Mittel und Wege für die Auseinandersetzung mit der eigenen komplizierten, vielleicht sogar verletzenden Familiengeschichte zu finden, für die damit verbundenen gemischten Gefühle, und dabei doch genug Distanz zu wahren, ohne die Nähe zu verlieren, ist erdenklich schwierig, sicherlich erschöpfend, doch im besten Fall auch heilsam. Abdulhamid Kircher hat hierfür schon als Teenager die Fotografie entdeckt – und seitdem eine Art visuelles Tagebuch geschaffen, in dem er seinen Alltag, die Menschen und Gegebenheiten um sich herum festhält, und dabei auch tiefprägende, teils gewaltvolle Kindheits- und Jugenderfahrungen verarbeitet.
In seiner Arbeit „Rotting from within“ legt Kircher die Geschichten seiner Familie, die emotionale Ambivalenz im Umgang damit, schonungslos offen, und hat ein persönliches Tableau aus selbst aufgenommenen Fotografien, ausgewählten Archivbildern und biografischen Artefakten erstellt, das er immer wieder neu arrangiert und an den jeweiligen Ausstellungsort anpasst – wie derzeit im PHOXXI, dem temporären Haus der Photographie auf dem Gelände der Deichtorhallen. Hierfür sind auch neue Arbeiten entstanden, die ebenfalls schmerzliche Einblicke in die Familiengeschichte mit der Aussicht auf eine mögliche Versöhnung bieten – und sich um den Tod und das patriarchale Erbe des Großvaters väterlicherseits drehen.
Dieser Artikel ist zuerst in der Printausgabe der SZENE 07/26 erschienen.

