Das Café am Schreyerring ist für viele Menschen in Steilshoop weit mehr als ein Ort für Kaffee und günstige Mahlzeiten und seit 1988 ein wichtiger Treffpunkt für die Nachbarschaft. Hier trifft sich die Nachbarschaft auf einen Kaffee mit den Nachbarinnen und Nachbarn, ein warmes Mittagessen zu erschwinglichen Preisen oder einen gemeinsamen Familienabend mit Pommes. Besonders für Menschen mit wenig Einkommen bietet das Café die Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu kommen und am sozialen und kulturellen Leben des Stadtteils teilzunehmen. Von August bis Oktober wurde das Café renoviert, um Mitte Oktober wieder seine Türen öffnen zu können.

An Lieblingsplätzen sitzen unterschiedlichste Stammgäste, für die dieser Ort weit mehr als nur Gastronomie bedeutet. Das Café ist ein Treffpunkt für Menschen aus dem gesamten Stadtteil und einer der wenigen Orte dieser Art in der Nachbarschaft. Gegenüber einem weitgehend leer stehenden ehemaligen Kaufhaus bildet das Café am Schreyerring einen deutlichen Kontrast. Als essenzieller Teil der sozialen Infrastruktur ist es so beliebt, dass es oft schwerfällt, noch einen freien Platz zu ergattern. Von Montag bis Freitag, zwischen 9 und 20 Uhr und auch samstag bis 15 Uhr, können Menschen aus dem Stadtteil hier für 4,20 Euro eine warme Mahlzeit genießen oder für 1,20 Euro einen Kaffee trinken. Die günstigen Preise machen das Café zu einem zugänglichen Ort für alle, die in Steilshoop einen Treffpunkt, einen Rückzugsort oder eine Wohlfühloase suchen. „Unabhängig davon, dass die Kaufkraft hier niedrig ist, möchten wir, dass die Leute einen schönen Treffpunkt haben – unser Job ist Teilhabe zu organisieren“, erklärt Petra Lafferentz, Geschäftsführerin Alraune gGmbH, im persönlichen Gespräch.
Ein Wohnzimmer für den Stadtteil: Langzeitarbetslose und Produktionsschüler gemeinsam für den Guten Zweck

Hinter dem Projekt steht die Alraune gGmbH, die sich seit ihrer Gründung für Bildungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten einsetzt. Das Unternehmen entstand 1984 aus dem Engagement von Mitarbeitenden der SAGA-Mieterberatung und des Steilshooper Amts für soziale Dienste. Ziel war es zunächst, jungen Menschen im Stadtteil Beschäftigungs- und Ausbildungsperspektiven zu eröffnen, ihre Selbstständigkeit zu stärken und das Wohnumfeld aufzuwerten. Zu diesem Zweck betreibt die Alraune gGmbH in Steilshoop unter anderem eine Produktionsschule, eine alternative Schulform für Jugendliche, die nach der 9. oder 10. Klasse keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Dort können sie einen ersten Schulabschluss nachholen, praktische Fähigkeiten erlernen und dabei unterstützt werden, ins Berufsleben einzusteigen. Die Produktionsschülerinnen und Produktionsschüler aus den Bereichen Tischlerei und Malerei sowie langzeitarbeitslose Beschäftigte der Alraune gGmbH packten bei der Renovierung des Cafés gemeinsam an. Sie sammelten praktische Erfahrungen, brachten ihre Fähigkeiten ein und gestalteten gleichzeitig einen Ort mit, der für viele Menschen in ihrer Nachbarschaft eine wichtige Rolle spielt. Auch die Mitarbeitenden im Café selbst prägen die besondere Atmosphäre. Einige von ihnen kommen aus dem Stadtteil und kennen die Menschen und ihre Lebensrealitäten. Hier ist jede und jeder willkommen, dadurch wird das Café zu einer Art Wohnzimmer für den ganzen Stadtteil. Ob als Koch oder Köchin, Restaurantfachkraft oder im Service: Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es viele. So profitieren nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Gäste des Cafés. Menschen, die lange arbeitslos waren, sowie Jugendliche, die Schwierigkeiten im regulären Schulsystem hatten, erhalten hier einen Ort und eine Aufgabe, mit denen sie etwas bewirken können.
Ich finde, es ist ein schönes Beispiel dafür, was die Menschen, die das hier geschaffen, konzeptionell erdacht & ausgeführt haben, erreichen können. Das ist alles von Jugendlichen gemacht, die eigentlich schon abgeschrieben worden & nicht im Regelschulsystem funktioniert haben.
Leslie Hiet (Geschäftsführerin Alraune gGmbH)
Die Alraune gGmbH bietet in der Quartiersgestaltung ein Angebot für Kinder durch die Kita, für Schüler durch die Produktionsschule, für Langzeitarbeitslose durch die Beschäftigungsmöglichkeiten und durch die Orte der Freizeit durch das Café oder auch den Hof Bullerbü. Es geht um Entwicklung des Stadtteils und ein Angebot für alle Generationen, Teil des Stadtteils und der Gesellschaft zu sein und sich einbringen zu können. Die Finanzierung des Cafés erfolgt über staatliche Mittel. Drohende Kürzungen und die damit verbundene Angst vor einer möglichen Schließung begleiten die Mitarbeitenden und Besuchenden jedoch seit Jahren. „Es gab Zeiten, in denen wir alle halbe Jahre um die Finanzierung kämpfen mussten und die Leute nicht wussten, ob sie in zwei Monaten noch hier arbeiten und sitzen können“, beschreibt Petra. Die Frustration über diese Situation ist groß. Gleichzeitig ist die Resonanz aus dem Stadtteil eindeutig. Das Café wird geliebt und vor allem gebraucht. Sich immer wieder gegenüber den Behörden für den Erhalt des Angebots einsetzen zu müssen, kostet alle Beteiligten Kraft und Energie. Momentan wird das Café über den Europäischen Sozialfonds finanziert. Dieser unterstützt Projekte, die in Hamburg Arbeitsmarkt- und Quartiersentwicklung miteinander verbinden. Die Förderung läuft zunächst bis Ende 2028. Wie es danach weitergeht, ist allerdings noch ungewiss.

Die Renovierung des Cafés am Schreyerring zeigt, was entstehen kann, wenn Menschen die Möglichkeit erhalten, ihre beruflichen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und gleichzeitig einen wichtigen sozialen Treffpunkt für die Nachbarschaft mitzugestalten. So entsteht am Schreyerring nicht nur ein renoviertes Café, sondern auch ein Beispiel dafür, wie gemeinsames Engagement den Zusammenhalt im Stadtteil stärken kann.

