Filmkritik: Jeunes Mères – Junge Mütter

Die Dardennes in ihrem Element
„Junge Mütter“ – hier mit den dazugehörigen Babys im Arm
„Junge Mütter“ – hier mit den dazugehörigen Babys im Arm (©Christine Plenus)

Das Kino – ein Ort der Träume, ein Ort, an dem man seine Fantasie kreisen lässt, alles andere vergisst! Viele Filmemacher würden diese Darstellung sofort unterschreiben. Die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne eher nicht. Die große Leinwand dient ihnen zumeist als Spiegel für soziale Verhältnisse, Ungerechtigkeiten und Härtefälle. So auch in ihrer jüngsten Regiearbeit „Jeunes Mères – Junge Mütter“, die im Mai 2025 in Cannes ihre Premiere feierte und ebendort mit dem Drehbuchpreis ausgezeichnet wurde. Der Titel ist hier Programm. Hauptschauplatz ist ein Mutter-Kind-Heim in Lüttich, in dem die vier jugendlichen Protagonistinnen Julie, Perla, Jessica und Ariane an ihr neues Leben mit Baby herangeführt werden sollen. Sie alle stammen aus prekären Verhältnissen. Manche sind früh mit Gewalt, Missbrauch und Drogen in Kontakt gekommen, was die jetzige Verantwortungsrolle ungemein erschwert. Wie sollen sie für einen anderen Menschen sorgen, wenn sie sich selbst und ihren Platz in der Welt noch gar nicht gefunden haben? Dass es einen Weg in eine bessere Zukunft gibt, zeigt das Beispiel Naïmas, die die Einrichtung mit ihrem Baby gleich zu Beginn verlassen kann.

Plakat zum Film (©Wild Bunch Germany)

Jeunes Mères – Junge Mütter: Kraftvolles Drama mit dokumentarischer Note

Bei gleich vier parallel und nahezu gleichberechtigt geschilderten Schicksalen verwundert es nicht, dass die Figuren etwas skizzenhaft ausfallen. Schon das natürliche, kraftvolle Spiel der Jungdarstellerinnen schafft jedoch eine enorme Bindung. Wie eigentlich immer begegnen die Dardenne-Brüder ihren Charakteren und deren Schwächen mit großer Empathie. Und einmal mehr verzichten die beiden Regisseure darauf, das Geschehen mit effekthascherischen Mitteln aufzubauschen. Die Handkamera bleibt nah bei den Teenagerinnen, verleiht dem zum Ende hin vielleicht eine Spur zu optimistischen Ensembledrama eine fast dokumentarische Note. Ganz nebenbei würdigt der Film auch Institutionen wie das hier gezeigte Mutter-Kind-Heim und einen Sozialstaat, der Menschen in schwierigen Lebensumständen beherzt unterstützt.

 

Trailer zum Film

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Diese Kritik ist zuerst in SZENE HAMBURG 03/26 erschienen. 

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