Theaterkritik: „Aus dem Nichts“ im Jungen Schauspielhaus

Wenn der Rechtsstaat versagt – Klaus Schumacher und Stanislava Jević inszenieren „Aus dem Nichts“ nach dem Film von Fatih Akin im Jungen Schauspielhaus in einer eigens erstellten Bühnenfassung
Katja (Anastasia Lara Heller) will die Schuldigen finden: „Aus dem Nichts“ (©Sinje Hasheider)

„So darf es nicht enden!“ Nach gut 60 gespielten Minuten diskutieren die vier Ensemblemitglieder des Jungen Schauspielhauses den Abschluss der jüngsten Inszenierung. Helles Arbeitslicht auch im Zuschauerraum signalisiert den Bruch nach dem eigentlichen Spiel – eine geschickt eingefügte Wendung, um das Publikum ab 14 Jahren einzubeziehen und stückimmanente Fragen weiterzureichen.  

„Aus dem Nichts“ mit offenem Ende

Intendant Klaus Schumacher inszeniert „Aus dem Nichts“ nach dem gleichnamigen, preisgekrönten Film von Fatih Akin in einer eigens erstellten Bühnenfassung: Bei einem Bombenanschlag verliert die junge Katja ihren Mann und das gemeinsame Kind. Anstatt mögliche Täter zu ermitteln, stellt die Polizei die Familie der Opfer unter Generalverdacht. Drogendelikte und eine frühere Haftstrafe von Katjas kurdischem Mann lenken die Untersuchungen in Richtung auf eine politisch oder religiös motivierte Tat. Katja indes hat einen anderen Verdacht, der sich schließlich bestätigt: Tatsächlich verübten Neo-Nazis den Anschlag gezielt in einem vor allem von Türken bewohnten Stadtteil. Die beiden Täter, ein junges Ehepaar, werden verhaftet, doch nach einem Prozess mit zweifelhaftem Verlauf aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Während Akins Film mit Katjas persönlichem Racheakt endet – sie baut eine Bombe gezielt nach deren Vorbild aus den üblichen, im Baumarkt erhältlichen Bestandteilen und tötet damit das Nazi-Paar und sich selbst – , lässt die Inszenierung am Jungen Schauspielhaus mehrere Ausgänge der Geschichte zu: Legt Katja tatsächlich die Bombe? Geht sie mit anwaltlicher Hilfe in Revision? Oder gibt sie schließlich auf? Anastasia Lara Heller spielt sich als Katja die Seele aus dem Leib, drei Ensemblemitglieder übernehmen sämtliche anderen Rollen. Eindrucksvolle Projektionen mit Wassermotiven rahmen das eindringliche Spiel der Vier ein und setzen einen poetischen Kontrast zum brandaktuellen Sujet.

Aus dem Nichts“, Junges Schauspielhaus, 26. Februar, 25.–27. März 2025 und weitere Termine

Diese Kritik ist zuerst in SZENE HAMBURG 02/2025 erschienen. 

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