Filmfest Hamburg: Das gibt’s noch zu sehen

Es sind die zwei Wochen im Jahr, in denen es in den Hamburger Kinos hoch her geht. Beim Filmfest Hamburg gibt es große Premieren und viele kleine Highlights. Hier kommt eine Übersicht, was bis es bis zum 9. Oktober 2021 noch zu sehen gibt

Texte: Marco Arellano Gomes, Mark Stöhr, Cornelis Hähnel, Helen Peetzen, Anselm Scherer, Claire Bösenberg

 

Das Filmfest Hamburg ist in vollem Gange. In der letzten Woche gab es die Highlights des Filmfestes, hier kommt eine Übersicht, was es bis zum 9. Oktober 2021 noch zu sehen gibt.

 

Sektion Große Freiheit

 

Filme aus Deutschland: Die ausgewählten Kinofilme nutzen die Freiheiten, die sich ihnen bieten – mit viel Lust an neuen Themen und Narrationen.

 

Alles in bester Ordnung

 

Wie viel muss der Mensch wirklich besitzen? Eine feinsinnige Komödie über das Zuviel und das Zuwenig mit Corinna Harfouch in der Hauptrolle.

Alles in bester Ordnung (Foto: Niklas Lindschau)

Alles in bester Ordnung (Foto: Niklas Lindschau)

D 2021, 96 Min., Regie Natja Brunckhorst Drehbuch Natja Brunckhorst, Martin Rehbock Besetzung Corinna Harfouch, Daniel Strässer, Joachim Król; Blankenese Kino, Di. 5.10. 19:45 Uhr

 

Niemand ist bei den Kälbern

 

Mit unbestechlichem Blick und dokumentarischem Duktus räumt das Drama mit dem Mythos vom romantischen Landleben auf.

Niemand ist bei den Kälbern (Foto: Weydemann Bros / Max Preiss)

Niemand ist bei den Kälbern (Foto: Weydemann Bros / Max Preiss)

D 2021, 116 Min., Regie Sabrina Sarabi Drehbuch Sabrina Sarabi, basierend auf einem Roman von Alina Herbing Besetzung Saskia Rosendahl, Rick Okon, Godehard Giese, Enno Trebs, Peter Moltzen; Cinemaxx 1, Di. 5.10. 20:45 Uhr

 

Sektion Veto!

 

Politisches Kino: Filme mit Ausrufezeichen, meinungs- und ausdrucksstarke Interventionen und Irritationen: Das Spiel- und Dokumentarfilmprogramm unterstreicht die politische Kraft des Kinos.

 

Futura

 

Eine neue Generation italienischer Regisseur·innen erforscht in einem Kollektivfilm die Zukunft ihres Landes.

Futura (Foto: The Match Factory GmbH)

Futura (Foto: The Match Factory GmbH)

I 2021, 110 Min., Regie und Drehbuch Pietro Marcello, Francesco Munzi, Alice Rohrwache; Metropolis, Mi. 6.10. 19:00 Uhr

 

La Civil

 

Ziviler Mut in einer Gesellschaft ohne Gewaltmonopol: In diesem fesselnden Entführungsthriller aus Mexiko nimmt eine Mutter die Suche nach ihrer Tochter selbst in die Hand.

La civil (Foto: Urban Distribution International)

La Civil (Foto: Urban Distribution International)

B, MEX, RO 2021, 145 Min., Regie Teodora Ana Mihai Drehbuch Teodora Ana Mihai, Habacuc Antonio De Rosario Besetzung Arcelia Ramirez, Alvaro Guerrero, Ayélen Muzo, Jorge A. Jimenez; Studio Kino, Mi. 6.10. 21:30 Uhr

 

 

Sektion Transatlantik

 

Kino aus Nordamerika: Diese Sektion strotzt vor Lebendigkeit und Kreativität und hat den Mut zu außergewöhnlichen Geschichten und Ästhetiken, egal ob in Studio- oder Independent-Produktionen.

 

Starlet

 

Eine ziellose 21-Jährige, eine weit über 85-Jährige, ein bisschen Pornoindustrie und eine Thermoskanne voller Geld – Sean Baker macht in seinem vierten Film ein Universum voller Unterschiede und Überraschungen auf.

Starlet (Foto: Rapid Eye Movies HE GmbH)

Starlet (Foto: Rapid Eye Movies HE GmbH)

USA 2012, 103 Min., Regie Sean Baker Drehbuch Sean Baker, Chris Bergoch Besetzung Dree Hemingway, Besedka Johnson; Studio Kino, Do. 7.10. 21:30 Uhr

 

Land of Dreams

 

Die USA in naher Zukunft – ein abgeschottetes Land, in dem nicht einmal mehr das Träumen frei ist. Bildgewaltig entwerfen Shirin Neshat und Shoja Azari eine Dystopie, die vielleicht näher an der Wirklichkeit ist, als uns lieb ist.

Land Of Dreams (Foto: Bon Voyage Films, Palodeon Pictures / Ghasem Ebrahimian)

Land of Dreams (Foto: Bon Voyage Films, Palodeon Pictures / Ghasem Ebrahimian)

USA, D, QAT 2021, 113 Min., Regie Shirin Neshat, Shoja Azari Drehbuch Jean-Claude Carrière Besetzung Sheila Vand, Matt Dillon, William Moseley, Isabella Rossellini, Anna Gunn, Christopher McDonald; Studio Kino, Fr. 8.10. 16:00 Uhr

 

Poser

 

Das Psychodrama um eine junge Frau auf Identitätssuche ist ein beeindruckendes Stück US-Indiekino und taucht tief in die vibrierende Subkultur von Columbus in Ohio ein.

Poser (Foto: UTA)

Poser (Foto: UTA)

USA 2021, 87 Min., Regie Ori Segev, Noah Dixon Drehbuch Noah Dixon Besetzung Sylvie Mix, Bobbi Kitten; Abaton, Fr. 8.10. 21:30 Uhr

 

Sektion Asia Express

 

Filmkulturen aus Fernost: Die Sektion spiegelt das aktuelle Filmschaffen unabhängiger asiatischer Filmemacher•innen. Sie steht für ein Kino der Grenzüberschreitungen und cineastischen Sinnsuchen.

 

Anatomy of Time

 

Eine in Fragmenten erzählte Untersuchung über Entscheidungen, Vergänglichkeit und die Wirkungsweisen der Zeit.

Anatomy of Time (Foto: Diversion, Damned Films, Sluizer Film Productions, M'GO Films, Mit Out Sound Films)

Anatomy of Time (Foto: Diversion, Damned Films, Sluizer Film Productions, M’GO Films, Mit Out Sound Films)

THA, F, NL, SIN 2021, 118 Min., Regie und Drehbuch Jakrawal Nilthamrong Besetzung Thaveeratana Leelanuja, Prapamonton Eiamchan, Sorabodee Changsiri, Wanlop Rungkumjad; Metropolis, Fr. 8.10. 16:30 Uhr und Cinemaxx 2, Sa 9.10., 16:00 Uhr

 

On the Job: The Missing 8

 

Korrupte Politiker, verschwundene Journalisten und Gefängnisse voller Auftragsmörder: Mit frenetischer Kamera und mitreißender Musik inszeniert Erik Matti einen epischen Politthriller, der sich auf wahre Begebenheiten stützt.

On the Job: The Missing 8 (Foto: Reality Entertainment)

On the Job: The Missing 8 (Foto: Reality Entertainment)

PHI 2021, 208 Min., Regie Erik Matti Drehbuch Michiko Yamamoto Besetzung John Arcilla, Dennis Trillo, Dante Rivero; Cinemaxx 2, Sa. 9.10. 20:30 Uhr

 

All about my Sisters

 

Eine Langzeitstudie über familiäre Verflechtungen, die psychologischen Auswirkungen der Ein-Kind-Politik und die Rolle der Frau in der chinesischen Gesellschaft.

All about my sisters (Foto: Asian Shadows)

All about my Sisters (Foto: Asian Shadows)

USA 2021, 174 Min., Regie Wang Qiong Protagonist∙innen Zhou Jin, Wang Li, Yan Xiaoqing, Wang Jianhua, Wang Sifan; Cinemaxx 2, Do. 7.10. 17:30 Uhr

 

Whether the Weather is fine

 

Die Odyssee dreier Menschen in den Nachwirren einer Sturmflut wird zur visuell beeindruckenden Vision einer Welt nach der Katastrophe.

Whether the Weather is Fine (Foto: Rediance Films)

Whether the Weather is Fine (Foto: Rediance Films)

F, D, PHI, SIN, IDN, QAT 2021, 104 Min., Regie Carlo Francisco Manatad Drehbuch Giancarlo Abrahan V, Carlo Francisco Manatad, Jeremie Dubois Besetzung Charo Santos-Concio, Daniel Padilla, Rans Rifol; Cinemaxx 2, Mi. 6.10. 21:15 Uhr

 

Sektion Voilà!

 

Französischsprachige Filme: Unsere frankophone Sélection beweist Jahr für Jahr, welch exzellenter Output möglich ist, wenn Talent, Vision und Unabhängigkeit zusammenkommen.

 

France

 

Mit absurdem Witz erzählt der neue Film von Bruno Dumont anhand einer französischen Starjournalistin, wie schnell man in einen Abgrund fallen kann – und stärker wieder aus ihm auftaucht.

France (Foto: R. Arpajou / 3B PRODUCTIONS 2020; SBS)

France (Foto: R. Arpajou / 3B PRODUCTIONS 2020)

F, D, B, I 2021, 133 Min., Regie und Drehbuch Bruno Dumont Besetzung Léa Seydoux, Juliane Köhler, Benjamin Biolay, Blanche Gardin; Passage, Do. 7.10. 18:45 Uhr

 

Die Gute Mutter

 

Mit einem liebevollen Blick zeichnet Hafsia Herzi das filmische Porträt einer Mutter, einer Familie und eines Viertels im Norden Marseilles.

Die Gute Mutter (Foto: SBS Productions / Guy Ferrandis)

Die Gute Mutter (Foto: SBS Productions / Guy Ferrandis)

F 2021, 99 Min., Regie und Drehbuch Hafsia Herzi Besetzung Halima Benhamed, Sabrina Benhamed, Jawed Hannachi Herzi; Passage, Fr. 8.10. 19:00 Uhr und Sa. 9.10. 17:00 Uhr

 

Vortex

 

Gaspar Noé erzählt eine berührende Geschichte über ein alterndes Paar. Die stilistische Besonderheit: Das Bild ist geteilt in zwei Fenster – auf der einen Seite beobachtet die Kamera den Mann, auf der anderen die Frau.

Vortex (Foto: Wild Bunch)

Vortex (Foto: Wild Bunch)

F, B, MON 2021, 142 Min., Regie und Drehbuch Gaspar Noé Besetzung Françoise Lebrun, Dario Argento, Alex Lutz; Cinemaxx 3, Fr. 8.10. und Sa. 9.10. 21:00 Uhr

 

Sektion Vitrina

 

Spanisch- und portugiesischsprachiges Kino: Das Programm mit aktuellen Filmproduktionen ist ein Schaufenster voll unterschiedlicher Stile, Narrationen und Genres.

 

El Gran Movimiento

 

Flirrend zwischen Realität und Fantasie, taucht das bolivianische Drama tief in die unsichtbaren Welten von La Paz ein. Bolivien in der Gegenwart.

El Gran Movimiento (Foto: Altamar Films / Socavón Cine)

El Gran Movimiento (Foto: Altamar Films / Socavón Cine)

BOL, F, CH, QAT 2021, 85 Min., Regie und Drehbuch Kiro Russo Besetzung Julio Cézar Ticona, Max Bautista Uchasara, Francisca Arce de Aro, Israel Hurtado, Gustavo Milán Ticona; Cinemaxx 2, Sa. 9.10. 14:00 Uhr

 

Jesús López

 

Das Dorf und der tote Rennfahrer: In eindringlichen Bildern erzählt das argentinische Drama eine verstörende Geschichte über Trauer und jugendliche Identität.

Jesús López (Foto: Murillo Cine)

Jesús López (Foto: Murillo Cine)

ARG, F 2021, 90 Min., Regie Maximiliano Schonfeld Drehbuch Maximiliano Schonfeld, Selva Almada Besetzung Lucas Schell, Joaquín Spahn, Sofía Palomino, Ia Arteta, Alfredo Zenobi; Metropolis, Di. 5.10. 21:30 Uhr und Cinemaxx 2 Sa. 9.10. 18:30 Uhr

 

Splinters

 

Als junges Mädchen filmte die Regisseurin, wie die Waffenfabrik in ihrer Heimatstadt in die Luft flog. 20 ahre später macht sie eine ungeheuerliche Entdeckung.

Splinters (Foto: Punto de Fuga Cine)

Splinters (Foto: Punto de Fuga Cine)

ARG 2020, 70 Min., Regie und Drehbuch Natalia Garayalde Protagonist∙innen Nicolás Garayalde, Carolina Garayalde, Esteban Garayalde, Gabriela Garayalde, Esther Rostagno; Passage, Do. 7.10. 17:00 Uhr

 

 

Sektion Kaleidoskop

 

Filme aus aller Welt: Unsere kinematografische Reise durch die Kontinente bietet ein plurales Nebeneinander unterschiedlicher filmischer Identitäten, Sprachen und Erzählungen.

 

Annette (Douglas Sirk Preis)

 

Nach neun Jahren stellt Leos Carax einen neuen Film vor. Das Musical und Melodram über eine Liebe, das Showbiz und einen Kinderstar ist ein Kinoereignis, exzessiv und ergreifend.

Annette (Foto: Detailfilm GmbH)

Annette (Foto: Detailfilm GmbH)

F, D, B 2021, 140 Min., Regie Leos Carax Drehbuch Leos Carax, Ron Mael, Russell Mael Besetzung Marion Cotillard, Adam Driver, Simon Helberg; Abaton, Mi. 6.10. 21:15 Uhr

 

Belfast

 

Working Class Hero: Mit viel Herz und einem großartigen Cast erzählt Kenneth Branagh von seiner Kindheit im turbulenten Nordirland der späten 1960er-Jahre.

Belfast (Foto: Universal Pictures International Germany GmbH)

Belfast (Foto: Universal Pictures International Germany GmbH)

GB 2021, 98 Min., Regie und Drehbuch Kenneth Branagh Besetzung Caitríona Balfe, Judi Dench, Jamie Dornan, Ciarán Hinds, Colin Morgan, Jude Hill; Passage, Mi. 6.10. 18:30 Uhr und Sa. 9.10. 19:15 Uhr

 

Die Hand Gottes

 

Von Gott berührt: In seinem autobiografischen Coming-of-Age-Drama balanciert Paolo Sorrentino zwischen fellinesker Absurdität und tragischem Ernst.

Die Hand Gottes (Foto: Netflix)

Die Hand Gottes (Foto: Netflix)

I 2021, 129 Min., Regie und Drehbuch Paolo Sorrentino Besetzung Filippo Scotti, Toni Servillo, Teresa Saponangelo, Marlon Joubert, Luisa Ranieri; Cinemaxx 1, Di. 5.10. 17:45 Uhr und Passage Fr. 8.10. 21:30 Uhr

 

Noch mehr Kino

Neben den vorgestellten Filmen gibt es in jeder Sektion auch noch mehr zu sehen. Darüber hinaus zeigen die Sektionen Television und Michal auf der einen Seite TV-Produktionen im Kino und beim Kinder- und Jugend Filmfest Michel gibt es auf der anderen Seite auch Kino für die Kleinen. Das Filmfest Hamburg läuft noch bis zum 9. Oktober 2021. Alle weiteren Informationen und das Programm gibt es auf der Homepage des Filmfests.

Das Filmfest Hamburg: 30.9. bis 9.10. in diversen Hamburger Kinos


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Filmfest Hamburg: „Dieser Film geht unter die Haut“

Franz Rogowski gilt als einer der talentiertesten deutschen Schauspieler. Im Eröffnungsfilm „Große Freiheit“ spielt er einen Homosexuellen, der aufgrund seiner Neigung immer wieder ins Gefängnis muss. Mit SZENE HAMBURG spricht er über den Reiz der Rolle, die scheinbare Progressivität der Gesellschaft und seine Zeit beim Thalia Theater

Interview: Marco Arellano Gomes

 

SZENE HAMBURG: Franz Rogowski, ich muss mit einem Geständnis beginnen: Ich empfinde Interviews mit Schauspielern als ziemlich schwierig, denn letztlich wiederholen sich ja doch immer wieder die Fragen in Bezug auf das Schauspiel, oder man spricht gleich über die Themen des Films.

Franz Rogowski: Kann ich gut verstehen. Schauspielen ist kein inhaltlich klar zu greifendes Tätigkeitsfeld. Man fragt man sich schon: „Was hat ein Schauspieler eigentlich Interessantes zu berichten?“ Es sind ja dann doch oft die gleichen, scheinbar spannenden Anekdoten. Ich lese selbst keine Interviews mit Schauspielern.

Lassen Sie uns trotzdem über den Film Hans (Franz Rogowski) in Einzelhaft im Film „Große Freiheit“ sprechen, mit dem das Filmfest Hamburg in diesem Jahr eröffnet.

Sehr gerne.

 

Der Paragraf 175, im Film zu selten thematisiert

 

Im Film spielen Sie Hans Hoffmann, einen Homosexuellen in der Nachkriegszeit, der aufgrund seiner sexuellen Neigung immer wieder ins Gefängnis muss. Was hat Sie an der Rolle gereizt?

Ich fand vor allem das Drehbuch stark und in sich stimmig. Außerdem fand ich die Figur reizvoll. Im zweiten Schritt habe ich dann festgestellt, dass es wenig Filme über den Paragrafen 175 gibt.

Wie bereiten Sie sich auf eine solche Rolle vor?

Hans ist ein Mensch, der frei leben will, sich entschieden hat, sich nicht zu verstecken und bereit ist, den Preis zu zahlen, den die Gesellschaft dafür fordert. Auch wenn er zum Teil recht wortkarg ist und vielleicht nicht genau formulieren kann, was ihn gerade umtreibt, hört Hans seine innere Stimme gut. Dieser innere Kompass, der sich einem selbst entzieht, aber doch das Leben lenkt, der hat mich interessiert.

Im Film wird der berüchtigte Paragraf 175 des Strafgesetzbuches genannt, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte. Woran liegt es, dass es bislang so wenige Filme drüber gibt?

Ich würde sagen, es gibt heute eine größere Auseinandersetzung mit queerer Liebe in unserer Gesellschaft. Das ist gut. Dass sich große Corporations jetzt den Regenbogen-Anstrich geben, ist für mich nicht unbedingt beruhigend. Der Paragraf 175 stand bis in die 90er-Jahre im deutschen Gesetz.

 

„Schwul“ in den 90er-Jahren

 

Können Sie sich an diese Zeit noch erinnern?

Ich erinnere mich, dass ich mal mit meiner Mutter beim Juwelier war und einen Ohrring bekommen sollte. Ich habe dann das rechte Ohr hingehalten. Die Frau, die dort arbeitete, war ganz beschämt und meinte „Das andere Ohr“. Meine Mutter und ich haben das nicht verstanden. „Das ist das schwule Ohr“, meinte die Frau im verschwörerischen Tonfall, und wir haben dann das Ohrloch korrekt heterosexuell ins andere Ohr gestochen. Ich hatte das damals gar nicht verstanden. Ich bin aus einer Generation, die im Prinzip mehr oder weniger direkt vermittelt bekommen hat, dass Schwulsein etwas Kriminelles sei. Ich glaube, solange wir unsere Ohren in Klassen einteilen, haben wir echt ein Problem.

Aber tut sich da nicht gerade viel?

Ich würde den derzeitigen Hype nicht überbewerten. Ein Umdenken erfordert ja permanente Arbeit, nicht einfach seine Meinung von A nach B zu verschieben. Jetzt sind in meinem Bekanntenkreis alle queer und alle inklusiv. Das glaube ich keine Sekunde. Es gibt gar nicht genug Worte und Labels, wie es Lebensformen gibt. Es ist schön, dass da immer mehr entsteht, aber der Prozess wirklich inklusiv zu werden, hat, glaube ich, weniger mit Meinung zu tun als mit der Offenheit, denjenigen zuzuhören, die wirklich etwas zu sagen haben.

Im Film wird Hans immer wieder mal nackt in eine dunkle Einzelzelle gesteckt. Sein Zellengenosse Viktor schmuggelt ihm dann Zigaretten und Streichhölzer hinein. Wenn er diese anzündet, wird er kurz vom Feuer erleuchtet. Was drückt diese Szene für Sie aus?

Die Lebensdauer von so einem brennenden Streichholz ist beschränkt im Gegensatz zur Kerkerwand, die für eine Ewigkeit gebaut ist.

 

„Große Freiheit“ beim Filmfest Hamburg

 

Filmfest-Leiter Albert Wiederspiel sagte: „Gerade heute, wo die Intoleranz zunimmt, müssen wir aus der Geschichte lernen.“ Welche Lehren kann man aus dem Film ziehen?

Ich finde es schwierig, wenn der Eindruck entsteht, dass Filme eine politische Botschaft haben müssen. Müssen sie nicht, weil sie sie sowieso haben. Es geht in „Große Freiheit“ einfach um einen Menschen, der unterdrückt wird. Dass man das dann auch politisch deuten und interpretieren kann, ist klar, ich selbst tue das auch. Aber ich fände es schade, wenn das beim Filmemachen ein wichtiges Kriterium wäre. Ich wünsche mir, dass die Menschen ins Kino gehen, um einfach nur zu schauen und zu staunen. Dieser Film geht unter die Haut – das ist nicht schwer zu verstehen.

Wenn man sich Ihre bisherige Karriere anschaut, fällt auf, dass Sie oft Außenseiter spielen. Was reizt Sie daran?

Ich nehme die Rollen, die ich spielen darf, als sehr unterschiedlich wahr. Ich denke mal, dass ich ein paar äußere körperliche Merkmale habe, die mich wohl zum typischen Außenseiter-Schauspieler machen. Das sind letztlich auch Klischees, die immer wieder aktiviert werden. Auch durch solche Fragen.

 

Geht auch Mainstream?

 

Käme denn eine Mainstream-Rolle für Sie infrage?

Was ich in letzter Zeit tatsächlich nicht so oft gespielt habe, sind normale Lebenssituationen. Das kann ich mir aber auch gut vorstellen.

Sie haben vor dem Schauspielen eine Ausbildung im Ausdruckstanz in Stuttgart gemacht und eine ClownSchule im Tessin besucht. Hat Ihnen das für Ihr Schauspiel etwas gebracht, was in einer Schauspielschule so vielleicht nicht gelehrt wird?

Ich habe diese Schulen immer nur für ein Jahr besucht und bin dann gegangen – oder gegangen worden. Ich habe in den beiden Schulen keine Fähigkeiten gewonnen, die für das Schauspiel von Bedeutung wären.

 

Vorbilder

 

Haben Sie Vorbilder, von denen Sie sich beim Schauspielen inspiriert fühlen?

Wenn ich eine Rolle habe, fange ich immer bei null an und bin heilfroh, wenn ich irgendwas finde, dass überhaupt funktioniert – für die Figur, für mich und für den Regisseur. Das ist vielmehr eine Suche nach dem Rettungsring. Ich bin total ausgelastet damit, überhaupt irgendwas auf die Reihe zu kriegen. So souverän zu sein, dass ich quasi von dem Schauspieler das und von diesem jenes nehme und in mein Schauspiel einbaue – davon bin ich weit entfernt.

Klingt erstaunlich: Ihre Karriere befindet sich auf einen Höhenflug – 2018 wurden Sie mit dem Deutschen Schauspielpreis ausgezeichnet. Sie arbeiteten mit Regielegende Terrence Malick („Ein verborgenes Leben“) zusammen. Die „New York Times“ befand, Sie seien ein Schauspieler, dem der internationale Durchbruch gelingen könnte …

Ich darf zurzeit sehr viele Erfahrungen sammeln und lerne dabei viele verschiedene Künstler kennen – sowohl vor als auch hinter der Kamera. Das ist schon sehr spannend für mich. Sicher fühle ich mich dadurch aber überhaupt nicht. Das ist aber auch nicht mein primäres Ziel. Ich suche nach Entwicklung und Verwicklung. Die Komfortzone eignet sich nicht dafür und hat mich deshalb nie sonderlich interessiert.

Wie empfinden Sie den deutschen Filmstandort?

In den letzten zwei bis drei Jahren habe ich in Deutschland gar nicht mehr gedreht. Aber das betrachte ich eher als Zufall. Deutschland hat eigentlich alle Voraussetzungen, um sehr schöne und tolle Filme zu machen. Manchmal fragt man sich zwar, wo die bleiben, aber dann kommen die ja auch immer wieder.

 

Damals in Hamburg

 

Sie spielen nebenbei auch viel Theater und waren früher im Hamburger Thalia Theater aktiv. Sind das schöne oder eher unschöne Erinnerungen?

Das war eine sehr einsame Zeit, weil ich als einzelner Tänzer in einer Theaterproduktion aufgetreten bin – und sowohl auf der Bühne als auch in den einzelnen Entwicklungsprozessen eigentlich eine Zeit erlebte, in der ich auf mich allein gestellt war. Meine Entscheidung, Schauspieler zu werden, fiel vielleicht gar nicht so sehr aus Liebe zum Schauspiel als vielmehr in Folge der Ablehnung von dieser Situation, die ich da als Tänzer hatte. Ich wollte auch mal da vorne an der Rampe stehen.

Wo in Hamburg haben Sie damals gewohnt?

Ich hatte einen guten Freund gefunden, der Theatermacher ist. Bei dem habe ich gewohnt. Er hatte eine sehr schöne Wohnung, sehr gemütlich, direkt am Hansaplatz, bei den Nutten.

Das Filmfest Hamburg eröffnet mit dem Film „Große Freiheit“ von Regisseur Sebastian Meise. Hauptrolle Franz Rogowski, Kinostart 18. November 2021 in den Kinos

Hier ist der Trailer zum Film:


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Must-See: Highlights beim Filmfest Hamburg

Viel Kino, das geht wieder und besonders gut beim Filmfest Hamburg. Vom 30. September bis zum 9. Oktober 2021 gibt es reichlich hochkarätige Filme zu sehen. Hier kommen acht Highlights, die man auf keinen Fall verpassen sollte

Texte: Marco Arellano Gomes, Mark Stöhr, Cornelis Hähnel, Helen Peetzen, Anselm Scherer, Claire Bösenberg

 

Große Freiheit

 

Eine Liebe im Zeichen des Paragrafen 175: Im Nachkriegsdeutschland landet ein Mann wegen seiner Homosexualität immer wieder im Knast und begegnet dort einem lebenslänglich Verurteilten.

Der Eröffnungsfilm Große Freiheit (Foto: Freibeuterfilm, Rohfilm)

Der Eröffnungsfilm Große Freiheit (Foto: Freibeuterfilm, Rohfilm)

Der Eröffnungsfilm ist ein intensiver Film über Sehnsucht und Freiheit. Hans (Franz Rogowski) liebt Männer. Das ist in Westdeutschland auch nach 1945 ein Verbrechen. Der berüchtigte §175 ist weiter in Kraft und macht alle Hoffnungen von Hans auf ein Leben in Freiheit zunichte. Im Gefängnis trifft er, der Wiederholungstäter, auf Viktor (Georg Friedrich), einen verurteilten Mörder. Aus anfänglicher Abneigung entwickelt sich im Laufe der Jahre eine intensive Verbindung voller Respekt und Empathie. Vielleicht sogar so etwas wie Liebe?

Auf drei Zeitebenen erzählt über eine Periode von 24 Jahren, beschäftigt sich das deutsch-österreichische Drama mit einem dunklen Kapitel der bundesdeutschen Justizgeschichte. Auch wenn das Totalverbot 1969 aufgehoben werden musste, blieb §175 bis 1994 bestehen. Große Freiheit feierte seine Weltpremiere in Cannes in der Sektion Un Certain Regard, wo er den Großen Preis der Jury erhielt. Zudem wurde er beim Filmfestival in Sarajevo als bester Film und mit dem CICAE Award ausgezeichnet. Der Darstellerpreis ging an Georg Friedrich.

A, D 2021, 100 Min., Regie Sebastian Meise Drehbuch Sebastian Meise, Thomas Reider Besetzung Franz Rogowski, Georg Friedrich, Anton von Lucke, Thomas Prenn; Cinemaxx 1, Do 30.09. 19:30 Uhr und Passage, Fr 01.10. 18:15 Uhr

 

Blutsauger

 

Bis zum Ende des Kapitals: Der neue Film von Julian Radlmaier verbindet Marxismus mit Vampirismus und ist eine wunderbar ironische, absurde Komödie.

Blutsauger, wunderbar ironisch und absurd (Foto: Grandfilm)

Blutsauger, wunderbar ironisch und absurd (Foto: Grandfilm)

1928: Der sowjetische Arbeiter Ljowuschka (Alexandre Koberidze) wird als Trotzki-Darsteller für einen Film von Eisenstein gecastet. Seine Träume vom Künstlerleben platzen, als Trotzki bei Stalin in Ungnade fällt und er aus dem Film herausgeschnitten wird. Jetzt will er sein Glück in Hollywood versuchen. Noch steckt er allerdings an einem mondänendeutschen Badeort fest, wo er bei einem Strandspaziergang die exzentrische Fabrikbesitzerin Octavia Flambow-Jansen (Lilith Stangenberg) kennenlernt. Eine sommerliche Romanze bahnt sich an.

D 2021, 128 Min., Regie und Drehbuch Julian Radlmaier Besetzung Alexandre Koberidze, Lilith Stangenberg, Alexander Herbst, Corinna Harfouch, Andreas Döhler; Metropolis, Sa 02.10. 18:00 Uhr

 

Für nichts und wieder nichts

 

Sie gerieten in jungen Jahren in die Mühlen der DDR-Justiz: Gisela Tuchtenhagen und Margot Neubert-Maric porträtieren drei Ex-Häftlinge, bei denen die Gefängniserfahrung lebenslange Spuren hinterlassen hat.

Für nichts und wieder nichts, über die Mühlen der DDR-Justiz (Foto: Utbüxen Filmproduktion GbR) Rintelen

Für nichts und wieder nichts, über die Mühlen der DDR-Justiz (Foto: Utbüxen Filmproduktion GbR) Rintelen

Das Zuchthaus Bützow war berüchtigt. Es galt als überfüllt und heruntergekommen. Hier saßen Siegfried, Brunound Klaus mehrere Jahre, eingepfercht in Einmannzellen. Zermürbt von endlosen Verhören und Gewalt hatten sie alles gestanden, was ihnen vorgeworfen wurde: Spionagetätigkeit, staatsgefährdende Hetze, Gefährdung der Verteidigungsbereitschaft der DDR.

D 2021, 80 Min., Regie Margot Neubert-Maric, Gisela Tuchtenhagen Protagonist∙innen Bruno Niedzwetzki, Klaus Rintelen, Siegfried Jahnke; Metropolis, Sa 02.10. 12:00 Uhr

 

Happening

 

Das eindringliche Porträt einer Frau im schmerzvollen Kampf um Körperpolitik und Selbstbestimmung basiert auf einer Geschichte von Annie Ernaux.

Happening nach einem Roman von Annie Ernaux (Foto: Wild Bunch International)

Happening nach einem Roman von Annie Ernaux (Foto: Wild Bunch International)

Frankreich 1963. Anne ist eine begabte und beflissene Studentin, die den sozialen Aufstieg vor sich sieht und damit einen Ausweg aus den Zwängen ihrer Herkunft. Wegen einer ungewollten Schwangerschaft droht sich diese Tür für Anne zu verschließen – über andere Wege herrscht im Frankreich dieser Zeit Stillschweigen. Anne absolviert vergebliche Arztbesuche, sucht verzweifelt Hilfe und erfährt keine Solidarität. In ihrem intensiven Spiel lässt Hauptdarstellerin Anamaria Vartolomei den souveränen Geist einer Unbeugsamen spürbar werden.

F 2021, 100 Min., Regie Audrey Diwan Drehbuch Audrey Diwan, Marcia Romano, basierend auf dem Roman »L‘Événement« von Annie Ernaux Besetzung Anamaria Vartolomei, Kacey Mottet-Klein, Luàna Bajrami, Louise Orry-Diquero, Louise Chevillotte; Metropolis, Fr 1.10. 29:30 Uhr und Cinemaxx 2, Mo 04.10. 21:15 Uhr

 

The French Dispatch

 

Mit einem Starensemble – darunter Benicio del Toro, Tilda Swinton und Frances McDormand – erweckt Wes Anderson vier Geschichten zum Leben, die in der letzten Ausgabe eines amerikanischen Magazins veröffentlicht werden.

In The French Dispatch erweckt ein Starensemble vier Geschichten zum Leben (Foto: The Walt Disney Company Germany GmbH / Searchlight Pictures)

In The French Dispatch erweckt ein Starensemble vier Geschichten zum Leben (Foto: The Walt Disney Company Germany GmbH / Searchlight Pictures)

Anlässlich des Todes ihres Verlegers Arthur Howitzer Jr. versammeln sich die Mitarbeiter·innen von The French Dispatch, eines amerikanischen Magazins mit Sitz in der französischen Stadt Ennui-sur-Blasé, um einen Nachruf zu verfassen. So entstehen vier von den Erinnerungen an Howitzer geprägte Geschichten: ein Reisebericht aus den verrufensten Ecken der Stadt selbst, eine Story über einen geistesgestörten, kriminellen Maler, eine Chronik von Liebe und Tod auf dem Höhepunkt der Studierendenrevolte – und eine Geschichte über Drogen, Kidnapping und gehobene Küche.

GB, F, D 2020, 108 Min., Regie und Drehbuch Wes Anderson Besetzung Benicio del Toro, Adrien Brody, Tilda Swinton, Léa Seydoux, Frances McDormand, Elisabeth Moss, Bill Murray, Christoph Waltz, Timothée Chalamet, Saoirse Ronan, Willem Dafoe; Cinemaxx 1, Fr 8.10. 20:00 Uhr

 

Die Rache ist mein, alle anderen zahlen bar

 

Mit Ironie und quer durch die Genres erzählt der indonesische Regisseur Edwin die Liebes- und Leidensgeschichte eines Getriebenen.

Die Rache ist mein, alle anderen zahlen bar erzählt die Liebesgeschichte eines Getriebenen (Foto: The Match Factory GmbH)

Die Rache ist mein, alle anderen zahlen bar erzählt die Liebesgeschichte eines Getriebenen (Foto: The Match Factory GmbH)

Ajo Kawir ist ein berüchtigter Unruhestifter, der seine Impotenz durch Gewalt kompensiert und sich als Handlanger in der lokalen Unterwelt verdingt. Bei der Begegnung mit dem weiblichen Bodyguard Iteung stößt er nicht nur auf eine ebenbürtige Gegnerin, es bahnt sich auch eine wechselvolle Beziehung an, in deren Verlauf sich Ajo Kawir seiner Vergangenheit stellen muss. Dem Film gelingt es, den Machismo seiner Figuren aufs Korn und sie in ihren Verletzungen zugleich ernst zu nehmen. Dabei prallen Martial Arts, Romantik und Roadmovie aufeinander.

IDN, D 2021, 114 Min., Regie Edwin Drehbuch Edwin, Eka Kurniawan Besetzung Marthino Lio, Ladya Cheryl, Reza Rahadian, Ratu Felisha, Sal Priadi; Cinemaxx 1, Fr 8.10. 22:30 Uhr und Metropolis, Sa 09.10. 18:45 Uhr

 

Wo in Paris die Sonne aufgeht

 

In wildpoetischen Schwarz-Weiß-Bildern erzählt Jacques Audiard einen modernen Liebesreigen in Zeiten von Dating-Apps und Sex im Internet.

Wo in Paris die Sonne aufgeht ist eine wildpoetische Liebesgeschichten in Schwarz-Weiß (Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Wo in Paris die Sonne aufgeht ist eine wildpoetische Liebesgeschichten in Schwarz-Weiß (Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Der Film basiert auf zwei Graphic Novels des New Yorker Cartoonisten Adrian Tomine. Paris, die ewige Stadt der Liebe. Hier leben sie dicht gedrängt, zwischen Sehnsüchten, Abenteuern, Dramen: Émilie schlägt sich nach ihrem Elite-Studium mit billigen Gelegenheitsjobs herum, hat schnellen Sex und träumt von einer Beziehung. Camille hat als junger Lehrer beruflich noch Illusionen, dafür keine in der Liebe, außer unkomplizierten Sex. Nora ist in die Stadt gekommen, um ihrer Vergangenheit zu entfliehen und mit Anfang 30 ihr Jurastudium wieder aufzunehmen – und Louise bietet als »Amber Sweet« im Internet erotische Dienste gegen Bezahlung an.

Émilie, Nora, Louise und Camille – drei Frauen, ein Mann. Ihre Lebenswege kreuzen sich im 13. Arrondissement in Paris. Camille zieht bei Émilie als Mitbewohner ein, wird ohne Umschweife ihr Liebhaber und zieht ebenso schnell wieder aus. Liebe ist angeblich nicht sein Stil – bis er die kühle Nora trifft. Noras Hoffnungen auf einen akademischen Neuanfang in Paris haben sich unterdessen zerschlagen: Nach einer wilden Disconacht wollen Kommiliton·innen in ihr den Pornostar »Amber Sweet« wiedererkennen. Noras Zukunftsträume wanken. Sie muss die süße Amber nun unbedingt persönlich kennenlernen.

F 2021, 105 Min., Regie Jacques Audiard Drehbuch Jacques Audiard, Léa Mysius, Céline Sciamma Besetzung Lucie Zhang, Makita Samba, Noémie Merlant, Jehnny Beth, Camille Léon-Fucien, Océane Cairaty; Cinemaxx 1, Sa, 09.10. 20:00 Uhr

 

Memoria

 

Tilda Swinton leidet in diesem mysteriösen Drama von Apichatpong Weerasethakul an Gehör-Halluzinationen.

Memorial zeigt Tilda Swinton in einem mysteriösem Drama (Foto: Sandro Kopp / Kick the Machine Films, Burning, Anna Sanders Films, Match Factory Productions, ZDF/Arte and Piano, 2021)

Memorial zeigt Tilda Swinton in einem mysteriösem Drama (Foto: Sandro Kopp / Kick the Machine Films, Burning, Anna Sanders Films, Match Factory Productions, ZDF/Arte and Piano, 2021)

Eines Nachts wird die in Kolumbien lebende Engländerin Jessica von einem lauten Knall aus dem Schlaf gerissen. Fortan ist ihr Leben nicht mehr, wie es war. Denn als sie ihre Schwester Karen im Krankenhaus besucht, realisiert sie, dass das seltsame Geräusch sie begleitet – und scheinbar niemand anderes es hören kann. Jessica freundet sich mit der Archäologin Agnes (Jeanne Balibar) an, die menschliche Überreste, die beim Bau eines Tunnels entdeckt wurden, untersucht. Schon bald beschleicht Jessica das ungute Gefühl, dass die Geräusche eine seltsame Vorahnung sein könnten.

COL, THA, GB, MEX, F, D, QAT 2021,136 Min., Regie und Drehbuch Apichatpong Weerasethakul Besetzung Tilda Swinton, Elkin Díaz, Jeanne Balibar, Juan Pablo Urrego, Daniel Giménez Cacho; Cinemaxx 1, Mo 4.10. 17:45 Uhr und Do 7.10. 21:45 Uhr


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Roter Teppich wird wieder ausgerollt: Filmfest Hamburg startet

Vom 30. September bis zum 9. Oktober 2021 wird in Hamburg wieder der rote Teppich ausgerollt. Das diesjährige Filmfest verspricht hochkarätige Filme. Eröffnet wird mit „Große Freiheit“, der in Cannes Premiere feierte

Text: Marco Arellano Gomes

 

Schau! Wow! heißt es im of­fiziellen Trailer des Filmfest Hamburg 2021. Der Trailer vom finnischen Regisseur Ma­tias Autio ist inspiriert „von einer Autowerkstatt im Osten Helsinkis“, in der einst Zigaretten und Alkohol an minder­ jährige Teenager vertickt wurden. Den Nervenkitzel samt schweißnassen Händen wollte der Regisseur im Trailer transportieren. Das ist ihm gelungen. Die Vorfreude steigt. Das Publikum besucht wieder fleißig die Kinos – fehlt nur noch das alljährliche Highlight: das Filmfest Hamburg.

Vom 30. September bis zum 9. Oktober 2021 ist es so weit: Der rote Teppich wird wieder ausgerollt, Stars und Sternchen sind zu Besuch und das Publikum bekommt eine erlesene Filmauswahl zu sehen, darunter einige Premie­ren. 100 Produktionen stellten Filmfest-­Leiter Albert Wieder­spiel und sein Team zusam­men. Eröffnet wird das Fest mit „Große Freiheit“ von Sebastian Meise, Gewinner in Cannes in der Sektion „Un Certain Regard“. Der Film handelt von der Kriminalisierung Homo­sexueller im Nachkriegsdeutsch­land – einem bislang wenig be­achteten Thema im deutschen Film. Hauptdarsteller ist Franz Rogowski. Im Film spielt er Hans, der im Gefängnis auf den Zellengenossen Viktor (Georg Friedrich) trifft, einen verurteilten Serienmörder. „Ge­rade heute, wo die Intoleranz zunimmt, müssen wir aus der Geschichte lernen“, sagt Fes­tivalleiter Albert Wiederspiel.

 

Viele weitere Highlights

 

Auch die weiteren Filme versprechen einen filmreifen Start in den Kinoherbst: „Die Geschichte meiner Frau“ von Berlinale-Preisträgerin Ildikó Enyedi („Körper und Seele“) wurde in Teilen in der Ham­burger Speicherstadt gedreht. Hauptdarstellerin Léa Seydoux spielt auch im Film „France“, der ebenfalls in Cannes aufge­führt wurde. Darin wird die Ge­schichte der Starjournalistin France de Meurs erzählt, deren Leben außer Kontrolle gerät. Produziert wurde Bruno Du­monts Film unter anderem auch von der Hamburger Produk­tionsfirma Red Balloon Film.

Weitere Highlights: Andrei Kon­chalovskys Film „Dear Com­rades!“, „Töchter“ von Nana Neul, „Vengeance Is Mine, All Others Pay Cash“, produziert von Fatih Akins Bombero Interna­tional und The Match Factory. Viel­ versprechend sind zudem „Hinterland“ von Oscarpreisträ­ger Stefan Ruzowitz­ky („Die Fälscher“) sowie „Niemand ist bei den Kälbern“ mit der für ihre Leistung ausgezeichneten Darstellerin Saskia Rosendahl („Fabian – oder Der Gang vor die Hunde“).

„Wir freuen uns, dass so viele ausgezeichnete Filme ihre Deutschlandpremieren in Hamburg feiern“, so Wieder­spiel. Festivalkinos sind Aba­ton, Cinemaxx Dammtor, Me­tropolis, Passage und Studio­ Kino. Programm und Tickets gibt es auf filmfesthamburg.de.

Filmfest Hamburg: 30.9. bis 9.10. in diversen Hamburger Kinos


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