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Hamburg setzt auf Kulturtourismus

Elphi, Hafen, Musical – Hamburgs kulturtouristische Aushängeschilder sind seit jeher Besuchermagneten. Doch auch abseits der großen Attraktionen hat Hamburg einiges zu bieten. Mit einem Fokus auf Kulturtourismus und einer dementsprechenden Strategie soll die Anziehungskraft gestärkt werden, sagt Wirtschaftssenator Michael Westhagemann

Interview: Anna Meinke

SZENE HAMBURG: Michael Westhagemann, die neue Kulturtourismusstrategie ist ein Projekt von Behörden und städtischer Tourismus GmbH. Was versprechen Sie sich von einem gemeinsamen Vorgehen?

Michael Westhagemann: Zum einen, dass wir unsere Gäste noch besser über die vielfältigen Angebote unserer Stadt informieren und sie dafür begeistern. Und zum anderen, dass sich Kulturund Tourismusanbieter gegenseitig besser kennenlernen, verstehen und zusammenarbeiten. Schon die gemeinsame Erarbeitung der Kulturtourismusstrategie war dafür ein wichtiger Schritt.

„Es lohnt es sich, mehr anzubieten als Hafen, Musicals und Elbphilharmonie“

Wirtschaftssenator Michael Westhagemann

Mal ganz konkret: Was ist das Ziel der Kulturtourismusstrategie – und mit welchen Mitteln soll dieses Ziel umgesetzt werden?

Wir wollen wieder an die alte touristische Stärke unserer Stadt vor Corona anknüpfen. Das heißt für mich aber nicht, einfach weitermachen wie vor der Pandemie. Wir müssen uns vielmehr stetig verbessern. Das betrifft die Digitalisierung, das Thema Nachhaltigkeit und eben auch den Kulturtourismus. Die Umsetzung der konkreten Ideen der Kulturtourismusstrategie liegt operativ in erster Linie bei der Hamburg Tourismus GmbH, aber nicht nur. Wir wünschen uns, dass alle, die hierbei eine Rolle spielen, die Ziele der Strategie als lohnend für sich und die Stadt betrachten und daran mitarbeiten.

Hilfe, auch für die Kulturbranche

Wen wollen Sie mit der Kulturtourismusstrategie in die Stadt locken?

Alle, die daran interessiert sind, Hamburg in seiner ganzen kulturellen Vielfalt zu erleben. Viele unserer Gäste sind „Wiederholungstäter“, kommen zum dritten, vierten Mal für ein Wochenende nach Hamburg. Gerade bei ihnen lohnt es sich, mehr anzubieten als Hafen, Musicals und Elbphilharmonie.

Die Strategie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich leise Hoffnungen auf eine Entspannung der Corona-Lage breit machen. Wie groß sind die Einbußen durch die Pandemie?

Die Übernachtungen sind in den beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 um mehr als die Hälfte eingebrochen. Das war eine harte Zeit. Die Einbußen bei den betroffenen Unternehmen – und das sind nicht nur die Hotels, sondern auch die Kulturanbieter, der Einzelhandel, die Gastronomen und viele weitere Branchen – waren enorm. Es zeichnet sich aber erfreulicherweise ab, dass das aktuelle Jahr wieder recht erfolgreich werden wird.

„Die Einbußen bei den betroffenen Unternehmen waren enorm“

Wirtschaftssenator Michael Westhagemann

Und die Strategie soll nun vieles ausgleichen?

Natürlich gibt es nicht ein singuläres Thema, um touristisch dauerhaft attraktiv zu sein. Aber die Kulturtourismusstrategie soll neben anderen Maßnahmen helfen, dass Hamburg als Reiseziel nach der Corona-Pandemie noch besser dasteht als vorher.

„Es ist wirklich schwer, einzelne Kulturangebote herauszugreifen“

Große Attraktionen wie Elbphilharmonie und Musicals strahlen bereits eine internationale Anziehungskraft aus. Welche sind die kulturtouristischen Underdogs, die mehr in den Fokus gerückt werden sollen?

Es ist wirklich schwer, hier einzelne Kulturangebote herauszugreifen. Ich nenne aber gerne ein paar Beispiele, die für ein sehr viel größeres Angebot stehen. Wer sich für klassische Musik interessiert, sollte unbedingt das Komponistenquartier in der Neustadt besuchen. In Sachen Musik braucht es wohl auch keinen Hinweis auf die Clubszene, aber ein Tipp für eine ganz besondere Location ist sicherlich die MS Stubnitz in der HafenCity.

Es wäre aber zu kurz gedacht, nur vermeintliche „Underdogs“ in der Kommunikation in den Vordergrund zu rücken. Es spielt nicht nur die Kommunikation durch Stadt und Tourismus GmbH eine Rolle, sondern auch die Notwendigkeit, dass Gäste niedrigschwellig und auf verschiedenen Wegen Zugang zu weniger bekannten Angeboten erhalten. Das kann über die Hotellerie erfolgen, durch Querverweise der Kulturstätten oder durch einen digitalen Kulturguide, der die Angebote individuell ausspielt.

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„Kein Freund davon, auf den vermeintlichen ,Mainstream‘ herabzusehen“: Michael Westhagemann Senator und Chef der Behörde für Wirtschaft und Innovation will für Kulturtourismus werben (Foto: Behörde für Wirtschaft und Innovation)

Der Kulturstadtplan kommt im Sommer 2022

Wie sähe Ihrer Meinung nach ein gelungener kultureller Städtetrip abseits des Mainstream aus?

Ich bin grundsätzlich kein Freund davon, auf den vermeintlichen „Mainstream“ herabzusehen. Die Elbphilharmonie ist für mich ein faszinierendes Erlebnis. Wer den Hafen nicht gesehen hat, hat die Seele Hamburgs verpasst und auch die Musicals sind nicht ohne Grund seit Jahrzehnten so erfolgreich. Das Besondere an Hamburg als Reiseziel ist aus meiner Sicht die ungeheure Vielfalt. Man kann die Stadt im neuen Kreativviertel Oberhafenquartier erleben oder am Elbstrand mit Blick auf die „dicken Pötte“, rund um die Binnenalster oder auf St. Pauli, im alten Fischerdorf Blankenese oder auf der Schanze. Die kulturellen Angebote sind bei Weitem zu zahlreich, um sie alle zu nennen. Es geht darum, sie unseren Gästen nahezubringen, damit diese sie für sich persönlich entdecken und erleben können.

Mit der Entwicklung eines Kulturstadtplans wird ein erster Schritt der Kulturtourismusstrategie umgesetzt. Wann können Hamburg-Touristen mit diesem Plan rechnen?

Noch in diesem Sommer.


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