Filmkritik: „Gorgonà“

„Gorgonà“ inszeniert eine faszinierende, aber widersprüchliche Welt, in der staubige Endzeit-Ästhetik auf griechische Mythologie und queere Romantik trifft. Eine Analyse über intensive Filmmomente und inszenatorische Stolpersteine
Zwischen „Mad Max“ und „Die Odyssee“: „Gorgonà“
Zwischen „Mad Max“ und „Die Odyssee“: „Gorgonà“ (©UFO Distribution)

Endzeitfilme gibt es nicht erst seit der Covid-Pandemie wie Sand am Meer. Selten aber findet mal ein griechischer Vertreter dieser Spielart den Weg in die deutschen Kinos. Mit „Gorgonà“, dem bereits 2025 in Venedig uraufgeführten Debüt von Evi Kalogiropoulou, geschieht in diesem Sommer genau das. Schauplatz der spartanischen, wenngleich mit vielen Ideen vollgepackten Handlung ist ein Griechenland der nahen Zukunft, in dem nach flächendeckender Umweltverseuchung die alten Strukturen zusammengebrochen sind. Mittlerweile existieren nur noch wenige Stadtstaaten, deren Untergang jedoch immer wahrscheinlicher wird. Auch der ölreiche Ort, an dem Maria als Liebhaberin des lokalen Anführers lebt, hat die besten Tage schon lange hinter sich. Dass ausgerechnet sie in die Fußstapfen des todkranken Oberhaupts treten soll, schmeckt dessen männlichem Gefolge ganz und gar nicht. Marias Kampf um Selbstbehauptung in der sektenartigen, misogynen Gemeinschaft nimmt eine Wendung, als die frisch eingetroffene, mysteriöse Sängerin Eleni ihr einen anderen Weg aufzuzeigen versucht.

Ein filmischer Cocktail: „Gorgonà“

Ab dem 18. Juni im Kino:  „Gorgonà“ 

„Gorgonà“ ist ein eigentümlicher filmischer Cocktail. In atmosphärischen Bildern einer staubig-analogen Welt aus maroden Industrieanlagen stehen „Mad Max“-Anklänge neben Bezügen zur griechischen Mythologie, Superhelden- und Hexenmotiven. Hinzu kommen eine queere Lovestory, ein Mutterkomplex und Kritik am Patriarchat. Wie soll das zusammenpassen? Oder lebt der wilde Mix gerade von seinen Irritationen, seinen Brüchen? Mal mehr, mal weniger, lautet die Antwort. Einzelne Passagen ziehen sehr wohl in den Bann, erreichen eine unerwartete Intensität. Andererseits ruckelt es immer wieder, bleiben manche Aspekte, etwa die sich früh abzeichnende Anziehung zwischen Maria und Eleni, fast zwangsläufig unterentwickelt. Was ebenfalls ins Auge sticht: Stellenweise zelebriert die Regisseurin in ihrer Inszenierung plötzlich Dinge wie den männlichen Waffenfetisch, die sie eigentlich anprangern möchte. 

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