SZENE HAMBURG: Mable Preach, in dem von Ihnen entwickelten Stück „No Body“ nehmen Sie Bildungsinstitutionen in Deutschland und deren Verantwortung ins Visier. Wo setzt Ihre Kritik an?
Mable Preach: Ich würde es nicht unbedingt Kritik nennen. Eher: Dinge sichtbar machen, die viele kennen, aber nicht immer benennen können. In Schule und Uni wird früh entschieden, wer dazu gehört und wer nicht. Meist nicht laut. Kein großer Moment. Eher ein Blick. Ein Kommentar. Dieses Gefühl, dass du im Raum bist, aber nicht wirklich gemeint. Wenn das über Jahre passiert, bleibt es. Wichtig: Es ist kein Lehrstück. Ich will niemandem erklären, was Rassismus ist. Im Zentrum stehen Freundschaft, Loyalität und die Frage: Wer steht für wen ein, wenn es ernst wird?
Die Form kommt direkt aus der Figur. Lilian denkt in Momenten, Zuständen, die sich wiederholen. In Bildern, die sie kennt und die sie gleichzeitig nicht ganz greifen kann. Ein Reel, ein Meme, ein kurzer Clip: Das verdichtet extrem viel in sehr kurzer Zeit. Du erkennst es sofort. Und manchmal trifft es dich, bevor du weißt, warum. Genau dieser Moment interessiert mich. Wenn etwas kippt. Wenn das Vertraute plötzlich weh tut.
Der Titel in der von Ihnen gewählten Schreibweise meint „keinen Körper“, welchen Bezug hat er zur Protagonistin?
„No Body“ beschreibt zum einem die Erfahrung, dass dein Körper ständig gelesen, bewertet, markiert wird und du trotzdem nicht wirklich gesehen wirst. Überpräsent und unsichtbar zur gleichen Zeit. Aber „No Body“ heißt auch: niemand. Wenn ich nicht als jemand auftauche, kann ich mich vielleicht schützen. Unsichtbarkeit als Schutzraum. Nur, dass das einen Preis hat. Und dann gibt es noch die institutionelle Ebene: Das Tribunal will eine Person festlegen. Definieren. Verantwortlich machen. Die Figur entzieht sich dem. Sie sagt: Ich bin nicht hier, ich bin nicht das, was ihr aus mir macht.

