Abfahrt: Hamburger Stationen früher und heute 

Einsteigen, aussteigen, zwischendurch mal länger, mal kürzer warten: So erleben Hamburgerinnen und Hamburger die Zeit an U- und S-Bahnhöfen. Wir haben einigen Haltestellen ein Porträt gewidmet, angereichert mit historischen Bildern und den Besonderheiten der Stationen
1931
1931 (©Hamburger Hochbahn AG) 

Schlump (U2, U3): Knotenpunkt mit Geschichte 

Die Haltestelle Schlump, deren Name auf das niederdeutsche Wort für „Sumpf“ zurückgeht – war ursprünglich Teil der Hamburger Ringlinie. Ab 1913/14 zweigte von hier aus zudem die Strecke nach Eimsbüttel ab. Nachdem das historische Stationsgebäude im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden war, ersetzte man es 1954 durch einen Neubau im Stil der Nachkriegsmoderne. Im Jahr 1966 folgte der Umbau zu einer zweigeschossigen Anlage, die fortan als wichtiger Knotenpunkt für die Linien U2 und U3 diente. Das bis heute prägende Empfangsgebäude samt kleiner Ladenzeile wurde im Stil des Funktionalismus gestaltet. 

Heute ist der U-Bahnhof Schlump ein wichtiger Knotenpunkt in Hamburger Nahverkehr (©Erik Brandt-Höge) 
(©Erik Brandt-Höge) 
(©Hamburger Hochbahn AG) 
(©Hamburger Hochbahn AG) 
(©Hamburger Hochbahn AG) 
(©Hamburger Hochbahn AG) 
1968 (©Hamburger Hochbahn AG) 

Jungfernstieg (U1, U2, U4, S1, S3, S7): Nah am Wasser gebaut

Kennt jede Hamburgerin und jeder Hamburger, ist beliebter Anlaufpunkt für Hamburg-Besuchende und, ach, einfach eine Hamburger Institution: der Jungfernstieg. Seit jeher wird am Ufer der Binnenalster geguckt, geshoppt, gepost, spaziert und entspannt. Ein Areal für die Masse. Wer mit den Öffis kommt, nutzt entweder eine der drei dort fahrenden U-Bahnlinien, die S1, S3 oder die S7. Provisorisch eröffnet 1931 und richtig drei Jahre später – unter anderem matschiger Baugrund verzögerte das Ganze – hatte und hat die Station nicht bloß eine exklusive Lage, sondern war einst auch ausstattungstechnisch ganz weit vorne. Nie zuvor hatte man an Hamburgs Haltestellen eine Rolltreppe gesehen.

So sieht es im U-Bahnhof Jungfernstieg heute aus (©Foto: Agata Kadar/Adobe Stock)
1931 (©Hamburger Hochbahn AG) 
1931 (©Hamburger Hochbahn AG) 
1934 (©Hamburger Hochbahn AG) 
1934 Foto: Hamburger Hochbahn AG 

Kellinghusenstraße (U1, U3): die große Umsteigerei

Mal ein Beispiel: Man steigt am Schlump in die U3, der Zielbahnhof ist Ohlsdorf. Bedeutet: Umsteigen an der Kellinghusenstraße in die U1. Anderes Beispiel: Die Fahrt startet in Barmbek mit der U3 und es geht bis zur Hallerstraße. Heißt: Umsteigen an der Kellinghusenstraße in die U1. Es könnten zig weitere Fahrten aufgezählt werden, bei denen ein Stopp an der Eppendorfer Station unumgänglich ist. Der Knotenpunkt der beiden erwähnten Linien hat aber nicht bloß die Besonderheit, dass dort täglich Zehntausende die Bahnen wechseln. Der U-Bahnhof Kellinghusenstraße hat einen gut sortierten Kiosk, einen Fotoautomaten, ein Fahrradparkhaus mit Platz für satte 600 Räder und seit 2012 auch zwei Aufzüge, im Zuge deren Einbaus die Haltestelle denkmalgerecht saniert und barrierefrei wurde.

Die Kellinghusenstraße ist Knotenpunkt für zahlreiche STrecken innerhalb Hamburgs (©Erik Brandt-Höge)
(©Hamburger Hochbahn AG )
(©Hamburger Hochbahn AG )
(©Hamburger Hochbahn AG )
(©Hamburger Hochbahn AG )

Mümmelmannsberg (U2): Anschluss gefunden

Großwohnsiedling ohne Schnellbahnanschluss? Muss man heute erst mal drauf kommen. In den 1970er-Jahren war das im Falle von Mümmelmannsberg genauso gedacht. Gab ja Autos. Umgeplant wurde erst später: 1990 eröffnete der U-Bahnhof im Hamburger Osten und bot den damals mehr als 20.000 Bewohnerinnen und Bewohnern drum herum einen zügigen Zugang zum Rest der Stadt. Die bautechnische Gestaltung war übrigens ein Grund für den Architekten- und Ingenieurverein Hamburg, die Station noch im selben Jahr zum „Bauwerk des Jahres“ zu machen.

(©Wolfgang Weiser/Unsplash)
1990 (©Hamburger Hochbahn AG) 
1990 (©Hamburger Hochbahn AG) 

Ochsenzoll (U1): Busanschluss und Alsternordbahn

Im Zuge der geplanten U-Bahn-Verlängerung nach Garstedt kam es 1963 zu tiefgreifenden Veränderungen an der Station: Das ursprüngliche, historische Backsteingebäude wurde abgerissen, um Platz für einen zeitgemäßen Neubau zu schaffen. Neben dem neuen Stationsgebäude wurde auch die Infrastruktur umfassend optimiert. So verbreiterte man den Bahnsteig auf komfortable elf Meter und legte neue, direkte Zugangswege an. Dadurch konnten Fahrgäste die Busanschlüsse fortan sicher und bequem erreichen, ohne erst die Straße überqueren zu müssen. Das neue Zugangsgebäude wurde schließlich am 18. September 1964 feierlich in Betrieb genommen. Darüber hinaus war die Haltestelle in den Jahren von 1953 bis 1967 ein wichtiger Verknüpfungspunkt, da hier direkter Anschluss an die Alsternordbahn bestand.

1972 (©Hamburger Hochbahn AG) 
1964 (©Hamburger Hochbahn AG) 
(©Erik Brandt-Höge)

Ottensen (S1): Die Neue 

Die meisten Hamburger S- und U-Bahnstationen bestehen bereits seit Jahrzehnten. Selten kommen neue dazu. Die neueste: die S-Bahn-Haltestelle Ottensen. Seit dem 31. Mai 2023 schließt sie die Lücke zwischen Altona und Bahrenfeld. Keine langen Fußmärsche mehr, keine Busfahrten. Geht nun alle bequem per Bahn. Die jüngste Station der Stadt wird nicht zuletzt von Theater-Fans gern angenommen. Wer Tickets für ein Stück im Thalia Gaußstraße hat, kann nahezu direkt vor den Türen des Hauses halten.

Volksdorf (U1): Landhausdesign in Hamburgs Nordosten 

Die von Eugen Göbel gestaltete Haltestelle Volksdorf nahm bereits 1918 provisorisch den Betrieb auf, bevor am 6. September 1920 die reguläre Eröffnung folgte. Unter den Stationen der Walddörferbahn nimmt sie eine architektonische Sonderstellung ein: Als einzige hebt sie sich bewusst vom sonst üblichen Einheitsstil im Landhausdesign ab. Ein historisches Detail hat die Zeiten überdauert: In der Eingangshalle ist bis heute ein Pfeiler in seiner originalen Gestaltung erhalten geblieben.

(©Hamburger Hochbahn AG) 
(©Hamburger Hochbahn AG )
(©Erik Brandt-Höge)

Diebsteich (S2, S3, S5): Frisch saniert und in Vergrößerung

Zwölf Jahre ist es her, als die Deutsche Bahn die Verlegung des Fern- und Regionalbahnhofs Hamburg-Altona verkündete. Knapp zwei Kilometer weiter nördlich sollte bis 2029 der neue Standort entstehen, genauer an der S-Bahn-Station Diebsteich. Bedeutete, es musste gebaut werden. Bis zum ersten Spatenstich dauerte es noch eine Weile, den gab es erst 2021. Noch ein Jahr später folgte die Sperrung des S-Bahnhofs Diebsteich im Rahmen dessen Sanierung. Mittlerweile halten und fahren dort wieder die S2, S3 und S5 und die Haltestelle ist barriereferei. Bleibt noch die Frage: Was wird aus dem Areal des jetzigen Fern- und Regionalbahnhofs in Altona? Da werden die Gleise sowie die oberirdische Anlage zurückgebaut, damit 1900 Wohneinheiten kommen können.

(©Historische S-Bahn Hamburg e. V.)

Bergedorf (S2, S7): der Alte

Der S-Bahnhof Bergedorf ist, wenn man so möchte, das zeitliche Gegenstück zum S-Bahnhof Ottensen. Also der älteste S-Bahnhof der Stadt. Wobei es hier zu differenzieren gilt. Denn genau genommen war der 1842 entstandene Alte Bahnhof Bergedorf der erste seiner Art. Allerdings hatte dieser bereits vier Jahre später ausgedient, als einige Hundert Meter weiter ein neuer Bahnhof entstand, der für die Berlin-Hamburg-Bahn genutzt wurde. Bis heute pendeln von dort aus täglich Tausende ins Stadtzentrum. Ein bisschen Alter Bahnhof Bergedorf ist übrigens erhalten geblieben. Das seit 1942 unter Denkmalschutz stehende Empfangsgebäude ist weiterhin zu bestaunen.

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