Die Aufgabe der Kultur ist vielfältig. Darunter fällt das Verhandeln von Zugehörigkeiten, Fragen nach Identität zu stellen, durch Hinterfragen die Wahrnehmung formen, Perspektivwechsel zu schärfen, Kritik an bestehenden Normen zu üben, Missstände aufzuzeigen, Autoritäten herauszufordern, fremde Lebenswelten aufzuzeigen und vieles mehr. Doch genau diesen Funktionen wurde die Kultur in den Jahren von 1933 bis 1945 beraubt, sie wurde zum Instrument der Nationalsozialisten.
Gleichschaltung: Hamburger Kultureinrichtungen wurden zum nationalsozialistischen Instrument
Wie wirkte sich die nationalsozialistische Diktatur der Zeit von 1933 bis 1945 auf Hamburger Kultureinrichtungen aus? Das zeigt die temporäre Ausstellung „Kultur unter Kontrolle“ in der Hamburger Rathausdiele, die sich mit der Rolle der Hamburger Kulturpolitik während der NS-Zeit befasst. Hierzu wurde zwei Jahre zu der Situation an Museen, Theatern, Bücherhallen und der Hochschule für Bildende Künste geforscht. Zudem werden Biografien verfolgter Künstlerinnen und Künstler vorgestellt.
Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde die zuvor vielfältige Kulturlandschaft in Deutschland gleichgeschaltet. Ist Kultur doch eigentlich immer ein Werkzeug zum Hinterfragen, Missstände aufzeigen und ein Raum für marginalisierte Gruppen und Themen, unterlag ab diesem Zeitpunkt die Arbeit aller Kulturstätten der nationalsozialistischen Kulturverwaltung. Sie wurde so konsequent auf die Ideologie des Regimes ausgerichtet und als Teil der Maschinerie missbraucht.
Wie diese kulturelle Unterdrückung, aber auch der Widerstand aussah, zeigt die Ausstellung anhand von Materialien aus zehn Hamburger Kultureinrichtungen, die einen Blick in die eigene Vergangenheit werfen. „Dass wir uns erst jetzt mit diesem Teil unserer Geschichte auseinandersetzen, macht deutlich, wie schwer sich lange auch staatliche Institutionen mit einer kritischen Betrachtung ihrer Vergangenheit getan haben. Dabei ist es dringend notwendig, dass wir uns bewusst machen, welche gesellschaftliche Bedeutung den Künsten zukommt und wie gefährlich ihre politische Instrumentalisierung ist. Die Ausstellung benennt Täter und macht Opfer der nationalsozialistischen Kulturpolitik sichtbar. Es liegt in unserer Verantwortung, die Vergangenheit aufzuarbeiten und dafür zu sorgen, dass die Freiheit der Künste und Kultur in Zukunft verteidigt wird und sie niemals wieder als politische Instrumente missbraucht werden“, sagt Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg.
Erinnerungskultur: Das steckt hinter der Ausstellung
Finanziert wurden die Forschungsarbeiten sowie die Präsentation im Rathaus von der Behörde für Kultur und Medien. Kooperationspartner waren zudem die Hamburgische Staatsoper, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg sowie die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg. Die Ausstellung in der Diele des Rathauses ist Teil des Gedenkens der Hamburgischen Bürgerschaft an die Opfer des Nationalsozialismus um den Gedenktag am 27. Januar. Sie ist vom 5. Februar bis zum 10. März 2026 in der Diele des Hamburger Rathauses zu sehen, ergänzt von einem ausführlichen Begleitprogramm.

