Silvana: „Ich bin dankbar für das, was ich habe“ (Foto: privat)

Silvana: „Ich bin dankbar für das, was ich habe“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Silvana begegnet.

Protokoll: Kevin Goonewardena

 

„Ich gehe immer gerne in eine kleine Bar, dort bin ich an einem Abend einer Frau begegnet, die ich schon öfters dort gesehen hatte. Sie wohnte in meiner Straße und man kannte sich vom Sehen. Ich wusste, sie ist Autorin und Journalistin. An diesem Abend fragte sie mich, ob sie sich zu mir setzen könne. Sie bestellte sich ein Bier und wir kamen ins Reden. Es stellte sich heraus, dass sie eine ziemlich erfolgreiche Krimiautorin ist. Ihr Name: Simone Buchholz. Sie hat unsere Begegnung in ihren damals aktuellen Roman Blaue Nacht einfließen lassen. Ich habe mich total gefreut und auch geehrt gefühlt.

 

Offen gegenüber Menschen

 

Diese Anekdote beschreibt ganz gut meine Offenheit gegenüber Menschen. Ich lerne oft neue Leute und ihre Geschichten kennen. Ich finde Menschen interessant, will wissen, wie sie sind, wo sie herkommen, was sie machen oder wie sie heißen. Man nennt es Pareidolie, wenn man in Dingen und Mustern vertraute Gesichter erkennt. So geht mir das immer wieder hier auf St. Pauli. Die ganzen Plakate, Street Art, Kreidezeichnungen, die Kinder auf die Straße gemalt haben, irgendwo hat irgendwer was weggeworfen, irgendwo steht Zeug rum, das sind alles Sachen, die Bilder erzeugen und Geschichten erzählen. Diese Dinge inspirieren mich zu den Illustrationen, die ich mache. Ich könnte gar nicht auf Dauer irgendwo abgeschnitten leben. Auf St. Pauli habe ich die Hälfte meines Lebens verbracht. Seit meinem Kommunikationsdesign-Studium lebe ich der Nähe der Elbe.

 

Verbindungen und eine Erkenntnis

 

Für mich lässt sich die am besten mit dem Fahrrad und zu Fuß entdecken. Dabei fügt sich Stück für Stück zusammen, stellen sich Verbindungen her. Hamburg auf diese Art zu entdecken, aber auch den Menschen zu begegnen, das war mir dieses Jahr so gut wie gar nicht möglich. Ich hatte eine längere, schwere Verletzung. Dadurch konnte ich nicht zeichnen. Das war eine Zeit, in der ich sehr große existenzielle Angst hatte, Angst, dass es nicht mehr wie früher gehen wird. In dieser Zeit habe ich gelernt, den Augenblick zu genießen und im Hier und Jetzt zu leben. Ich möchte nicht mehr warten und denken ‚Irgendwann mal‘. Ich bin dankbar für das, was ich habe, diese Freiheit, dieses bunte Leben, diese Leichtigkeit, die man dann doch in allem so lebt und liebt. Dem liegt eine gewisse Ernsthaftigkeit zugrunde, die darf man nicht aus den Augen verlieren, auch wenn man immer so schnell dabei ist.“


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