Irena Rußmann, Maschwerk (Koppel 66)
„Ich bin seit 2000 in der Koppel 66. Ich habe 1994 eher zufällig mit dem Stricken angefangen – nach einer Beinverletzung bekam ich eine Strickmaschine in die Hände. Aus dem Experimentieren wurde schnell ein kleines Business, von dem ich schon nach einem Jahr leben konnte. Seit 2013 arbeite ich fast ausschließlich mit Kaschmir. Ich entwerfe, experimentiere mit Garnen und Farben und fertige meine Stücke selbst – ergänzt durch Verkauf, Beratung, Verwaltung und Versand. Meine Werkstatt ist gleichzeitig mein Laden, sodass Kundinnen und Kunden mir bei der Arbeit über die Schulter schauen können. Also eine echte One-Woman-Show. In den 26 Jahren habe ich erlebt, wie sich St. Georg verändert hat und an vielen Stellen schicker geworden ist, oft schön, manchmal auf Kosten der Authentizität. Die besondere, quirlige Mischung des Viertels, zu der auch der kreative Mikrokosmos der Koppel 66 gehört, ist aber geblieben – und genau das gefällt mir bis heute.“
Emil Slominski, Reichshof Hamburg
„Ich bin seit dem 15. Februar 2026 Teil des Reichshof Hamburg. Die Entscheidung für den Reichshof fiel mir leicht, weil mich das Haus sofort begeistert hat. Es verbindet auf besondere Weise Geschichte, Charakter und Moderne. Seit 1910 ist es ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen und besondere Momente erleben. Gleichzeitig entwickelt sich das Haus stetig weiter und richtet sich immer wieder neu auf die Bedürfnisse seiner Gäste aus. Besonders spannend finde ich die Vielseitigkeit des Reichshof Hamburg. Vom exklusiven Dinner im kleinen Kreis über Community-Events, Konzerte, klassische Tea Time bis hin zu großen Veranstaltungen mit mehreren Hundert Gästen entstehen hier jeden Tag neue Begegnungen und Geschichten. Genau diese Mischung aus Gastfreundschaft, außergewöhnlichen Erlebnissen und der Möglichkeit, die Zukunft eines so traditionsreichen Hauses aktiv mitzugestalten, hat mich gereizt. Mein Arbeitsalltag ist sehr abwechslungsreich, denn kein Tag gleicht dem anderen. Oft ist es positiv stressig, da immer neue Herausforderungen, Begegnungen und Projekte auf einen warten. Dabei ist es mir wichtig, die laufenden Themen so zu strukturieren und vorzubereiten, dass auch die kommenden Tage gut geplant sind. Auch das Drumherum finde ich spannend. Das Bahnhofsviertel ist wild, bunt und voller Geschichten. Trotz aller Gegensätze bleibt das Viertel ein spannender und prägender Teil Hamburgs. Ich hoffe, dass die positive Entwicklung weiter vorangetrieben wird, damit sich Bewohnerinnen und Bewohner, Gäste und Unternehmen gleichermaßen wohlfühlen.“
Caroline Unger, GBI
„Beim GBI angefangen habe ich im November 2023, in der Filiale in St. Georg bin ich seit etwa zwei Jahren. Jede der 14 GBI-Filialen in und um Hamburg wird von ganz unterschiedlichen Beraterinnen und Beratern betreut und ich bin froh, meine Filiale in St. Georg gefunden zu haben. Als Bestattungsberaterin führe ich in erster Linie Gespräche mit Angehörigen oder berate über Vorsorgemöglichkeiten und gebe allgemein Informationen über Arten der Bestattung, finanzielle Aspekte und wichtige formelle Vorschriften. Dafür kommen meine Gäste zu mir in die Filiale, aber ich mache auch Hausbesuche und unterstütze Hinterbliebene bei der Planung von Abschieden und Bestattungen. St. Georg und speziell die Lange Reihe ist ein wortwörtlich bunter Ort. Den prägen vor allem die vielfältigen Geschäfte und Veranstaltungen und die facettenreichen Menschen. Hier ist es nicht hektisch, hier ist es wild! Von einer Bestatterin vielleicht etwas befremdlich, aber: St. Georg ist lebensfroh und wandelbar und ich hoffe, dass ich diesen Wandel noch lange miterbeben darf.“
Shahab Qurasch, Goa
„Ich arbeite seit knapp sechs Monaten im Goa in St. Georg. Ich bin wegen der besonderen Atmosphäre und des Konzepts des Hauses hierhergekommen: Ein modernes indisches Fine-Dining-Restaurant, das Tradition mit einem eleganten und zeitgemäßen Stil verbindet. Außerdem hat mich St. Georg sofort angesprochen, weil hier so viele unterschiedliche Menschen, Kulturen und Lebensgeschichten aufeinandertreffen. Ich empfinde St. Georg als einen der buntesten und vielfältigsten Stadtteile Hamburgs. Seit ich hier arbeite, nehme ich St. Georg auch noch mal ganz anders wahr und habe das Gefühl, dass sich ständig etwas bewegt, ohne dass der besondere Charakter des Viertels verloren geht. Speziell die Lange Reihe lebt von ihrer Mischung aus Gastronomie, kleinen Geschäften und unterschiedlichen Menschen. Vor allem abends merkt man die besondere Energie der Langen Reihe: Menschen kommen zum Essen zusammen, feiern besondere Anlässe oder entdecken einfach etwas Neues. Natürlich auch im Goa. Hier habe ich einen abwechslungsreichen, oft ziemlich lebendigen Arbeitsalltag. Schön finde ich auch, in einem Team zu arbeiten, in dem viel Wert auf Gastfreundschaft, gutes Essen und einzigartige Erlebnisse gelegt wird.“
Guido Dittkuhn, Haspa
„Ich bin seit rund sechs Jahren Filialleiter an der Langen Reihe. Den Stadtteil habe ich mir damals ganz bewusst ausgesucht. Hier kommen Menschen aus aller Welt, ganz unterschiedliche Generationen, Lebensentwürfen und Biografien zusammen. Genau diese Mischung macht den Kiez für mich bis heute so besonders. Vor allem: nie gleich. Für mich ist das der Kern des Stadtteils – verschieden sein und trotzdem Nachbarschaft leben. Bei uns sitzt morgens vielleicht jemand, der sein erstes Konto eröffnet, mittags geht es um eine Immobilienfinanzierung und am Nachmittag um den Schritt in die Selbstständigkeit. Und manchmal geht es um sehr persönliche Dinge – etwa wenn eine Person ihre Geschlechtsidentität anpassen möchte. Solche Themen gehören bei uns genauso zum Alltag wie klassische Finanzfragen. Gerade in St. Georg erleben wir, wie wichtig es ist, Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen offen und selbstverständlich zu begegnen. Genau das meine ich mit: Menschen verstehen. Auch unser Team spiegelt diese Vielfalt im Kiez wider: mit verschiedenen Generationen, Herkunftsgeschichten und Perspektiven.“
Bettina Stucky, Deutsches Schauspielhaus
„Seit Sommer 2013 bin ich am Schauspielhaus fest angestellt, was zugleich der Neuanfang der Intendanz von Karin Beier war. Ich habe immer gerne mitten in den Städten gewohnt. Nach St. Georg bin ich halb zufällig gezogen. Eine Freundin hat einen Schnipsel an einer Haustür abgerissen und meinte, „guck’ dir das doch mal an“. Für mich war es ein absoluter Glücksfall, so nah am Arbeitsplatz zu wohnen. Ich bin damals mit meinen zwei Kindern aus der Schweiz zugezogen, die gerade an der Schwelle zu Teenagern waren und durch die Nähe zum Theater früh eigenverantwortlich und freier sein konnten. Zur Not wären sie in drei Minuten an der Pforte gewesen. Was den Alltag am Theater vermutlich am meisten auszeichnet und am stärksten unterscheidet von anderen Berufen, sind die völlig unregelmäßigen Arbeitszeiten. Es gibt intensive Probenphasen, die innerhalb einer Produktion anstehen, und nach der Premiere des Stückes ist plötzlich Zeit mit Leerlauf. Genauso unregelmäßig liegen die Vorstellungen. Dies ist vielleicht auch das Anstrengendste an unserem Beruf, mal drängt sich alles in einer enormen Dichte und daneben gibt es nur wenig Freizeit. In den freien Phasen versuche ich, oft für Film und Fernsehen zu drehen. Ich liebe St. Georg wirklich sehr. Das liegt an seiner enormen Diversität. Ich kenne bis heute kein anderes Stadtviertel, in dem auf so engem Raum die Lebensrealitäten sich so heftig und wirklich grundlegend ändern und unterscheiden. Dass es so etwas gibt, nicht ohne Probleme und zunehmend mit mehr Elend auf den Straßen, finde ich sowohl sehr traurig und zugleich aber auch sehr kostbar. Es ist gut und in meinen Augen wirklich gesund – ich hoffe, das klingt jetzt nicht seltsam –, damit tagtäglich konfrontiert zu werden. Man kann sich hier nichts vormachen. Es ist eine klare Realität. Genauso wie der Steindamm, den ich sehr mag, weil ich teilweise im Orient aufgewachsen bin. Er steht aber zumindest teilweise in großem Widerspruch zur queeren Community ein paar Straßen weiter. Ich hoffe, es bleibt die besondere Qualität von St. Georg, genau diese durchlässige Zone zu sein, die auch der Soziologe Richard Sennett als sehr vital beschreibt. Es ist wunderbar, nebeneinander zu leben, sich gegenseitig wahrzunehmen und im besten Sinne zuzulassen, dass wir eben verschieden sind und uns gegenseitig offen begegnen. Deshalb möchte ich am liebsten hier leben.“
Reinhard Schölz, Unter Segeln e. V.
„Mein Hauptantrieb zur Mitarbeit bei Unter Segeln war von Vereinsgründung vor mittlerweile 25 Jahren an, mit engagierter Ausbildung Menschen für das Segeln zu begeistern. Segeln fördert den Teamgeist, verlangt von uns die Anpassung an ständig wechselnde Bedingungen und bringt uns der Natur wieder näher. Mittlerweile bemühe ich mich im Vereinsvorstand mit ehrenamtlich aktiven Mitgliedern zum Beispiel um mehr Wahrnehmung und Verwurzelung im Stadtteil, unterstütze unsere Trainerinnen und Trainer in Kursen und genieße das Vereinsleben auf und am Wasser. Der Stadtteil an sich hat mich schon viel früher in seinen Bann gezogen. In den 80er-Jahren kam ich der Liebe wegen und weil ich die Nähe von Wasser und Booten für mich als Segler sehr belebend fand, nach St. Georg. Zwischen weißen Segeln auf dem Alstersee, Kunsthalle, Hauptbahnhof, Drogenpräsenz, Kneipen, alternativen Wohnprojekten, dem Dom und vielen Restaurants, nehme ich bis heute nicht nur ein touristisch vermarktbares Lokalkolorit wahr, sondern bekomme auch immer wieder mit, dass Bürgervereine die Interessen der kulturell gemischten Bewohnerschaft wirksam vertreten. In St. Georg ist kulturelle Abschottung auf engem Raum nicht so gut möglich und es kommt meiner Meinung nach daher immer noch zu viel kreativem Miteinander. Ich hoffe, das bleibt noch ein bisschen so und wir können uns mit dem Verein noch mehr daran beteiligen. Sicher, manche Traditionskneipe, mancher Laden in St. Georg musste bereits aufgeben und natürlich gibt es auch Luxussanierungen, aber die atmosphärische Ausstrahlung hat sich zu einem guten Teil erhalten und ich sehe immer noch Bewohnerinnen und Bewohner sowie Gewerbetreibende, die ich vor 40 Jahren bereits kannte.“
Oriana Hertlein, The George Hotel Hamburg
„Bereits im Sommer 2007 begann mein Weg im The George, damals als Teil des Pre-Opening-Teams. Die Möglichkeit, eine Hotelneueröffnung mitgestalten zu dürfen, sah ich als ausgesprochen reizvolle Aufgabe. Mittlerweile bin ich die Direktorin des The George. Mein Arbeitsalltag ist sehr abwechslungsreich, kein Tag gleicht dem anderen und das macht die Arbeit in unserer Branche so spannend. Das Tätigkeitsfeld ist sehr vielschichtig, vom Controlling über Personalgespräche, von den operativen Abteilungen bis hin zum Administrativen. St. Georg ist und war schon immer ein sehr spannender Stadtteil und in mancherlei Hinsicht auch ein Stadtteil der Gegensätze. Er ist bunt, vielseitig, vereint verschiedene Stile, ist urban und wirkt mit der Lage direkt an der Alster auch ein wenig idyllisch.“
Semine Leona Rabajczyk, Casa di Roma
„Ich habe von meinen Eltern und deren Umfeld sehr viel Positives über das Casa di Roma gehört und aus diesem Grund dachte ich: Das ist das optimale Restaurant für meinen Berufseinstieg. In diesem Jahr habe ich meine Ausbildung im Casa di Roma als Restaurantfachkraft erfolgreich abgeschlossen. Zu meinem Arbeitsalltag: Es geht nicht darum, die Gäste zu bedienen, der Besuch im Restaurant soll ein Erlebnis sein und die Gäste sollen sich so wohlfühlen, wie zu Hause. Ich helfe ihnen bei der Wahl ihrer Gerichte und biete zusätzlich Gerichte mit regionalen und saisonalen Produkten an. Und natürlich empfehle ich auch den passenden Wein dazu. Ich finde, St. Georg ist ein lebendiger, kontrastreicher und bunter Stadtteil. Ich arbeite in der Lange Reihe – meiner Meinung nach dem Herzstück von St. Georg. Es gibt hier viele Cafés, Restaurants, Boutiquen und Bars. Hier sitzt man im Sommer draußen und genießt die tolle Atmosphäre und sieht auch den einen oder anderen Prominenten. Mein Chef hat das Casa di Roma vor über 34 Jahren eröffnet. Damals war es wohl nicht so ein beliebter Stadtteil.“
Dieser Artikel ist zuerst in SZENE HAMBURG 10/26 erschienen.

