Frankie Raffles Ausstellung: Solidarische Empathie

Eine umfassende Präsentation des Lebenswerks der britischen Fotografin und Aktivistin Franki Raffles (1955–1994) im Museum der Arbeit
Protest kennt kein Alter: Zwei Seniorinnen, die Ende der Achtzigerjahre in Edinburgh auf das Problem der Altersarmut aufmerksam machen
Protest kennt kein Alter: Zwei Seniorinnen, die Ende der Achtzigerjahre in Edinburgh auf das Problem der Altersarmut aufmerksam machen (©Franki Raffles Estate)

„When they say no, they mean no. Some men don´t listen“: Was so unversöhnlich aktuell klingt, liegt über 30 Jahre zurück, und ist einer von zahlreichen Slogans der Plakatkampagne „Zero Tolerance“ gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, die 1992 in Edinburgh startete. In weißen Buchstaben auf schwarzem Grund prangten die unmissverständlichen Botschaften auf Billboards und Bussen sowie an den Fenstern von Geschäften und Kneipen – meist in Kombination mit starken, positiven Bildern von Frauen, aufgenommen von einer Aktivistin und Fotografin, die sich während ihrer kurzen Lebens- und Schaffensphase immer wieder mit diversen Arbeits- und Alltagswelten von Frauen beschäftigte: Franki Raffles.

In zehn Kapiteln und mit über 300 Arbeiten blickt das Museum der Arbeit derzeit zurück auf Raffles’ Werk und zeigt im Rahmen der Triennale der Photographie Hamburg die groß angelegte Schau „Franki Raffles. Photography, Activism, Campaign Works“, kuratiert von Sarah Munro, einer ehemaligen Weggefährtin der Fotografin. Mal thematisch, mal nach in sich geschlossenen Projekten geordnet, stehen dabei jene Themen im Vordergrund, die Raffles zeitlebens bewegt haben: Frauen, soziale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und politisches Engagement.

Frankie Raffles: Die Kamera als politisches und soziales Instrument

So summieren sich etwa im Kapitel „Activism and Protest“ Fotos, die in unterschiedlichen Zusammenhängen entstanden sind, während Serien wie „Zero Tolerance“ über die erwähnte Plakatkampagne oder „To Let you Understand“ über Arbeiterinnen in Edinburgh eigens präsentiert werden. Die Kamera schien für Raffles ein ebenso politisches wie soziales Instrument zu sein und die Fotografie ein Medium nicht nur des dokumentarischen Fixierens, sondern auch des gesellschaftlichen Wandels – durch das sie viele Orte der Welt bereiste. Sie besuchte etwa mehrfach die ehemalige Sowjetunion, schon als Teenagerin, lernte dort Frauen in leitender Funktion in Fabriken sowie Chirurginnen und Ingenieurinnen kennen, und war davon nachhaltig geprägt.

Auf ihren Schwarz-Weiß-Bildern legte sie den Fokus ganz auf die Menschen selbst, auf ihre Geschichten, Bedürfnisse, politischen Ansprüche. Sozialdokumentarisch, immer auf Augenhöhe und mit solidarischer Empathie thematisierte sie Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten und rief damit auch zu Solidarität und mehr Mut auf, sich für gesellschaftliche Veränderung und ein besseres Miteinander einzusetzen – ein Anliegen, das auch heute nicht an Bedeutung verloren hat.

Dieser Artikel ist zuerst in der Printausgabe der SZENE 08/26 erschienen. 

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