DAS BO: „Es geht um Aufmerksamkeit, Zuneigung und Liebe“

Der Hamburger HipHopper geht nach mehr als 30 Jahren auf der Bühne erstmals auf Solo-Tournee. Im Interview erzählt er von der Entwicklung des Genres und dem Nicht-Wunsch, in die Anfangstage zurückzureisen
Versuche, die Einheit der Gegensätze zu finden“: DAS BO (©Timmo Schreiber)
Versuche, die Einheit der Gegensätze zu finden“: DAS BO (©Timmo Schreiber)

SZENE HAMBURG: BO, mit „Tourlich Tourlich“ gehst du auf deine erste Solo-Tour – was medial gerade gerne groß geredet wird. Ist dieser Umstand für dich auch etwas Besonderes, oder denkst du dir: „Ich hab’ schon tausend Sachen gemacht, ob das jetzt die erste Solo-Tour ist, mir doch egal!“

DAS BO: Wer was denkt oder sagt, ist weder in meiner Hand, noch ist es für mich relevant. Natürlich freue ich mich, wenn Leute mit meiner Frequenz schwingen, aber wenn nicht, dann ist das so. Für mich ist es jetzt genau der richtige Zeitpunkt für diese Tour und ich freue mich sehr, dass viele Leute Bock haben, sich anzugucken, was dieser DAS BO zu sagen hat und denkt. DAS steht ja auch für Der Alte Sack.

Logischerweise ist „Tourlich Tourlich“ namentlich angelehnt an deinen Hit „Türlich, türlich (sicher, Dicker)“, der vor 25 Jahren veröffentlicht wurde. Also in einer Zeit – plus, minus ein paar Jahre –, in der du und zahlreiche weitere Hamburger HipHop-Protagonisten das Genre in der Stadt fest verankert habt. Bock, noch mal in diese Karrierephase zurückzureisen, wenn du könntest?

Auf gar keinen Fall. Es ist ja nicht nur das, was da von außen wahrgenommen wurde, existent gewesen. Jeder hatte auch seine innere Realität und meine war zu dem Zeitpunkt nicht immer sehr angenehm. Ich hatte teilweise schon sehr düstere Zeiten und mit depressiven Phasen zu kämpfen. Ich weiß, wie ich damals getickt habe, und es ist für mich jetzt sehr spannend zu sehen, was ich als 25-Jähriger so geschrieben habe. Man muss dazu sagen: Wir hatten in Hamburg ja als eine der wenigen Städte in Deutschland keine Besatzer, also auch keine Ami-Clubs, in denen wir den amerikanischen Lifestyle hätten erleben können. Daher konnten wir unseren eigenen authentischen Hamburger HipHop entwickeln. Und der war zu der Zeit für die Masse in Deutschland am zugänglichsten, weil eben nicht so amimäßig. Ich glaube, das war am Anfang sehr wichtig für deutschsprachigen HipHop. Generell ist die Identitätsfindung wichtig, sowohl für das Movement, als auch zum Beispiel für mich als Gastarbeiterkind.

Ich freue mich sehr, dass viele Leute Bock haben, sich anzugucken, was dieser DAS BO zu sagen hat und denkt. DAS steht ja auch für Der Alte Sack.

DAS BO

HipHop von gestern und heute ist nicht vergleichbar: Heute gelten völlig andere Voraussetzungen

Bist du karrieretechnisch grundsätzlich lieber im Hier und Jetzt und morgen?

Ich habe keine Karriere. Ich versuche, die Einheit der Gegensätze zu finden und zu verinnerlichen, denn ich habe erfahren, dass man sowohl Erfolg haben und trotzdem unglücklich sein kann, als auch erfolglos und glücklich und zufrieden. Die Definition von Erfolg ist da sehr essenziell. Mit meiner Agentur gutistgut. hat sich mein Wirkungsfeld auch erweitert und dadurch meine Kreativität. Wir hatten Anfang 2025 mit der einfachmachen3 eine Ausstellung, bei der wir 40 Künstler:innen kuratiert haben, an drei Tagen über 1200 Besucher:innen hatten und wo ich sowohl eigene Werke ausgestellt, als auch ein performatives Stück aufgeführt habe. Frei nach einem Zitat aus meinem demnächst kommenden Album „SENF“: „Ich nehm’ den alten Mist und verwandle ihn in Gold wie ein Alchemist.“

Und die Hamburger HipHop-Szene? Hat sich die nach eurer Pionierarbeit bis jetzt gut entwickelt in deinen Augen und Ohren? Was ist besser, was schlechter als in euren Anfangsjahren?

Es ist immer noch das Gleiche. Es geht um Aufmerksamkeit, Zuneigung und Liebe. Was sich geändert hat, sind die Werkzeuge, die Umstände und die Möglichkeiten. Deshalb kann man im Detail nicht vergleichen und muss rauszoomen, um die Gemeinsamkeiten zu finden. Ich habe es zum Beispiel das erste Mal ganz klar gemerkt, als ich mit einem jungen Künstler gesprochen habe und mir aufgefallen ist, dass dieser Künstler, seit er denken kann, deutschsprachigen HipHop gehört hat und das ist ja im Vergleich zu uns, die quasi die deutsche Sprache im HipHop erst entdecken, ausprobieren und formen mussten oder konnten, eine ganz andere Voraussetzung. Junge Künstler:innen haben heute ein ganz anderes Selbstverständnis für Sprache im Allgemeinen. Und durch die Entwicklungen in der Gesellschaft auch inhaltlich einen anderen Output.

Der Zusammenhalt der damaligen Hamburger Künstler scheint jedenfalls ungebrochen, was unzählige Kollaborationen zeigen. Zuletzt etwa warst du mit Jan Delay auf Tour. Wäre eine Mongo-Clikke-Revival-Tour mit Jan, Samy Deluxe, Ferris MC und anderen womöglich irgendwann denkbar, zum Beispiel zum 30. Gründungsjubiläum im Jahr 2027?

Naja, es ist jetzt nicht so, dass wir uns dienstags und freitags zwischen 17 und 19 Uhr treffen und zusammen hiphoppen wie in einem Sportverein. Zudem ja auch Familien gegründet wurden und viele nicht mehr in Hamburg leben. Aber für mich war es schon sehr schön, mit Jan und der Disko No. 1 auf Tour zu sein. Ich war auch mit meinem aktuellen Flashbuddy SCHMIDDLFINGA unterwegs, mit dem ich die Single „Leute Sind Leute“ vom kommenden Album „SENF“ released habe und als Soundsystem DING DONG DIGGIE auftrete. Um die Frage zu beantworten: Ich bin dabei.

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