SZENE HAMBURG: Toni, Xenia mögt ihr euch kurz einmal vorstellen?
Toni: Ich bin Toni, 23 Jahre alt und starte im April mein Kommunikationsdesign Studium. Parallel dazu arbeite ich an Connect Queer und verfolge weitere kreative Projekte, zum Beispiel in der Fotografie.
Xenia: Ich bin Xenia, 24, vor anderthalb Jahren aus der Schweiz nach Hamburg gezogen und arbeite als Hebamme. Gemeinsam mit Toni habe ich außerdem Connect Queer gegründet.
Und was genau macht ihr mit Connect Queer?
Toni: Wir hosten regelmäßig Events für die queere Community in Hamburg, aktuell etwa einmal im Monat. Im Moment wechseln wir zwischen einem größeren und einem kleineren Event. Jeden zweiten Monat veranstalten wir ein Kino-Event in Kooperation mit dem Studio Kino.
Xenia: Unser erstes Event war zum Beispiel ein Kreativabend im Café Nasch. Das war sehr süß, auch weil wir mit dem Café inzwischen eng zusammenarbeiten und dort immer wieder kleinere Events hosten. Wir haben auch noch viele Ideen, gerade für diese kleineren Veranstaltungen.
Toni: Uns ist bei allen Events wichtig, dass sich die Leute untereinander vernetzen und kennenlernen können, gerade auch, um in der queeren Community anzukommen oder sich weiter zu verfestigen.
Xenia: Wir versuchen, verschiedene Events anzubieten, die unterschiedliche Personen ansprechen. Es muss nicht jedes Event für alle passen, man kann sich einfach das rauspicken, was gerade gut passt.
Toni: Genau, und mit dem Kinoformat setzen wir dann nochmal einen anderen Fokus, auch weil uns queere Repräsentation auf der Leinwand sehr wichtig ist.
Vor so einem vollen Saal zu stehen und zu realisieren: Die ganzen Leute sind gerade wegen uns hier, weil sie Lust haben, sich zu connecten, das war schon krass.
Xenia
Wie habt ihr euch kennengelernt?
Toni: Xenia ist letztes Jahr im April in unsere WG gezogen. Wir haben uns von Anfang an richtig gut verstanden und haben uns angefreundet. Jetzt sind wir nicht nur Besties, sondern auch Geschäftspartnerinnen.
Xenia: Das WG-Casting war eigentlich schon der Match.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Connect Queer zu starten?
Xenia: Als ich neu nach Hamburg gezogen bin, hatte ich ein starkes Bedürfnis nach queeren Safe Spaces. In der Zeit habe ich auch erst meine eigene Queerness für mich entdeckt, und mir hat einfach gefehlt, neue Leute kennenzulernen und mir ein queeres Umfeld aufzubauen. Ich habe dann über Bumble Friends und andere Plattformen versucht, Freundinnen zu finden, und darüber auch jemanden kennengelernt. Mit ihr habe ich angefangen, erste queere Räume zu schaffen, aber das hat sich irgendwann ein bisschen auseinandergelebt. Ich wollte aber unbedingt dranbleiben und habe viel mit Toni darüber gesprochen. Daraus ist dann schnell die Idee entstanden, das gemeinsam weiterzuführen. Uns geht es darum, queere Safe Spaces in Hamburg zu schaffen.
Toni: Die Idee kam so Ende Oktober, und wir haben sie ziemlich schnell umgesetzt. Anfang Dezember hatten wir schon unser erstes Event. Ich glaube, das ging auch deshalb so schnell, weil wir zusammenwohnen. So konnten wir uns ständig austauschen, Ideen teilen und gemeinsam brainstormen.
Uns fällt da zum Beispiel das Haus 73 ein, wo regelmäßig FLINTA*-Events stattfinden, die kommen auch richtig gut an. Das hat uns auf jeden Fall inspiriert, weil wir selbst gern dort waren und uns wohlgefühlt haben.
Toni
Was fehlt euch in der queeren Community in Hamburg?
Toni: Ich glaube, grundsätzlich einfach mehr Veranstaltungen speziell für die queere Community. Uns fällt da zum Beispiel das Haus 73 ein, wo regelmäßig FLINTA*-Events stattfinden, die kommen auch richtig gut an. Das hat uns auf jeden Fall inspiriert, weil wir selbst gern dort waren und uns wohlgefühlt haben.
Xenia: Ich glaube, gerade im Partybereich gibt es schon einige Angebote, die auch sehr wichtig sind. Da gehe ich selbst auch gern hin. Aber wir wollten bewusst ein bisschen weg von diesem Party-Kontext, weil der auch überfordernd sein kann. Uns geht es eher darum, offenere Räume zu schaffen, mit unterschiedlichen Aktivitäten. So können verschiedene Formate auch unterschiedliche Personen ansprechen, und man kann sich das raussuchen, was gerade passt.
Toni: Vor allem auch für Menschen, die eher introvertiert sind, die sind kleinere Events einfach total wichtig.
Gab es einen Moment, in dem ihr besonders gemerkt habt, wie schön das ist, was ihr mit Connect Queer aufbaut?
Toni: Für mich war der erste richtig besondere Moment direkt bei unserem ersten Event im Café Nasch. Das war ein Kreativabend mit ungefähr 20 Personen. Wir waren mega aufgeregt, weil wir nicht wussten, wer kommt, wir hatten die Plätze ja auch ausgelost, und ob die Gruppe miteinander harmoniert. Aber es war sofort eine richtig angenehme Stimmung da. Die Leute sind direkt ins Gespräch gekommen, haben gelacht, und man hat einfach gemerkt: Die haben eine gute Zeit zusammen. Und für mich war dann der schönste Moment, als danach noch alle zusammen weitergezogen sind, um Billard zu spielen. Da dachte ich zum ersten Mal: Wow, haben hier gerade etwas richtig Schönes geschaffen.
Xenia: Für mich war auch ein besonderer Moment, als wir gemerkt haben, dass wir die Leute am Ende aktiv rausschicken mussten, weil das Café geschlossen hat. Damit hatten wir nicht gerechnet. Das hat sich so familiär angefühlt, dieser ganze Raum. Beim Kino-Event war es nochmal anders, eher überwältigend. Vor so einem vollen Saal zu stehen und zu realisieren: Die ganzen Leute sind gerade wegen uns hier, weil sie Lust haben, sich zu connecten, das war schon krass.
Toni: Wir haben auch super viel positives Feedback bekommen. Uns ist es sehr wichtig, nahbar zu bleiben, wir haben zum Beispiel selbst die Tickets gescannt, um jede Person einmal kurz zu begrüßen. Sodass die Leute wissen: Wir sind genauso Teil davon und man kann jederzeit auf uns zukommen.
Hier habe ich zum ersten Mal gespürt, wie es ist, von Menschen umgeben zu sein, die ähnlich fühlen. Und ich glaube, das geht vielen so
Xenia
Warum sind queere Räume so wichtig?
Xenia: Ich kann da vor allem von mir selbst sprechen: Für mich war das extrem wichtig, um meiner eigenen Sexualität näherzukommen und mich überhaupt erstmal zu verorten. Ich komme aus einem kleinen Dorf in der Schweiz und kannte so ein Gefühl von Community vorher nicht. Hier habe ich zum ersten Mal gespürt, wie es ist, von Menschen umgeben zu sein, die ähnlich fühlen. Und ich glaube, das geht vielen so. Man braucht diesen Raum, um sich verstanden zu fühlen. Gerade auch, wenn es um politische Themen oder gemeinsame Erfahrungen geht, Ängste, Wut, all das. Das kann man viel besser teilen mit Menschen, die ähnliche Lebensrealitäten haben. Dieser Austausch ist einfach total wichtig.
Toni: Dieses Community-Gefühl gibt mir auch unglaublich viel. Zu wissen, dass man nicht allein ist, sondern von Menschen umgeben, mit denen man sich identifizieren kann, das gibt viel Kraft. Es gibt keine Tabus, man kann einfach man selbst sein. Und das ist, glaube ich, etwas, das jede Person braucht.
Xenia: Einfach Queer Joy.

