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Karibik in Ottensen – „Die Bäume des Paradieses“ von Nele Gülck

Fotoausstellung: Nele Gülck zeigt in „Die Bäume des Paradieses“ die Palmen-Objekte eines Hamburger Sammlers.

Auch Hamburg hat Palmen. Zeitweise stehen einige in Kübeln am Jungfernstieg. Und rauschen das ganze Jahr lang auf der Verkehrsinsel zwischen Deichtorhallen und Kunstverein im Fahrtwind der Autolawinen. Jedes Mal muss man sich die Augen reiben, wenn man sie sieht. Denn wo Palmen stehen, ist die Idylle normalerweise nicht weit, sanfte Wellen, die an den Sandstrand rollen, laue Nächte und Südseeklänge.

Palmen stehen für Sehnsucht, für die Ferne und das Island in the Sun. Auch für Alf Trojan, der am UKE das Institut für Medizin-Soziologie leitete und ansonsten am liebsten mit seiner Frau Tasch die Welt bereist – und Palmen sammelt. Nicht solche in Töpfen. Das haben sie öfters probiert. Aber irgendwie sind sie ihnen immer eingegangen. Die unkaputtbaren sind da besser. Aus Plastik, Metall oder Holz, gemalt, fotografiert, genäht, gestickt oder aufblasbar.

Mit einer Brosche fing alles an

Mehr als 1.500 Palmen-Objekte hat Alf Trojan in den letzten 40 Jahren gesammelt, in der Ottensener Wohnung waren sie überall. Palmenbilder im Flur, Palmen-Aschenbecher auf dem Tisch, Palmen-Wein daneben, Palmen-Geschirr im Küchenschrank, Palmen-Kissen auf der Couch oder Palmen-Sticker am Revers. Mehrere Hunderte hatte er davon. Denn mit einer Palmen-Brosche fing schließlich alles an, irgendwann in den 70er-Jahren. Öffnete man jetzt den Kleiderschrrank waren sie an langen Stoffbändern festgepinnt, Sticker neben Sticker. Öffnete man den Wäscheschrank, waren Bettbezüge mit Palmen darin, im Badezimmer standen Palmen-Miniaturen – und irgendwo auch der wunderbare 1980er-Jahre Raumduft Likuluft mit Palmen im Sonnenuntergang darauf. So riecht die Karibik!

Irgendwann aber reichte es Alf Trojan dann, der sich selbst nie als Sammler verstand, nie Objekten nachjagte. Sie kamen selbst zu ihm und er empfing sie mit offenen Armen. Aber alles was man besitzt, besitzt auch einen und um Blick und Kopf und auch die Wohnung freizukriegen, trennte er sich vor ein paar Monaten von dem Großteil seiner Sammlung und vermachte ihn der Hanseatischen Materialverwaltung im Hamburger Hafen. Eigentlich ist der Fundus auf wesentlich größere Gegenstände spezialisiert, die er verleiht oder verkauft. Doch dem Charme der Palmen konnte er nicht widerstehen.

Südseeträume aus der Lagerhalle

Und so entdeckte die Hamburger Fotografin Nele Gülck die Palmen-Objekte, kleine Südseeträume in den riesigen Lagerhallen und sie beschloss, die Sammlung festzuhalten.

Was einzelne Gegenstände beginnen zu erzählen, wenn man sie separiert und in das Zentrum einer Fotografie stellt, hatte sie zuvor in ihrer Bilderserie „Auf ewig“ erkundet. Als sie den Besitz eines Ehepaars, das 66 Jahre lang verheiratet war, festhielt – von der gehäkelten Haarklammer über die Aktenordner bis zu Urlaubspostkarten und dem Transistorradio.

Jetzt baute sie ein mobiles Fotostudio in der Materialverwaltung auf, in winterlicher Kälte, die so gar nichts mit Karibikträumen gemein hatte. Und bevor die Palmen-Sammlung durch Verkäufe auseinandergerissen wird, fotografierte sie Stück für Stück vor sandfarbenem Hintergrund, ordnete die Objekte neu an, schloss sie zu Gruppen zusammen. Sie wirft einen neuen Blick darauf, lässt Geschichten und Sehnsuchtsbilder aufkommen, unterstreicht Skurrilitäten und auch die Macken, die die Sehnsüchte an einigen Stellen haben, die Schrammen, geschmolzenen Kerzen und halb ausgetrockneten Schneekugeln.

Bevor „Die Bäume des Paradieses“ als Fotobuch im Kerber Verlag erscheinen, sind sie jetzt im Dear Photography Art Room in Altona zu sehen. Ein großartiger Ausflug in die Karibik, die Südsee und andere Paradiese wie man sie noch nicht gesehen hat.

Nele Gülck: Die Bäume des Paradieses, Dear Photography Art Room, bis 29.9.18; www.dearphotography.com

Text: Sabine Danek
Fotos: Nele Gülck


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 

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