Filmkritik: Ghost School

Wünscht sich nichts sehnlicher, als zur Schule gehen zu dürfen: Rabia (Nazualiya Arsalan)
Wünscht sich nichts sehnlicher, als zur Schule gehen zu dürfen: Rabia (Nazualiya Arsalan) (© jip film & verleih)

Dieses Drama ist eine dieser Entdeckungen, die man immer wieder auf der Berlinale macht, die in die entlegensten Ecken der Welt führen und mitten hinein in Geschichten, die einen nicht mehr so schnell loslassen. Wie die der zehnjährigen Rabia (Nazualiya Arsalan), die erlebt, dass die einzige Schule in ihrem kleinen pakistanischen Dorf geschlossen wird. Der Lehrer sei von einem Dschinn, von einem Geist besessen, heißt es – und die unbeirrbare Rabia macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. Nicht nur geht sie unglaublich gerne zur Schule, sondern ärgert sich auch, dass ihr Kinderfreund einfach auf die Jungsschule im nächsten Ort gehen kann. Und mehr noch: Dass er damit angibt, dass die Schüler auf Pferden dort hinfliegen. Rabia fragt beim Amt nach, wann die Dorfschule wieder öffnet. Sie spricht beim Bürgermeister vor, geht zu ihrem einstigen Lehrer und sogar in die Schule hinein, um sich zu überzeugen, ob dort wirklich ein Geist sein Unwesen treibt.

(© jip film & verleih)

Wie in einer Fabel und mit magischen Momenten, erzählt der Film von einem ganz realen Problem, das der britisch-pakistanischen Regisseurin Seemab Gul ins Auge fiel. Sie drehte dort eine Dokumentation über die Flutkatastrophe 2022 und sah immer wieder diese leeren Gebäude. Denn in Pakistan gibt es zigtausend Geisterschulen, die nur auf dem Papier existieren und das Ergebnis von Korruption, Feudalismus und Fehlinformation sind; und auch davon, dass aufgrund der Kinderarbeit in ländlichen Gebieten wenig Wert auf Bildung gelegt wird – erst recht nicht für Mädchen. Auch Rabia wird damit konfrontiert. Und das alles erzählt Gul mit einem beobachtenden Blick, der die junge Rabia nicht aus den Augen lässt, sie, immer in Bewegung, auf verschlungenen Wegen in ihrem Dorf und dessen karger Umgebung zeigt. Sie lässt die starken Bilder sprechen. Vor allem dann, als Rabia ihre ganz eigene Entscheidung trifft. / Sabine Danek

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