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Diskurs im Park

Sidney Logan, 17, ist das jüngste Mitglied bei Park Fiction. Das Kunst- und Nachbarschaftsprojekt wurde Mitte der 90er von St. Paulianern erdacht, geplant und durchgesetzt

Interview & Foto: Markus Gölzer

SZENE HAMBURG: Sidney, wer seid ihr, was sind eure Ziele?

Sidney Logan: Wir sind ein Team von zehn bis 15 Leuten in allen Altersgruppen. Von 17 bis 80. Es geht meistens darum, Probleme im Park gemeinsam zu lösen, Raum für Diskurs zu öffnen. Ich finde es schön zu sehen, wie gut die Menschen zusammenarbeiten, nur mit dem Gedanken, für die Community einen Raum zu schaffen. Ohne Geld zu bekommen.

Eine „Lärm im Park“-Initiative hatte sich an die Bezirksversammlung gewandt und Beschlüsse bewirkt, um die „Dauerparty“ einzudämmen.

Ich finde es problematisch, dass Einzelpersonen mit der kommunalen Politik sprechen und nicht alle Menschen auf einer Ebene zusammen reden. Wie es der Kern von Park Fiction ist: Gemeinsam anpacken, ohne eine Institution dazwischen kommen zu lassen. Es gibt die Forderung nach mehr Polizei. Ich meine, da kommt schon Polizei im Zehn-Minuten-Takt.

„Wir wenden uns an Menschen, versuchen deren Bedürfnisse rauszufinden“

Sidney Logan

Wie wollt ihr den Konflikt lösen?

Mit Park Fiction 2 auf dem Uferstreifen unterhalb von Park Fiction, um den Lärm zu verlagern. Wir haben eine Wunschproduktion gestartet und den sogenannten parallelen Planungsprozess: Wir wenden uns an Menschen, versuchen deren Bedürfnisse rauszufinden. Parallel sind wir im Kontakt mit den Behörden. Die Wunschproduktion arbeitet mit Tools, die teilweise sehr spielerisch sind. Damit auch Kinder mitmachen können.

Wir versuchen, inkludierend zu sein für Leute, die nicht so gut Deutsch können. Wir haben Knete und Arbeitsbögen, auf die man seine Vorstellungen malen kann. Es gibt ein schwarzes Blatt mit Neonstiften, die Nachtkarte: Wie soll der Park bei Nacht aussehen? Es geht nicht darum, einfach zu fragen: Was wollt ihr? Sondern: Überleg dir mal einen Ort, an du dich so richtig wohlgefühlt hast. Wie können wir dir dieses Gefühl auch hier geben? Wir haben schon 600 Planbögen verteilt und ausgewertet.

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Palmen aus Plastik im Park Fiction (Foto: Artur Tumasjan via Unsplash)

Was machst du sonst so?

Ich bin ein Teenager in Corona-Zeiten. In den letzten beiden Jahren hatte ich viel Zeit für mich selber. Ich habe an dem Feinschliff meiner Vision gearbeitet. Ich bin stark interessiert an Fashion und Street-Art und der Verbindung dazwischen. Popculture, Rap, büschen an Beats rumschrauben auf Ableton. Ich möchte mein eigenes Magazin für Subkulturen machen.

Im Moment arbeite ich an einem Projekt mit einem alten Schulkumpel für 3-D-Kunst. Ich habe viele Schnapsideen, die jeder Jugendliche hat, wenn er durch die Straßen läuft. Mir gefällt die Vorstellung: Mein menschlicher Körper wird irgendwann nicht mehr da sein, aber der Park und meine Klamotten existieren noch. Oder sie schwimmen im Ozean. In den Bäuchen von Meerestiermutanten.

Du warst 15, als Corona losging. Wie war das für dich?

Ich finde es sehr verwirrend. Es wird einem immer eingeredet: Du bist als Jugendlicher am härtesten betroffen, voll schlimm und so. Dann sitzt man mit seinen Freunden so rum und denkt sich: Ja, eigentlich haben sie schon recht. Aber wenn ich zurückdenke zum Anfang von Corona, wie es mir damals ging, was ich so gemacht habe, komme ich jedes Mal auf eine andere Antwort. Es war nicht nur schlimm. Ich fand manches gut.

Heute ist alles kontrolliert, überall stehen Überwachungskameras, jeder muss funktionieren. Ich dachte mir, Ah okay. Deutschland geht’s auch mal schlecht. Weil wir ja sonst so schön verwöhnt werden. Das war ganz lustig für mich. Vielleicht ist es eine Karmaschelle von Mutter Natur. Aber natürlich war es schlimm, dass man nicht auf Partys oder so gehen konnte. Das war, wie alle sagen, eine der nervigsten Sachen.


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