Die schweigsame Mittzwanzigerin Soo-Ha (Bella Kim) lebt in einem beschaulichen Küstennest am Nordende von Südkorea. Ihr Literaturwissenschaftsstudium in Seoul blieb ein kurzes Intermezzo, danach kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück. Hier kümmert sie sich um ihre alternde Mutter und arbeitet als Zimmermädchen und Köchin in Personalunion in einem kleinen Hotel namens Blue House. Im Sommer ist Sokcho wegen seiner Küstenlage beliebtes Touristenziel, doch aktuell herrscht Winterstarre und somit tote koreanische Hose. Da ist die Ankunft eines allein reisenden Franzosen eine kleine Sensation. Der Graphic Novelist Yan Kerrand (Roschdy Zem) sucht Inspiration für ein Buchprojekt. Weil Soo-Ha fließend Französisch spricht, mutiert sie alsbald zur Übersetzerin, Fremdenführerin und Assistentin, etwa beim Pinselkauf im örtlichen Künstlerbedarfsladen. Im Austausch mit dem deutlich älteren Mann taut Soo-Ha zusehends auf. Der wortkarge Franzose weckt zudem die Stalkerin in ihr. Beim Room Service durchwühlt sie seine Künstlermappe und wenn Yan auf seinem Zimmer zeichnet, steht sie nicht selten im Nebenraum und beobachtet ihn durch einen Spalt in der Wand. Das Angebot, für ihn zu kochen, schlägt Monsieur allerdings wiederholt aus, sehr zu Soo-Has Verdruss. Der Film des in Paris geborenen koreanischen Regisseurs Koya Kamura (nach einem Roman von Elisa Dusapin) entblättert die Psychologie seiner Protagonistin sehr behutsam.
Hiver à Sokcho: Eindrückliches Porträt einer jungen Frau

Ohne zu viel zu spoilern: Hinter Soo-Has brennender Neugier steckt auch die verzweifelte Suche nach den eigenen Wurzeln. Hauptdarstellerin Bella Kim legt eine sehr einnehmende, vielschichtige Performance hin. „Hiver à Sokcho“ (Originaltitel) ist eine kleine Weltreise im Kinosessel: Die lakonische Begegnung zweier schweigsamer Nerds ist in sehr authentisches Lokalkolorit eingebettet, inklusive vieler eingestreuter kulinarischer Köstlichkeiten. Wer gut aufpasst, kann nach dem Kinobesuch sogar den hochgiftigen Fugu-Kugelfisch fachgerecht zu appetitlichem Sashimi verarbeiten! / Calle Claus
Regie: Koya Kamura. Mit: Bella Kim, Roschdy Zem, Mi-hyeon Park, Tae-Ho Ryu. 105 Min. Ab 5.2.
Sterne: 3
Trailer zum Film Winter in Sokcho:
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Mehr InformationenDiese Artikel ist zuerst in der SZENE HAMBURG 02/26 erschienen.

