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Itsch Itsche Festival: Here to stay

Melissa Kolukisagil ist im badischen Oberkirch aufgewachsen, studierte in Hamburg Politikwissenschaft und organisiert in ihrem Wohnort Berlin das İç İçe Festival. Ein Gespräch über neue anatolische Musik, (post-)migrantische Kultur und einen Abend Anfang September im Knust

Interview: Ole Masch  

 

SZENE HAMBURG: Melissa, was heißt İç İçe wörtlich und welche Bedeutung hat der Begriff?

Melissa Kolukisagil: İç İçe, heißt so viel wie „ineinander verschränkt“ oder „miteinander verwoben“ sein. Für uns steht İç İçe für das Verschränken von hybriden Identitäten, das Leben in der postmigrantischen Gesellschaft. İç İçe steht somit auch für die Akzeptanz von Mehrfachzugehörigkeiten. Es geht um einen Raum in dem plötzlich vieles möglich ist.

Wie ist postmigrantische Gesellschaft definiert?

Der Begriff meint, dass unsere Gesellschaft durch die Erfahrung der Migration geprägt ist. So auch die Kulturlandschaft und das, obwohl migrantische Kunst oft nicht ihre Anerkennung erfährt, die sie verdient. Da sie oft nicht gefördert wurde und die Zugänge fehlten. Allmählich ändert sich das und İç İçe ist Teil von dieser Veränderung. Aber auch nur möglich, weil Jahre zuvor andere migrantische Personen schon hervorragende Arbeit geleistet haben. Es geht um politische, kulturelle und soziale Veränderungen, welche durch die Einwanderung, auch im Kontext der Gastarbeiter:innen, hervorgehen.

Wie könnte eine größere Anerkennung gelingen?

Eine große Schwierigkeit ist weiterhin die Diskriminierung von Menschen mit einem migrantischen Hintergrund. Die gesellschaftliche Akzeptanz, welche leider noch nicht vorhanden ist, entsteht auch aus der Tatsache, dass die Räume nicht gegeben sind. Deswegen arbeitet İç İçe daran, diese zu schaffen, um Menschen eine Möglichkeit zu geben gesehen und gehört zu werden, aber wo sie auch einfach ausgelassen feiern können.

Warum sind diese Räume so wichtig?

In eigenständigen Räumen kann Kunst entstehen, die freier ist von den Erwartungen der Dominanzgesellschaft. Hier kann kulturelles Leben selbstbestimmter stattfinden und Solidarität zwischen unterschiedlichen Communitys wachsen. Nur wenige andere Städte in Deutschland stehen so sehr für postmigrantische Kultur wie Berlin. Doch auch hier ist es für postmigrantisch kulturelle Räume schwer zu überleben oder gar zu entstehen – sei es aufgrund der rasanten Gentrifizierung, die Innenstädte homogenisiert oder einer weißen Kulturförderlandschaft.

 

 

Was ist das Neue an „neuer anatolischer Musik“?

Die anatolische Region ist seither ein Schmelztiegel für diverse kulturelle Strömungen und Musiktraditionen. Spätestens seit den 60er-Jahren entfalten sich diese in unserer unmittelbaren Nachbarschaft neu und beeinflussen, vom Underground bis in die Popkultur, unseren Alltag und das Nachtleben. Das „Neue“ daran ist, die Art und Weise wie Menschen die kulturellen Fragmente ihrer Herkunft neu interpretieren und sich innerhalb der Gesellschaften, die sie beheimaten, Platz verschaffen.

Was macht den Sound aus?

Neue anatolische Musik – es ist absichtlich offengehalten und kann alles sein. Es geht darum, Raum zu lassen für die Interpretation der Künstler:innen, die vor allem in zweiter und dritter Generation in der Diaspora leben. Anatolische Musik ist divers aufgestellt. Es variiert von Musik durch klassisch anatolische Instrumente wie der Bağlama, aber findet sich auch im Rap von beispielsweise Apsilon wieder, da Apsilon in Texten Fragen von Identität und Mehrfachzugehörigkeiten verhandelt. Da die anatolische Region schon immer ein Schmelztiegel war, ist eine konkrete Antwort schwer, anatolische Musik kann und darf alles sein. Wir möchten vor allem mit der oft eindimensionalen Erwartung brechen, wie anatolische Musik klingen soll.

Wie kamst du auf die Idee, daraus ein Festival zu machen?

Meine musikalische Sozialisation fand als Kind auf türkischen Hochzeiten statt. Aufgewachsen bin ich mit türkischen Pop-Hits. Natürlich muss hier Takan erwähnt werden, aber auch Klassiker wie Orhan Gencebay, den ich heute aufgrund seiner politischen Positionierung kritisch betrachte, waren Teil meines damaligen Repertoires. Das Lied „Kaderimin Oyunu“ von Orhan Gencebay hat bis heute eine besondere Bedeutung, denn es begleitete die Autoreise meiner Mutter, als diese als Braut aus der Türkei nach Deutschland kam.

Meine Mutter hat viel gesungen, was mich auch geprägt hat. In der Pubertät habe ich irgendwann fast gar keine anatolische Musik mehr gehört und befand mich irgendwo zwischen Auflehnung gegen meine Familie und Protest gegen die weiße Dominanzgesellschaft. Als ich dann auf einem Festival war und Altın Gün gehört habe, war das eine ganz besondere Erfahrung zu sehen, wie die Lieder, die ich aus meiner Kindheit kannte, von allen gefeiert wurden. Als ich selber begann in der Veranstaltungsbranche zu arbeiten, erlebte ich diese als sehr weiß, männlich und hierarchisch. Das war kein Umfeld, in dem ich bleiben wollte und deswegen mit İç İçe den Raum schaffen, der mir, beziehungsweise uns, fehlt.

Wer steckt noch dahinter?

İç İçe ist ein Team von insgesamt sieben Leuten. Wir arbeiten gemeinsam an dem Projekt mit viel Herz. Wir sind zudem ein sehr diverses Team, was nicht nur für uns persönlich, aber auch für İç İçe sehr gewinnbringend ist, da wir viele Perspektiven einbinden können. 

 

„Zwischen anatolischer Hochzeit und Technoclub“

 

Nun kommt ihr von Berlin nach Hamburg. Wie ist das entstanden?

Es war überwältigend, die Resonanz zu sehen und auch die Wichtigkeit, dass diese Räume existieren und geschaffen werden. Unser Publikum kam für İç İçe in Berlin aus ganz Deutschland angereist, kein Weg war unseren Besucher:innen zu weit. Der Wunsch, dass wir diesen Raum ausweiten können, ist damit weiter gewachsen und jetzt haben wir die Ehre in Hamburg dies zu ermöglichen. Tim aus dem Knust kam hierfür auf uns zu und ist ein toller Partner für die erste Ausgabe außerhalb Berlins.

Wie ist der Abend aufgebaut?

Er wird eine gewisse Dramaturgie haben. Mir ist es wichtig, nicht nur ein Konzert nach dem anderen zu zeigen, es soll um die Inhalte, das Gefühl gehen. Wir haben ein Programm gestaltet, welches ein Konzept der Plattform aufgreift und den Raum der Vernetzung erzeugt. Wir werden wunderbare Konzerte von zum Beispiel Nalan sehen. Gegen Abend werden dann auch DJs wie Hülya aus Hamburg auflegen. Adir Jan verschränkt Texte über homosexuelle Liebe mit mitreißenden psychedelischen Sounds von „klassisch“ anatolischen Instrumenten. Oder DJ Ipek, die immer einen tollen Mix hinbekommt – zwischen anatolischer Hochzeit und Berliner Technoclub.

Wie wählst du die Künstler:innen aus?

Das Line-up setzt sich aus vielen Aspekten zusammen. Ich möchte es schaffen, die ganze Bandbreite zu zeigen. Da anatolische Musik sehr breit zu denken ist, hat man da Spielraum. Wichtig ist uns auch, dass 60 Prozent des Line-ups keine cis männlichen Acts sind. Wir wollen Diversität leben, nicht nur denken.

Du hast in Hamburg studiert. Hast du damals bereits Einflüsse anatolischer Musik in der Clubkultur mitbekommen?

Ich habe mit dem Uni-Leben, um ehrlich zu sein, sehr gefremdelt. Ich habe mich arm und stark verunsichert gefühlt und trotzdem mein ganzes schmales Einkommen in Konzertkarten gesteckt – im besten Sinne in den Live-Konzert-Ort Hamburg. Manchmal war ich in einer Woche auf drei Konzerten, viel im Uebel & Gefährlich, im Molotow, in der Markthalle oder eben im Knust. Indie, Electronica und Singer-Songwriter war meine Musik. Einen Zugang zu anatolischer Musik und Communitys hatte ich nicht, es war eine andere Zeit, ich stand auch noch an einem anderen Punkt in meinem Leben. Der einzige Kontakt zu migrantischen Communitys war meine Arbeit am Hauptbahnhof an der Supermarktkasse. Ich finde es toll, jetzt nach Hamburg zurückzukommen und den Eindruck zu haben, dass auch Hamburg sich offener für mich zeigt und ich der Stadt womöglich was geben kann.

Wird es noch weitere İç İçe Festivals geben?

Wir merken immer mehr, wie der Wunsch und die Nachfrage an unserem Programm steigt. Pläne haben wir viele. Wir sind mit Städten wie München und Heidelberg im Gespräch. So viel kann gesagt werden: İç İçe is here to stay.

2.9., Knust, 18 Uhr; itsch-itsche.com


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Veranda Music: Von Herzen melancholisch

Nicolai von Schweder-Schreiner ist Gitarrist und Sänger der Hamburger Kult-Band Veranda Music. Mit ihrem neusten Album „Unter Einfluss“ ist die Gruppe auf Kurz-Tour in Hamburg und Berlin unterwegs. Im Interview spricht er über das erste deutsche Album, prominente Fans und sein Verhältnis zur Musik.

Interview: Henry Lührs

Nicolai, du hast dich neben „Veranda Music”auch als erfolgreicher Übersetzer und Theatermusiker etabliert. Möchtest du lieber mit Literatur oder lieber mit Musik assoziiert werden? 

Das wechselt. Ich bin tatsächlich ganz froh, beides machen zu können. Auf einem bestimmten Erfolgslevel würde ich wahrscheinlich Musik sagen. Die war auch als erstes da. Bis vor kurzem wollte ich das immer vollkommen getrennt halten, also so, dass das eine nichts vom anderen weiß, inzwischen hat sich das aber irgendwie aufgelöst. 

In den frühen 2000ern hat sich für euch als Band eine vielversprechende Musikkarriere angekündigt. Ihr wart beispielsweise auf Tour mit Legenden wie Marianne Faithfull und Jonathan Richman. Warum seid ihr heute keine Popstars? 

Wir haben nicht aktiv dagegen angearbeitet, muss ich zugeben, im Gegenteil. Also, keine Ahnung, wir machen weiter, die Welt fängt jeden Tag von Neuem an. Hauptsächlich wollen wir natürlich mit dem, was wir für richtig und stark halten, Leute fesseln und ihnen einen Gewinn bringen. 

„So wie wenn Andy Warhol Beethoven seine Bilder zeigt“

Trotzdem genießt ihr in der Hamburger Kulturlandschaft Kult-Status. Geht man auf eure Konzerte trifft man jede Menge anderer Hamburger Künstlerinnen und Kulturschaffende. Woran liegt das?

Ich habe immer erst im Nachhinein gehört, wer offenbar Fan ist. Es sind sicher auch gemeinsame, ähnliche soziale Kreise und wir laden auch mal gezielt Leute ein. Auf jeden Fall freut es mich natürlich immer, wenn Menschen, die ich selbst schätze, das mitkriegen und gut finden. So wie wenn Andy Warhol Beethoven seine Bilder zeigt.

Das neuste Album „Unter Einfluss“ ist das erste deutschsprachige Album von „Veranda Music“. Durch Americana-Einflüsse habt ihr euch immer von der Musikbewegung der Hamburger Schule abgehoben. Wie kam es zu diesem Stilwechsel?

In diesem Fall war es ja nur die Sprache. Angefangen mit zwei, drei Stücken, die wir live gespielt und dann aufgenommen haben. Daraus ist dann irgendwann ein ganzes deutsches Album geworden. Das war aber nicht gleich klar und im Endeffekt auch ein wilder, roher Kampf. Ich schätze mal, ab jetzt geht es wieder auf Englisch weiter.

Es fallen oft Namen wie John Lennon, Tindersticks oder Eels. Der Americana-Begriff war mir allerdings immer eher fremd. Das liegt zumindest bei mir daran, dass ich die Zugehörigkeit zu einer Bewegung oder Musikrichtung nie hatte. Es bezieht sich vielleicht mehr auf das Selbstverständnis, als darauf, wie die Musik klingt.


Welche Rolle spielt Musik- und Undergroundkultur für dich heute?

Beschränkt sich für mich auf das konkrete Hören und Ansehen einzelner Interpretinnen und Interpreten ohne einen besonderen sozialen Zusammenhang, das war glaube ich schon immer so. 

Das Album ist auch eine Hommage an den früh verstorbenen Hamburger Underground-Musiker Tobias Gruben. Darüber, ob ihr das auch nach Außen kommuniziert gab es in der Band zunächst Uneinigkeit, oder? 

Total, wobei, innerhalb der Band nicht, nur mit dem Label und anderen. Ich würde es auch nach wie vor nicht so nennen. Es ist nicht wirklich so gemeint, außerdem hatte ich Angst, dass es dann wieder nur um dieses Thema geht, so wie damals nach seinem Tod, und nicht um die Genialität und Massentauglichkeit der Stücke. 

„Ich empfinde Musik, die als traurig bezeichnet wird, oft auch gar nicht so“

Auch wenn ihr euch musikalisch nicht so leicht verorten lasst, was euch ausmacht ist eine konstante Melancholie. Woher kommt die? 

Aus dem Herzen? Ich bin nicht sicher, wie viel das mit Mentalität zu tun hat und wie viel mit Musik. Ich empfinde Musik, die als traurig bezeichnet wird, oft auch gar nicht so. Sei es jetzt Cat Power, Tom Jobim oder Nick Cave. In der Schweiz kam mal nach dem Konzert jemand auf uns zu, der sich bei der Ankündigung verhört hatte und dachte, wir heißen ‘Fun Band‘. Fand er total passend, den Namen. Ich habe auch schon gelesen, wir würden “die Welt musikalisch von ihrer gebräunten Seite aufrollen”.

Der Sänger Olli Schulz hat sich vor einer Weile in seinem Podcast mit Jan Böhmermann  „Fest und Flauschig” als großer Veranda Music Fan bekannt. Wusstest du das vorher schon? 

Nein, das war eine Überraschung, da riefen mich danach ein paar Leute an. Das hat immerhin für sechsstellige Spotify-Zahlen gesorgt. Ich kannte das vorher nicht, seitdem bin ich aber auch sein Fan, echt. 

Am 17.06 tretet ihr im Knust auf. Angekündigt sind auch zwei oder drei Gäste. Welche? 

Das ist vor allem eine generelle Ansage zu unseren Konzerten. Wir spielen gern und oft nicht nur zu viert als Band, sondern wie ein Ensemble erweitert zu fünft bis acht. In den letzten Jahren hat das immer variiert. Diesmal wird auf jeden Fall ein Percussionist dabei sein, der schon beim letzten Mal eine große Bereicherung war. 

Am 17. Juni treten Veranda Music im Knust in Hamburg auf. Tickets gibt es bei Ticketmaster.


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Super People Stage: Slots, Money und Präsenz

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RockCity Hamburg und Haspa Musik Stiftung bieten mit der „Super People Stage“ Live-Support für Hamburger Acts. Das Projekt startet am 16. Juni mit einem Doppelkonzert von Blurry Future und WHT?! im Knust!

Auch wenn sich das Infektionsgeschehen wieder beruhigt hat, bleibt die Situation für den Hamburger Musiknachwuchs schwierig. Nach wie vor leiden Newcomer zum Beispiel unter Absagen, Verschiebungen und niedrigen Gagen. Die Haspa Musik Stiftung hat darum gemeinsam mit RockCity Hamburg die „Super People Stage“ ins Leben gerufen.

Unterstützung für Hamburger Bands, Djs und Live-Acts

Konkret supportet werden Acts aus der Hansestadt durch die „Super People Stage“ mit Gagenunterstützung, Produktionszuschüssen und einem Top-Booking. So bekommt der Hamburger Musiknachwuchs die Chance, nach Corona endlich wieder live und vor Publikum auftreten zu können. Gleichzeitig können auch die Locations nach der Corona-bedingten Zwangspause von dem Projekt profitieren.

Bereits 2020 war die „Super People Stage“ als Projekt mit Fokus auf female Music, Art und Performance gestartet. Auch hier war die Idee Hamburger Musiker:innen eine Bühne zu bieten. Durch die Kooperation mit der Haspa Musik Stiftung wird diese Bühne jetzt für alle spannenden Acts aus der Hansestadt geöffnet.

Das erste Konzert der Reihe findet am 16. Juni 2022 im Knust statt, mit einem Doppelkonzert von Blurry Future und WHT?!. Monatliche Termine werden daraufhin folgen.

haspa-musik-stiftung.de


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Tanzen unter freiem Himmel: 10 Open-Air-Locations

Die Temperaturen steigen und im Mai soll es noch bis zu 30 Grad werden. Es wird also Zeit die Sonnenbrille rauszuholen und wieder unter freiem Himmel zu tanzen! Hier kommen 10 Open-Air-Locations zum Trinken und Tanzen an der frischen Luft.

Text: Henry Lührs

Partys und Konzerte auf dem Knust Vorplatz

Von Frühling bis Spätsommer finden im Rahmen der „Knust Lattenplatz Open Air” jede Menge Konzerte, Partys und kleinere Festivals statt. Schon für kleines Geld oder sogar kostenlos können Spontanentschlossene hier warme Tage bestens mit einem kalten Bier in der Hand ausklingen lassen.

Ein Highlight sind jedes Jahr die zahlreichen „Knust Acoustic” bei denen Bands und Singer Songwriter akustische Konzerte unter freiem Himmel spielen. Hier haben zum Beispiel schon Jupiter Jones, Enno Bunger oder OK KID den sonnigen Platz zwischen Karostar und Schlachthofgebäude gerockt. Kommende Open-Airs im Mai sind zum Beispiel die Konzerte von Fazer, Lucas Laufen oder Ian Fisher und Band.

Public Viewing auf dem Lattenplatz beim Knust Foto: Knust
Kostenloses Konzert vor dem Knust (Foto: Lattenplatz Open Air)

Indie-Party im Backyard vom Molotow

Im Hinterhof des Molotows versteckt sich das legendäre Backyard. Hier finden im Sommer verschiedenste Gigs statt und auch Partys werden hin und wieder mit nach draußen verlegt. Neben der Möglichkeit an der frischen Luft zu verschnaufen oder eine (Raucher)Pause einzulegen, wartet außerdem eine kleine Bar mit kaltem Bier.

Das Backyard bietet Platz für Kleinere Festivals und hin und wieder wird der Hinterhof in einen Biergarten umgewandelt. Bis in den nächsten Morgen kann man sich hier die Sommernächte unter Lichterketten und Lampions um die Ohren hauen. Kommende Open-Air-Konzerte im Mai gibt es zum Beispiel von My Ugly Clementine oder Team Scheisse. Im Juni spielt außerdem Edwin Rosen unter freiem Himmel und das Booze Cruise Festival bespielt die Bühne des Backyards.

Tanzen wieder möglich: Molotow (Foto: Alexander Schliephake/www.instagram.com/_fox_on_the_run)
Tanzen wieder möglich: Molotow (Foto: Alexander Schliephake via Instagram)

Open-Air Raven im Edelfettwerk

Das Edelfettwerk ist bestens ausgestattet für die Open-Air-Saison. Hier kann nicht nur auf der großen BackYard-Terasse getanzt werden, sondern mit der Dachterasse und zwei Beachclubs gibt es gleich vier verschiedene Außenbereiche. Die ehemalige Fabrik für Edelfette hat bis heute ihren industriellen und urbanen Charme behalten.

Auf 400 Quadratmetern wird auf den verschiedenen Floors gefeiert – meistens zu Electro, House oder Drum’n’Bass. Techno-Highlights im Mai sind unter anderem die „Secret Garden“ Open Air oder die 16 Stunden Open Air „Yes we Dance”. Außerdem findet hier mit dem „Save the Summer Festival“ schon das erste Open-Air-Festival des Jahres statt.

Open-Air-Party (Foto: Edelfettwerk via Facebook)

Biergarten und Livemusik im Schroedingers

Direkt im Schanzenpark findet sich eine Mischung aus Kulturzentrum, Cafe, Restaurant und Eventlocation. In Corona-Zeiten hat sich vor allem der riesige Außenbereich als perfekter Ort für Konzerte und Live-Events bewährt. Jedes Wochenende werden hier verschiedene Partys gefeiert. Zu den Regelmäßigen Events gehören „Schrödingers Lichtung“ und „Schrödingers Tanzbar“, viele Veranstaltungen werden aber auch spontan über Social Media angekündigt.

Biergarten und After-Work Party kommen hier jedenfalls im modernen und zwanglosen Gewandt daher. Bei den Schrödingers Open Airs legen aber auch gerne mal renommierte DJs wie Oliver Schorries auf. Auf das Line-Up in diesem Sommer darf man daher gespannt sein!

Gesellige Sommerabende im Schanzenpark (Foto: Schroedingers via Facebook)

Open Air am Moorburger Elbdeich

Gute Partys gibt es nicht nur im Stadtkern! Gerade wenn es um Open Airs und elektronische Musik geht, lohnt sich generell der Blick auf die andere Elbseite. In Moorburg hat der Elbdeich e.V eine lebendige Plattform für Kunst, Musik und Feierkultur etabliert. Zwischen Autobahn, Hafenindustrie und Kraftwerk blüht hier das Leben bei den verschiedensten Veranstaltungen auf.

Im Sommer stehen natürlich auch Open Airs auf dem Programm. Die „Hofnarren Open Air“ lädt zum Beispiel am 28. Mai dazu ein, endlich wieder unter der Sonne zu tanzen. Auf die Ohren gibt es natürlich feinsten Techno. Aber auch das Swamp-Festival Ende Juni bringt Livemusik an den Moorburger Elbdeich.

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Foto: SZENE HAMBURG

Bootsparty auf der MS KOI

Was gibt es schöneres als auf der Elbe dem Sonnenuntergang entgegen zu schippern?! In Hamburg ist das möglich und zwar zu lauter Musik und ausgelassenen Partys auf der MS KOI. Vorbei an den vielen Kränen kann man hier auf drei Decks einmal quer durch den Hamburger Hafen tanzen. Die ersten beiden Touren für dieses Jahr hat das Party-Schiff schon angekündigt!

Am 21. Mai organisiert der Musikclub NOHO eine große 90er-Party. Auch die Sunset-Boatparty von Boris Dlugosch und Derrick White findet wieder statt, und zwar am 11. Juni 2022. Alle weiteren Partys und Events wird die MS KOI sicherlich in den nächsten Wochen ankündigen.

Auf der Elbe in den Sonnenuntergang tanzen (Foto: MS KOI via Facebook)

Livemusik auf dem Dockville Gelände

In den Sommermonaten ist auf dem Dockville-Gelände in Wilhelmsburg eigentlich immer etwas los. Auch wenn das MS Dockville Festival selbst natürlich das absolute Highlight der Open-Air Saison ist, lohnt sich der Ausflug auf die Elbinsel auch an anderen Tagen. Neben dem Dockville Festival findet beispielsweise auch das MS Artville Festival, das Spektrum Festival oder der Vogelball statt.

Neben diesen regulären Terminen gibt es aber auch noch einige weitere Konzerthighlights diesen Sommer. Am 27. August tritt der DJ und Produzent Boris Brechja bei einer großen Liveshow an der Alten Schleuse auf. Am 4. September kommt die Hamburger Techno Marching Band Meute für ein Konzert nach Wilhelmsburg. Es lohnt sich also die Augen offen zu halten und auf das Line-Up zu achten.

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Ekstase auf dem Dockville-Gelände (Foto: Andreas Hornoff)

Beach-Clubbing bei Strand Pauli

Der Beachclub Strand Pauli ist bereits im Sommermodus und hat den Laden komplett auf Vordermann gebracht. Mitten auf St.Pauli gibt es hier leckere Drinks mit Blick auf Elbe und Hafenpanorama. Bis Oktober ist die „Insel in der Stadt“, wie sich der Club selbst bezeichnet, sieben Tage die Woche geöffnet. Hier schmeckt das Feierabendbier an den geselligen Grillabenden besonders gut.

Aber natürlich kann im Strand Pauli auch regelmäßig gefeiert werden. Wer keine Lust hat, auf das nächste Event zu warten, kann die eigene Freundesgruppe anmelden und selbst einen drauf machen (ab 15 Personen) oder ganze Teile des Ladens für die eigene Party mieten (ab 50 Personen).

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Sonnenuntergang im Beachclub am Hafen (Foto: Strandpauli)

Drinks und DJs in der Sands Bar

Direkt am Dammtor Bahnhof befindet sich die Kult-Cocktailbar Sands Bar. Hier gibt es leckere Drinks in entspannter und schicker Atmosphäre. Die große Terrasse wurde für die Open-Air-Saison neu gestaltet und mit einer kleinen Eventfläche ausgestattet. Bei den Sands-Open-Airs wurde in der Vergangenheit bereits ausgelassen in laue Sommernächte gefeiert. Wer gute Cocktails zu schätzen weiss, wird sich hier über eine prächtige Bar freuen.

Buntes Treiben auf der Sonnenterasse (Foto Sands Bar via Facebook)

Über den Dächern feiern im Clouds

Ganz Hamburg im Blick und dabei eine Gin Tonic in der Hand haben? In der Clouds Heaven’s Bar ist das kein Problem! Gefeiert wird hier allerdings eigenen Angaben zur Folge auch in „uppereast-Manier“. Zum Beispiel am 21. Mai 2022 bei der achten Ausgabe der Partyreihe „Upperclouds“. Auf der Dachterrasse der Bar, dem heaven’s nest, lässt es sich gut über den Dingen stehen und bei dem Elbblick schmeckt der Schampus besonders gut. Beim Dresscode gilt: Dress to Impress!

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Lounge-Feeling über den Dächern der Stadt (Foto: Clouds Heaven Nest)

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Top 10 – Auf diese Events freuen wir uns im Juli

Konzert-Dinner, Videokunst, Open-Air: Der Juli hält wieder tolle Events bereit – auf diese zehn freuen wir uns besonders

Foto: Gesche Jäger

 

1) Circus Theater Roncalli – Zirkus der Träume

Das Gastspiel des Circus Theater Roncalli in Hamburg neigt sich langsam dem Ende zu. Noch bis zum 14. Juli gastiert der Zirkus der Träume mit seinem neuen Programm „Storyteller: Gestern – Heute – Morgen“ in der Stadt. Innovativ und fantastisch: Tiere als Hologramme entern die Manege, atemberaubenden Artistik, charmante Clowns zum Kaputtlachen. Und das unter dem Dach des nostalgischen Zirkuszeltes. Fast drei Stunden lang werden die Besucher in eine andere Welt entführt – genau so geht Zirkus. / HED

Circus Theater Roncalli: 4.7., Moorweide, 15:30+20 Uhr

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Foto: www.roncalli.de


2) Here We Are Today – Foto- und Videokunst

Bei der heutigen Führung kann man nicht nur die Kuratorin der Ausstellung „Here We Are Today“ treffen, die beleuchtet, wie Fotografie und Video auf unsere Welt blicken, sondern mit Kathrin Baumstark gleichzeitig auch die neue Museumsdirektorin des Bucerius Kunst Forums kennenlernen. Gezeigt werden in der Schau, mit der gleichzeitig auch der neue Standort eröffnet wird, Werke von Shirin Neshat, Andreas Gursky, Hito Steyerl und zwölf weiteren internationalen Künstlern. / SD

Here We Are Today: 8.7., Bucerius Kunst Forum, 18 Uhr

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Foto: Ulrich Perrey 


3) The Cure – Eine filmische Musikreise

Live sind The Cure eine Macht. Im Juli 2018 gaben die kultigen Briten im Londoner Hyde Park eine besonders eindrucksvolle Performance ab: Sie feierten 40 Jahre Bandgeschichte. Ihr langjähriger Weggefährte Tim Pope zeichnete das Spektakel in 4K auf. In den Zeise Kinos ist der daraus entstandene, sound- und bildgewaltige Dokumentarfilm „The Cure – 1978-2018 Live in Hyde Park“ heute einmalig zu sehen. Eine 135-minütige Musikreise mit 29 großen Cure-Songs. / MAS

The Cure: 11.7., Zeise Kinos, 20 Uhr

The-Cure


4) Richie Ros live – Dinner mit Konzert

Musikalische Sommerpause in der Elbphilharmonie gleich große Leidenszeit im berühmtesten Konzerthaus der Stadt? Nix! Der Monat Juli sowie Anfang August sind pickepackevoll mit Top-Events im Störtebeker Restaurant Beer & Dine. Beim dortigen „Dinner mit Konzert“ gibt es an ausgewählten Terminen ein Überraschungsmenü in drei Gängen sowie dienstags bis freitags Live-Künstler, etwa den irischen Singer/Songwriter Richie Ros, der heute mit seiner Gitarre im Lokal aufschlägt. / EBH

Dinner mit Konzert: 12.7., Störtebeker Restaurant, 18-21 Uhr

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Foto: Kelby Guilfoyle 


5) Join-The-Difference-Party – Open-Air fürs elektronische Tanzbein

Der Arno-Schmidt-Platz vor der Bücherhalle am Hauptbahnhof hat sich in diesem Jahr zur festen Open-Air-Location gemausert. An den Treppen zum Hühnerposten wird mit fetten Bässen und herrlich ungestört das elektronische Tanzbein geschwungen. Heute mit einer weiteren Ausgabe der Join-The-Difference-Party und dem Mannheimer Nick Curly, Kopf des Underground-Labels 8bit und herausragender Act der weltweiten House- und Technoszene. / OMA

Join-The-Difference-Party: 13.7., Arno-Schmidt-Platz, 19 Uhr

Join-The-Difference-Nick-Curly


 6) Theater ohne Grenzen – Eine „Lebensreise“ im Sprechwerk

Inklusion auf der Theaterbühne: Seit 2007 erarbeiten Menschen mit und ohne Behinderung aus Hamburg, der Schweiz und Russland im Rahmen des Festivals „Theater ohne Grenzen“ gemeinsam ein Theaterstück – nach der letzten Premiere im Ernst Deutsch Theater präsentiert die Gruppe ihre neue, dreisprachige Inszenierung dieses Jahr erstmals im Sprechwerk. Die insgesamt 30 Ensemblemitglieder verarbeiten dabei Erinnerungen, gute und schlechte Momente zu einer theatralischen „Lebensreise“. / SHE

Theater ohne Grenzen: 15.7., Hamburger Sprechwerk, 19.30 Uhr

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Foto: Gesche Jäger


7) Apocalypse Now – Im „Final Cut“

Laut American Film Institute ist Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ einer der 100 besten Filme überhaupt; 1979 wurde er mit drei Golden Globes ausgezeichnet und für acht Oscars nominiert. Nun wurde das meisterhafte, visionäre Antikriegs-Epos mit Marlon Brando in der Hauptrolle aufwendig restauriert – von Coppola höchstselbst. „Apocalypse Now – Final Cut“ ist heute in der Astor Film Lounge zu sehen: in 4K und mit Dolby-Atmos-Sound und 183 Minuten lang. / MAS

Apocalypse Now: 15.7., Astor Film Lounge, 20.15 Uhr

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Foto: Studiocanal


8) Knust Acoustics – Unplugged-Musik auf dem Lattenplatz

Gibt Schlimmeres, als Live-Musik unter freiem Himmel zu erleben und das auch noch zu Spottpreisen. Die Knust Acoustics machen genau das möglich. An ausgewählten Abenden (bis 28.8.) spielen drei Künstler jeweils 30-minütige Sets und präsentieren ihre Songs im musikalisch reduzierten Gewand. Heute auf der Bühne: die Sängerin und Songschreiberin Lina Maly (Foto), die Indie-Popper Me & Reas sowie die DIY-Truppe Odeville. Eintritt: 5 Euro (Kinder, Jugendliche unter 18 Jahren und sozial Bedürftige müssen nichts zahlen). / EBH

Knust Acoustics: 24.7., Knust Vorplatz, 18 Uhr

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Foto: Mightkillya


9) Too Many Zooz – Brass-House im Mojo Club

Matt Doe, David Parks und Leo Pellegrino sind zusammen Too Many Zooz und nennen das, was sie zunächst in New Yorks Subway-Stationen vorstellten und mittlerweile weltweit auf großen Bühnen spielen, schlicht: Brass-House. Jazz, Funk, Punk, Swing – alles dabei, und zwar so geschickt miteinander verknüpft, dass die Zooz einen nicht ganz unprominenten Fürsprecher haben: Questlove von The Roots. / EBH

Too Many Zooz: 24.7., Mojo Club, 20 Uhr

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10) Slamville – Geschichtenerzähler auf dem MS-Artville-Gelände

Das Slamville geht in die vierte Runde! Auf dem Gelände des MS Artville in Wilhelmsburg versammeln sich auch dieses Jahr wieder die besten Poetry Slammer und Literaten Deutschlands zum gemeinsamen Wortspielfest. Und mit „die besten“ sind auch wirklich die besten gemeint. Das Line-up kann sich sehen lassen: Heinz Strunk, Sophie Passmann, Felix Lobrecht, Patrick Salmen, Svenja Gräfen, Stefanie Sargnagel und viele mehr erzählen auf der Grünfläche am Hafen ihre Geschichten und Gedanken. / IGA

Slamville: 27.7., Reiherstieg Hauptdeich / Ecke Alte Schleuse, ab 14 Uhr

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Foto: Asja Caspari


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDiese Texte stammen aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im 
Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Ladies – Artists – Friends: Konzert des Monats

Miu, Sarajane, Debby Smith, Kathrin Ost, Linda Kauffeld und Joscheba Schnetter geben gemeinsam ein Konzert. Ein Gespräch über die Vorteile für die Musik und das Geschäft.

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Miu und Sarajane, mit Ladies-Artists-Friends habt ihr einen Schulterschluss mehrerer Hamburger Musikerinnen geschafft. War es leicht, alle an einen Tisch zu bekommen und gemeinsame Sache zu machen?

Sarajane: Ja, denn viele Hamburger Musikerinnen kennen sich schon lange, haben teils zusammen studiert und sind freundschaftlich miteinander verbunden.

Miu: Wir haben viel Kontakt. Auch weil alle ähnliche alltägliche Probleme und Wehwehchen haben.

 

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Die Initiatorinnen von Ladies-Artists-Friends mit Miu (M.) und Sarajane (3. v. l.) Foto: Elena Zauke.

 

Zum Beispiel?

Sarajane: Man muss es sich so vorstellen, dass wir alle jeden Tag in unseren Büros sitzen und versuchen, unsere Karrieren zu pushen. Wir sind gleichzeitig Künstlerinnen, Label, Management, Booker.

Miu: Es ergeben sich immer Situationen, in denen wir die Unterstützung der anderen gut gebrauchen können. Zum Beispiel, wenn wir mal eine Vertretung für einen Gig suchen oder einen bestimmten Booking-Kontakt. Auch Dinge wie das Playlist-Marketing für Spotify und Co. sind nicht so einfach, da ist es gut zu wissen, dass wir jemanden anrufen können, der vielleicht schon mehr Erfahrung hat.

 

Hier könnt „Bullets Out Of Love“ von Sarajane hören

 

Wie verlief denn das erste Treffen von Ladies-Artists-Friends? Ging es dabei nur um Musikgeschäftsfragen?

Sarajane: Erst mal wollten wir unser Wissen gegenüber den anderen Künstlerinnen offenlegen, damit alle etwas davon haben. Wenn wir immer nur als Einzelkämpferinnen unterwegs wären, würden wir womöglich ständig in die gleichen Fallen tappen. Zum Beispiel, was Auftritte in Clubs angeht, in denen wir noch nicht waren, andere aber schon. Dann können wir diejenigen einfach kurz fragen, ob u. a. die Konditionen dort okay sind.

Miu: Unsere Herzen schlagen aber weniger fürs Geschäft, als für die Musik an sich. Deshalb kamen wir ziemlich schnell auf den Gedanken, mal etwas zusammen auf der Bühne zu machen.

Wettbewerbsgedanken gab es bei all dem nicht untereinander?

Miu: Nein. Wettbewerbsgedanken kann ich in der Musik aus Sicht von Plattenfirmen zwar grundsätzlich verstehen, die wollen schließlich ihren Gewinn maximieren. Aus Musiker- und Musikrezipientensicht sind solche Gedanken aber total unangebracht. Musik entsteht schließlich durch gemeinsames Musizieren, und dafür macht es Sinn, dass man sich alles, was einem Labels über Wettbewerb vielleicht schon eingeimpft haben, schnellstmöglich wieder abtrainiert.

Also keine Wettbewerbsgedanken – aber sicher verschiedene musikalische Geschmäcker. Seid ihr schnell auf einen Nenner gekommen, was euer Live-Programm betrifft?

Miu: Ja. Wir haben eine Band, die uns bei Auftritten begleitet, jede Künstlerin spielt drei oder vier Songs mit ihr und kann ihre Ideen so umsetzen, wie sie möchte. Für Singer/Songwriterinnen, die normalerweise nur mit der Gitarre auf der Bühne stehen, bietet diese Konstellation auch ganz neue Möglichkeiten, weil sie ihre Stücke größer arrangieren können, zum Beispiel mit Percussion-Parts und Chören.

 

Hört hier „Ohana“ von Miu

 

Ist der Kreis der Ladies-Artists-Friends eigentlich begrenzt?

Miu: Es gibt zwar einen harten Kern, aber wir sind kein abgeschlossener Club. Vielmehr geht es uns darum, dass diejenigen, die richtig Bock haben, sich auch einbringen können.

Sarajane: Miu und ich übernehmen normalerweise viel von der Organisation, machen aber gerade beide Solo-Alben und sind sehr eingespannt. In dieser Phase freuen wir uns, dass etwa Kathrin Ost von der Band August August, die neu im Orga-Team ist, bei der Ladies-Artists-Friends-Planung oft mit anpackt und auch große Lust darauf hat. Wir haben auch offene Stammtische mit allen Künstlerinnen, die wir am liebsten noch regelmäßiger veranstalten würden.

 

Hier könnt „Shape of You“ als Cover von Debby Smith hören

 

Euer nächstes gemeinsames Konzert veranstaltet ihr am 8. März im Knust. Ist es Zufall, dass es auf den internationalen Frauentag fällt?

Sarajane: Nein, das ist pure Absicht. Die Leute vom Knust haben uns dieses Datum für Ladies-Artists-Friends vorgeschlagen – und wir waren natürlich sofort Feuer und Flamme.

Wird es danach womöglich auch ein Ladies-Artists-Friends-Album geben?

Miu: Wir haben mal über einen Sampler nachgedacht. Dafür müssen wir aber auch die Zeit und das Geld haben. Ladies-Artists-Friends ist im Moment noch ein teurer Spaß für uns, auch weil wir die Band stellen und uns als Ziel gesetzt haben, dass jede auftretende Künstlerin ein Honorar bekommt. Aber: Es gibt schon eine Spotify-Liste mit Songs von vielen, die bei uns sind.

Ladies – Artists – Friends: 8.3., Knust, 21 Uhr.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Konzert des Monats – Fortuna Ehrenfeld

Im Knust steigt die Weihnachtsfeier des Hamburger Labels Grand Hotel van Cleef. Hauskapelle an diesem Abend: Fortuna Ehrenfeld aus Köln.

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Michael Haegele

Band-Kopf ist der Multiinstrumentalist Martin Bechler. Mit Songs wie „Das heilige Kanonenrohr“, „Glitzerschwein“ und „Der Puff von Barcelona“ hat er eine Poesie geschaffen, die von einem seiner Label-Chefs beim Grand Hotel schlichtweg als „durchgeknallt“ bezeichnet wird. Ein Gespräch mit Bechler über seine Sicht der Dinge, auch über die Gründe, warum er Fortuna Ehrenfeld „so klein wie möglich“ halten möchte, die Vorzüge, die er bei seiner Plattenfirma genießt, und einen Kölner Singsang, der zur anstehenden X-Mas-Party passt.

SZENE HAMBURG: Martin, was ist nötig, damit eine Weihnachtsfeier gelingen kann?

Martin Bechler: Die richtigen Leute! Und das ist bei der GHvC-Weihnachtsfeier im Knust natürlich gegeben. Wir in Köln haben sogar einen Satz zum Label, eine Art Kinderreim, den wir immer fröhlich vor uns her flöten: „Grand Hotel van Cleef, arschlochfreie Zone, arschlochfreie Zone, Grand Hotel van Cleef!“

Und welche Rolle spielt Musik bei der Label-Sause?

Das ist abhängig vom Alkoholpegel. Viele verteufeln ja nach wie vor deutschen Schlager, grölen ihn ab zweieinhalb Promille aber doch mit. Sind ja alles nur Menschen.

Mit Fortuna Ehrenfeld seid ihr nun der Soundtrack für die Grand-Hotel-Weihnachtsfeier. Eine besondere Verantwortung?

Es ist uns einfach eine große Freude, dort spielen zu dürfen, auch weil wir ja noch gar nicht so lange mit Grand Hotel van Cleef zusammenarbeiten, erst anderthalb Jahre. Aber in der Zeit ist schon viel passiert. Wir haben uns immer gut vertragen und tun es nach wie vor. Wir haben großen Spaß zusammen.

Worauf basiert dieser Spaß?

Mit dem Zusammenbruch der Musikindustrie müssen Firmen unheimlich profitorientiert arbeiten, auch Grand Hotel van Cleef. Es ist allerdings eine Frage, wie man profitorientiert arbeitet. Beim Grand Hotel gibt es ausschließlich Überzeugungstäter. Die Historie der Firma ist ja bekannt: Alles geht zurück auf einen Moment, in dem die Firmengründer sich gesagt haben: „So, es reicht – wir machen das jetzt selber!“ Und dieser Geist lebt dort bis heute. Da sind nur Leute, die Bock auf ihre Arbeit und keinen Controller in Übersee im Rücken haben, der sich einen Scheißdreck um die Sache schert, Hauptsache, die Zahlen stimmen.

Du hast einmal erzählt, Fortuna Ehrenfeld und Grand Hotel wären durch Gespräche, noch mehr Gespräche und viel Alkohol zusammengekommen. In dieser Reihenfolge?

Exakt in dieser Reihenfolge. Ich bin ja nicht mehr der Jüngste, habe in meiner Laufbahn oft aus der zweiten, dritten Reihe gearbeitet und kenne das Prozedere rund um das Zustandekommen von Zusammenarbeiten sehr gut. Und in diesem Fall muss ich echt sagen: Ich habe noch nie mit solch seriösen Leuten zusammengearbeitet. In den Gesprächen wurde uns klar, dass ein Schuh daraus werden kann. Der Alkohol kam zum Schluss.

 

Meine Texte haben eine Poesie, die ich genau so gut finde

 

Einer der Label-Betreiber, Marcus Wiebusch, sagt über Fortuna Ehrenfeld, die Songs hätten „die besten durchgeknallten Texte“. Du bist der Autor – kommen sie dir auch durchgeknallt vor?

Bei höchstem Respekt für Marcus: nein, gar nicht, null. Es ist nicht so, dass ich morgens aufstehe und denke: „So, was machen wir denn heute Absurdes?“ Meine Texte haben eine Poesie, die ich genau so gut finde. Und Gegenfrage: Was ist durchgeknallt?

Sag du es!

Der „Ketchup Song“ von Las Ketchup, der ist durchgeknallt!

Wenn man wie du ständig als Einmann-Projekt arbeitet, hat man vielleicht auch nicht mehr den Blick fürs Durchgeknallte, findet dieses womöglich irgendwann ganz normal. Woher kommt eigentlich dein Hang zum Alleinarbeiten?

Ich habe ziemlich genaue Vorstellungen von Musik, auch von einzelnen Wörtern in Songtexten. Die müssen genauso sein, wie ich sie haben möchte. Und wenn ich alleine arbeite, habe ich den Vorteil, dass ich darüber mit niemandem verhandeln muss. Wer mal in einer Band gespielt hat, weiß, dass es die Pest ist, wenn jeder zu allem etwas zu sagen hat, und sei es eine Diskussion darüber, ob man auf der Bühne Schlaghosen oder Leuchtbänder trägt. Bei Fortuna Ehrenfeld war deshalb von Anfang klar, dass die Band so klein wie möglich bleiben soll.

 

Wir wollen bestmöglich entertainen

 

Und wenn die Musik fertig ist? Lässt du dann andere mitreden?

Auf jeden Fall. Wenn du die Leute vom Label fragst, werden sie dir sagen, dass ich der kompromissbereiteste Typ bin, wenn es darum geht, was man mit der fertigen Musik macht.

Also Kontrolletti bei der Arbeit, Teamplayer beim Label – und auf der Bühne? Dort wird es nicht selten wild, wenn du auftrittst. Würdest du dir Rampensau-Eigenschaften attestieren?

Puh, das sollen bitte andere bewerten. Was auf der Bühne passiert, ist jedenfalls nicht von mir geplant. Es kann alles ganz ruhig sein, es kann aber auch Ausbrüche geben. Meine Live-Mitspieler und ich wollen vor allem Spaß haben bei dem, was wir machen. Wir wollen eine Party veranstalten und bestmöglich entertainen. Glücklicherweise bieten die Fortuna Ehrenfeld-Songs auch den nötigen Boden dafür, um dort oben ein bisschen rumzuspacken.

Fortuna Ehrenfeld: 7.12., Knust, 20.30 Uhr (mit weiteren Gästen)


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 29. November 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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