Novemberpogrome 1938: Gemeinsam Gedenken in Hamburg

Am 9. und 10. November gibt es in Hamburg einige Veranstaltungen anlässlich des Gedenkens, Erinnerns und Mahnens an die furchtbaren Ereignisse während und nach der Pogromnacht im Jahr 1938, die für viele Historiker den Beginn der Shoa markiert
Der Davidstern ist eines der Glaubenssymbole der jüdischen Gemeinschaft weltweit. Während der Shoa wurde er europaweit zum Symbol der Diskriminierung von Jüdinnen und Juden
Der Davidstern ist eines der Glaubenssymbole der jüdischen Gemeinschaft weltweit. Während der Shoa wurde er europaweit zum Symbol der Diskriminierung von Jüdinnen und Juden (©DAVIDSON L U N A/ unsplash)

Am 9. November1938, vor 88 Jahren wurden die Novemberpogrome in Deutschland begangen. Von dem nationalsozialistischen Regime wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November Gewaltmaßnahmen gegen Juden veranlasst und organisiert. Dabei wurden Synagogen, Friedhöfe, jüdische Geschäfte und Institutionen demoliert und zerstört, viele jüdische Menschen wurden in dieser Nacht ermordet. In Hamburg wurde in dieser Nacht die Hauptsynagoge im Grindelviertel in Brand gesetzt.

Gedenkveranstaltung auf dem Joseph-Carlebach-Platz am Grindelhof 

Die Stiftung Bornplatzsynagoge der Jüdischen Gemiende Hamburg K.d.ö.R. lädt am 9. November 2026 um 18 Uhr zur Gedenkveranstaltung auf dem Joseph-Carlebach-Platz am Grindelhof, dem Ort an dem Hamburgs Hauptsynagoge vor den Pogromen stand und in Zukunft auch wieder stehen soll. Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr Dr. Otto Herbert Bauer und Lucille Eichengreen – geboren als Cecilie Landau – deren Geschichten sichtbar werden sollen. Als Ehrengast wird der Zeitzeuge Uri Hirsch, Sohn des letzten Kantors der Bornplatzsynagoge, David Hirsch, sprechen. Heute ist er israelischer Staatsbürger und setzt sich aktiv für Erinnerung und gegen Antisemitismus ein. Zusätzlich wird gemeinsam musiziert und gebetet.

9. November 2026, 18 Uhr; Treffpunkt: Joseph-Carlebach-Platz (Eimsbüttel)

Mahnwache und Laufdemo durch Wandsbek 

Das Bündnis „Marienthal bleibt bunt“ plant eine Mahnwache und Demo im „Gedenken an die Tausenden Hamburger Opfer“ die an die Pogrome erinnert. Bereits im letzten Jahr war die Mahnwache mit einer Laufdemo verbunden, die vor dem Haus der rechtsextremen Burschenschaft Germania in Wandsbek, welche als rechtsextrem eingestuft wurde, endete. Auch in diesem Jahr beziehen sich die Veranstaltenden auf die Burschenschaft: „Faschistische Ideologien und Strukturen finden sich auch heute direkt vor unserer Haustür. Die Burschenschaft Germania in Marienthal hat wiederholt gezeigt, wie sie mit der Geschichte des Nationalsozialismus umgeht.“ Die Mahnwache beginnt um 18 Uhr am Bezirksamt Wandsbek.

9. November 2026, 18 Uhr; Treffpunkt: Bezirksamt Wandsbek, Schloßstraße 60, 22041 (Wandsbek)

Grindel leuchtet

Um 17 Uhr findet vor dem Foyer der Staats- und Universitätsbibliothek das jährliche gemeinsame Gedenken an die Novemberpogrome „Grindel leuchtet“ statt. Seit 2014 werden im Grindelviertel im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Initiative Kerzen erleuchtet. Auch gegenüber, vor dem Haus in der Grindelallee 1, an dem Stolperstein für den Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, dessen Namen die Staats- und Universitätsbibliothek seit 1982 trägt, werden Kerzen entzündet.

9. November 2026, 17 Uhr; Treffpunkt: Foyer der Stabi (Eimsbüttel)

Gedenken an die Pogromnacht auf dem jüdischen Friedhof Harburg

Am 10.11. 2026 findet eine Gedenkveranstaltung auf dem Jüdischen Friedhof Harburg, organisiert von der Initiative Gedenken in Harburg vom Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Hamburg-Ost, statt. Vor 88 Jahren setzten die Nationalsozialisten dort die Leichenhalle in Brand und verwüsteten die Harburger Synagoge in der Eißendorfer Straße. Die Veranstaltung gedenkt der Pogromnacht und möchte zugleich zu mehr Sensibilität in Zeiten von wieder wachsender Fremdenfeindlichkeit auf.

10. November 2026, 17 Uhr; Treffpunkt: Jüdischer Friedhof Harburg, Schwarzenbergstraße 74 (Harburg)

Rundgang zu Gedenkorten für Harburger Opfer des Nationalsozialismus

Die Stolpersteine sind ein Deutschland- und in Teilen Europa. Die 96 x 96 x 100 mm großen Messingplatten werden vor Häusern in die Erde eingelassen, in denen die Opfer des Nationalsozialismus zuletzt freiwillig lebten, bevor sie vertrieben und oftmals getötet wurden. Mitglieder der Initiative Gedenken in Harburg haben die Schicksale der Opfer recherchiert, informieren regelmäßig bei Rundgängen über ihre Lebens- und Leidenszeit und verhelfen den Stolpersteinen durch sanfte Reinigung zu neuem Glanz. Am Sonntag den 15. November 2026 findet ein etwa einstündiger Rundgang zu verschiedenen Gedenkorten in Harburg, mit musikalischer Begleitung, statt.

15. November 2026, 11 Uhr; Treffpunkt: Rathaus Harburg, Harburger Rathausplatz (Harburg)

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