Reisen mit Xavier Rudd

Wer Musik auf der Reise seines Lebens entdeckt, für den ist sie auf immer positiv besetzt. So ist das bei mir und Xavier Rudd

Text: Lena Frommeyer

Nach dem Studium sind mein Freund und ich eine gefühlte Ewigkeit gereist. In Thailand lernten wir ein Pärchen kennen. Sie: Australierin. Er: Neuseeländer. Beide „laid back“, mit Hippie-Klamotten und Sinn für die Natur. Vor unserer Hütte am Strand ließen sie Xavier Rudd aus einer verbeulten Lautsprecherbox singen. Er sang darüber, dass alle Menschen gleich sind und dass man der Sonne folgen soll. Das hört sich freaky an, wenn man diese Zeilen im Kreativbüro in der Sternschanze schreibt. Damals verzauberte uns die Weltmusik.

Wir fuhren mit dem Bulli durch Australien und Neuseeland, besuchten unsere neuen Freunde und ließen dabei oft Xavier Rudd für uns singen und Didgeridoo spielen. Und auch heute, in Hamburg, beim Irgendwas-mit-Medien-Job, brauche ich nur meine Spotify-Playlist mit „Spirit Bird“, Footprint“ oder „Come Let Go“ anklicken und ich fühle wieder den Fahrtwind im Gesicht und das Gewicht meines Rucksackes auf den Schultern.

Gestern, am 30.6., spielte Xavier Rudd mit seiner Band The United Nations in der Fabrik. Natürlich waren wird dort. Und wir hatten Angst davor entzaubert zu werden, wenn wir den Musiker live sehen. Auch, weil uns das neue Album ehrlicher Weise nicht so liegt, auf dem der Reggae dominiert.

Es kam ganz anders. Es war der Wahnsinn. Die Energie zwischen Band und Publikum war von der ersten Sekunde an enorm. Alte und neue Stücke wechselten sich ab. Xavier segnete und beschwörte seine Zuschauer. Er ließ sich ein Arsenal an Gitarren reichen, spielte Didgeridoo und hüpfte barfuß über die Bühne. Die Background-Sängerinnen rührten zu Tränen. Der Bassist stohl ihnen wiederum mit seinem Hüftschwung die Show. In der ersten Reihe tanzten junge Menschen mit Federschmuck in den Haaren, auf dem oberen Rang silberhaarige Herren mit ungelenken aber begeisterten Bewegungen.

Verschwitzt standen wir danach in einer Traube an Konzertbesuchern an der S-Bahn. Zurück ins urbane, schnelle Leben. Das ist schon ok, wenn man zwischendurch so Luft holen kann.