Filmkritik: Friedas Fall

Starkes Gerichtsdrama über Frauenrechte
Frieda Keller (Julia Buchmann) steht wegen Mordes an ihrem Sohn vor Gericht 
Frieda Keller (Julia Buchmann) steht wegen Mordes an ihrem Sohn vor Gericht  (©Arsenal Filmverleih)

Geschlechtergleichstellung ist auch heute leider immer noch keine Selbstverständlichkeit – doch um 1900 war die gesellschaftliche Realität für Frauen noch schlimmer: Entrechtung, Abhängigkeit und ein Leben im Schatten des Mannes prägten alle sozialen Schichten. Genau in diesem Klima setzt „Friedas Fall“ an, das auf dem Roman „Die Verlorene“ von Michèle Minelli basiert und einen der aufsehenerregendsten Gerichtsprozesse der Schweiz nachzeichnet. Das Historiendrama beginnt damit, dass im Jahr 1904 in einem Wald bei St. Gallen der tote fünfjährige Ernstli gefunden, Sohn der jungen Näherin Frieda Keller. Sie gesteht die Tat, ohne ihre Motive offenzulegen. Der Fall spaltet die Öffentlichkeit: Staatsanwalt Walter Gmür will ein Exempel statuieren, während Verteidiger Arnold Janggen versucht, Friedas Tat im Kontext gesellschaftlicher Zwänge und struktureller Gewalt zu begreifen. Der Prozess wird zum Spiegel einer patriarchalen Ordnung, in der Frauen kaum als eigenständige Subjekte existieren.

Friedas Fall: Eindrückliches Porträt einer wahren Geschicht 

Das Plakat zum Film Friedas Fall (©Arsenal Filmverleih)

Regisseurin Maria Brendle gelingt dabei ein sensibles, eindringliches Zeit- und Charakterporträt. Statt einfacher Schuldzuweisungen stellt der Film allerhand unbequeme Fragen wie: War Frieda Täterin, Opfer oder gar beides? Die systematische Missachtung von Frauen zeigt sich in beiläufigen Gesten, Blicken und Aussagen ebenso wie in der gnadenlosen Härte des Justizapparats. Schauspielerin Julia Buchmann überzeugt dabei als traumatisierte, verschlossene, zugleich erstaunlich widerständige Frieda mit großer emotionaler Tiefe. Max Simonischek und Stefan Merki liefern indes starke Gegenpole als ambivalenter Verteidiger und karrierefixierter Ankläger. Besonders eindrucksvoll sind die weiblichen Nebenfiguren, allen voran Gesine Janggen (Marlene Tanczik), die das patriarchale System offen infrage stellt und die allgegenwärtige Doppelmoral sichtbar macht. Am Ende zeigt der Film, dass Friedas Leid nicht vergeblich war: Der reale Prozess hatte nachhaltige Folgen für das Schweizer Strafrecht und befeuerte die Debatte über Todesstrafe und psychische Ausnahmesituationen.

Trailer zum Film Friedas Fall:

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Diese Kritik ist zuerst in der  SZENE HAMBURG 02 / 26 erschienen.

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