HAMMERSCHLAG: Hamburgs Überwachungsskandal als immersive Ausstellung

Vom 16. bis zum 19. April zeigt Kampnagel die performative Ausstellung HAMMERSCHLAG
homosexuelle bespitzelt Fotoreihe aus der Ausstellung
homosexuelle bespitzelt Fotoreihe aus der Ausstellung (©Archivmaterial)

Hamburger Überwachungsskandal:  Toilettenanlage vom Jungfernstieg wird nachgebaut

Der Künstler Simon Schultz rekonstruiert gemeinsam mit einem internationalen Team die historische Toilettenanlage am Jungfernstieg, Ort der sogenannten „Spiegelaffäre“ von 1980. Die Installation verwandelt den Raum in einen begehbaren Erinnerungsort zwischen Kunst und Archiv. Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein politischer Skandal: Am 2. Juli 1980 zerstörten queere Aktivistinnen und Aktivisten einen Polizeispiegel in einer öffentlichen Herrentoilette am Jungfernstieg. Hinter dem Spiegel verbarg sich eine Observationskammer der Polizei, die dort über Jahre hinweg Männer überwachte, die Sex mit Männern hatten. Die Enthüllung brachte eine Praxis ans Licht, die als „Rosa Listen“ bekannt wurde, systematische, rechtswidrige Erfassungen homosexueller Männer durch die Hamburger Polizei seit den 1960er-Jahren. Die öffentliche Reaktion auf den Skandal markierte einen seltenen Moment breiter Solidarität im Feuilleton und führte zu politischen wie institutionellen Konsequenzen innerhalb der Polizei. Eine zentrale Figur dieser Intervention ist der Aktivist und Theatermacher Corny Littmann, der den Spiegel demonstrativ zerschlug und damit eine der bekanntesten symbolischen Handlungen der Hamburger queeren Bewegung auslöste. Heute gilt der „Hammerschlag“ als Gründungserzählung von Hamburg Pride.

Immersiver Raum: zwischen Geschichte und Gegenwart

Die Installation entsteht in Zusammenarbeit mit SNAVS und Daniel Pietschmann. Besucherinnen und Besucher betreten eine nachgebaute Toilettenanlage mit Fliesen, Kabinen und Spiegeln, ergänzt durch Sound, Licht und historische Tonaufnahmen. Walkmans in den Kabinen lassen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu Wort kommen und verbinden persönliche Erinnerungen mit der queeren Geschichte der 1970er- und 80er-Jahre in Hamburg.

Begleitprogramm: Kunst, Aktivismus und digitale Öffentlichkeit

Das vier­tägige Programm auf Kampnagel wird durch Führungen, Artist Talks, Panels und Workshops erweitert. Dabei wird die historische „Spiegelaffäre“ bewusst in aktuelle Diskurse über Sichtbarkeit und Kontrolle übersetzt, etwa in die Frage, wie soziale Medien heute selbst zu Überwachungs- und Spiegelräumen gesellschaftlicher Dynamiken werden. Ein Workshop mit Anahita Neghabat lädt dazu ein, eigene Meme-Strategien zu entwickeln und digitale Öffentlichkeiten kreativ zu nutzen.

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