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Pho & Ramen – zwei Food-Trends im Ume no Hana

Ume no Hana: Das vietnamesisch-japanische Restaurant nimmt es mit den zwei Food-Trends Pho und Ramen auf einmal auf.

Wer schon einmal in Vietnam war, weiß die Außenbestuhlung des Ume no Hana sicherlich zu schätzen: Auf den niedrigen Plastikhockern, die sich hier auf der Terrasse vor dem Restaurant reihen, könnten Kinder wohl weitaus bequemer sitzen, die Aluminium-Klapptische haben schon einige Kratzer und stehen dicht gedrängt aneinander. Was bei anderen Restaurants vielleicht als Makel angemerkt werden würde, macht den Besuch im Ume no Hana nur noch authentischer. Denn genauso niedrig, eng und unglamourös sitzt man am Straßenrand von Saigon.

Im Inneren sieht es schon weniger nach Straßenküche und mehr nach Restaurantbetrieb aus: bunte Stühle, farbenfrohe Lampions und handbemalte Wände treffen hier auf dunkle Tische und eine Bar mit Holzverkleidung – bodenständiges Asia-Flair ohne klischeehafte Deko. Bei einem schnellen Blick durch den Raum fallen nur die japanischen Manga-Ausschnitte aus dem Konzept, mit denen Teile der Wände tapeziert sind. Hat hier jemand die asiatischen Länder durcheinander gewürfelt?

Street-Kitchen-Flair mit Klapptisch und Plastikhocker. Foto: Jasmin Shamsi

Weit gefehlt: Die Inhaber Thuy und Khan, ein junges Ehepaar mit vietnamesischen Wurzeln, kombinieren ihre Landesküche mit der Japans, und legen den Fokus dabei besonders auf die berühmten Suppen Pho und Ramen. Ursprünglich ein günstiger Snack, haben sich beide Gerichte inzwischen zum weltweiten Trend-Food entwickelt.

Das Ume no Hana hat es geschafft, das Rezept beider Suppen zu perfektionieren: Mit viel frischen Kräutern, Reisnudeln und fein aufgeschnittenem Rindfleisch überzeugt das Pho Bo Tai (8,90 Euro). Die Spicy Miso Ramen (13,50) Euro) punkten mit einer kräftigen, cremigen Brühe, etwas bissfesten Nudeln und einem Spritzer hausgemachtem Chiliöl, das dem Gericht seine angenehme Schärfe verleiht. Auch das Angebot abseits der Nudelsuppen fällt dagegen nicht ab. Die gefüllten Hackfleischröllchen des Bun Nem Met (9,90 Euro) sind knusprig, aber nicht zu fettig und werden neben Grünzeug und Reisnudeln eindrucksvoll auf einem Bananenblatt serviert.

Nur zu den obligatorischen vietnamesischen Sommerrollen (4,90 Euro), die zwar mit Mango und Kräutern leicht und frisch schmecken, würde man sich einen ausgefalleneren Dip als die unspektakuläre Hoisin- und Fischsoße wünschen – der Wow-Effekt bleibt aus. Der Sticky Rice mit Mango (6,90 Euro) zum Nachtisch versöhnt wieder, und schickt uns zufrieden zurück auf die Straßen Saigons … äh, Hamburgs, natürlich.

Text: Sophia Herzog

Ume no Hana: Thadenstraße 15 (Sternschanze)


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2018. Das Magazin ist seit dem 29. September 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Rindchen schlemmt – Man Wah

Niemals müde wird unser Kolumnist Gerd Rindchen von den chinesischen Spezialitäten des Restaurants Man Wah mitten auf St. Pauli.

Zu meinen bevorzugten Stätten der Einkehr zählt gefühlt seit der Jungsteinzeit das Man Wah. Hier findet vom experimentierfreudigen Hobby-Foodhunter bis hin zum traditionellen Entenesser ein jeder richtig tolle, authentisch zubereitete chinesische Spezialitäten – in einem zudem recht humanen Preisbereich. Eine klasse Art im Man Wah zu essen ist, sich mit Mehreren querbeet zahlreiche Spezialitäten aus der umfangreichen Vorspeisen- und Dim-Sum-Karte zu bestellen.

Da locken keck die gedämpften Teigtaschen mit Garnelen und Lauch gefüllt, sehr empfehlenswert sind die pikanten Reisteigrollen mit Schweinefleisch (die mit Rinderhack schmecken dagegen eher öde), knusprig kommen die gebackenen Wan Tans mit Garnelen daher, unverzichtbar sind die herzhaften, gegrillten Schweinerippchen und, ja, lecker sind auch die legendären marinierten Hühnerfüße, zu denen ich schon manch zögernde Zeitgenossen bekehrt habe.

Das Man Wah sorgt für neue Geschmackserfahrungen und spannende Entdeckungen

All diese geschmacklich völlig eigenständigen Spezialitäten schlagen mit 3,60 bis 4,20 Euro zu Buche und vier bis fünf pro Nase reichen locker, um satt zu werden. Aber auch die klassische Ente wird hier schulmäßig zubereitet. Tipp: Immer die Variante mit Knochen wählen, die ist einfach viel saftiger.

Richtig spannend wird es, wenn die Kellner die ausschließlich auf Chinesisch offerierten Gerichte von der Tageskarte übersetzen, die vorwiegend der Chinese als solcher hier am Nachbartisch verzehrt. Da gibt es immer wieder aufregende Entdeckungen, die völlig neue Geschmackserfahrungen offenbaren.

Weinmäßig ist es im Man Wah nicht so prall: Es gibt einen preiswerten, offenen chilenischen Chardonnay, der trinkbar ist und nicht blind macht. Ansonsten halt Gerstenkaltschale. Drin und drumherum tobt bis um Zwei in der Früh das pralle Kiezleben. Und wer schon um die Mittagszeit den zweifelhaften Shabby Chic des Spielbudenplatzes auf sich wirken lassen möchte, bekommt für um die 7 Euro eine breite Auswahl leckerer Mittagsgerichte.

Genießerherz, was begehrst du mehr?

Man Wah, Spielbudenplatz 18 (St. Pauli), Telefon 319 25 11



Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Bastion – Noch keine Festung guter Gastronomie

Außer einem freundlichen Service hat das Bastion bis jetzt nicht viel zu bieten.

Ein Vierteljahrhundert war das „Fees“ eine Institution im Museum für Hamburgische Geschichte am Holstenwall, Ende 2017 war alles vorbei. Nun geht es weiter: Tomas Benakovic („Hans-Albers-Klause“) und Tim Becker (unter anderem „Gaga“ und „Noho“) haben die Räume übernommen und „Bastion“ getauft. Benannt nach der im 17. Jahrhundert am gleichen Ort von Festungsbaumeister Johan van Valckenburgh errichtete Bastion „Henricus“, die Teil der barocken Hamburger Wallanlagen war. Eine „Bastion“ ist massiv und macht Eindruck. Ist die „Bastion Hamburg“ also eine Festung guter Gastronomie?

Zwei Wochen nach Eröffnung laufen noch die letzten Arbeiten, die große vordere Terrasse mit Grill und zahlreichen Plätzen ist schon fertig, der überdachte Innenhof bei unserem Besuch aber noch gesperrt. Drinnen sitzen wir an schwarzen Tischen auf edel wirkenden Sesseln aus dunkelgrünem Samt. Und wir sind alleine. Zwei Wochen nach der fetten Eröffnungsparty: große Leere. Nun könnte man ja meinen, dass dieser Umstand der Qualität der Speisen (Bistroküche mit kleiner Karte) gut tun könnte: Volle Konzentration des Kochs auf unsere wenigen Gerichte. Doch davon ist heute leider nichts zu spüren.

Neue Betreiber in historischem Ambiente: Tim Becker und Tomas Benakovic

Der „Wildkräutersalat“ (9,50 Euro) ist als Bezeichnung leider eine Unsitte in der Gastronomie. Denn weder besteht er aus Kräutern noch ist er „wild“. Stattdessen handelt es sich um kleine gemischte Blattsalate. Die in diesem Fall auch noch ziemlich schlapp sind und auch deshalb sichtlich unter dem etwas übermäßig dosierten Dressing leiden.

Das Rindertatar „mit seinen Aromen“ (17,50 Euro) ist ebenfalls etwas gestelzt formuliert. Gemeint sind damit die typischen Begleiter wie Kapern und Eigelb. Das Tatar ist zwar frisch jedoch recht ungleichmäßig und grob geschnitten, eher zaghaft abgeschmeckt und auch die rohen Zwiebeln darin muss man mögen.

Ein erstaunlicher Hauptgang

Beim Hauptgang erleben wir Erstaunliches. Wir bestellen Steinbutt mit Safranrisotto (25,50 Euro) und Steak-Frites vom Entrecôte mit Beilagen (an diesem Abend Spargel, 24,50 Euro). Und wir bekommen: zweimal Entrecôte. Dass es der Service bei gerade mal zwei Gästen schafft, sich die Bestellung falsch zu merken, ist mindestens erstaunlich. Das Fleisch ist immerhin in Ordnung, Garpunkt und Qualität stimmen. Spargel und Pommes sind jedoch zu weich. Dem ansonsten sehr freundlichen Service tut das alles sichtlich leid, die Crème brûlée (normalerweise 6 Euro) geht aufs Haus, obendrein bekommen wir 20 Prozent Rechnungsrabatt. Das ist sehr anständig. Dennoch: Zu diesem Zeitpunkt ist dieser Ort noch keine Festung guter Gastronomie. Um das zu ändern, wird man sich sehr anstrengen müssen und grundlegend am Niveau arbeiten.

www.bastion-hamburg.de, Holstenwall 24, Telefon 31 76 76 40

Text: Benjamin Cordes
Foto: Stiftung Historische Museen Hamburg

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 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Haco – Klar zur Wende!

Das muss man sich auch erst einmal trauen! Björn Juhnke reißt mit seinem Restaurant Haco auf St. Pauli das Ruder ganz radikal rum. Von handfester Kiezküche zu saisonal orientierter nordischer Küche. Von Backbord auf Haco.

Ersteres ist das Lokal, das hier vorher war, mit einfacher Kiezküche à la Schnitzel und viel Bier. Haco ist der neue Laden von Björn Juhnke, abgekürzt von „Hamburg Corner“, in dem er nun eine saisonal orientierte nordische Küche anbietet. Eine Wende um 180 Grad. Und so lautet auch sein Küchen-Motto. Das ist nämlich der Radius, aus dem er seine Produkte bezieht. Bedeutet im Klartext: Er zieht eine horizontale Linie knapp südlich von Hamburg und kauft grundsätzlich nur Produkte, die nördlich davon ihren Ursprung haben. Nach oben (also nach Norden) setzt er sich dabei keine Grenzen. Doch das ist nur Theorie. In der Praxis sieht das gut aus. Und schmeckt auch so.

Vier vegetarische Gänge gibt’s als Menü für 40 Euro, mit Fisch und Fleisch kommen 9 Euro dazu. Man kann aber sowohl innerhalb des Menüs variieren als auch jeden Gang einzeln bestellen. Der gebratene Kopfsalat mit Skyr (ein isländischer Verwandter vom Quark) ist etwas simpel geraten, die Gurkenstreifen mit Austernmayonnaise ein schöner Ausflug ans Meer. Bei der Brokkolisuppe mit gebratenen Röschen und Onsen-Ei zeigt Juhnke, wie man mit gutem Handwerk und dem langsam bei Niedrigtemperatur gegarten Ei auch aus etwas scheinbar Gewöhnlichem etwas Köstliches machen kann. Eine Wucht ist auch der grüne und weiße Spargel, der nicht nur perfekt gegart ist, sondern auch von einer Sauce hollandaise begleitet, die durch braune Butter süchtig macht. Die Lachsforelle mit Sanddorngel und Queller (einem fleischigen Salzwiesengewächs) gefällt uns mit kräftigen Aromen und unterschiedlichen Texturen: Säuerlich- fruchtiger Sanddorn, knackig- salziger Queller – sehr gut. Der vegetarische Karotten-Sellerie-Eintopf ist in Ordnung, die Maibockkeule mit gebratenem Spitzkohl und Urkarotte deutlich besser. Kaum zu verbessern ist der gepökelte und im Vakuum gegarte und dann kross gebratene Schweinebauch. Perfekt dazu die Zwiebelvariation mit einem Röstzwiebelpüree, von dem man eine ganze Schüssel voll löffeln könnte. Die Desserts stehen dem in nichts nach: weder die Variation aus Rhabarber, Milchschokolade und Veilchen noch der Frischkäse mit Erdbeeren und Sauerampfergranité. Highlight aber sind die Tapioka-Perlen zum Frozen Joghurt und zitronigem Biskuit, die sich mit Waldmeister-Sud vollgesogen haben und intensiv und trotzdem natürlich schmecken.

Die Weinkarte mit deutschem Schwerpunkt ist fair kalkuliert, der Riesling vom Weingut Künstler hat genug Kraft und Charakter, um es mit Fleisch und Fisch aufzunehmen. Was noch fehlt, damit Kiez und Topküche richtig fusionieren, wäre etwas gemütlicheres Licht, ausgefeiltere vegetarische Gerichte und ein Service, der noch eine Spur lässiger sein könnte. Dann reißt das Publikum das Ruder sicher mit herum. Von Backbord auf Haco.

/ BEN 

Restaurant Haco: Clemens- Schultz Straße 18 (St. Pauli), Telefon 74 20 39 39, Di-Fr 12–15 und 18–24, Sa 18 –24 Uhr; www.restaurant-haco.com

SomeDimSum – Lecker, laut, voll

In der Weidenallee in Eimsbüttel verbindet dieses asiatische Restaurant Teigtaschentradition (Dumplings) mit gelungenen Fleisch- und Gemüse-Neukreationen.

Hui … ist das voll hier. Zum Glück haben wir reserviert. Als wir uns setzen, merken wir: es ist nicht nur voll, es ist auch eng. Und laut. Vielleicht ein Anfängerfehler des sehr jungen Restaurants in der Weidenallee – zumindest verzeihen wir es schnell, denn die Bedienung ist unverschämt reizend. Wir bestellen bei ihr zur Kühlung der erhitzten Köpfe schnell zwei Bier (Ratsherrn Pils für 3,50 Euro und Pale Ale für 3,80 Euro). Das geht runter wie Öl und passt zum Studium der erfreulich übersichtlichen Speisekarte. SomeDimSum bietet Plates (kleine Vorspeisen), vegetarische Nudeln und Dumplings (kleine Teigtaschen) mit herausragend klingenden Füllungen an. Letztere kann man gebraten oder gedämpft bestellen und hat die Wahl zwischen vegetarischem oder karnivorischem Innenleben. So ordern wir erst mal zwei „Kleine Köstlichkeiten“ aka Plates: Oma He’s Schweinebauch (4,90 Euro) und Pickled Cucumber (3,90 Euro) sowie die erste Runde Dumplings. Für 4,90 Euro bekommen wir je drei Teigtaschen à la Duck Delight (Ente und Wasserkastanie), Thai-Curry (Süßkartoffel und Lauchzwiebel) und Teriyaki-Beef (Rind mit geschmorten Zwiebeln).

Bis auf die Plates sind wir rundum glücklich – ein bisschen ängstlich vielleicht, dass der zweite Gang auf sich warten lassen wird, denn der Service müht sich zu zweit an etwa 90 Gästen ab. Also schnell dumplingmäßig nachgelegt mit Vegan Tofu (Glasnudeln, China- kohl und Shiitake), Spicy Backyard (Glasnudeln, Gewürztofu und Backyard-Spice) und BBQ-Pork (Überraschung: Schwein mit BBQ-Mix) – ziemlich gut. Dazu noch mal eine Runde Bier (Pluspunkt: die Auswahl passt zum Futterangebot). Und bis das Essen kommt? Die Wartezeit lässt sich sonst mit guten Gesprächen überbrücken – hier geht das gesprochene Wort leider konsequent über die halbe Tischlänge verloren. Also lieber zuprosten und verliebt gucken.

Der Nachbartisch ist nicht ganz so geduldig und fängt bald an zu mosern, da kommt zumindest unsere zweite Runde. Danach sind wir vollkommen gesättigt. Der hochgepriesene Cheesecake-Schaum muss noch reinpassen, tut er auch. Schmeckt aber nicht. Schade eigentlich, denn die Selbsteinschätzung auf der Karte stimmte schon beim „wahnsinnig leckeren“ Gurkensalat so gar nicht. Es war trotzdem ein geschmackvoller Abend. Die frische Vorwinterluft ist aber der bessere Nachtisch.

Text: Jenny V. Wirschky

Weidenallee 60 (Eimsbüttel), Telefon 41 12 51 11, Mo-Fr 12–15 und 17.30–22.30, Sa-So 14–22.30 Uhr; www.somedimsum.de


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!