„Das muss unter uns bleiben, sonst geht die Welt unter!“ Eindringlich beschwört Éric seinen Freund Fabien, um jeden Preis Stillschweigen über das soeben gebeichtete Geheimnis zu bewahren. Schwierig findet das Fabien, denn die Neuigkeiten betreffen Érics Zwillingsbruder Jérôme, der durch die Heirat mit Fabiens Schwester zugleich dessen Schwager und Fabien emotional viel näher ist. Der gerissene Éric hat seinem leichtgläubigen Bruder Jérôme Job und Frau weggeschnappt, doch das ahnt dieser noch nicht. Nun aber weiß es Fabien, und als loyaler Freund quält er sich mit dem Wissen um Jérômes Zukunft, die er diesem indes nicht offenbaren darf – so hat er geschworen. Im weiteren Verlauf des Tages wird Fabien weiterhin abwechselnd von beiden Brüdern ins Vertrauen gezogen – die Ereignisse überschlagen sich, Situationen geraten außer Kontrolle. Bevor das Stück nach 80 Minuten unvermittelt endet, nimmt die Geschichte noch einige überraschende Wendungen und bringt weitere „Geheimnisse“ ans Licht. Sébastien Blancs Komödie, vor zwei Jahren in Paris uraufgeführt, ist ein Drei-Personen-Stück für zwei Schauspieler. Sebastian Bezzel dominiert den Abend und glänzt in der Doppelrolle der beiden ungleichen Zwillingsbrüder: eben noch rücksichtsloser Macher, wenige Minuten und ein anderes Outfit später dann sanfter Optimist. Götz Otto wird als neutralisierende Kraft zwischen den Fronten beinahe aufgerieben, er übernimmt zusätzlich die Funktion eines Erzählers und richtet Kommentare ans Publikum. Ulrich Wallers Inszenierung könnte schon in der ersten Hälfte etwas mehr Tempo vertragen, bevor die Handlung dann gegen Ende richtig Fahrt aufnimmt. Zwei Film- und Fernsehstars in einem witzigen Kammerspiel, das insbesondere vom unaufgeregten Humor und den als Selbstverständlichkeit deklarierten Verrücktheiten lebt.
Theater
24. März 2026
Theaterkritik: Geheimnisse
… mit überraschenden Wendungen

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