Filmkritik: Eine stürmische Affäre

Spielerisch-skurriler Liebesthriller mit verkopftem Ende
Von einer stürmischen Affäre ist hier nichts zu sehen: Der Film „Eine stürmische Affäre“
Von einer stürmischen Affäre ist hier nichts zu sehen: Der Film „Eine stürmische Affäre“ (© 01 Distribution)

Es beginnt wie so viele Seitensprünge: zufällig und unverbindlich, um sich dann doch zu einer handfesten Affäre zu entwickeln. An deren Ende stehen dann nur Verlierer. Schon beim ersten Date im marode anmutenden Hotel direkt gegenüber von Roccos (Adriano Giannini) Büro gibt er die Parole aus: Nach dem dritten Mal wird es ernst. Eine Prämisse übrigens, die auch seine Frau ausgibt, die Psychoanalytikerin Cecilia (Valeria Golino) – bezogen auf Therapiesitzungen. Doch der Reihe nach: An einem Freitagabend trifft Rocco leicht lädiert in seiner Stammbar die jüngere Lea (Pilar Fogliati), die gerade an ihrem dritten Gin Tonic nippt. Zuvor ist er seinem durchaus speziellen Hobby nachgegangen: Schachboxen, das heißt, abwechselnd spielen die Teilnehmenden Schach und hauen sich im Ring die Köpfe ein. Lea hat zuvor einen toten Goldfisch aus einem komplett sterilen Aquarium gefischt und die Toilette heruntergespült.

Eine stürmische Affäre: Eine groteskes Liebesdrama

Das Plakat zum Film: „Eine stürmische Affäre“ (© 01 Distribution)

Ein skurriler Einstieg in ein vermeintlich heiteres Liebesdrama – mit vielen klugen Sinnsprüchen über die Liebe und das Leben. Schnell wird aus dem Seitensprung eine Affäre. Lea denkt sogar über eine Trennung von ihrem Partner und Vater ihres Kindes Andrea (Andrea Carpenzano) nach, weil sie ihm eine Affäre unterstellt und meint, dass die beiden ihre Beziehung nur noch aus Gewohnheit führen. Vor allem aber legt sie psychopathische Verhaltensweisen und obsessive Züge an den Tag, taucht bei einer Hochzeitsfeier auf, will Roccos und Cecilias Wohnung sehen und sucht Cecilia als Therapeutin auf. Spätestens da ahnen die Zuschauenden Schlimmes. Denn natürlich kommt es zum großen Showdown, der dann allerdings arg konstruiert wirkt und doch nicht alle als Verlierer dastehen lässt. Bis dahin aber ist dieser kleine italienische Film von Ludovica Rampoldi eine bezaubernd-groteske Geschichte mit großartigen Bildern (Gogò Bianchi) durch Türen, Fenster, Durchgänge, die die Zuschauenden zu heimlichen Beobachtern machen. Es macht Spaß dieser Amour fou zuzuschauen und lässt einen mit einem beklemmenden, aber am Ende auch etwas enttäuschten Gefühl zurück. 

Trailer zum Film:

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Dieser Artikel ist zuerst in der SZENE 07/26 erschienen.

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