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Hamburger Nachwuchs: Alarmstufe Soul

Mit sieben Gospel im Kirchenchor unter Leitung ihres Vaters. Mit 19 Ausbildung zur Musicaldarstellerin in London. Aktuell Studium an der HipHop Academy Hamburg: Gracelyn Owusu (25) kam früh zur Musik und blieb dabei. Im Sommer erscheint unter ihrem Künstlernamen „GeGe“ die Debüt-EP „Redflag & Cycles“, produziert von Kaspar „Tropf“ Wien, der unter anderem mit Jan Delay arbeitet

Interview: Markus Gölzer

SZENE HAMBURG: Gracelyn, viele R&B und Soul-Sängerinnen von Aretha Franklin bis Beyoncé haben im Kirchenchor angefangen. Ist das ein gutes Training für die Bühne?

Gracelyn Owusu: Wenn man Soul anguckt, ist es ja Teil unserer Geschichte. In der Kirche zu singen, ist nicht nur ein gutes Training, es ist ein Verständnis, das man mitbekommt. Man singt aus dem Herzen. Da geht es nur ums Singen und nicht um Technik oder wie hört sich das an. Es ist eine gute Vorbereitung und eine Erfahrung, was Soul eigentlich heißt. Soul ist mehr ein Gefühl als eine Technik.

Lernt man über dieses Gefühl auch den Kontakt zum Publikum?

Auf jeden Fall. Mit sieben dachte ich natürlich noch nicht darüber nach: Wie empfanden die das? Da wollte ich nur singen. Aber wenn man älter wird, merkt man auch, wie wichtig der Kontakt ist, der Austausch mit dem Publikum. Ein Aspekt, den man mitnimmt, aber nicht bewusst.

Soul: Geformt an der HipHop Academy Hamburg

Dein Vater ist auch Musiker. Wie wichtig war das für deinen Weg als Künstlerin?

Ich habe früh Klavierunterricht bekommen, dann den Chor, ich konnte Musik in vielen Bereichen mitnehmen. Richtig gefördert wurde das, als ich nach England gezogen bin. Ich habe am Westminster College London eine Ausbildung zur Musicaldarstellerin gemacht mit Schwerpunkten wie Gesang, Tanz, Schauspiel und Fitness. An der HipHop Academy Hamburg spezialisiere ich mich mit Musikrecht, Producing, Medienund Präsenztraining, um nur einige Fächer zu nennen. Beide Erfahrungen machen mich zu der Künstlerin, die ich heute bin.

Hast du in London etwas an Hamburg vermisst?

Das klingt banal, aber tatsächlich die Bäckereien und das Brot. Und die Mülleimer. Wenn du eine Verpackung wegwerfen willst, musst da echt ewig lang suchen, bis du einen findest (lacht).

„Es geht um einen Heilungsprozess“

Im Sommer erscheint deine Debüt-EP „Redflag & Cycles“. Warum der Titel?

Es geht um die Redflag, die Warnsignale in Beziehungen. Ich rede über persönliche Beziehungen, über Freundschaft, auch Liebe. Und die Persönlichkeitsanteile an einem, die man noch nicht geheilt hat nach dem Ende von Beziehungen. Und die man dann auf andere Menschen projiziert. Man dreht sich ständig im Kreis aus Problemen, aus dem man dann nicht rauskommt. Es geht um den Aspekt, dass ich erkenne: Hey, da stimmt etwas nicht, weil ich etwas auf andere übertrage, was nur mit mir selbst und meinen Erfahrungen zu tun hat. Es geht um einen Heilungsprozess. Man muss das erkennen, dann kann man wachsen.

Welcher ist dein Lieblingssong?

Mein Lieblingssong ist „Emotional Affair“. Ich arbeite mich da stimmlich anders rein. Der besteht aus Einfachheit. Es gibt auch Chöre, aber hauptsächlich trägt ihn meine Stimme. Das ist das Besondere, weil ich mich da mal so „nackt“ ohne Instrumente zeige.

Jeder soll etwas Persönliches rausziehen

Konnte man dich auch schon live erleben?

Ich hatte 2021 rund 30 Auftritte. Unter anderem eine Hauptrolle mit eigenen Songs in dem Tanz-Theaterstück „No Other Home“ mit Regisseur Ron Zimmering und Deichkind auf Kampnagel. Im Februar habe ich beim Fusion Battle auf Kampnagel performt. Ich freue mich auf viele Gigs, bei denen ich meine EP präsentieren kann. Im Spätsommer ist eine eigene Tour geplant.

Was treibt dich an als Sängerin?

Ich habe eine Message, aber ich möchte, dass jeder etwas Persönliches rauszieht. Ich hoffe, dass ich zu jemand spreche, der das gerade braucht. Wenn mein Song nur für eine Person ein Lichtblick ist, dann habe ich meinen Job als Sängerin getan.

hiphopacademy-hamburg.de


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