Literaturkritik: Die Lücken

(©Kiepenheuer & Witsch)

Im Zuge der Bücherauswahl für die Shortlist zur Verleihung des Deutschen Buchpreises hat Jurysprecherin Cornelia Geißler von der ,,Berliner Zeitung’’ gesagt: „So unsicher die Gegenwart auch sein mag, erweist sie sich doch als Nährboden für eine großartige Literatur. Die sechs Romane der Shortlist zeugen davon. Sie schärfen den Blick auf Vergangenes.“ Und genau das ist auch im Gesellschaftsroman „Die Lücken“ von Shida Bazyar der Fall, der mehr als 90 Jahre deutscher Geschichte nachzeichnet und verdeutlicht, welch immensen Einfluss das Vergangene auf die Gegenwart hat. Schauplatz von „Die Lücken“ ist der fiktive Ort Heimesbach im Hunsrück. Erzählt wird die Geschichte dabei von einer Toten, einem geflüchteten Kind, das aus dem Jenseits das Geschehen im Dorf schildert. Es berichtet von jüdischen Familien, die sich dort eine Existenz aufgebaut haben, von Nazis, die im Zuge der Machtergreifung von der Enteignung dieser Familien profitiert haben und von iranischen Familien, die Jahrzehnte später aus ihrem Heimatland nach Heimesbach geflohen sind. Letztlich geht es in „Die Lücken“ um die gesellschaftspolitische Frage, auf welchen Fundamenten man seine Heimat aufbaut. Aktueller, oder vielmehr zeitloser, geht es kaum. 

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