Die Finnin Tove Jansson (1914–2001), Schöpferin der legendären „Mumins“-Comics, schrieb auch Romane. In „Sommarboken“ (1972) beschrieb sie die tiefe Verbundenheit einer Neunjährigen mit ihrer Großmutter. Ein halbes Jahrhundert später hat der Amerikaner Charlie McDowell das stille Buch nun fürs Kino adaptiert. Die Handlung beginnt mit einer Motorbootfahrt. An Bord sind drei Generationen versammelt: Sophia (Newcomerin und Greta-Thunberg-Lookalike Emily Matthews), ihr Vater (Anders Danielsen Lie) und dessen alte Mutter (Glenn Close). Die kleine Insel, die sie ansteuern, liegt völlig abgeschieden irgendwo im finnischen Meerbusen. Dort richten sich die drei in ihrem rustikalen Sommerhäuschen ein. Klingt nach nordischer Gemütlichkeit, doch lastet ein tiefer Schatten auf den Sommerfrischlern.

Kurz nach der Ankunft wird eilig ein im Haus gefundener Strohhut versteckt, scheinbar gehörte die Kopfbedeckung einer schmerzlich vermissten Person. Enkelin, Vater, Großmama … klar, Mama fehlt. Sophias Vater ist in Trauer erstarrt. Das wiederum verletzt Sophia zutiefst. Papas Schweigen interpretiert sie als Beweis, dass er sie nicht mehr liebt. So ist es an der Ältesten, die Mediatorin zu spielen. Sie muss den Sohn sanft an seine Vaterpflichten erinnern und gleichzeitig ihrer Enkelin Freundin und Stütze sein. Doch Sophia ist oft nicht gerade pflegeleicht, ihre Launen und ihre gnadenlosen Fragenbombardements erfordern eine Menge Langmut. Dabei hat Großmama doch ganz eigene Sorgen. Sie spürt, dass dies wohl ihr letzter Inselsommer sein wird. Trotz minimal dosierten Plots verhandelt „Das Sommerbuch“ ganz große Menschheitsthemen. Glenn Close liefert als alte Dame, die von „ihrer Insel“ Abschied nimmt, eine beeindruckend würdevolle Performance. Nach erfülltem Leben sieht sie dem nahenden Tod demütig, fast neugierig entgegen. Besorgt ist sie lediglich um jene, die sie wird zurücklassen müssen. Vielleicht kann einer dieser berüchtigten finnischen Sommerstürme kathartisch auf Vater und Tochter einwirken …
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Mehr InformationenDiese Filmkritik ist zuerst in der Printausgabe 06/26 der SZENE HAMBURG erschienen.

