Deutsches Hafenmuseum: Ehrenamt gehört zur DNA 

Ehrenamtliches Engagement ist in vielen Bereichen von Hamburgs Bildungs- und Kulturlandschaft essenziell – auch am Standort des Deutschen Hafenmuseum, dem DEHAM, am Schuppen 50A. Ein Gespräch mit Ursula Richenberger, der dortigen Fachbereichsleitung Bildung und Vermittlung
Die Ehrenamtlichen sind feste Elemente der Strukturen im DEHAM, hier bei einer Führung auf der PEKING
Die Ehrenamtlichen sind feste Elemente der Strukturen im DEHAM, hier bei einer Führung auf der PEKING (©Museumsdienst Hamburg, Luisa Hanika)

SZENE HAMBURG: Das DEHAM macht an seinem Standort am historischen Schuppen 50A Hafengeschichte auf vielfältige Weise anschaulich, sowohl kraft eines Schaudepots mit etwa 10.000 Objekten als auch auf dem weiträumigen Außengelände mit den schwimmenden Objekten, darunter die über 100 Jahre alte Viermastbark PEKING. Wie wichtig ist ehrenamtliche Unterstützung in diesem Kontext und wo kommt sie überall zum Einsatz?

Ursula Richenberger: Das Ehrenamt ist bei uns nicht aus dem Arbeitsalltag wegzudenken. Es gehört zur DNA des Deutschen Hafenmuseums – schon von Anfang an, auch vor dem Hintergrund, dass es 2022 aus dem Hafenmuseum Hamburg entstanden ist. Für dessen Gründung 2002 – damals Außenstelle vom Museum der Arbeit – war das bürgerschaftliche Engagement bereits sehr wichtig, insbesondere durch ehemalige Hafenarbeiter. Aktuell haben wir 220 Ehrenamtliche, die uns in fast allen musealen Aufgabenbereichen unterstützen, sei es bei der Betreuung der Sammlung, inklusive der Großobjekte auf dem Außengelände, oder im direkten Kontakt mit dem Publikum bei Bildungs- und Vermittlungsangeboten.

Wer sind denn die Ehrenamtlichen? Zeigt sich hier ein Querschnitt der Stadtgesellschaft, gerade in Bezug auf Beruf und Alter?

Nein, es zeigt sich bei uns kein Querschnitt der Stadtgesellschaft. Ehrenamt muss man sich leisten können. Man muss die Zeit dafür haben. Zu 90 Prozent unterstützen uns entsprechend Menschen, die nicht mehr aktiv im Beruf stehen. Diese Gruppe wiederum ist recht divers. Für manche war der Hafen früher tatsächlich der Arbeitsplatz, für viele ist er aber eher ein Sehnsuchtsort. Und obwohl der Hafen oft männlich gelesen wird, unterstützen uns – entgegen diesem Stereotyp – auch viele Frauen.

Ehrenamt als festes Element 

Ursula Richenberger, Fachbereichsleitung Bildung und Vermittlung des DEHAM (©privat)

Findet sich für alle Interessierten etwas oder muss man bestimmte Anforderungen erfüllen? Manche Einsatzbereiche, gerade die Betreuung von Großobjekten, erfordern ja sicher ein spezielles Set an Fähigkeiten …

Wir haben sehr diverse Stellenprofile, sodass es uns bisher immer gelungen ist, für eine interessierte Person auch die richtige Tätigkeit zu finden. Dafür braucht es aber auch die passenden Strukturen: Wir haben insgesamt 25 Arbeitsgruppen mit je einer Sprecherin oder einem Sprecher, um die Ehrenamtlichen in allen möglichen Bereichen zu koordinieren, und stehen untereinander stets in engem Austausch über die Bedarfe, die wir haben, und die Anforderungen, die damit verbunden sind. Bestimmte Aufgaben können nur Festangestellte übernehmen. Unsere Ehrenamtlichen dürfen zum Beispiel nicht auf einen Kran hochklettern und den Ausleger lackieren. Es gibt klar definierte und begrenzte Aufgabenprofile. Wesentlich ist auch eine klare Kommunikation darüber, wie viel Zeit und Zuverlässigkeit man mitbringen muss.

Die Ehrenamtlichen sind also feste Elemente in den Arbeitsstrukturen?

Ja, und damit das alles funktioniert, ist ein gutes On-Boarding grundlegend sowie eine ausgeprägte Kommunikations- und Betreuungskultur im gesamten Life Circle des Ehrenamts: also vom ersten Kontakt über die tatsächliche Einarbeitung und der weiteren Förderung im Betrieb bis zur Beendigung des Engagements.

„Das Ehrenamt gehört zur DNA des Deutschen Hafenmuseums“

Ursula Richenberger

Wie fördert man das Ehrenamt, was gibt man zurück, um die Leute auch nachhaltig für sich zu gewinnen?

Wir zeigen unsere Dankbarkeit zum Beispiel durch soziale Anlässe wie ein Sommerfest, aber auch durch Fortbildungsmöglichkeiten. Lebenslanger Lernwille zeichnet viele Ehrenamtlichen aus. Dafür organisieren wir Erste-Hilfe-Kurse ebenso wie Formate über Sicherheitsaspekte oder die schwimmenden Objekte. Wir haben etwa den historischen Dampfschwimmkran SAATSEE, auf dem es einen Dampfkessel gibt. Um damit zu arbeiten, braucht man einen Kesselwärterschein. Einmal im Jahr organisieren wir dafür die entsprechende Ausbildung und Prüfung. Solche Angebote halten die Motivation hoch. Die Ehrenamtlichen sollen sich zudem wirklich als Teil der Museumsfamilie fühlen. Alle zwei Wochen gibt es deshalb eine für alle offene Teamsitzung über aktuelle Entwicklungen im Haus.

Wie lange bleiben die meisten denn im Schnitt?

Sehr lange. Das nehmen wir auch als Qualitätsmerkmal wahr. Wir haben Leute, die schon 20 Jahre hier sind. Die häufigsten Gründe, weshalb sie aufhören, sind tatsächlich Krankheit oder altersbedingte Einschränkungen.

Die Zukunft 

Für die Betreuung mancher Objekte braucht es spezielles Wissen – und teils auch bestimmte Fortbildungen, wie etwa für die Arbeit mit dem Kessel auf dem Dampfschwimmkran SAATSEE (©Sinje Hasheider)

Gibt es manchmal auch Uneinigkeit in der Aufgabenteilung mit den Festangestellten?

Bei den Verantwortungs- und Aufgabenbereichen müssen die Grenzen klar abgesteckt sein, damit man miteinander Gutes leisten kann. Wichtig ist auch ein ausgewogenes Konfliktmanagement, wenn das Ehrenamt so fest in die Strukturen eingebunden ist. Man muss das gegenseitige Verständnis fördern, denn es ist unabdingbar, dass auch unsere feste Belegschaft offen ist für die Beteiligung der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wie steht es um die Zukunft des Ehrenamtes? Was macht das DEHAM dafür, dass auch in den nachfolgenden Generationen genug Menschen Lust darauf haben?

Wie wir junge Menschen ansprechen können, vor allem so, dass das Ehrenamt gut in ihren Alltag passt, ist eine sehr wichtige Frage. Als Kommunikationskanäle nutzen wir Social Media und das Freiwilligen Zentrum Hamburg, das alle Ehrenämter der Stadt auf einer Website gebündelt anzeigt. Einer unserer inhaltlichen Ansätze ist, dass Ehrenamt auch kurzfristig und flexibel funktionieren kann: eher projektorientiert, mal für eine Woche in den Ferien oder zwei Wochenenden im Jahr. Ein Projekt in der Vergangenheit war etwa, dass wir aus Europaletten Beete gebaut haben, um Kräuter anzulegen, die wir für die Bewirtung nutzen können. Da kamen tatsächlich 40 Leute. Wir haben aber auch – gerade für jene, die einem Beruf nachgehen oder Care-Arbeit leisten – Angebote, die nur an Wochenenden stattfinden, zum Beispiel die Arbeitsgruppe „Zeitzeugen“. Die machen Interviews mit Menschen, die im Hafen arbeiten oder dort gearbeitet haben. Wir bieten auch einiges für Schülerinnen und Schüler an, um in jungen Jahren schon Möglichkeiten zur Mitarbeit zu eröffnen.

Zur Sicherung der Zukunft gehört auch das Bewahren und Weitertragen von Information. Wie sorgen Sie dafür, dass das Fach- und Nischenwissen tradiert wird, das man sich im DEHAM bei ehrenamtlichen Tätigkeiten aneignet und dafür auch braucht?

Das ist ein Riesenthema. Für die Weitergabe dieses speziellen Wissens ist die erwähnte Arbeitsgruppe „Zeitzeugen“ sehr relevant. Denn dort werden nicht nur Menschen außerhalb, sondern auch innerhalb unserer Institution interviewt. Die Gespräche werden in Video- und Textform festgehalten. Wissen zu bewahren und Information weiterzutragen, ist essenziell, und da sind unsere Ehrenamtlichen stark eingebunden.

Dieses Interview ist zuerst in SZENE HAMBURG 11/26 erschienen. 

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