Durchatmen, loslassen, zur Ruhe kommen. Den Blick frei haben und ihn schweifen lassen, Entspannung in der Bewegung finden. All das geht von jetzt auf gleich im Stadtpark Harburg. Eingebettet in die Stadtteile Wilstorf und Marmstorf liegt der in den nördlichen Ausläufern der Harburger Berge, sodass er landschaftlich von sanften Höhenzügen und einem vielfältigen Baumbestand geprägt ist. Die historische Anlage des Parks eröffnet Besuchenden immer wieder neue Perspektiven auf den großen Außenmühlenteich, der mit seinem Rundweg zu den zentralen Anlaufpunkten für Erholungssuchende zählt.
Die Erkenntnis, dass gestresste Stadtbewohnerinnen und -bewohner den Wunsch nach Entspannung in der Natur verspüren, ist nicht neu. Die Volksparkbewegung, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte, stand für ein Umdenken in der Gestaltung öffentlicher Grünflächen. Statt rein ästhetischer Anlagen entstanden Räume für Erholung, Sport und Spiel für alle gesellschaftlichen Gruppen. In Hamburg wurden auch der Stadtpark und der Altonaer Volkspark nach diesen Gesichtspunkten entworfen und realisiert. Beim Harburger Stadtpark war Gartenbaudirektor Georg Hölscher für die Planung und Umsetzung der gartenbaulichen Konzepte verantwortlich. Zu seinen Aufgaben gehörte es, den bereits im 16. Jahrhundert angestauten Außenmühlenteich, an dessen Ufer seit 1890 eine Badestelle bestand, in die neu zu gestaltenden Parkflächen einzubinden.
Harburg Stadtpark: Historie
Während einige Bereiche des Parks weitestgehend naturbelassen bleiben sollten, plante Hölscher großzügig angelegte Liege- und Gymnastikwiesen sowie eine noch heute erhaltene Freilichtbühne. Die Bauarbeiten starteten 1913, sechs Jahre nachdem der Magistrat der Stadt Harburg 3,5 Hektar Gelände von privaten Eigentümern erworben hatte. Bedingt durch den Ersten Weltkrieg kamen die Arbeiten 1914 vollständig zum Erliegen. Wirtschaftskrise, Materialmangel und große kommunale Finanznot verzögerten die Wiederaufnahme der Arbeiten bis ins Jahr 1924. Die Fortsetzung des Projekts unter dem Notstandsprogramm führte dazu, dass nur unregelmäßig an der Fertigstellung der Parkanlage gearbeitet wurde. Im Mai 1926 konnte Ferdinand Tutenberg, der damalige Gartenbaudirektor der Stadt Altona und einer der prägenden Köpfe der Volksparkbewegung, endlich die offizielle Eröffnungsrede halten. Georg Hölschers Arbeit war damit allerdings noch nicht beendet.
Im Jubiläumsjahr präsentiert sich der Harburger Stadtpark als historisch gewachsenes und zeitgemäß aufgewertetes Ausflugsziel
Die Realisierung seiner Ideen für einen modernen Schulgarten im Park erlebte er jedoch nicht mehr. Nach seinem Tod im Jahr 1932 führte sein Sohn Ferdinand die Planungen weiter. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Stadtpark Harburg immer wieder verändert und erweitert, während viele der ursprünglichen Bestandteile noch heute erhalten sind. 1950 wurde der Park durch den Ankauf eines ehemaligen Fabrikgeländes und eines angrenzenden Privatgeländes vergrößert; die nachfolgenden Umbauten wurden zur Bundesgartenschau 1953 abgeschlossen. In den Jahren 1985 bis 1987 wurde der Park nach Süden erweitert. Dabei entstand auf den Langenbeker Wiesen ein Vogel- und Brutgebiet.
Die Badestelle entwickelte sich zu einem modernen Freizeitbad mit Sauna und Therme, das zurzeit umfassend renoviert wird. Eine Teileröffnung ist Mitte 2027 geplant. Andere Bereiche des Parks werden anlässlich des Jubiläumsjahres saniert oder ökologisch aufgewertet, etwa wurden die Heckengärten überarbeitet und die Sonnenuhr nach historischem Vorbild restauriert. So wird der große Schulgartenteich entschlammt, wovon man sich eine Verbesserung der Lebensbedingungen für die dort vorkommenden Amphibien, Libellen und die Wasserfauna verspricht. Für die Bienenpopulation werden drei Blühstreifen mit Frühblühern, Stauden und Wildkräutern entlang der Wege im nördlichen Park angelegt. Die Talfläche nördlich des Außenmühlenteichs wird durch das Zurückdrängen des wild wuchernden Brombeergestrüpps und die Anpflanzung von Kräutern, Wildpflanzen und Narzissen zum Ansiedlungsgebiet weiterer heimischer Arten.
Harburg Stadtpark: Der Außenmühlenteich
Zu den beliebtesten Wegstrecken, die man im Park absolvieren kann, gehört sicher die Umrundung des Außenmühlenteichs. Auf drei Kilometern bieten sich den Betrachtenden abwechslungsreiche Blicke auf die Natur und die Möglichkeit zur Beobachtung der Tierwelt am Wasser. An dem bei Joggerinnen und Joggern, Spaziergängerinnen und Spaziergängern gleichermaßen geschätzten Umlauf liegen auch die gastronomischen Angebote des Parks. Botanisch Interessierte kommen besonders in den Schaugärten auf ihre Kosten. Ein Highlight ist der Dahlengrund, eine Feuchtwiese, deren vielfältige Flora und Fauna von einem schützenden Holzsteg aus betrachtet werden kann. Für den Familienausflug stehen mehrere Spielplätze zur Verfügung, darunter ein großer Wasserspielplatz.
Picknick ist überall erlaubt, Grillen im gekennzeichneten Bereich südlich des Außenmühlenteichs. Die vierbeinigen Freunde toben sich auf der Hundewiese aus. Insgesamt 16 Kilometer gut befestigte Wege laden zu ausgiebigen Erkundungen ein, bei denen es zu allen Jahreszeiten immer etwas Neues zu entdecken gibt. Im Jubiläumsjahr präsentiert sich der Harburger Stadtpark als historisch gewachsenes und zeitgemäß aufgewertetes Ausflugsziel – nicht nur für die Bewohnenden des Stadtteils. Gefeiert wird dies ausgiebig beim beliebten „Sommer im Park“ Kulturfestival vom 21. bis 26. Juli. „Dresscode: Weiß“ heißt es am 29. August, wenn sich beim 13. Weißen Dinner am Außenmühlenteich die längste Tafel Harburgs bildet. Für den 8. Oktober ist ein öffentlicher Jubiläums‑Rundgang angekündigt.

