Baseballschlägerjahre – so bezeichnet man heute rückblickend die Neunzigerjahre in Ostdeutschland, als viele Nazis bewaffnet und prügelnd durch die Straßen zogen. Damals, nach der Wiedervereinigung, nahm der gesellschaftliche Frust immer mehr zu. Steigende Arbeitslosig- und Perspektivlosigkeit und soziale Verunsicherung brachen sich Bahn und mündeten in Fremdenhass – so wie er das ja auch heute tut, was die bedrohlich ansteigenden Umfragewerte für AfD belegt, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird. In dieser Zeit ist Don Pablo Mulemba, Sohn einer ostdeutschen Frau und eines angolanischen Vertragsarbeiters, in Brandenburg aufgewachsen. Während seine Eltern in all dem Fremdenhass keine Zukunft mehr sahen und nach Angola auswanderten, blieb Don Pablo und ging mit zwölf Jahren auf ein Sportinternat in Cottbus – als schwarzer Jugendlicher, der in einer rassistischen Umgebung seinen Weg finden musste. Über dieses Aufwachsen und die vielen Fragen, die sich an eine solche Biografie anschließen, schreibt Don Pablo und regt damit ungemein zum Nachdenken an. Und das alles vor den anstehenden Landtagswahlen, von denen wir alle hoffen, dass die Nazis dort nicht die nächsten Baseballschlägerjahre einleiten können.
Literatur
21. August 2026
Literaturkritik: Hundeheimat
Zwischen Baseballschlägerjahren und Gegenwart: Wie ein schwarzer Jugendlicher das Ostdeutschland der Neunziger erlebte

Das könnte dir auch gefallen
Abonniere unseren Newsletter!
