Butter bei die Fische
Mit der Redewendung „Butter bei die Fische“ wird das Gegenüber dazu aufgefordert, direkt und ehrlich auf den Punkt zu kommen. Das Sprichwort kommt aus der norddeutschen Küche, vermutlich aus dem Hamburger Raum. Fisch wurde früher traditionell mit einem Stück Butter serviert. Diese wurde meist erst zum Schluss dazugegeben, damit sie nicht zu schnell schmilzt. Erst wenn sich die Butter auf dem Fisch befand, galt das Gericht als fertig. Daher die Redewendung „Butter bei die Fische“.
Bist’n büschn mucksch heute?
Diese Frage stellen Norddeutsche, wenn ihr Gegenüber traurig, verärgert oder genervt wirkt. Mucksch ist dabei der umgangssprachliche Ausdruck für beleidigt oder schlecht gelaunt. Gemeinsam bedeutet der Satz also so etwas wie „Hast du heute schlechte Laune?“ und ist die liebevolle norddeutsche Art, zu fragen, ob alles okay ist.
Dat löpt sich allens torecht!
Um Zuversicht oder eine Art Optimismus auszudrücken, wird in Norddeutschland der plattdeutsche Ausdruck „Dat löpt sich allens torecht“ genutzt. Dieser Satz bedeutet, wie man sich vielleicht schon denken kann, dass sich schon alles zurechtlaufen wird, also dass bestimmt wieder alles gut wird. Diese Redewendung lässt sich dabei perfekt mit der Frage „Bist’n büschn mucksch heute?“ kombinieren, und so hat man bereits eine komplette Unterhaltung auf Norddeutsch geführt.
Hummel Hummel, Mors Mors
Der Ausruf „Hummel, Hummel – Mors, Mors“ ist ein typischer Erkennungsruf aus Hamburg. Dabei ruft eine Person „Hummel, Hummel“, worauf traditionell mit „Mors, Mors“ geantwortet wird. Der Ursprung dieses Spruchs wird ins 19. Jahrhundert auf den Wasserträger Johann Wilhelm Bentz zurückgeführt, der unter dem Spitznamen „Hans Hummel“ bekannt war. Der Überlieferung nach wurde er von Kindern gehänselt, die ihm „Hummel, Hummel“ hinterherriefen. Genervt soll er daraufhin mit „Mors, Mors“ geantwortet haben, ein plattdeutsches Wort für „Hintern“. Sinngemäß entspricht seine Reaktion also einer derben Abwehr wie „Leckt mich am Arsch“. Heute hat sich die Bedeutung gewandelt: Der Ruf wird oft als humorvolle Begrüßung unter Hamburgern verwendet oder als Schlachtruf von Fans des Hamburger SV, besonders wenn im Stadion ein Heimtor fällt.
Ja denn man tau!
Auch durch dieses Sprichwort wird deutlich, dass die Vorfahren der Norddeutschen richtige Zupackerinnen und Zupacker gewesen sein müssen. Der Spruch kommt aus dem Plattdeutschen und bedeutet so viel wie „Ja dann mal los“ oder „Ran an die Arbeit“. „Ja denn man tau“ fordert dazu auf, Dinge anzupacken, und ist eine Art Startschuss, mit der Arbeit oder mit einer anderen Tat zu beginnen. Zurückzuführen ist diese Redewendung wahrscheinlich auf einen Schlachtruf bei kriegerischen Auseinandersetzungen.
Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken
Die Herkunft und Bedeutung dieses Sprichwortes dürfte wenige überraschen. Der ursprünglich plattdeutsche Satz ist eine Art Trinkspruch. Es wird dazu aufgefordert, nicht lange zu reden, sondern den Schnaps sofort zu trinken. Die Redewendung stammt vermutlich aus den Hamburger Hafenkneipen und wurde von Hafenarbeitern und Seeleuten genutzt. „Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken“ verweist dabei auf eine typisch norddeutsche Tradition: nicht viel reden, einfach machen.
Wind ist, wenn die Schafe keine Locken mehr haben
Diese nordische Weisheit weist auf das wetterfeste Gemüt der Norddeutschen hin. Das Sprichwort besagt, dass ein Sturm im Norden erst dann als wirklich extrem gilt, wenn der Wind den Schafen das Fell glatt bläst. Alles darunter wird eher gelassen als „’n büschen Wind“ abgetan. Natürlich ist das nicht wörtlich zu verstehen: Ein Schaf mit komplett glatt gewehtem Fell hat man an der Küste selbst bei starkem Sturm noch nicht gesehen. Vielmehr drückt die Redewendung den typisch norddeutschen Umgang mit rauem Wetter aus, nämlich eine gewisse Gelassenheit und die Tendenz, auch kräftigen Wind nicht überzubewerten.

