Filmkritik: Allegro Pastell

Mitreißende Bestsellerverfilmung über eine Millennial-Liebe
Verträumt gucken kann er ja: Jannis Niewöhner in „Allegro Pastell“
Verträumt gucken kann er ja: Jannis Niewöhner in „Allegro Pastell“ (©Felix Pflieger)

Es gibt sicherlich wenige Thirtysomethings, die den Bestseller von Leif Randt 2020 nicht gelesen haben: Diese traumwandlerische und aufregende Liebesgeschichte zwischen der jungen Schriftstellerin Tanja und dem Webdesigner Jerome, die zwischen Berlin und dem Maintal hin- und herpendelt. Die voller bunter Pillen und vager Träume steckt und einer permanenten Selbstreflexion, die irgendwann die Gefühle erstickt. Durchgängig steigt Leif Randt darin in das Seelenleben seiner Generation hinab – und man konnte sich lange nicht vorstellen, wie man das in Bilder übersetzt.

Filmplakat „Allegro Pastell“ (©Walker+Worm Film GmbH & Co.)

Doch die junge Regisseurin Anna Roller („Dead Girls Dancing“) kann’s. Auf der Berlinale wurde sie vom Publikum dafür gefeiert. Für ihre lyrischen und somnambulen Bilder, die von den Suchbewegungen der beiden erzählen – mit einem Drehbuch, das Leif Randt selber schrieb. Und wenn man sich nicht gerade in den Bildern verliert, die durch ein frühlingshaftes Berlin führen, durch Parks und Alleen, in Betonunterführungen, lauschige Hinterhöfe und abgerockte Hochhäuser, kann man sich in die Reflexionen hineinlehnen. In so typische Leif-Randt-Sätze, dass die Mittdreißiger, in denen man sich entweder für eine Familie oder die weite Welt entscheidet, „weniger Rausch und mehr Dauerausstellung“ sind, die von „vorauseilender Wehmut“ und „sentimentalem Herumlungern“ erzählen und dazu Eckhart Tolle erklärt, dass Schmerz eine Illusion ist.

Wie die Faust aufs Auge: Die Verfilmung lebt vor allem von der idealen Besetzung 

Anna Roller macht die Gefühle auf der Leinwand sichtbar, taucht sie in Pastell und in schwebende Momente, erzählt von Grünteeschweigezeremonien, von ungezwungenem Sex – und ist ihren umwerfenden Schauspielern ganz nah. Jannis Niewöhner, der Jerome mit der genau richtigen Balance zwischen Aufbruchstimmung und Verbundenheit mimt, und der jungen Französin Sylvaine Faligant, die hier ihre erste große Rolle spielt – stark und gleichzeitig voller Zweifel, cool und verletzlich. Man kann sich niemand anderen mehr vorstellen in dieser Lovestory, die so viele Umwege und komplizierte Abbiegungen nimmt, von Liebeserklärungen in Textnachrichten erzählt, von Spartickets und Maultaschen im ICE-Restaurant – und die ein Plädoyer für die großen Gefühle ist.

Der Trailer zum Film 

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