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Kulturausflüge ins Hamburger Umland

Ab dem 1. Juni 2022 gilt das 9-Euro-Ticket, höchste Zeit Kunst, Konzerte und Kultur im Umland zu entdecken. Wir zeigen zehn Events, die beweisen: Das Hamburger Umland hat einiges zu bieten

Text: Felix Willeke

Son et Lumière

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Lichtkunst am Schweriner Schloss bei Son et Lumière (Foto: Tanja Brüggemeier)

Schwerin ist eines der schönsten Ausflugsziele im Hamburger Umland und im Sommer bringt die Lichtinszenierung Son et Lumière das Schweriner Schloss zum leuchten. Am 17. und 18. Juni jeweils von 22.30 bis 23 Uhr gibt es die beeindruckende Inszenierung und das Schloss erstrahlt in allen erdenklichen Farben. Am Samstag erzählt dazu die Stimme des Großherzogs Friedrich Franz’ II. aus seinem Leben und gibt Einblicke in die Geschichte.

Son et Lumière ist der Auftakt für die Festivitäten rund um das Schweriner Schloss, denn nur wenige Tage später, am 23. Juni, starten die Schlossfestspiele Schwerin. Unter dem Motto „Neue Vielfalt: Abendkleid trifft Picknickdecke“ gibt es bis zum 17. Juli Oper und klassische Musik unter freiem Himmel direkt am Schweriner See.

Son et Lumière am Schweriner Schloss, 17. und 18. Juni, 22.30 bis 23 Uhr

Museum Kunst der Westküste

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In der Mitte der Insel Föhr gelegen: das Museum Kunst der Westküste (Foto: Gerhard Kassner)

Auch im Sommer gibt es mal schlechtes Wetter. Richtig ärgerlich ist das, wenn man zu den Glücklichen gehört, die auf einer der Nordfriesischen Insel die schönen Tage verbringen können. Aber kein Grund zu verzweifeln, denn in Alkersum auf Föhr kann man noch einmal ganz neu in die Inselkuktur eintauchen. Seit 2009 zeigt das gemeinnützige Museum Kunst der Westküste (MKdW) wechselnde Ausstellungen aus der hochkarätigen Sammlung des Hauses und mit internationalen Leihgaben.

Schon seit Dezember 2021 läuft daher auch die Ausstellung „Inseljugend“ des Artist in Residence des MKdW. Sie zeigt das Leben von jungen Menschen auf der Nordseeinsel. Dazu kommt ab dem 3. Juli 2022 die Schau „Provenienzgeschichten“ mit Werken von Max Liebermann. Im Rahmen dieser Ausstellung gewährt das Museum spannende Einblicke in die mehrjährige, komplexe Provenienzrecherche, die die Herkunftsgeschichte der Werke nachzeichnet. Dafür gewährt das Museum einen Blick hinter die Kulissen.

Museum Kunst der Westküste in Alkersum auf Föhr, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Karl-May-Spiele

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Eines der schönsten Theater in Norddeutschland: das Freilichttheater am Kalkberg (Foto: Karl-May-Spiele/Claus Harlandt)

Seit 70 Jahren kennen fast alle Kinder in Norddeutschland die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg. Nach der Pause in den letzten beiden Jahren startet am 25. Juni 2022 die 69. Saison rund um die Geschichten von Karl May. Dann können jeden Donnerstag bis Sonntag bis zu 11.500 Besucher:innen das Ensemble um Alexander Klaws und Sascha Hehn in „Der Ölprinz“ erleben.

Insgesamt haben seit 1952 schon über zwölf Millionen Menschen das Schauspiel im Freilichttheater am Kalkberg gesehen. Und viele davon wissen es schon: Eine ganz besondere Vorstellung gibt es immer zum Saisonende. 2022 steigt die sogenannte Derniere am 4. September. In der letzten Vorstellung des Jahres erlaubt sich das Ensemble die ein oder andere Besonderheit, Expert:innen haben auch vorher schon eine Vorstellung gesehen und wissen natürlich Bescheid. 

Karl-May-Spiele, vom 25. Juni bis 4. September im Freilichttheater am Kalkberg in Bad Segeberg

Schleswig-Holstein Musikfestival

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2022 ist mit Gentleman und Moop Mama beim Werftsommer in der Kulturwerft Gollan tanzbare Musik garantiert (Foto: Felix König)

In Schleswig-Holstein findet seit 1986 eines der größten klassischen Musikfestivals Europas statt. 2022 steht die 37. Ausgabe des Schleswig-Holstein Musikfestivals (SHMF) ganz im Zeichen des Hamburger Komponisten Johannes Brahms und des israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber. Vom 2. Juli bis zum 28. August 2022 gibt es 204 Konzerte in 123 Spielstätten an 65 Orten in Schleswig-Holstein, Dänemark, Hamburg und im Norden von Niedersachsen. Darunter sind neben etablierten Konzerthäusern auch ungewöhnliche Orte wie der Hangar 7 der Lufthansa Technik in Hamburg, die Carlebach-Synagoge in Lübeck und die Kieler Gelehrtenschule.

Auch wenn der Schwepunkt klassische Musik ist, hat das SHMF auch für die Fans, des Pop, Jazz und Funk einiges zu bieten. So stehen beim Werftsommer in der Lübecker Kulturwerft Gollan unter anderem Zoe Wees, Gentleman und Moop Mama auf der Bühne – für nur 130 Euro gibt es dabei sieben Konzerte in drei Tagen.

Schleswig-Holstein Musikfestival, vom 2. Juli bis 28. August 2022, diverse Spielstätten

Jazz im Pferdestall

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Zu Gast beim Open Air am Schloss Agathenburg: TOYTOY aus Hamburg (Foto: Steven Haberland)

Nils Wülker ist einer der bekanntesten Jazztrompeter Deutschlands. Neben seiner Arbeit als Komponist kuratiert der 44-Jährige seit 2012 als künstlerischer Leiter auch das Programm von Jazz im Pferdestall auf Schloss Agathenburg. Seit März läuft das Programm 2022, bei dem an acht Terminen neben „Still in the Woods“ und dem „Hans Anselm Quintett“ auch das „David Helbock Trio“ zu Gast sind.

Besonderes Highlight in 2022 ist das große Open-Air-Konzert am 9. Juli. Zu Gast ist dann „TOYTOY“. Die Combo, bestehend aus dem Schlagzeuger Silvan Strauß (Gewinner des Hamburger Jazzpreises 2022), dem Bassisten Daniel Stritzke, dem Perkussionisten Samuel Wootton und dem Gitarristen Alex Eckert, schloss sich an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg zusammen, um HipHop, elektronisch geprägte, urbane Groovemusik und Jazzimprovisation zu verbinden. 

Jazz im Pferdestall, vom 18. März bis 4. November 2022 (acht Termine) am Schloss Agathenburg mit dem großen Open Air am 9. Juli

Kultursommer Lüneburg

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Gute Stimmung ist garantiert beim Lüneburger Kultursommer (Foto: ohne Credit)

Lüneburg ist nicht nur wunderschön, sondern beweist mit seinen vielen Studierenden auch Jahr für Jahr, dass es sich hier gut feiern lässt. Ist das lunatic Festival seit Jahren etabliert gibt es seit einiger Zeit auch den Lüneburger Kultursommer auf den Sülzwiesen.

Genau hier sind 2022 auch wieder hochkarätige Künstler:innen zu Gast. Neben Helge Schneider (15. Juli) und Cro (16. Juli) sind auch Silbermond (23. Juli) und Lea (24. Juli) mit dabei. Ein Highlight direkt am Fuße des Kalkbergs ist dabei sicherlich das Konzert der niedersächsischen Lokalmatadorin Lina am 22. Juli. Tickets für die Konzerte gibt es ab 47 Euro.

Lüneburger Kultursommer, 14. bis 24. Juli auf den Sülzwiesen

Ferdinands Feld

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Feiern, das können sie beim Ferdinands Feld (Foto: Ferdinands Feld)

Es war vor sieben Jahren, als sich auf dem Flugplatz in Rotenburg an der Wümme rund 3500 Menschen versammelten, um zu feiern. Hatte das Ferdinands Feld damals noch zwei sogenannte Terminals, sind es 2022 schon vier und es werden bis zu 20.000 Besucher:innen erwartet. Diese werden dann unweit von Bremen wieder Bigroom-, Progressive-, Hardstyle- und Techhouse-Beats lauschen und zwölf Stunden lang den Alltag vergessen.

Während bei den großen Geschwistern wie dem Tomorrowland sich über 30.000 Menschen die Beats durch den Körper rauschen lassen, zieht auch das gemütlichere Ferdinands Feld Jahr um Jahr mehr Menschen an. Nach der Pandemie-Pause sind in diesem Jahr neben Anna Reusch, Dr. Peacock und Jerome auch Villain und Felix Kröcher zu Gast.

Ferdinands Feld, 6. August auf dem Flugplatz in Rotenburg an der Wümme

NORDEN Festival

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Sonne, Wasser und gute Musik: das Norden-Festival 2022 (Foto: Lucas Martens)

Direkt am Sandstrand der Schlei in Schleswig findet auch in diesem Sommer wieder das NORDEN – The Nordic Arts Festival  statt. Zum vierten Mal gibt es über drei Wochenenden ein einzigartiges Kulturprogramm.

Neben Lesungen, Slams, einem Filmprogramm, Theater und vielen weitern Aktivitäten steht beim NORDEN Festival natürlich auch 2022 die Musik im Vordergrund. Mehr als 40 Bands aus den nördlichen Teilen Europas geben sich auf den zwei Konzertbühnen des Festivals die Ehre. Darunter sind neben „Die Sterne“, „Cäthe“ und „Danube’s Banks“ auch erstmals Bands aus den Niederlanden wie „The Cool Quest“.

NORDEN – The Nordic Arts Festival, vom 25. August bis zum 11. September 2022 (immer an den Wochenenden von Donnerstag bis Sonntag); Wichtig: Das NORDEN ist kein Campingfestival, eine Anreise per Bahn oder Shuttlebus wird empfohlen.

Müssen alle mit

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Am 27. August gibt es wieder das kleine aber feine Müssen alle mit-Festival im Stader Bürgerpark (Foto: STADE Marketing und Tourismus GmbH)

Erstmals fand das Müssen alle mit-Festival 2013 im Stader Bürgerpark statt. 2022 ist es nach einer pandemiebedingten Pause nun wieder zurück. Am 27. August stehen dann neben Husten, der Band bestehend unter anderem aus Gisbert zu Knyphausen und  Moses Schneider (dem Produzenten von Tocotronic, den Beatsteaks und anderen) und dem Team Schiesse auch Meute auf der Bühne im Bürgerpark.

Neben dem Konzert auf dem Dockville Gelände in Hamburg-Wilhelmsburg ist es der einzige Auftritt der Band im Norden Deutschlands im Sommer 2022.

Müssen alle mit-Festival, am 27. August 2022 im Stader Bürgerpark

Trave Jazz

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Einzigartige Atmosphäre beim Trave Jazz im Schuppen 6 in Lübeck (Foto: Olaf Malzahn)

Zum achten Mal lädt das Trave Jazz vom 8. bis 11. September 2022 ein hochkarätiges Line-up nach Lübeck. Bei den großen Doppelkonzerten im Schuppen 6 geben sich 2022 das Klaviertrio „Triosence“, der Trompeter Michel Schroeder mit seinem Ensemble sowie die schwedische Posaunistin Karin Hammar mit ihren Fab 4 und „Torsten Goods“ die Ehre. Dazu kommen wie immer beim Trave Jazz viele kostenlose Konzerte. So spielt das Lutz Krajenski Trio das Eröffnungskonzert beim CVJM Lübeck und auf der Open Air Bühne am Schuppen 6 sind neben dem Hans Anselm Quintett auch das Sextett We don’t suck, we blow! zu Gast. 

Trave Jazz, vom 8. bis 11. September in Lübeck, diverse Spielstätten


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Zoe Wees über Erfolg und Heimat

Die 19-jährige Hamburgerin veröffentlichte Ende März 2020 ihre erste Single, später war sie die erste Deutsche, die bei den American Music Awards auftreten durfte. Ein Gespräch über schnellen Erfolg, die Musikindustrie und den therapeutischen Wert von Musik

Interview: Henry Lührs

Zoe Wees merkt man in keinster Weise an, dass ihre Muttersprache nicht Englisch ist. Akzentfrei singt die gebürtige Hamburgerin selbstbewusst auf den Bühnen der Late Night Shows in den USA oder bei den American Music Awards. Stellt man ihr eine Frage auf Deutsch, dann bricht es zuerst auf Englisch in gewohnter Popstar-Manier aus ihr heraus. Schon mit ihren 19 Jahren hat sie den Sprung über den Großen Teich geschafft.

Trotzdem hat man den Eindruck, dass die deutsche Sprache sie zu ihrer Herkunft nach Hamburg ins kleine Dulsberg zurückzieht. Zurück in ihre ehemalige Schulklasse, in den Aufenthaltsraum, in den sie gegangen ist, wenn sie wieder mal einen epileptischen Anfall hatte. Als Jugendliche litt sie an der Rolando-Epilepsie. Daraus erwuchsen die Sehnsucht und die Hoffnung nach Kontrolle. Eine Hoffnung, die sie in ihrem Hit „Control“, der ihr 2020 den Durchbruch bescherte, verarbeitet. Auch wenn Hamburg der Ausgangspunkt ihrer Karriere war – zu Hause ist sie mittlerweile überall dort, wo Freunde und Familie sind. Die Hansestadt verblasst dabei und wird zur deutschen Provinz. Für ihren Tourabschluss kommt Zoe Wees im April 2022 trotzdem nochmal vorbei.

„Im Studio sein ist für mich Freizeit“

SZENE HAMBURG: Zoe, erst die Late Late Show, jetzt die Tonight Show und ein Auftritt bei den American Music Awards (AMA) – als erste deutsche Künstlerin überhaupt. Wie geht es dir mit dem ganzen Hype um dich? 

Zoe Wees: Das ist verrückt, ich bin die erste schwarze deutsche Künstlerin die dort auftreten durfte…

Hast du damit gerechnet, dass es so kommt?

Sowas von gar nicht. Ich bin überrascht von mir selbst. Ich wusste zwar, dass ich bestimmt irgendwann irgendwas in Amerika schaffen werde, aber so früh? Und dass es gleich so ‚Boom‘ losgeht mit den AMA´s und Jimmy Fallon, das hätte ich nicht gedacht.

Hast du zwischen den ganzen Reisen, Fernsehauftritten und Konzerten überhaupt mal die Möglichkeit runterzukommen?

Aktuell auf jeden Fall. Davor nicht so wirklich, ich war ja auch gerade noch in den USA. Jetzt habe ich aber die Zeit dafür.

Und was machst du dann?

Schlafen, tatsächlich. Ansonsten bin ich gerade viel im Studio. Das ist für mich aber keine Arbeit. Studio sehe ich als Freizeit.

Deine Karriere nahm während der Corona-Pandemie so richtig Fahrt auf. Jetzt sind auch wieder Live-Shows möglich und du siehst das erste Mal ein Publikum vor dir. Wie geht es dir mit Blick auf deine Tour?

Meine Tour beginnt Ende März 2022, das wird krass (strahlt). Ich weiß, dass die Menschen, die kommen werden, ein gutes Herz haben und meine Musik und mich dafür feiern, wie ich bin. Ich werde mich wie zu Hause fühlen. Das wird sehr emotional und sehr schön.

Laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes zählst du aktuell zu den 30 einflussreichsten europäischen Unterhaltungskünstlern und -künstlerinnen unter 30…

What´s good, Zoe Wees is here, hello, good morning, I arrived (lacht).

Ich finde alles, was gerade passiert krass und ich weiß nicht, womit ich das verdient habe. Ich weiß nicht, warum das passiert, warum ich das bin. Aber das alles ist crazy shit und sowas habe ich tatsächlich auch noch nie irgendwo gesehen. Das beweist aber auch, dass mein Team, meine gesamte Community und ich richtig gute Arbeit machen.

In „Girls Like Us“ singst du auch von Vertrauen, woran merkst du, wem du in der sehr kommerziellen Musik-Welt vertrauen kannst?

Am meisten Angst hatte ich davor, meinen Major-Deal mit einem großen Label zu unterschrieben. Einige Labels haben mir versprochen, dass sie mich zur größten Künstlerin weltweit machen würden. Bei meinem aktuellen Label (Capitol Records, Anm. d. Red.) war das zum Glück nicht so, die waren realistischer. Bei solchen Dingen hilft mir mein Team hier in Deutschland. Wenn ich die nicht hätte, hätte ich blauäugig alles unterschrieben. Deswegen würde ich allen raten, die in der Musikwelt weiterkommen wollen: Baut euch erstmal ein gesundes Team auf, mit einem Manager, und arbeitet euch hoch. Geht zu Produzenten, dem ersten Label und immer weiter. So lief es bei mir auch.

„Ich möchte sterben, wenn ich nicht Musik schreiben kann“

In „Control“ beschreibst die Hoffnung, die Kontrolle zu behalten. Du hattest als Kind Rolando-Epilepsie, die Krankheit ist mittlerweile ausgeheilt. Ist die Sorge vor Kontrollverlust damit auch verschwunden?

Die Sorge gibt es immer noch. Damals war es der Moment, indem ich auf den Boden gefallen bin und gekrampft habe. Jetzt ist es das Gefühl, wenn ich meinen Körper nicht spüre, zum Beispiel wenn es draußen zu kalt ist oder ich eine Panikattacke habe, dann bin ich erstmal lost.

Und was machst du dagegen?

Ich mache tatsächlich gar nichts, ich lasse es einfach passieren. Denn jedes Mal, wenn ich versucht habe, etwas dagegen zu machen, wurde es schlimmer. Jetzt akzeptiere ich die Situation, wie sie ist.

Du sagst oft, das Musikmachen für dich wie Therapie ist. Wie meinst du das?

Ich möchte Sterben, wenn ich nicht Musik schreiben kann. Im Ernst, dann möchte ich wirklich nicht hier sein. Ohne Musik wäre mein Leben ganz schlimm.

Ich verarbeite in der Musik viel. Sachen wie meine Epilepsie und in „Girls Like Us“ beschreibe ich einen mentalen Zusammenbruch. Aber auch aktuelle Dinge wie im Song „That’s How It Goes“. Darin geht es um Menschen, die nie an meiner Seite waren und die im Moment des Erfolgs plötzlich aufgetaucht sind. Ich schreibe diese Dinge einfach auf. Früher hatte ich eine Therapeutin. Ich habe mich aber dazu entschieden, das zu lassen und mich mit meiner Musik selbst zu therapieren. So wie ich Dinge in meiner Musik ausdrücke, formuliere ich sie auch gegenüber meiner Therapeutin oder meiner besten Freundin. Manchmal habe ich auch Angst, solche persönlichen Dinge zu veröffentlichen.

Wie gehst du mit dieser Angst um?

Ich veröffentliche trotzdem. Denn in dem Moment, indem das passiert, bekommt das Ganze eine neue Energie. Leuten, die sich auch so fühlen, geht es besser und dadurch geht es auch mir besser. Wir geben uns gegenseitig was und das gibt mir ein gutes Gefühl, wenn ich Musik als meine Therapie nutze.

Du arbeitest auch mit Songschreibern zusammen, ist das dann der gleiche Prozess für dich?

Ich fange gerne allein an zu schrieben, aber aufhören kann ich nicht allein. Dafür bin ich nicht fokussiert genug. Ich habe auch schon Songs komplett selbst geschrieben. Wenn wir aber als Freunde zusammen im Studio daran arbeiten, klingt es einfach besser.

Ein magischer Tour-Abschluss

Du bist in Hamburg-Dulsberg aufgewachsen und zur Schule gegangen. Dein Musiklehrer hat dich bei deiner Karriere sehr unterstützt. Gibt es noch mehr Menschen, die dich auf deinem Weg unterstützt haben?

Meine Mama! Ich war nie wirklich gut in der Schule und sie hat dann gesagt: „Zoe, das ist nichts für dich, mach Musik, das ist das, was du willst.“ Meine Mama hat immer gesehen, dass ich das mit der Schule nicht kann und dass ich ins Studio gehöre. Sie hat das unterstützt und das machen bestimmt nicht alle Eltern.

Wann habt ihr denn gemerkt, dass du Musik professionell machen wirst?

Als mein erste Single ‚Control‘ rauskam, habe ich gemerkt: Jetzt ist das offiziell mein Job, es ist nicht mehr nur ein Hobby.

Du warst gerade in Köln, davor in den USA und in Interviews erzählst du, dass England wie eine zweite Heimat für dich geworden ist. Was bedeutet für dich Zuhause?

Zuhause ist für mich ein Gefühl. Das sind meine Mutter, mein Freund oder meine beste Freundin, das ist kein Ort.

Dein Tourfinale 2022 steigt im Hamburger Gruenspan, worauf freust du dich am meisten bei deinem Heimspiel?

Ich freu mich auf die Leute: Meine Mama, ihre Freunde, meine Freunde, einfach alle werden da sein und wir werden viel Spaß haben. Der Tour-Abschluss wird nochmal richtig magisch.

Zoe Wees, am 19. (bereits ausverkauft)  und 20. April 2022 (wenig Restkarten) im Gruenspan


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Hamburg: Globaler Klimastreik 2021

Am 24. September 2021 ist auch in Hamburg wieder globaler Klimastreik. Fridays for Future will damit kurz vor der Bundestagswahl mit reichlich prominenter Unterstützung noch ein Zeichen setzen

Text: Felix Willeke

 

Seit 2019 ruft die Fridays for Future-Bewegung zum globalen Klimastreik auf. Am 24. September 2021 um 12 Uhr ist es wieder so weit. In Hamburg findet dann die zentrale Veranstaltung auf der Willy-Brandt-Straße/Ecke Brandstwiete statt. Die vielen  Demonstrierenden werden auch in Hamburg prominent unterstützt. Auf der Bühne sind neben Enno Bunger und Zoe Wees auch Jan Delay und AnnenMayKantereit mit dabei. In Berlin steht neben Clueso auch Greta Thunberg auf der Bühne.

 

Die Forderung der Bewegung

 

„Strukturelle Veränderungen durch sozial gerechte und konsequente Maßnahmen, um die globale Klimaerhitzung auf 1,5°C zu begrenzen.“ Das ist nach wie vor die zentrale Forderung von Fridays for Future. Dieser wollen sie mit dem globalen Klimastreik genau zwei Tage vor der Bundestagswahl noch einmal Ausdruck verleihen. Weltweit finden an diesem Tag über 1.000 Aktionen statt.

fridaysforfuture.de


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Livestream-Konzert: Hamburgerin Zoe Wees

Die Hamburger Sängerin Zoe Wees präsentiert ihr erstes Livestream-Konzert via YouTube

Text: Felix Willeke

 

Am 27. März 2020 wurde die erste Single von Zoe Wees, „Conrtrol“, veröffentlicht und hat bis heute über 43 Millionen Views auf YouTube. Jetzt gibt die Hamburger Sängerin ihr erste Livestream-Konzert am 1. Juli 2021 um 19 Uhr auf ihrem eigenen YouTube-Kanal.

 

 

Das Konzert schließt an die Veröffentlichung ihrer zweiten Single „Girls like us“ an und gibt zusammen mit der EP „Golden Wings“ einen Vorgeschmack auf ihre Europa Tournee ab März 2022, die am 19. April 2022 mit einem Konzert in Hamburg endet.


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Hamburger Nachwuchs: Sängerin Zoe Wees im Interview

Vor drei Jahren war Zoe Wees bei „The Voice Kids“ zu bestaunen. Auch wenn sie damals nicht gewann, ist die 18-Jährige mit der rauen Soulstimme nicht mehr aus dem nationalen Pop-Geschehen wegzudenken. Mehr noch: Zoe Wees, die in ihrer Kindheit mit Rolando-Epilepsie zu kämpfen hatte, strebt eine Weltkarriere an

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Zoe, du warst 15, als du an „The Voice Kids” teilgenommen hast. Was hast du von deinem Ausflug ins Casting-TV gelernt?

Zoe Wees: „The Voice Kids“ war auf jeden Fall eine interessante Erfahrung und hat Spaß gemacht. Aber es hat mir eigentlich nur gezeigt, dass ich lieber selbst Schritt für Schritt eine eigene Karriere aufbauen möchte, mit einem starken Team, das mich unterstützt.

Was würdest du denn generell jungen Talenten empfehlen, um ins Musikgeschäft einzusteigen: die Teilnahme an einer Castingshow oder Eigenmarketing per Social Media? 

Das muss, glaube ich, jeder selbst für sich herausfinden. Ich persönlich finde, man sollte versuchen, sich selbst etwas aufzubauen. Über Social Media zu gehen, ist meiner Meinung nach der beste Weg dafür. Jeder hat eine Chance verdient, und jeder hat dort die Möglichkeit, kreativ zu werden und sich eine Fanbase aufzubauen, vor allem auf Plattformen wie Tiktok oder Instagram.

Nicht fehlen dürfen sicherlich auch Mentoren auf dem frühen Karriereweg. Eine Förderin besingst du in deiner Single „Control“: deine ehemalige Grundschullehrerin. Inwieweit hat sie dich unterstützt?

Sie war damals immer für mich da, wenn es mir schlecht ging. Jedes Mal, wenn ich einen epileptischen Anfall hatte, hat sie mich an die Hand genommen und ist mir zur Seite gestanden. Sie hat sich viel Zeit für mich genommen, was nicht selbstverständlich ist. Dafür bin ihr unendlich dankbar, und darum habe ich den Song „Control“ auch für sie geschrieben. Es war ein sehr emotionaler Moment, als ich ihr den Song zum ersten Mal vorgespielt habe.

 

„Ich habe gelernt, mit der Krankheit zu leben”

 

In „Control“ erzählst du von eben diesen Erfahrungen mit Rolando-Epilepsie. Steht diese deiner Karriere heute noch im Weg? 

Nicht direkt. Die Rolando-Epilepsie ist eine Krankheit, die in den meisten Fällen während der Pubertät ausheilt, und das war glücklicherweise auch bei mir so. Aber auch heute habe ich morgens manchmal noch das Gefühl und die Angst, dass ich einen Anfall haben könnte, obwohl ich eigentlich weiß, dass es nicht sein kann. Das verfolgt mich also weiterhin, aber ich habe gelernt, damit zu leben.

Und wenn besagte Karriere ein Wunschkonzert wäre: Wo genau würdest du als Musikerin bestenfalls noch überall landen? 

In ein paar Jahren würde ich am liebsten auf Welttour gehen und auf den größten Bühnen stehen. Mein größter Traum ist es, vor einer riesigen Menschenmenge aufzutreten und gemeinsam mit den Leuten meine Songs zu singen. Außerdem will ich so viel Musik wie möglich releasen!

Hier könnt ihr in Zoe Wees’ Debüt-Single „Control“ reinhören:


Cover_SZ1020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2020. Das Magazin ist seit dem 27. September 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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