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Helge Schneider: „Ich fühle mich berentet“

Mit Helge Schneider kommt einer der größten Entertainer des Landes in den Stadtpark. Ein kurzes Gespräch über Kunst in Zeiten der Corona-Pandemie

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Helge, in Hamburg hängen gerade überall Konzertplakate von dir, auf denen es unter anderem heißt: „Internationaler Superstar sucht Arbeit.“ Hat sich deine Arbeitssituation nach mehr als zwei Jahren Pandemie ansatzweise normalisiert?

Helge Schneider: (lacht) Ich sag mal: Jein. Wobei … eigentlich nicht. Der Einbruch, damals im März 2020, ist schon enorm gewesen. Und die Vorahnung, dass es immer so weiter gehen würde, hat sich auch bestätigt. Es ist keine Normalität eingetreten. Auch, was so um einen herum passiert, was man hört und sieht, das hinterlässt schon einen Eindruck. Manchmal denke ich: Was soll das Ganze? Aber dann hatte ich zum Beispiel neulich einen Auftritt, da dachte ich vorher: Momentan ist das eine blöde Welt. Ich kriegte negative Gedanken. Und dann bin ich aufgetreten und war wie ausgewechselt. Ich habe alle ad acta gelegt und konnte wirklich gut arbeiten, das hat Spaß gemacht.

„Wir können jederzeit irgendwo hinfahren, sind ständig in Bereitschaft“

Helge Schneider

Gibt es etwas Neues, das du seit Pandemiebeginn über das gesellschaftliche Verständnis von Kunst gelernt hast?

Es ist so, dass ich mir als Künstler nicht so vorkomme, als würde ich zu dem großen Getriebe gehören. Als Künstler muss ich ständig über meinen Schatten springen. Ich will ja nicht nur gute Stimmung verbreiten, sondern sie auch selbst haben, damit das alles funktioniert.

„Das Leben ist ja weitergegangen“

Kannst du die bisherige Pandemiezeit für dich als Künstler vielleicht sogar in einem Wort oder Satz zusammenfassen?

Ich fühle mich berentet – obwohl ich es nicht bin. Also in einem Wort: Pension.

Nun ist es so, dass du aktuell viele Konzerte nachholst. Du hast kürzlich erklärt, das wäre gar nicht so einfach …

… weil man das, was ich vor zwei Jahren gemacht hätte, jetzt gar nicht machen könnte. Das Leben ist ja weitergegangen.

Ist die Organisation, das Logistische, auch eine Schwierigkeit?

Wir sind sozusagen autark, haben immer alles dabei, wenn wir mit unseren zwei, drei Lkw kommen. Wir können jederzeit irgendwo hinfahren, sind ständig in Bereitschaft. Die Probleme, die große Bands haben, haben wir also nicht. Wenn Rammstein irgendwo spielen, müssen die erst mal sieben Tage lang aufbauen. Da kann keiner kommen und sagen: „Könnt ihr morgen da und da spielen?“ Bei uns geht das. Ich bereite mich auf Tourneen auch nur logistisch vor, also nur, was das Bühnenbild angeht. Alles andere ergibt sich und wird weiterentwickelt. Und wenn mir was zu langweilig vorkommt, mache ich was anderes.

„Ich arbeite sehr gerne, das ist mein Leben“

Über dein aktuelles Programm, „Ein Mann und seine Gitarre“, hast du geschrieben: Es sei „von einem Biochemiker und einem Ingenieur nebst Diagnosegeräten“ geprüft worden. Also ist absolute Hochleistungsunterhaltung garantiert? Was wurde noch inspiziert?

Der TÜV-Prüfer kam auch mit einem Dezibelgerät. Wenn man selber am Schlagzeug sitzt, darf man nicht mehr als 82 Dezibel entwickeln. Das haben wir auch hingekriegt, mit Besen und so. Und flacher Atmung. Es ist also alles geprüft. In Kürze spielen wir wo, da dürfen am Nachbarhaus nur 72 DB ankommen. Das ist Gesprächslautstärke. Ansonsten wird die Veranstaltung abgebrochen. Für mich ist es deshalb ein Ansporn, höchstens 27 DB zu entwickeln, damit man da gar nichts hört. Das finde ich schön. Dann gibt es mehr Pantomime. So ist unsere Welt: Bald gibt es nur noch Pantomime und TikTok. Und Rammstein. Und Ed Sheeran. Diese Prognose ist gar nicht so unwahrscheinlich.

„Bald gibt es nur noch Pantomime und TikTok. Und Rammstein. Und Ed Sheeran.“

Helge Schneider

Noch mal zurück zu den Konzertplakaten. Da steht auch drauf, neben einem Bild von dir: „Der Rentner in braun.“ Die gefühlte Pension während der Pandemie hast du vorhin schon beschrieben. Aber grundsätzlich scheint für dich ein Leben ohne Arbeit doch noch lange nicht vorstellbar, oder?

Nee, das ist für mich überhaupt nicht vorstellbar. Ich habe ja auch viele Kinder, die müssen ernährt werden und ihre Ausbildung machen. Und ich muss auch meine Miete bezahlen. Ich muss arbeiten, interessiere mich aber auch nicht für Ruhestand. Ich arbeite sehr gerne, das ist mein Leben.

Helge Schneider, am 25. & 26. August 2022 beim Stadtpark Open Air, jeweils um 19 Uhr

SZENE HAMBURG verlost für den 25. August 2 x 2 Gästelistenplätze. Einfach eine E-Mail mit Name und Betreff „Helge“ bis 20.8. an verlosung@szene-hamburg.com


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