte.

Leider gibt es aber generell einfach ziemlich wenige „Sidefrauen“ – ich frage mich immer, warum? Mittlerweile spiele ich mit vielen unglaublich tollen, zum Teil auch erheblich jüngeren Musikern und Musikerinnen und empfinde dies als sehr bereichernd. Man kann sich gegenseitig inspirieren und voneinander lernen.

Ein anderes Thema. Du bist Schirmherrin der Stiftung Initiative Courage. Wie kam es dazu?

Ich habe die Initiatorin dieser Stiftung, Karin Schmedt, kennengelernt. Und als wir uns unterhalten haben, sprach sie mir so aus der Seele: Ich finde es schlimm, dass Leute sich die ganze Zeit über Missstände beschweren, ohne selbst initiativ zu sein. Dieses passive Gemecker strengt mich an. Ich habe lange nach etwas gesucht, wo ich mich engagieren kann.

Was macht die Stiftung?

Sie schenkt Kindern, denen das nicht möglich ist, schöne Momente. Momente, in denen sie respektiert und wertgeschätzt und dadurch gestärkt werden. Karin macht das beispielsweise für Kinder in Kinderheimen und für Flüchtlingskinder. Aber auch für Kinder, die es offensichtlich zuhause schwerer haben. Damit sie merken, dass es auch Gutes gibt.

 

Fußball-Camps und Reisen ins Wunderland

 

Welche Momente sind das?

Sie betreut mehrere kleinere Initiativen, für die sie Geld sammelt. Es gibt zum Beispiel ein Fußballcamp und die „Wunderlandreisen“, bei denen die Kinder aus schwierigen Verhältnissen mit ihren Familien eine Woche in den Urlaub fahren können. Es gibt Trommelgruppen und auch eine Zusammenarbeit mit der HipHop Academy. Diese Aktionen unterstützen wir mit dem Geld, das wir unter anderem bei dem jährlichen Benefizkonzert einnehmen.

Und die Organisation des Konzertes ist dein Part …

Genau. Ich kümmere mich um die Bands und stelle das Programm auf. Und natürlich wickle ich die Koordination im Vorfeld ab. Woher kommt der Flügel, wer sponsert den, wie bekommen wir ihn in unsere Location, die Markthalle? Ist der Fahrstuhl groß genug? Es ist übrigens ganz wundervoll, wie schnell alle Musiker immer Lust hatten, dabei zu sein. Das waren in den letzten Jahren unter anderem Aino Löwenmark, Jon Flemming Olsen, das Tingvall Trio, von Brücken, Johannes Oerding, Fayzen, Tokunbo, Diane Weigmann, Phil Siemers …

Die Markthalle steht ja unter anderem auch für soziale Nachhaltigkeit. Eine perfekte Partner-Location …

Die Markthalle ist so großartig und unterstützt uns seit Anfang an – jetzt schon das fünfte Jahr. Bis 2018 war das Konzert eher eine Veranstaltung für Sponsoren, in diesem Jahr wollten wir das Ganze öffnen, um auch andere Menschen für das Thema zu sensibilisieren und weitere Spenden zu generieren. Wir hatten Spendenboxen aufgestellt, und die Eintrittsgelder gingen komplett an die Stiftung. Es war toll, mit den Leuten von der Markthalle zusammenzuarbeiten. Die haben uns den kompletten Tag alles für einen sehr geringen Unkostenbeitrag für Personal zur Verfügung gestellt.

Zurück zum passiven Meckern: Woran liegt es, dass viele Menschen zwar ständig nörgeln, aber nicht aktiv werden?

Gefühlt prasseln auf uns täglich Unmengen von Geschichten ein über Gewalttaten, Umweltsünden, Kriege und Menschen, die betrügen oder schlecht zueinander sind. Zudem fällt es immer schwerer, Dinge in Gut oder Böse einordnen zu können, da alles unheimlich komplex ist in diesen Zeiten der Globalisierung und des Internets. Angesichts dessen fühlt man sich oft überfordert und neigt dazu, immer misstrauischer zu werden. Daraus entstehen dann oft diese Wut und Hilflosigkeit, die unser Leben eigentlich traurig macht, weil das Geschimpfe am Ende nur uns selbst schadet.

Hast du einen Vorschlag, wie es besser gehen kann?

Ich halte es für ganz wichtig, trotz allem davon auszugehen, dass die meisten Menschen gut sind. Dabei hilft ungemein, selbst die Initiative zu ergreifen, sich im Kleinen irgendwie zu engagieren. An jeder Ecke gibt es Gruppierungen, man kann sich etwas aussuchen, das einem liegt. Das könnte das Einkaufen für eine Oma sein und Gespräche mit ihr. Man verbessert so nicht nur das soziale Miteinander, sondern auch das eigene Leben. Man lernt andere tolle, liebevoll engagierte Menschen kennen und spürt die Dankbarkeit und Freude der Menschen, die man unterstützt. Diese kleinen Dinge machen am Ende das große Ganze aus und damit unsere Welt besser.

Annedewolff.de

Sic-stiftung.de


Szene-Hamburg-juni-2019 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2019. Das Magazin ist seit dem 25. Mai 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – Volker

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: Robin, Julian und Micha von Volker – präsentiert von hamburg elektronisch.

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

Szene Hamburg: Wie würdet ihr euren Sound beschreiben?

Wir spielen House mit Elementen aus Disco, Funk und Soul. Nur live und ohne Computer.

Was steckt hinter eurem Namen?

Am Anfang hatte jeder von uns nur einen winzigen Synthesizer, nicht viel größer als eine DIN-A5-Postkarte. Diese Baureihe von Korg heißt Volca. Wir haben damit nächtelang bei Bier und Kerzenschein in unserer Küche gejammt und uns im Spaß vorgestellt wie Kraftwerk Konzerte zu spielen – jeder steht an einem einzelnen Pult und bedient einen dieser Mini-Synthies. Für unseren ersten Gig haben wir aus Volca den Männervornamen „Volker“ gemacht. Der Abend ging gründlich in die Hose und wir haben festgestellt, dass wir unser Set-up erweitern müssen.

Ihr spielt live, was bedeutet das für euch?

Dass wir alle Instrumente, die in unseren Songs vorkommen auch dabei haben und spielen. Dadurch entsteht eine ganz andere Energie und die Songs sind einzigartig. Außerdem haben wir die Möglichkeit, auf das Publikum einzugehen. Wenn wir merken, dass ein Song besonders gut ankommt, können wir ihn live viel weiter ausbauen und darüber improvisieren.

Wer macht was?

Julian ist bei uns die Rhythm Section, er bedient die Drum Machine, Bass und die MPC. Micha kümmert sich vor allem um den Mix und Robin spielt die Harmony Section, also Keyboard und andere Synthesizer.

Welchen Act würdet Ihr gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

DJ Harvey.

Was ist eure Platte des Monats?

„Dan’s dancing EP“ von Donald’s House auf Touch from a Distance.

 

Hier könnt ihr in Volkers Platte des Monats hören

 

Wo geht ihr in Hamburg hin, um Spaß zu haben?

Golden Pudel Club und Chrissi’s Kneipe in Eimsbüttel.

Was ist eure witzigste Band-Erfahrung?

Letztes Jahr, auf einer Party eines St. Pauli-Fanclubs. Wir wurden herzlich mit belegten Brötchen und selbst gemachter Bowle im Backstage begrüßt. Unser erstes Backstage-Erlebnis. Nach dem Soundcheck sind wir auf ein paar Bier, um die Ecke gegangen. Zurück in der Location stellten wir fest, dass vor uns drei Punkbands spielen. Der Laden platzte aus allen Nähten und bestand vor allem aus „echten Kerlen“. Als wir drei „Jungs“ die Bühne betraten, in bunten Hemden und Anzughosen, hat man bereits den ein oder anderen skeptischen Blick erhaschen können. Als Julian uns dann vorstellte und erklärte, dass wir jetzt Disco-Musik spielen, leerte sich die Tanzfläche im Handumdrehen.

Was sind für Euch Hamburgs Stärken?

Hamburg versucht nicht unbedingt das nächste Berlin zu werden, Hamburg ist Hamburg.

Und die Schwächen?

Das schlechte Wetter Hamburgs macht uns echt zu schaffen – sobald es jedoch wieder schön ist, ist Hamburg die schönste Stadt der Welt.

Wo seht ihr euch in einem Jahr?

Hoffentlich auf Welttournee. Nee, Spaß. Wahrscheinlich im Studio mit 1.000 Groupies – neue Tracks machen.

Grüße gehen an wen?

An Carsten, danke für den Support. An Paulina dafür, dass sie uns nach jahrelanger Suche unser eigenes Studio organisiert hat, an Lars und an Mrki Sas.

Wann ist euer nächster Gig?

Am 25.4. bei Ogay im Thier.

 

Hört hier ein aktuelles Set von Volker


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2019. Das Magazin ist seit dem 28. März 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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