Die Dänin Naja Marie Aidt gilt als eine der spannendsten Autorinnen und Autoren ihres Landes, und allein die Liste ihrer Auszeichnungen dürfte das bestätigen – zuletzt bekam sie den Nordischen Preis der Schwedischen Akademie verliehen. Und wie gut sie ist, beweist sie auch in ihrem neuesten Werk „Aus dem Dunkel“, das zudem thematisch eine ungemeine Aktualität mitbringt – es geht nämlich um männliche Übergriffigkeit. Die ist in Zeiten von Donald Trump, der Epstein-Files, Dominique Pelicot und Manosphere-Irrsinn leider wieder in aller Munde, und in ihrem neuen Roman schreibt sich Aidt den Frust darüber von der Seele. Im Zentrum von „Aus dem Dunkel“ steht eine Frau, Mutter dreier erwachsener Söhne, die eigentlich zufrieden sein könnte. Doch als sie den tätlichen Übergriff auf eine Frau beobachtet, dazwischengeht und dabei selbst verletzt wird, wirft sie das komplett aus der Bahn. Nicht nur wegen dieser speziellen Situation an sich, sondern weil in der Therapie, die sie daraufhin beginnt, unverarbeitete Erinnerungen wieder hochkochen: an ihren gewalttätigen Vater, den frühen Tod ihrer Schwester und einen sexuellen Übergriff, den sie selbst einmal erlitten hat. Zum Glück hat sie ein paar sehr gute Freundinnen, die ihr die Hände reichen und sie gemeinsam aus dem Dunkel ihrer Vergangenheit ins Licht hinüberretten.
Literatur
23. Mai 2026
Literaturkritik: Aus dem Dunkel

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