16.05. | Neun Malerinnen, offene Spuren: Die Vernissage „Malwut“ setzt bei Feinkunst Krüger auf kollektive Kreativität

Vernissage: Malwut in Feinkunst Krüger
(© Feinkunst Krüger / Malwut)

Infos zum Event:

Malwut

Anna Leonhardt – Monika Michalko – Hedwig Eberle – Lisa Kränzler – Tatjana Doll Kirsi Mikkola – Maja Drachsel – Helen Hu – Anna Steinert

Vom 17. Mai bis zum 06. Juni stellen 9 Malerinnen ihre Arbeiten als Kollektiv bei Feinkunst Krüger aus.

Ursprünglich als erste Station angedacht hat die Dringlichkeit und Wucht dieses Kollektivs aber jetzt schon 2 gemeinsame Ausstellungen hinter sich. Es wird aber mit 100prozentiger Sicherheit nicht die letzte sein, denn es ist längst überfällig das Malerinnen ihren angestammten Platz einnehmen. Viele weitere Ausstellungen und Projekte sind geplant und angefragt und Feinkunst Krüger ist extrem stolz von Anfang an dabei gewesen zu sein!

Zur Vernissage am Samstag den 16. Mai ab 20:00 Uhr laden wir herzlich ein.

Viele der Künstlerinnen werden anwesend sein!

MALWUT ist eine Intervention neun sehr unterschiedlicher Malerinnen. Das von Anna Steinert und Anna Leonhardt Ende 2025 gegründete Kollektiv schafft Künstlerinnen Sichtbarkeit abseits der klassischen Ökonomien und Hierarchien des Kunstbetriebs. In einem Betriebssystem, das Malerinnen noch immer weniger Präsenz als Malern einräumen will, erobert das Projekt neuen gemeinsamen Handlungsraum. Der Name MALWUT ist dabei Kampfansage und ironisches Rollenspiel zugleich. Einerseits verlaufen die Biografien von Malerinnen weniger linear und ihre Arbeit ist noch immer durchschnittlich geringer vergütet als jene ihrer männlichen Kollegen. Andererseits sind Emotionen und körperlich vermittelte Impulsivität auch historische Zuschreibungen, mit denen sich eine männliche Kunstkritik weibliches Malen erklärt (oder abgewertet) hat. Zugleich aber spielt der Begriff mit subjektiven Eigenschaften, die sich an der präsentierten Malerei ablesen lassen. Die Initiatorinnen betonen die Risikobereitschaft der gezeigten Malerei. Die Bilder verstecken Arbeitsspuren nicht. Oberflächen sind offen und die Werke verstehen sich als bewusster „Affront“ gegen eine geglättete digitale Welt. Zu Malen ist hier auch ein Akt des Furors gegen kalkulierte Produktqualitäten und schnell konsumierbare Images. Bei näherer Betrachtung hat die explizite MALWUT höchst differenzierte Positionen zusammengeführt, die – unbeeinflusst von kuratorischen Regieanstrengungen – ein ausbalanciertes Gleichgewicht der Kräfte hervorgebracht hat. Die unterschiedlichen malerischen Artikulationsformen konkurrieren nicht, sondern halten einander gegenseitig in der Schwebe.

„Malen ist etwas tun. Keine Metapher – sondern eine Aussage über den Körper, über Zeit, über die tägliche Entscheidung, sich mit etwas auseinanderzusetzen, das sich nicht erklären lässt. MALWUT ist etwas anders als die Summe unserer Arbeitsweisen und einer über Jahre gewachsenen Praxis in Institutionen, Kunsthochschulen, Sammlungen und auf dem Kunstmarkt. MALWUT charakterisiert sich durch die Art, wie wir einander als Künstlerinnen begegnen: unter Gleichen, mit einer Durchlässigkeit untereinander, in der eine der anderen nichts beweisen muss und deshalb zuhören kann. Wer zuhört, lernt – nicht im didaktischen Sinn, sondern im malerischen: von anderen Entscheidungen, einer anderen Haltung zur Oberfläche und auch einem anderen Umgang mit dem Scheitern. Unser Name ist Doppeldeutigkeit, die ernst gemeint ist. MALWUT benennt das Malen als Notwendig- keit, die sich keiner Karrierelogik fügt – die weitergeht, auch wenn der Markt wegschaut, die Ausstellungsmöglichkeiten ausbleiben, das Atelier zu klein und die Wand zu schmal ist. Wenn die äußeren Handlungsmöglichkeiten immer wieder in Frage gestellt werden, entsteht Wut, die sich aber als Malerei artikuliert. Was aber heißt das? Die Bilder in MALWUT sind kein Ausdruck von Agitation. Sie tragen Arbeitsspuren, sie zeigen Brüche und Umkehrungen. Sie riskieren ein Scheitern, das gar keines ist – und sie stellen sich einer drängenden Frage, die sich die Künstlerinnen selbst gestellt haben: Wann erwacht eine Malerei zum Leben? Was macht einen malerischen Prozess lebendig? Unsere erste Intervention fand am 8. März 2026 – dem Weltfrauentag – in ehemaligen Galerieräumen in der Linienstraße in Berlin-Mitte statt. Ohne externe Kuration und ohne Galerievertretung entstand eine Präsentation aus dem Inneren der Gruppe heraus, die sich weder marktgetriebenen noch kuratorischen Strukturen unterwarf und die am 2. April 2026 erstmals in den Rahmen einer Institution, in den Ausstellungspavillon des BKV Potsdam übertrat, ohne ihn für sich zu übernehmen. Was MALWUT von anderen künstlerischen Kollaborationsformen unterscheidet, ist nicht nur die fehlende kuratorische Vorgabe, sondern die Art des Austauschs, der ihr vorausgeht. Gegenseitige Atelierbesuche gehören zum Kern des Projekts. MALWUT besteht nicht aus Proklamationen, Panels oder Symposien, sondern lebt aus dem langsamen, wiederholten kollektiven Schauen in den Arbeitsräumen der anderen. Wer die Bilder kennt, bevor sie in die Öffentlichkeit treten, geht anders mit ihnen um. Wer weiß, wie Arbeiten entstehen, welche zuvor verworfen wurden, welches Zögern ihnen vorausging, stellt sie anders aus. Das ist die stille Infrastruktur dieser Ausstellung, und sie ist in der Hängung selbst ablesbar: neun Positionen, die sich nicht erklären, sondern einander halten. Gemeinsam stellen wir keine These auf, sondern formulieren eine Frage, die in unserer Arbeit und in den Wochen des gegenseitigen Schauens entstanden ist, und die erneut offen bleibt: Can I jump off the mountain without expecting to land?“                                                           MALWUT

Die neun Malerinnen verbindet keine gemeinsame Schule, kein Stil und kein Manifest. Anna Steinert (*1983, lebt in Berlin) verdichtet Gesten zu vielschichtigen, organisch durchwirkten Bildfeldern, die zwischen Kontrolle und Hingabe oszillieren. Anna Leonhardt (*1981, lebt in New York und Berlin) definiert die vier Bildecken als kompositorischen Rahmen, innerhalb dessen sie chromatische Spannungsfelder entwickelt. Farbkörper und Bildgründe werden gesetzt, verworfen und neu ausgelotet, bis die koloristischen Relationen zwischen Fläche und nahezu dreidimensional wirkenden Farb- strukturen einen eigenen Rhythmus entfalten. Tatjana Doll (*1970, lebt in Berlin und Karlsruhe) geht von Reproduktionen aus – digitalen wie analogen –, die unser Bild von Wirklichkeit formen. Mit fließenden Lack- und Ölfarben entsteht eine Malerei, die roh und direkt auf die Welt zugreift, ohne Geschichten zu erzählen. Maja Drachsel (*1978, lebt in Dresden) schöpft ihre Bildwelten aus Teilen ihrer eigenen Biografie, ohne illustrativ zu sein: Figur, Geste und malerischer Grund gehen ineinander über, ohne sich aufzulösen. Der Zustand des Nicht-Abgeschlossenen ist keine Unentschiedenheit, sondern eine malerische Position. Hedwig Eberle (*1977, lebt am Staffelsee) bewegt sich zwischen Tusche und Öl, Leinwand und Papier, Figur und Abstraktion – fein artikuliert und im Spannungsfeld zwischen gestischem Impetus und rhythmischer Komposition. Helen Hu (*1994, lebt in Berlin) entwickelt ihre Gemälde in einem langsamen, akkumulativen Prozess. Jede hinzugefügte Schicht reagiert auf die vorherige – als Echo, Gegenbewegung oder Widerhall. Lisa Kränzler (*1983, lebt in Dresden) arbeitet ausschließlich auf Papier. Sie bezeichnet sich selbst als Malerdichter. Ihre „TXT-Malereien“ sind gemalte Manuskripte: Das Wort wird Bild. Monika Michalko (*1982, lebt in Berlin) bevölkert ihre Leinwände mit Figuren, Objekten und organischen Formen, die einer eigenen Gesetzmäßigkeit folgen und stets fiktiv Erinnerungen, Phantasmen und alternative Bildwelten entwerfen, ohne den Bezug zur realen Welt gänzlich zu verlieren. Kirsi Mikkola (*1959, lebt in Berlin) lässt in ihren Bildern, die oft direkt mit dem Tacker an die Wand geheftet sind, aufgewühlte Energie und physische Direktheit mit gedämpfter Sensibilität koexistieren. Aus Acryl, Öl, Tusche und einer unberechenbaren Mischung von Papierstücken und Streifen entstehen Werke, die sich ihrer eigenen Klassifizierung entziehen.

Quelle MALWUT – Redaktion: Catharina Bonorden

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16. Mai 2026
20:00
Feinkunst Krüger
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