Lisa Lechler: Mama und Doula von Herzen 

Lisa Lechler ist Mama eines kleinen Sohnes und seit diesem Jahr ausgebildete Doula. Sie betreut Frauen in der wohl bedeutendsten Zeit ihres Lebens. Vom positiven Schwangerschaftstest bis hin zum ersten Geburstag des Babys können Doula-Dates mit ihr vereinbart werden. Ein Gespräch darüber, was eine Doula genau macht und warum Mütter immer nach Hilfe fragen sollten
Lisa Lechler bgeleitet Frauen, in der wohl wichtigsten Zeit ihres Lebens
Lisa Lechler bgeleitet Frauen, in der wohl wichtigsten Zeit ihres Lebens (© Lisa Lechler)

SZENE HAMBURG: Lisa, viele verwechseln die Arbeit einer Doula mit der einer Hebmme: Was genau ist die Hauptverantwortung einer Doula und wo verläuft die Grenze zur medizinischen Geburtsvorbereitung? 

Lisa Lechler: Als Doula biete ich eine kontinuierliche, emotionale Stütze für werdende Mütter – von der Schwangerschaft über die Geburt und das Wochenbett bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Meine Aufgabe ist es, Raum zu geben: Raum für alle Gefühle, Fragen und Unsicherheiten, die in dieser besonderen Zeit auftauchen. Während Hebammen die medizinische Versorgung übernehmen, das Kind wiegen und seine Gesundheit im Blick behalten, ergänze ich diese Arbeit auf emotionaler Ebene. So entsteht Hand in Hand eine ganzheitliche Betreuung. Ich arbeite rein beziehungsorientiert: mit Zeit statt Termindruck und mit echter Präsenz statt schneller Musterlösungen. Vor allem begleite ich vollkommen wertfrei, denn in dieser Lebensphase gibt es kein „richtig“ oder „falsch“.

„Keine Frau sollte etwas alleine schaffen müssen“

Lisa Lechler 
„Ich stehe bedingungslos im Team der Gebärenden“: Lisa Lechler (©Lisa Lechler )

Was hat dich persönlich dazu bewogen, Frauen und Familien rund um die Schwangerschaft, Geburt und im ersten Lebensjahr emotional zu begleiten? 

Als Mutter eines kleinen Jungen haben mich nach seiner Geburt viele Erkenntnisse schlichtweg umgehauen. Rund um das Muttersein gibt es so viele Tabus – und man fühlt sich oft einsamer, als man es je erwartet hätte. Das liegt meist gar nicht am fehlenden Umfeld, sondern daran, dass die eigenen Bedürfnisse schwer in Worte zu fassen sind. Die Hormone sortieren sich neu, Emotionen stürzen auf einen ein. Gerade in der Schwangerschaft sind viele da, um Babysachen zu shoppen, und nach der Geburt stehen alle Schlange, um das Neugeborene zu bewundern. Doch dieser Trubel verfliegt. Der Alltag zieht ein, der Partner geht wieder arbeiten – und plötzlich sitzt man allein da mit einem winzigen Wesen, das noch nichts kann, während von einem selbst erwartet wird, sofort die perfekte Expertin zu sein. Ich habe mir damals gedacht, dass das irgendwie anders gehen muss. Und dann bin ich Doula geworden. 

Aus deiner Erfahrung heraus: Was ist der größte Unterschied für eine Gebärende, wenn sie während der Geburt eine durchgehende, vertraute Bezugsperson an ihrer Seite hat? 

Unter einer Geburt können viele Dinge passieren, auf die man sich vorher nicht vorbereiten kann. Das müssen gar keine dramatischen Vorfälle sein, doch manchmal geht es plötzlich sehr schnell und hektisch zu. Als Doula kann ich der werdenden Mutter in solchen Momenten ganz genau erklären, was gerade passiert. Im besten Fall haben wir vorab besprochen, was ihr wichtig ist und was sie absolut nicht möchte. So kann ich ihre Wünsche auch gegenüber dem medizinischen Personal im Raum vertreten. Ich stehe bedingungslos im Team der Gebärenden. Während einer Geburt liegt mein Fokus ganz auf ihr. Eine weitere Verbündete an der Seite zu haben, gibt vielen Frauen das Gefühl, in diesem entscheidenden Moment nicht allein zu sein.

Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen. Bitte holt euch Hilfe 

Lisa Lechler 

Wer übernimmt die Kosten für eine Doula? 

Die Kosten für eine Doula werden von den Paaren selbst getragen. Meine Zeit in Geld zu übersetzen, hat sich am Anfang ungewohnt angefühlt, besonders, weil ich meine Arbeit von Herzen gerne mache. Termine können direkt über meine Website als „Doula-Dates“ vereinbart werden. Nach einem unverbindlichen Kennenlernen entscheiden die Paare ganz flexibel, ob sie eine durchgängige Eins-zu-eins-Betreuung wünschen oder ob sie bis zum ersten Geburtstag des Kindes lieber einzelne Dates buchen möchten.

Gibt es einen Rat, den du werdenden Müttern für die Geburtsvorbereitung oder die Zeit nach der Geburt mit auf den Weg geben kannst? 

Ich finde es eine wunderschöne Vorstellung, dem eigenen Körper und seiner Kraft vollkommen zu vertrauen. Wenn man es schafft in sich zu ruhen und die Kraft des weiblichen Körpers zu spüren kann man die bevorstehende Geburt vielleicht etwas gelassener angehen. Wenn das Kind dann da ist, heißt es nicht umsonst: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen. Bitte holt euch Hilfe. Keine Frau sollte alles allein schaffen müssen, auch wenn einem auf Social Media genau das oft vorgegaukelt wird. Das Wohl der Mutter muss immer an erster Stelle stehen. Denn nur wer auf sich achtet, eigene Grenzen wahrt und auch mal durchatmen kann, hat die Kraft, eine gute Mutter zu sein und das geht nicht allein. 

Dieser Artikel ist zuerst in der Printausgabe der SZENE HAMBURG 09/26 erschienen.

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