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Wanda: „Wir spielen um Leben und Tod“

2014 erschien „Amore“, das erste Wanda-Album, und katapultierte die Wiener Band von jetzt auf gleich in den Pop-Olymp. Mittlerweile sind Wanda mit „Ciao!“, Album Nummer vier, auf Tour. Ein Gespräch mit Frontmann Marco Michael Wanda übers Unterwegssein, Freiheitsgefühle und einen ganz speziellen Rausch

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Marco, noch vor der Veröffentlichung von „Ciao!“ im September 2019 hieß es, ihr hättet euch nach anstrengenden Jahren ordentlich erholt und Kraft getankt für alles, was nun kommt. Was heißt das eigentlich: Regeneration à la Wanda?

Marco Michael Wanda: Das heißt, nicht 40 Zigaretten am Tag zu rauchen, sondern nur 18. Die ersten Jahre sind schnell verflogen. Ist ja immer so: Wenn es bergauf geht, nimmt alles eine ganz andere Geschwindigkeit an. Irgendwann haben wir musikalisch ein wenig zurückgeschaltet, eigentlich schon bei der dritten Platte. Dieses anfängliche Tempo war irgendwann sehr bedrohlich, sowohl, was die Frequenz der Tourneen betraf, als auch was die Interview­-Etappen anging. Es hat einfach alles nie aufgehört. Also habe ich versucht, Musik zu schreiben, die das Tempo rausnimmt.

 

„Die Musik hat sich ver­langsamt – und damit auch uns“

Marco Michael Wanda

 

Hattest du Angst, dass du dadurch Wanda uninteressanter machst? Schließlich war eben jenes Tempo das, was so viele so sehr mochten.

Ich habe tatsächlich gedacht: „Nien­te“ floppt und vernichtet alles. Aber ir­gendwie ist „Niente“ noch erfolgreicher geworden, als die Alben zuvor, Single und Album waren in Österreich gleichzeitig auf Platz eins der Charts, und wir waren plötzlich in den ganz großen Hallen. Trotzdem: Die Musik hat sich ver­langsamt – und damit auch uns. Dadurch konnten wir neue Kraft tanken.

Heißt Kraft tanken für euch auch, sich voneinander zu erholen, also sich mal eine Zeit lang nicht zu sehen?

Nein, das nicht. Wir haben ja auf den vergangenen Tourneen gemeinsam gelernt, wie man mit dem Druck umgehen kann. Außerdem gehen wir uns gegenseitig nie auf die Nerven. Wir kennen uns in­ und auswendig, sind schon so viel Jahre zusammen unterwegs, da gibt es keine Probleme.

Ist das Tourleben nicht auch gefährlich für eine Band, weil sie dadurch in einen ganz anderen Kosmos gerät, fern von Normalität?

Sicher ist es uns auch mal passiert, auf Tour in so eine Zweiteilung des Lebens zu kippen, das ist dann wirklich schwierig und ein bisschen gefährlich. Also diese Momente, wenn man das Gefühl bekommt, dass das Privatleben in Wien eine Art andere Sphäre ist, als das Leben auf Tour. Das bewirkt, dass man innerlich zerrissen ist. Da kann man sich schon auch verlieren. Man kann hängen bleiben auf Tour. Manche Menschen kommen ja auch nie wieder zurück.

 

„Eine Tournee ist wie eine Reise in ein prähistorisches Ich“

Marco Michael Wanda

 

Andererseits: Machen Tourneen und jubelnde Massen womöglich auch süchtig?

Bei mir ist es nicht die Belohnung in Form von Applaus, die mich triggert. Sondern das Freiheitsgefühl, wenn wir unterwegs sind. Das lässt sich kaum sonst wo erleben. Vielleicht nur, wenn man wie Felix Baumgartner aus der Stratosphäre springt.

Kannst du dieses Gefühl etwas genauer beschreiben?

Eine Tournee ist wie eine Reise in ein prähistorisches Ich. Man fühlt sich sehr jung, ist weitaus mehr Kind als Mann. Das Leben kann so einfach erscheinen auf Tour, und das macht es so verlockend.

 

 

Macht dieses Freiheitsgefühl die Anstrengungen, die eine Tour natürlich auch mit sich bringt, ein Stück weit wett? Merkst du die Strapazen erst danach?

Ja, das ist auf jeden Fall so. Auf Tour spüre ich irgendwann keinen Schmerz mehr. Wenn ich auf der Bühne stehe, könnte einer mit einem Baseballschläger kommen und zuschlagen – ich würde es nicht spüren. Mich könnte einer abknallen – ich würde es erst wissen, wenn ich im Sarg liege. Es ist eine gefühlte Unverwundbarkeit. Und klar, wenn es vorbei ist, fällt man schon mal kurz in sich zu­ sammen.

Grundsätzlich ist man aber um eine großartige Erfahrung reicher. Ich gehe übrigens auf jede Tournee mit dem Gedanken, es könnte das letzte Mal sein. Für mich ist es nicht selbstverständlich, das machen zu dürfen. Es ist wirklich so: Wir fünf spielen um Leben und Tod, das war schon bei unserem ersten Konzert so. Wir sind keine Sonntagsmusiker, bei uns geht es immer um was.

Spielt ihr euch in einen Rausch?

Manchmal entsteht auch etwas Rauschhaftes, ja. Das kann im ganz Kleinen passieren, zum Beispiel, wenn man an einer Tankstelle eine Zigarette raucht, und die Sonne geht gerade auf.

Und dann gibt es wiederum die ganz großen Rauschmomente, die auf der Bühne, wenn 10.000 Menschen vor einem stehen und schreien, und man sich plötzlich von einem Problem, das man im Leben abseits der Bühne hat, komplett lösen kann. Solche Momente kommen dann schon denen nah, die man unter psychedelischen Drogen erfährt.

 

„Wenn man sich nicht einsam fühlen möchte, muss man einfach eine Rockband gründen“

Marco Michael Wanda

 

Du hast in der Vergangenheit immer wieder betont, dass du mit dem Musikmachen auch gegen das ankämpfst, was alles so in deinem Kopf vor sich geht. Fühlt sich der grundsätzlich etwas leichter an, wenn du mit Wanda auf Tour bist?

Hmm. Man nimmt sein Leben natürlich auch mit auf Tour, nur ist man unterwegs etwas entlastet. Für manches hat man dann nämlich gar keine Zeit und Kraft mehr. Und zum Glück muss man auf Tour ja auch funktionieren, was mir sehr gut steht. Ich brauche beim Arbeiten immer Deadlines. Wenn mir nichts vorgegeben wird, tue ich mich schwer mit den Dingen. Wobei Struktur auch ein Gegenspieler sein kann.

Inwiefern?

Naja, irgendwann kommt es einem schon bizarr vor, wenn jeden Tag um die­ selbe Zeit Soundcheck ist, um dieselbe Zeit Einlass und Konzert. Das hat etwas Kasernenhaftes und kann einem ziemlich auf den Wecker gehen. Aber: Die Konzerte entschädigen.

Diese zwei Stunden mit Tausenden Menschen – das ist der Kick. Überhaupt: Dieses gemeinsame Erleben! Wenn man sich nicht einsam fühlen möchte, muss man einfach eine Rockband gründen und auf Tour gehen.

Einmal, und das schon zu Beginn eurer Karriere, hast du aber auch über euer Live-Leben gesagt, dass, wenn es so weiterginge, womöglich einer sterben würde.

Ja, dieser Satz stammt aus der ganz frühen Zeit, die wirklich ein Wahnsinn war. Es war damals fast schon ein Hilferuf von mir. Verrückt war allein, dass wir fast kein Geld verdient haben. Wir haben zwar 200-­mal im Jahr gespielt, aber die Konzerte waren zu einem Zeitpunkt abgemacht worden, als wir noch völlig unbekannt waren. Dann ist das Debütalbum explodiert und alles hat uns auf Tour buchstäblich überholt. Ich bin mir auch immer noch sicher: Wenn das so weitergegangen wäre, wäre einer gestorben. Durch den Erfolg müssen wir nun glücklicherweise aber nicht mehr 200 Konzerte im Jahr spielen.

Alsterdorfer Sporthalle: Krochmannstraße 55 (Groß Borstel), Wanda, 7.3.2020, 20 Uhr

Hört hier in unsere monatliche Playlist auf Spotify rein:


Szene-Cover-März-2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Februar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Auf einen Song mit … Sepalot

Der einstige Blumentopf-DJ Sepalot führt mit dem Sepalot Quartet Beats und Jazz zusammen und gibt Empfehlungen aus beiden musikalischen Lagern.

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Nico Reger

SZENE HAMBURG: Sepalot, wir brauchen Beats und Bässe! Welche drei Tracks hauen uns von jetzt auf gleich vom Hocker?

Son Lux: „Easy“. Ich liebe den arty und verspulten Ansatz von Son Lux. Ist einfach eine super interessante Band. Von „Easy“ gibt es auch eine gute Orchesterversion, zusammen mit Woodkid.

Uffe: „My Love Was Real“. Das ganze Album „Radio Days“ ist sehr fein. Ich mag die Mischung aus BoomBap-Sample-Ästhetik und UK Dance Music.

World’s Fair: „Elvis’ Flowers (On My Grave)“. Das ist der Rap-Song, der mich 2018 am meisten umgehauen hat. So schön durchgeknallt. Wie ein Update von „ The Pharcyde“.

 

„HipHop hat sich schon immer viel beim Jazz ausgeborgt.“

 

Okay, und jetzt wieder runterkommen – am liebsten mit Jazz! Hast du hierfür auch drei Stücke parat?

Web Web: „Land Of Arum Flower“. Web Web ist das Jazz-Projekt meines geschätzten Kollegen Roberto Di Gioia aus München. Roberto ist ein begnadeter Pianist. Diese Platte im Stil des Spiritual Jazz der 70er Jahre ist einfach fantastisch.

Fazer: „White Sedan“. Das Münchner Quintett um Martin Brugger (a. k. a. Occupanther) ist New Generation Jazz. Die Jungs sind sowohl mit Clubmusik als auch mit dem Jazz bestens vertraut.

Matthias Lindermayr: „Massave“. Schon wieder ein Münchner! Ja, es tut sich gerade was in der Stadt. Matthias hat nicht nur den schönsten Trompetensound, er ist auch ein Teil des Sepalot Quartets und hat 2018 sein zweites Soloalbum „New Born“ über Enja Records veröffentlicht.

Du mixt nun auf der Bühne die Vom-Hocker-Hauer-Beats mit Jazz. Warum gehören diese musikalischen Puzzleteile zusammen?

Ich war viele Jahre im HipHop zu Hause. Ein Genre, dass sich schon immer viel beim Jazz ausgeborgt hat. Und jetzt, da ich nach meiner Zeit bei Blumentopf ohne Rapper auf der Bühne stehe, ist wieder Platz in meiner Musik. Der Jazz schließt die Lücke, und es fühlt sich ganz natürlich an.

Sepalot: 15.2.19, Birdland, 20 Uhr

 

Hört hier „Rainbows“ von Sepalot


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Auf einen Song mit … Jan Böhmermann

Denn Jan Böhmermann kennt einen gemeinen Ohrwurm und ein Lied zum Zufrieden-dazu-Schmunzeln.

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Heavy German Shit GmbH & Co KG

SZENE HAMBURG: Jan, wir brauchen deutschsprachige Musik mit Wumms, textlich wie musikalisch, und wenn es geht, wollen wir beim Hören auch mal grinsen oder sogar lachen. Was sind deine drei Empfehlungen?

Jan Böhmermann: Empfehlung 1: „Nummer unterdrückt“ von 187 Straßenbande-Boss Bonez MC. Ist mir überraschend bei Spotify über den Weg gelaufen. Musikalisch so Zwei minus, aber humoristisch ist der Text dafür ganz weit vorne.

Empfehlung 2: „Murmel“ von Blumfeld-Boss Jochen Distelmeyer. Wunderbare Zufriedenheitslyrik für Väter auf Spielplätzen. Der Song hat absolut keinen Wumms, aber ich muss immer schmunzeln eigentlich. Eher so ein zufriedenes Schmunzeln.

Empfehlung 3: „Meine (Ex-)Plodierte Freundin“ von Die Ärzte. Blutig, gemein und auch noch ein Ohrwurm. Als ich das Lied als Teenager zum ersten Mal gehört habe, habe ich mir gar nicht vorstellen können, dass man so ein Lied machen darf. Darf man aber, weiß ich inzwischen.

Auf welchen von deinen eigenen, wummsigen Texten bist du besonders stolz?

Uff. Darüber habe ich mir noch nie so richtig Gedanken gemacht. „Stolz“ ist vielleicht der falsche Ausdruck, aber bei einigen „Pol1z1stens0hn“- Tracks freue ich mich auch im Nachhinein noch über gelungene Textzeilen. Das dritte „Pol1z1stens0hn“-Stück „Recht kommt“ ist textlich zum Beispiel ein kleines Suchspiel für Juristen. Da steckt schon viel drin.

 

Hört hier „Recht kommt“ von Pol1z1stens0hn Jan Böhmermann

 

Kann man textlichen Wumms eigentlich lernen? Oder anders gefragt: Ist die deutschsprachige Radiopopdudelei-Szene noch zu retten? Kannst du sie vielleicht retten?

Nein, ich bin zum Glück nur ein Spaßvogel und muss gar nix retten. Im Gegenteil, für mich ist es umso besser, je beschissener die Texte und Songs sind. Das ist ja alles Material dann zum Drüberlustig-machen. Hihi.

Jan Böhmermann und das Rundfunk Tanzorchester Ehrenfeld: 28.1.19, Sporthalle, 20 Uhr


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Beatsteaks – Bring it on!

Die Berliner Band steht für einen Live-Spektakel. Ob das nicht auf Dauer anstrengend ist, haben wir Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß gefragt. Alles „ganz easy“, meinte der. Ein Gespräch über Zirkusgefühle, keine Chance für Tricks und Unberechenheit als größtes Glück.

SZENE HAMBURG: Arnim, regelmäßig hältst du fest: Beatsteaks heißt Freiheit. Wie macht die sich aktuell besonders bemerkbar?
Arnim Teutoburg-Weiß: Die Freiheit erschließt sich aus dem kleinen Erfolg, den wir mit der Band haben. Dadurch liegt alles in unseren Händen: Wer mit auf Tour kommt, wo wir auftreten, das Bühnendesign, wie teuer die Tickets sind, wie unsere T-Shirts aussehen und welche Songs wir spielen.

Und worin besteht die Freiheit im Band-Alltag?
Vor allem darin, dass wir als eine Band, die seit 22 Jahren zusammen ist, immer noch sehr glücklich sind. Mittlerweile haben wir unsere kleine Beatsteaks-Welt in Berlin, so eine Art Höhle, aus der heraus wir arbeiten. Dort sind wir montags bis freitags, von 10 bis 17 Uhr. Wir aus der Band sind ganz unten im Haus und machen Musik, darüber ist das Büro mit dem Merchandising. Das ist unsere Firma …

… von der du der Chef bist – oder besser: „die Chefin“?
Ja, die anderen haben mich irgendwann so genannt. Fand ich auch ganz süß. Als Sänger hat man ja immer dieses Leader-Ding am Laufen, das kommt von innen heraus, das macht man irgendwie einfach. Und damit ich’s nicht ganz so ernst nehme oder übertreibe, werde ich von der Band mit „die Chefin“ betitelt, nach dem Motto: „Mach du mal, aber mach easy!“

Ein Chef muss auch Dinge bestimmen. Welche sind das in deinem Fall?
Ich schreibe die Setlist und kümmere mich um das T-Shirts-Layout. Es ist allerdings schon so, dass jeder in der Band seine Aufgabe und Ecke hat, wo er sich auslebt. Das ist auch richtig und wichtig.

Zählt zu deinen Aufgaben auch der Pop im Beatsteaks-Sound? Zumindest schienst du dem Begriff „Pop“ an sich immer am nahesten zu stehen.
Kann sein, ja (lacht). Populäre Musik ist ja auch erst mal was ganz Tolles. Ich bin in den 90ern groß geworden, als Pop nicht David Guetta war, sondern Oasis, Dr. Dre, Nirvana und The Prodigy. Welche, für die Pop nicht das schnelle Ding war, nicht „The Voice of Germany“ und direkt an die Spitze. Für sie bedeutete Pop, was er auch für uns bedeutet, nämlich sich eine Nische zu bauen und es nicht schlimm zu finden, damit so viele Leute wie möglich zu erreichen.

Also keine Angst vor der breiten Masse?
Wenn wir im Radio eine Alternative zu dem darstellen, was da sonst noch so läuft, habe ich damit überhaupt kein Problem. Mir war dieses Punkerhaus immer zu klein, ich mochte immer sehr viel verschiedene Musik. Klar, Punk hat viel Energie und so etwas Zündendes an sich. Aber HipHop und Rock sind auch stark …

… und werden von euch vor allem in Live-Shows integriert. Überhaupt: Live-Shows von den Beatsteaks, das sind seit jeher Spektakel. Ist das auf Dauer nicht anstrengend?
Das ist der einfachste Teil der Beatsteaks-Arbeit: das Live-Spielen. Dit is’ janüscht! Ganz easy. Natürlich bereite ich mich körperlich auf die Konzerte vor, so eine Tour ist Leistungssport. Aber wenn wir vor unserem Publikum stehen oder auf einem Festival spielen, denke ich immer nur: Bring it on! (lacht)

Warum fühlt sich das für dich so leicht an?
Ist vielleicht das Zirkuskind in mir. Ich hatte jedenfalls noch nie Angst vor der Bühne, fand und finde es einfach gut, Leute zu unterhalten und sie davon abzulenken, was sie vielleicht gerade sonst so beschäftigt. Außerdem mag ich die Unberechenbarkeit von Konzerten. In dieser manipulierten Welt, in der vieles faked ist, ist ein Konzert immer eine Ausnahme. Im Studio kann man tricksen, auf der Bühne geht das nicht. Da gibt es Ecken und Kanten, den Leuten gefällt es oder eben nicht, und die Situationen, in denen man nicht genau weiß, was passiert, diese Drahtseilakte, finde ich total gut. Konzerte sind so aufregend wie befriedigend.

Sind nicht während einer längeren Tournee irgendwann so viel Sicherheit und Routine im Spiel, dass sich die Aufregung legt?
Die Aufregung erhalten wir, indem wir z. B. nach zwei Wochen sagen: „Heute schreiben wir keine Setlist – wir rufen die Songs aus!“ Nach all den Jahren haben wir so viele Lieder, dass wir das ruhig mal machen können. Wir wollen ja auch nicht nur irgendwas abspulen.

Ein paar wiederkehrende Show-elemente gibt es doch, etwa den Song „Hey Du“, den Gitarrist Peter Baumann singt. Er allerdings scheint weniger gerne nach vorne zu preschen, als du …
… und er fragt mich auch heute noch, ob das denn okay wäre mit „Hey Du“. Ich grinse dann immer und sage: „Keule, kriegst du eigentlich mit, wie sehr die Leute das lieben?“ Klar, die anderen sind keine Frontschweine, aber das war George Harrison auch nicht, und ich fand es immer super, dass bei den Beatles alle gesungen haben.

Und wenn nach der Tour alle wieder zu Hause in Berlin sind: Gibt es auch mal eine Pause von der Beatsteaks-Welt?
Wir sind eine sehr verschworene Gang, aber jeder hat auch seine eigene Familie und verabschiedet sich nach einer Tour in seine Welt. Und irgendwann, wenn wir das nächste Album machen, hängen wir wieder zusammen rum und fragen uns erst mal Sachen wie: „Welches Lied fandet ihr zuletzt so toll, dass ihr es fünfmal hintereinander gehört habt?“ Dann kann es langsam wieder losgehen.

Interview: Erik Brandt-Höge

Foto: Ana Maria Arevalo

Sporthalle
16.4, 20 Uhr

 


Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, April 2018. Das Magazin ist seit dem 29. März 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!