Beiträge

Digitalisierung: Schöne, neue Gastro-Welt

Tablets und Roboter übernehmen den Service und eine neue App soll leere Gasträume füllen – kurzlebige Spielereien oder echter Fortschritt?

Text: Lilli Gavrić

 

Alexa macht das Licht aus, Fitnesstracker zählen jede zu sich genommene Kalorie und Staubsaugerroboter sorgen für sauberes Parkett. Die Welt wird immer digitaler – auch die gastronomische. Das beginnt schon bei der Rechnungsbegleichung. Während Dänemark bis 2030 erstes bargeldloses Land werden will und selbst am Hotdog-Stand schon niemand mehr nach Öre kramt, hängen in Deutschland oft noch Cash-only-Schilder an der Kaffeetheke.

Aber warum klammern die Deutschen sich so an ihre Münzen? Transaktionskosten sind oft ein Argument, warum die Karte erst ab Zehn-Euro-Beträgen gezückt werden darf. Aber was kostet Gastronomen eine Transaktion bei Kartenzahlung? Dank neuer Systeme wie Sum-Up weniger als je zuvor. Waren früher noch Grundgebühren plus Prozente vom Umsatz fällig, bleibt inzwischen nur noch eine Transaktionsgebühr. Die liegt bei Sum-Up aktuell bei 1,9 Prozent pro Kartenzahlung. Das ermöglicht auch kleineren Betrieben die Umstellung.

 

Ohne Karte kein Kaffee

 

Die Card-only-Politik ist in Hamburger Gastronomien noch selten. Vorreiter ist die Kaffeerösterei „Public Coffee Roasters“. Ohne Karte kein Kaffee – was einige Kunden als praktisch und zeitgemäß bewerten, empfinden andere als Bevormundung. Public Coffee Roasters-Betreiber Argin Keshishian erleichtert vor allem die sich daraus ergebene enorme Zeitersparnis seinen Arbeitsalltag: Von der Bestellung bis zur Abrechnung über den Kassensturz am Ende des Tages wird alles per App erledigt und direkt in der Cloud gespeichert.

Neben Kartenzahlung kann man mit der Public Familycard oder Apple Pay zahlen. Aktuell tüftelt er an einer App, bei der man bereits auf dem Weg zum Café seinen Flat White bestellen und bezahlen kann. Ein weiterer Vorteil ist die Transparenz. „Kein Bargeld, keine Schwarzarbeit. Ein Thema, das der Gastroszene durchaus nachhängt“, so Argin.

Noch wird am Tresen bestellt. Bei „Burgerlich“ am Speersort sieht das schon anders aus, denn die Order läuft elektronisch. In die massiven Nussbaumtische sind ausfahrbare Tablets eingebaut. Für Zutaten und Garstufe entscheidet der Gast sich auf dem Screen. Brotsorte, Touch. Trüffelmayo, Jalapenos, Bestellbutton. Wie bei der Pizza-Bestellung auf dem heimischen Sofa. Kann man dann nicht gleich zu Hause bleiben? Ist Effizienz wichtiger, als der persönliche Draht zum Gast?

 

Der Gastro-R2D2

 

Das Sushi-Bar Kofookoo geht noch einen Schritt weiter und schickte Anfang des Jahres den ersten digitalen Kellner ins Rennen. Ein Roboter mit Fliege? Die Realität sieht unromantischer aus: Die smarte Servicekraft ähnelt eher einem ferngesteuerten Servierwagen. Bestellt wird per Tablet, Standort und Route zum jeweiligen Tisch kennt Gastro-R2D2 von allein. Zudem kann der Gast bis zu fünf Gerichte auf einmal und im 15-Minutentakt nach dem All- You-Can-Eat-Prinzip bestellen, die der Roboter alle zeitgleich serviert.

Revolutionäre Hilfe oder bloß digitales Spielzeug für Erwachsene? Ein teures in jedem Fall, stolze 8.000 Euro kostet der Roboter. Braucht es das? Die „Zeit“ beschreibt es so: „Ein Restaurant sollte genau wie ein Markt sozialer Raum sein und nicht bloß Plattform für den Transfer von Waren.“ Aber auch: „Einen Food-Nerd muss das nicht kümmern. Der bekommt hier, was ihm wichtig ist: ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Und ein innovatives Konzept. Wo sonst in Hamburg kann man schon essen wie in der Science-Fiction?“

 

Eine App gegen leere Tische

 

Sinniger erscheinen Tools, die versuchen Lösungsansätze für typische gastronomische Probleme, wie etwa die schwache Auslastung außerhalb der Kernzeiten zu liefern. Die Plattform „Delinski“ ist seit diesem Jahr in Hamburg aktiv und arbeitet außerdem an den Standorten Wien, Graz, Linz und München erfolgreich mit über 600 Partner-Restaurants zusammen. In Hamburg sind aktuelle Hotspots wie das Zeik in Winterhude oder Shiso Burger in der Altstadt gelistet.

Das Prinzip: Delinski nutzt Rabatte, um die Gasträume auch an einem Mittwoch um 18.30 Uhr zu füllen. Die Handhabung ist denkbar einfach. Der User meldet sich an, bucht Restplätze im Laden seiner Wahl und erhält 30 Prozent Rabatt auf die Gesamtrechnung. Welche positiven Effekte Gastronomen aus der Zusammenarbeit ziehen, fasst Zeik-Inhaber Maurizio Oster für sich zusammen: „Ich finde Delinski klasse! Der Gast hat die Möglichkeit neue Restaurants kennenzulernen und spart auch noch dabei. Wir als Gastronomen können unsere schwächeren Tage besser steuern – also eine Win-win-Situation.“

Zudem halten sich die Kosten gering, gezahlt wird nur pro Gastvermittlung. Dass zudem Schnelligkeit zur Lunchzeit essenziell ist, hat die App „Lunch-Now“ erkannt. Mit ihr lassen sich geschmackliche Vorlieben und Standort auswählen, tagesaktuelle Angebote checken und diese direkt mit Freunden teilen, um sich zur Mittagspause zu verabreden.

 

Delinski

Delinski: Restplätze finden und Rabatte per App sichern (Foto: Delinski)

 

Die andere Seite gewinnt ebenso. Partner-Restaurants wie das Brüdigams in Eppendorf unterstützt die App beim Social-Media-Auftritt, der noch immer gern stiefmütterlich behandelt wird und gleichzeitig so wichtig ist. Auf Wunsch übernimmt das Start-up das Einpflegen aktueller Tagesgerichte, platziert das Restaurant je nach Beitragshöhe im Ranking und steigert so den Bekanntheitsgrad des Mittagstischs.

Diesen Benefit bemerkt auch das edlere Au Quai am Hafen. Hier wird zusätzlich eine Brücke zu den Gästen geschlagen, die befürchten, Sneaker passten nicht ins schicke Ambiente. Im Hinblick darauf, dass viele Restaurants das Mittagsgeschäft aufgrund von geringem Zulauf aufgeben müssen, also ein guter Support.

Solange im Restaurant selbst sozialer Austausch stattfindet oder die neuen Tools sogar eine Hinwendung zum Gast erlauben, weil sie an anderer Stelle entlasten, spricht nichts gegen digitalen Fortschritt. Ein Robo-Kellner schenkt dem Gast aber letztlich kein ehrliches Lächeln oder reagiert mit Charme und Witz auf kleine Fauxpas.

Die Branche ist im Umbruch und muss probieren, ausloten und vielleicht auch wieder verwerfen. Denn ob Spielerei oder sinnvolle Unterstützung: Aufzuhalten sind die Entwicklungen ohnehin nicht.


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Top 10 – Diese Cafés sorgen für eine leckere Auszeit

Hervorragende Törtchen, Tartes, Tee und Kaffee: Auf diese zehn Cafés schwören wir für die perfekte, gemütliche Auszeit

Text: Anissa Brinkhoff
Foto (o.): Philipp Schmidt

Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung, zuletzt aktualisiert 6/2019

1) Café Gnosa – Kuchen mit Geschichte

Dieses Kaffeehaus ist ein legendärer Ort – aufgrund seiner Geschichte, aber auch aufgrund der Kuchen und Torten, die täglich in der hauseigenen Konditorei gebacken werden. Das Café wurde 1939 von Elli und Gerhard Gnosa eröffnet und von dem Ehepaar bis 1987 geführt. Seitdem ist es eine wichtige schwul-lesbische Institution in Hamburg. Die Konditorei im Keller des Hauses wurde früher von Herrn Gnosa selbst betrieben und seit der Übergabe des Cafés werden viele Torten weiterhin nach seinen Rezepten gebacken – mit viel Marzipan, Sahne, Buttercreme, Schokolade und Baiser. Ein bisschen fühlt man sich also wie in vergangenen Zeiten, wenn man es sich auf den weichen Bänken im Café gemütlich macht, den Bedienungen hinter dem Tresen zuschaut und ganz glücklich noch ein weiteres Stück Kuchen bestellt.

Café Gnosa: Lange Reihe 93 (St. Georg)

Gnosa


2) Café unter den Linden – Kaffee für Existenzialisten

Das Café könnte auch in einem ehrwürdigen Grandhotel liegen, in dem Stars übernachten, Intellektuelle ihren schwarzen Kaffee bei der täglichen Zeitungslektüre trinken und spätestens gegen Nachmittag auch mal Champagnerflaschen geköpft werden. Man sinkt auf ledergepolsterte Bänke und Zeitunglesen ist tatsächlich eine Hauptbeschäftigung vieler Gäste. Eine Gruppe von Freunden gründete das Café unter den Linden in den 1980ern. Die Freunde benannten ihr Café nach den sieben Linden, die vor dem Gebäude und um den Kaffeegarten wachsen. Den Innenraum richteten sie mit Marmortischen und Thonet-Stühlen ein und ließen einen befreundeten Künstler Wände verzieren. Der Milchkaffee wird in französischen Bols serviert, zum Espresso und Kaffee gibt es selbstverständlich ein Glas Wasser. Jeder Kuchen aus der Vitrine ist hausgemacht – zum Beispiel Schoko-Rotwein-Kuchen, Crumble mit Vanillesauce oder Johannisbeer-Baiser-Kuchen.

Café unter den Linden: Juliusstraße 16 (Sternschanze)


3) Elbgold – Mahlgrad und Milch perfekt

Ein Café mit eigener Kaffeerösterei – ein Traum für alle Genießer. Fünfeinhalb Standorte gibt es vom Elbgold in Hamburg inzwischen, als halben Standort zählen die Geschäftsführer Annika und Thomas ihre Café-Bar im Alsterhaus, weil es dort keine Speisen gibt. Das Café mit der Rösterei in den Schanzenhöfen ist ganz klar das Hauptquartier. In alten, sanierten Viehhallen mit Industriecharme, unglaublich hohen Decken, viel Licht und gemütlicher Einrichtung lassen sich hier entspannte Stunden vertrödeln. Die ausgebildeten Barista helfen, die richtige Kaffeesorte für jeden Gast zu finden, Gebäck und Kuchen aus der hauseigenen Patisserie warten auf Hungrige in der Vitrine. Das Elbgold kauft den eigenen Kaffee direkt bei den Produzenten; so können faire Preise, eine bestmögliche Qualität und lange Geschäftsbeziehungen garantiert werden.

Elbgold: Lagerstraße 34c (Sternschanze)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von elbgold (@elbgoldkaffee) am


4) Hegeperle – Von der Schwierigkeit zu wählen

Das Café Hegeperle in Eppendorf ist aufgrund seiner versteckten Lage immer noch ein Geheimtipp. Der dunkle Dielenboden knarzt beim Eintreten und eine herzliche Begrüßung kommt über den weißen Holztresen. Bevor man es sich auf den Stühlen bequem macht, stehen schwierige Entscheidungen an der Kuchenvitrine an: In der Hegeperle gibt es überwiegend leckere Tartes, unter anderem mit Kirsche, Apfel, Aprikose, Birne oder Pflaume. Einen klassischen Käsekuchen gibt es natürlich auch. Ist die Entscheidung endlich gefallen, werden die Köstlichkeiten auf pastellfarbenen Tellern serviert, der Kaffee oder Tee kommt in ebenso bunten Tassen und Zucker steht in Porzellandöschen bereit. Eugenie Assmann, die ihre süßen Tartes und herzhaften Quiches aus hellem Dinkelmehl jeden Tag selbst backt, führt ihr Café weitgehend in Eigenregie.

Hegeperle: Hegestraße 68 (Eppendorf)


5) Herr Max – Patisseriekunst und Vintage-Glück

Schlangestehen zum Kuchenessen? Von Zeit zu Zeit passiert es im Herr Max, dass Tortenhungrige lieber eine halbe Stunde warten, als ins nächste Café weiterzuziehen. Denn Konditor Matthias Max zaubert seit zehn Jahren berühmte süßes Sünden der Schanze in einem aparten Vintage-Ambiente: Nahezu immer gibt es hier selbst gebackenes Tartufo, Schokomousse-Torte, Rhabarber-Baiser-Kuchen, Blaubeer-Grieskuchen oder veganes Bananenbrot mit Erdnusskaramell – und natürlich den kanadischen Käsekuchen als Dauerbrenner. Praktischerweise ist die Backstube direkt im hinteren Bereich des Cafés. So weht den Gästen konstant ein herrlicher Kuchenduft um die Nase. Und wer nett fragt, darf mal einen Blick in die Backstube werfen. Auch Showtorten für private Anlässe werden hier dekoriert.

Herr Max: Schulterblatt 12 (Sternschanze)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Herr Max Konditorei&Patisserie (@herrmax_konditorei) am


6) Meßmer Momentum – Teatime in der HafenCity

Sich beim Spaziergang durch die HafenCity eine steife Briese um die Nase wehen zu lassen und dann die kalten Finger an einer heißen Tasse Tee aufzuwärmen – das ist ein herrlicher Hamburger Nachmittag. Das Messmer Momentum ist der richtige Ort für den Einstieg in die Welt des Tees, ebenfalls für Experten und Teekenner mit besonderen Wünschen. Über 70 verschiedene Teesorten aus der Meßmer-Welt stehen in der Getränkekarte, dazu gibt es hausgemachte Scones und Clotted Cream, Kuchen und Teegebäck oder herzhafte Sandwiches. Wer Lust auf eine kleine mentale Reise hat, sollte es sich gemütlich machen und eines der Tee-Menüs ausprobieren, zum Beispiel den „Thé de Salon“, der mit Macarons, Crêpes, Chili-Schokoladen-Soufflé und viel Savoir Vivre daherkommt und Frankreich-Sehnsucht weckt.

Meßmer Momentum: Am Kaiserkai 10 (HafenCity)


7) Milch – Teatime in der HafenCity

Zu viel Schnörkel gefällt Nico Ückermann, dem Besitzer des Café Milch, nicht. Die Inneneinrichtung des ehemaligen Milchladens ist zurückhaltend. Denn hier konzentriert man sich nordisch-reduziert auf das Wesentliche: guten Kaffee. Und das kann verdammt gemütlich sein. Mitten im Raum, direkt gegenüber vom Tresen, thront ein Zwei-Kilogramm-Kaffeeröster aus Israel, der den Rohkaffee veredelt. Daraus werden mit großer Hingabe leckere Espressi oder Cappuccini zubereitet – und zwar von wirklich kaffeeverrückten Baristas. Außerdem gibt es eine wahnsinnig gute heiße Schokolade und Croissants, Rosinenschnecken, ausgewählte Tartes und belegte Brötchen. Wer seinen Hund mitbringt, kann sich unter dem Hashtag #milchdogs zwar keinen Kaffee sichern, wohl aber einen Ehrenplatz in der Instagram- Galerie des Cafés. Coole Idee!

Milch: Dietmar-Koel-Straße 22 (Neustadt)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Milch (@milchfeinkost) am


8) Salon Wechsel Dich – Zucker- und Kaufrausch

Mit „Wechsel Dich“ ist nicht etwa die Speisekarte des Cafés gemeint, sondern das Mobiliar: Tische, Stühle, Lampen, Kissen, Teller, Tassen oder Uhren können Gäste hier unter anderem kaufen. Schon allein diese liebevolle Auswahl von Produkten junger Designer ist Grund genug für einen Besuch – doch berühmt ist der Salon Wechsel Dich für seine Waffeln. Die werden hier dick und fluffig gebacken und mit verboten leckeren Beilagen serviert: Heiße Kirschen, Himbeeren oder Pflaumen-Zimt- Kompott, Nutella oder Ahornsirup mit karamellisierten Knuspernüssen. Als Toppings stehen unter anderem Sahne, Vanillesauce und Zartbitterschokolade auf der Karte. Und die besondere Empfehlung des Hauses? Waffeln mit eingebackenem Kinderriegel. Mhh. Bei all dem Zuckerrausch gibt es zum Glück auch herzhaft belegte Waffeln, zum Beispiel mit Mozzarella, Tomaten und Pesto, Lachs und Schnittlauch oder Ziegenkäse und Birnenchutney.

Salon Wechsel Dich: Grindelhof 62 (Rotherbaum)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Salon Wechsel Dich (@salonwechseldich) am


9) Torrefaktum – Genuss mit Bio-Bohne

Vor ein paar Jahren war es in Hamburg gar nicht so einfach, richtig guten Kaffee zu bekommen. Das wollten drei Freunde ändern und eröffneten 2009 das Torrefaktum mit eigener Rösterei in Ottensen. Den Rohkaffee beziehen sie seitdem über spezialisierte Importeure oder direkt von ausgewählten Bauern und übernehmen dann selbst das Rösten. Die drei Gründer kommen alle aus dem Musikbusiness und haben neben Kaffee eine weitere gemeinsame Leidenschaft: die Beatles. Und so heißen die eigenen Röstungen auch „Wake Up Little Lucy“, „Hey Dude“ oder „Belle Michelle“. Inzwischen gibt es drei Torrefaktum-Filialen in Hamburg und überall gilt das Motto: Ankommen, den Alltag ablegen, sich von den Baristas beraten lassen und das schwarze Gold ganz in Ruhe genießen. Eine Konditorin backt täglich süße Kleinigkeiten oder herzhafte Baguettes, die man sich in den gemütlichen und stillvoll eingerichteten Cafés schmecken lassen kann.

Torrefaktum: Bahrenfelder Straße 237 (Ottensen)


10) Zuckermonarchie – Tartes für Prinzessinnen

Die Zuckermonarchie ist irgendwie ein Prinzessinnenreich für Zuckerfreundinnen. Mädchenhaft ist wohl die richtige Bezeichnung für dieses stylishe helle Kaffeeuniversum. In eingeschworenen Mädelsrunden wird hier bei Tartes und Törtchen geschwelgt und diskutiert. Worüber? Na klar, ziemlich oft über Kerle. Das ganze Großstadt-Beziehungschaos verträgt sich natürlich viel besser bei qualitativ gutem Kuchen und Kaffee. Das Geheimnis hinter diesem Ort und seinem Backwerk: beste Bio-Eier, belgische Schoki und Bourbonvanille, die hier mit frischen Früchten täglich verbacken werden. Das Ergebnis ist vortrefflich: sagenhafte Tartes, Cupcakes, Moussetörtchen, Macarons und Candypops, dank derer alles andere zur Nebensache wird. Besonders köstlich ist hier zum Beispiel eine Himbeertarte mit weißer Schokolade und frischen Himbeeren. Dazu kommt der Carroux-Kaffeee aus Blankenese, der viele begeistert.

Zuckermonarchie: Taubenstraße 15 (St. Pauli)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Denise Urdahl (@zuckermonarchie) am


SZENE-HAMBURG-Essen+Trinken-To-GoDiese Topliste stammt aus dem Gastro Guide: Essen + Trinken to go, 2018/2019 – der Guide ist zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!


Auf den Geschmack  gekommen? Für mehr Stories aus Hamburgs #foodszene folge uns auf Facebook und Instagram.


Appetit auf mehr? 

FoodSZENE – Brügge sehen und schwärmen

Das Brügge feiert schon seinen ersten Geburtstag und hat trotzdem noch Geheimtipp-Status. Wir verraten warum das Café-Bar-Konzept nichts mit Belgien zu tun hat und weshalb es sich unbedingt lohnt, auf eine Stulle vorbeizuschauen.

Text: Laura Lück

Backen und bewirten mit Herz: Caro und Kelly.

„Kellys Brownies sind der Brüller! Zack in die Mikrowelle, bisschen warm machen – ein Gedicht!“, schwärmt Jay, täglicher Stammgast und gute Seele des Brügge in der Weidenallee. Er hat sogar seinen eigenen Kaffee-Button in der Kasse und wird von Caro und Kelly, die an diesem Donnerstagmorgen den Laden schmeißen, mit Umarmungen begrüßt.

Verkaufsschlager: die Avocado-Stulle

 

Brügge, Belgien, Colin Farrell – da war doch was? Die Betreiber Torben und Hendrik sind allerdings weder Cineasten noch Fans flämischer Kultur. „Brügge“ meint im Ostfriesischen „Butterbrot“. Die zwei Jungs von der Küste bieten neben einem wechselnden Mittagstisch mit Suppen, Salaten, Bowls und Flammkuchen nämlich auch ehrliche Stullen an. Verkaufsschlager: der Avocado-Klassiker. Gäste haben die Wahl zwischen Biovollkornbrot und einer Sylter Sauerteig-Variante. Das Brot mit Ziegenkäse, Apfel und Walnüssen serviert Caro mit separatem Ahornsirup. Das schmeckt fantastisch und sättigt wie eine Portion Pasta. Ein Stück Kuchen muss trotzdem noch sein – die Vitrine sieht einfach zu verlockend aus. Der spanische Mandelkuchen ist nicht nur glutenfrei, sondern auch mit frisch gepresster Orange (und Liebe!) selbst gebacken. Saftiger geht nicht.

 

Entspannt, abseits des Trubels und doch mitten auf der Schanze

 

Dieses ganz bestimmte Weidenallee-Gefühl liegt in der Luft. Nachbarschaftlich, entspannt, abseits des Trubels und doch mitten auf der Schanze. Die Sonne scheint in das große offene Fenster. Die ewige Baustelle ist endlich passé. Seitdem ist der Außenbereich noch schöner und breiter und der LKW-Verkehr erfolgreich umgeleitet. Bei Schietwetter finden circa 30 Personen im gemütlich reduzierten Innenbereich mit viel Holz und warmen Farben Platz. Bis 22 Uhr gibt’s Carroux Kaffee aus der Elbchaussee, Abendbrot-Stullen und Feierabend-Drinks. Diese Saison möchte das Brügge auch mit selbst kreierten wechselnden Cocktails locken.

Obwohl das Café schon seit einem Jahr im ehemaligen Hallo Kleines sitzt, ist der charmante Laden noch ein Geheimtipp. Keine Lust auf Schulterblatt-Remmidemmi und überfülltes Kiosk-Cornern am Grünen Jäger? Dann ab ins Brügge – ein gastfreundlicher Ort mit guter Laune und ganz viel Herz.

Weidenallee 61 (Eimsbüttel), bruegge-cafe-bar.de

Veröffentlicht am 25.4.19

 


Auf den Geschmack gekommen? Für mehr Stories aus Hamburgs #foodszene folge uns auf Facebook und Instagram.


Appetit auf mehr?


FoodSZENE – The Roastery

Der neue Café-Conceptstore der Hanseatic Coffee Roastery versorgt Bahrenfeld mit besten Kaffee-Kreationen aus eigener Röstung, Lunchangebot und Zubehör rund um die heimische Zubereitung.

Text: Laura Lück 

Die Liebesgeschichte zwischen Niklas Geise und dem Kaffee beginnt in England. Der Besuch des London Coffee Festivals entfachte nicht nur seine Leidenschaft, er begegnete dort außerdem seinem ersten Arbeitgeber in der Branche. Bei Extract Coffee Roasters in Bristol hieß es dann dreieinhalb Jahre Kaffesäcke schleppen, Bohnen rösten und Kenner-Geschmack entwickeln. Heute ist er der Mann fürs Rösten in der Roastery in Bahrenfeld. In der Wichmannstraße nahe der Trabrennbahn hat Inhaber Sven Peters der Hanseatic Coffee Company ein neues Zuhause gegeben. Die großzügige Fläche mit gläsernen Flügeltüren zum Außenbereich ist mit bunt zusammengewürfelten Stühlen, viel Holz und frische Blumen gemütlich-rustikal eingerichtet.

 

Röstmeister Niklas gibt zukünftig auch Seminare in der Roastery.

 

In der neuen Homebase befinden sich neben dem ersten eigenen Hanseatic-Coffee-Café auch Verkaufsregale mit allerhand Zubehör, Gewürzen (natürlich gibt’s auch Kaffee-Salz) und dem hauseigenen „Barista Club Gin“. Der war ursprünglich als kleines Goodie für gute Kunden gedacht, kam aber so gut an, dass er schlussendlich doch in den Handel ging. Röstmeister Niklas gibt zukünftig auch Seminare in der Roastery. Interessierten erklärt er Geschichte, Anbau und Verarbeitungsprozesse des Kaffees und gibt Tipps für die Zubereitung mit Steppkanne und Mokka Pot – Nespresso-Kapsel kann ja jeder. Mit etwas Glück erwischen Café-Besucher den richtigen Moment und können Niklas in Aktion mit dem große Giesen-Röster über die Schulter gucken. Beim manuellen Zeichnen der Röstkurve zum Beispiel (ja, das funktioniert noch mit Zettel und Stift!). Beim „First Crack“, dem Moment, wenn sich das Silberhäutchen von der Bohne löst, lauscht man einem Geräusch, das an ploppendes Popcorn erinnert.

 

Die Roastery befindet sich seit zwei Wochen in der Soft-Opening-Phase.

 

Bis zur offiziellen großen Eröffnungsfeier am 8. August soll noch ein weiterer Röster dazukommen und der sonnige Außenbereich mit bequemen Sitzsäcken vergrößert werden. Für die Nachbarschaft ist der Café-Conceptstore auch durch sein Mittagsagebot ein echter Gewinn – viele gastronomische Perlen hat das Viertel nämlich noch nicht zu bieten. Suppen, Flammkuchen, Stullen und kleine warme Gerichte sind frisch zubereitet und hübsch angerichtet. Tipp: Unbedingt Platz im Magen für den leckeren Cheesecake lassen. Das Geheimrezept verwahrt ein Freund, der den Kuchen im heimischen Backofen zubereitet und täglich frisch liefert.

Wichmannstraße 4 (Bahrenfeld); www.facebook.com/theroasteryhh/

Veröffentlicht am 18.4.2019


Auf den Geschmack gekommen? Für mehr Stories aus Hamburgs #foodszene folge uns auf Facebook und Instagram.


Appetit auf mehr?



 

Neues Pfandsystem – Baumrettung to go

Recup ist der neue Pfandbecher für Coffee-to-go. In fast 20 Cafés ist es möglich, der Koffeinsucht in Einklang mit Mutter Erde zu frönen.

Bäume zu retten, ist zeitaufwendig – wer hat heutzutage schon die Muße, sich jahrelang an einem Baumhaus festzuketten? Außerdem gibt’s da nicht mal Kaffee! Recup hat die alltagstaugliche Lösung für ökologisches Engagement: Ein Pfandsystem für To-go-Becher. Recup löst die „Refill it!“-Becher ab, die 2016 von der sozial engagierten Kaffeerösterei El Rojito in die Hamburger Cafés gebracht wurden. Denn zwei Pfandsysteme gleichzeitig, das führt zu nichts. Und auf Dauer kann die kleine Kaffeerösterei das große Aufkommen nicht bewältigen. „Wir überlassen Recup das Feld“, sagt Roman Witt von El Rojito. Das Start-up Recup ist bereits in 23 deutschen Städten mit seinem Pfandsystem am Start. Einen Euro Pfand kostet ein Becher, der in allen teilnehmenden Läden zurückgegeben werden kann. Unter den Teilnehmern sind bereits das Café Koppel in St. Georg, die Biokonditorei Eichel in der Osterstraße und viele andere.

Etwa 43.000 Bäume gehen drauf, um zu den etwa 2,8 Mrd. To-go-Bechern verarbeitet zu werden, die in Deutschland jährlich befüllt werden. Ihre Pappe ist von einer feinen Kunststoffhülle überzogen, die das Recycling unmöglich macht. Im besten Fall überfüllen die Pappbecher die Mülleimer in den Innenstädten – manche landen auch auf Grünflächen oder in den Bahnen. Die Städte, die dafür zuständig sind, die Abfälle zu entsorgen, sind von dem Problem zunehmend belastet. „Es ist wichtig, dass sich jeder Kaffeetrinker und -anbieter fragt, was die Müllproblematik für ihn bedeutet“, sagt Johanna Perret, die bei Recup für Design und Kommunikation zuständig ist. Allerdings stellt sie auch klar: „Coffee to go ist ein Lebensgefühl, das wir nicht negativ behaften wollen.“ Roman Witt von El Rojito sieht eher die Stadt Hamburg in der Verantwortung: „Ich würde mir wünschen, dass die Stadt ein Zeichen setzt und Betriebe unterstützt.“ Bis dahin heißt es wohl: Immer schön Recup trinken oder den Kaffee ganz entspannt im Sitzen genießen!

Text: Sabrina Pohlmann

www.recup.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Karo Beach – Der Sommer wird öko

Deutschlands erster Zero Waste Beach Club, das Karo Beach, haucht einer langweiligen Asphaltfläche Stadtleben ein.

Zigarettenkippen, Plastikflaschen und Einweggrills im Sand, überquellende Mülleimer… Am Elbstrand vielleicht, aber nicht im Karo Beach! Auf der Freifläche vor der Rindermarkthalle eröffnen die Betreiber der zwei unverpackt-Läden „Stückgut“ einen Strandclub, in dem (fast) kein Müll produziert wird. Er ist der erste seiner Art in Deutschland. 

Der nachhaltige Dorfplatz

Die „Betonwüste“ vor der Rindermarkthalle soll zum urbanen Dorfplatz werden. Den Gründerinnen und Gründern schwebt ein ökologisches Idyll inmitten des Partytrubels vor; eine Großstadtoase, an der die Besucher rasten, ihre Füße hochlegen und klönen können. Eltern, die fair gehandelten Eiskaffee aus pflanzlichen Stroh-Halmen schlürfen, die Kinder backen den köstlichen Kuchen mit Sand aus der Region, Anzugträger und Studenten spielen nach Feierabend eine Partie Volleyball im Sonnenuntergang. Wenn die hamburgische Sommerluft bei Einbruch der Dunkelheit empfindlich frisch wird (also an den meisten Abenden), wärmt man sich am Lagerfeuer. Denn im Karo Beach wird es keine Heizpilze geben, die extrem viel CO2 abgeben. Ein Feuer zu machen, ist nicht nur gemütlich, sondern auch deutlich nachhaltiger.

Details machen den Unterschied: Hier gibt es keine To go-Becher, Plastik-Strohhalme oder Einwegflaschen. Die Gäste essen Gerichte aus den Läden in der Rindermarkthalle, die so regional wie möglich sind. Zero Waste, also wirklich gar kein Müll, ist das hehre Ideal, das die Richtung vorgibt. Zumindest gibt es weder Einweggeschirr noch Plastiktüten. Doch an jeder Lieferkette kommt irgendwann der Punkt, der sich nicht mehr beeinflussen lässt. Für das Karo Eck sind das die Kooperationspartner: „Wenn jemand in der Rindermarkthalle bestellt, um das nach draußen zu bekommen und ein Gastwirt eine Stück Fleisch aus einer Plastikhülle nimmt, können wir das nicht kontrollieren“, so Betreiber Dominik Lorenzen.

„eine Plattform für das Thema Zero Waste“

Die Betreiber vertreten aber ohnehin keine dogmatische „ganz oder gar nicht“-Einstellung. Stattdessen wollen sie es sich und ihren Gästen gut gehen lassen. „Müllvermeidung hat nichts mit Verzicht zu tun, sondern mit Spaß und der Bejahung von Leben“, sagt Mitgründerin Insa Dehne. Der Club will allen Interessierten Tipps für einen müllfreien Lebensstil geben und eine Plattform für das Thema sein ein. „Denkbar sind Sessions und vielleicht Mini-Kongresse zu Müllvermeidung.“, so Lorenzen. Das Karo Beach ist also nicht nur ein Club, sondern auch ein Versuchslabor für kreative Ideen im Bereich Müllvermeidung. Ideenklau ist erwünscht: Sie wollen eine Zero Waste Bewegung in der ganzen Hamburger Gastronomie. Der erste Schritt ist gemacht und das Karo Beach eröffnet.

Karo Beach, Neuer Kamp 31, (St.Pauli), ab 9.5.18, täglich 10–22 Uhr; www.karo-beach.de

Text: Sabrina Pohlmann


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!