Beiträge

Die Regierung in Berlin steht – Brosda bleibt in Hamburg

Der Hamburger Kultursenator Dr. Carsten Brosda bleibt in der Hansestadt und wechselt nicht als Kulturstaatsminister nach Berlin

Text: Felix Willeke

 

In den letzten Wochen war viel spekuliert worden: Der Hamburger Senator für Kultur und Medien könnte als Kulturstaatsminister – und damit Nachfolgerin der CDU-Politikerin Monika Grütters – nach Berlin wechseln. Dies ist jetzt aber ziemlich sicher vom Tisch. „Ich erinnere mich daran, dass ich Ihnen schon Anfang September sagte, dass ich auch künftig unter der Hamburger Vorwahl erreichbar sei. Die Perspektive ist schön“, schrieb Brosda auf Twitter auf die Frage eines Journalisten des Deutschlandfunks.

Im Koalitionsvertrag steht darüber hinaus: „Die Staatsministerin für Kultur und Medien stellt Bündnis 90 / Die Grünen.“ Damit bliebe der SPD-Politiker Brosda der Hamburger Kultur erhalten.

 

Meinungen

 

Schon vor dieser Entscheidung betonte Helge Albers, Geschäftsführer der MOIN Filmförderung, wie gerne er mit Senator Brosda zusammenarbeitet. Und Filmfest-Leiter Albert Wiederspiel bezeichnete ihn erst kürzlich in einem Podcast als den „klügsten Kultursenator der Welt“. „Alle“, so Wiederspiel, „beneiden uns um ihn.“

Dr. Carsten Brosda ist seit 2017 Senator für Kultur und Medien in Hamburg – er folgte damals auf die 2016 verstobene Barbara Kisseler. Seit November 2020 ist er zudem Präsident des Deutschen Bühnenvereins. Die offizielle Bestätigung seines Verbleibs steht unterdessen noch aus.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares 2021 verliehen

Am 1. November 2021 wurde der Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares verliehen. In sechs Kategorien gingen die begehrten Preise an sieben Theaterschaffende und eine Institution 

 

Roter Teppich, große Bühne und fröhliche Gesichter. Am 1. November 2021 wurde im Opernloft der Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares verliehen. Der Preis ist mit jeweils 1.000 Euro dotiert, inklusive eines personalisierten Montblanc-Füllers.

 

Herausragende Darsteller:innen

 

Eva Mattes wurde für ihre Rolle in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ ausgezeichnet (Foto: Matthias Horn)

Eva Mattes wurde für ihre Rolle in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ ausgezeichnet (Foto: Matthias Horn)

Als herausragende Darsteller:innen wurden 2021 Ines Nieri für ihre Inszenierung „Tyll“ (nach dem Roman von Daniel Kehlmann) am Ernst Deutsch Theater und Thomas Niehaus vom Ensemble des Thalia Theaters für seine Rolle des Ingwer Feddersen im Stück „Mittagsstunde“ geehrt. Ein weiterer Preis ging an Eva Mattes für ihre Darstellung der Kirke in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück zur Pandemie „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.

 

Digitale Projekte ausgezeichnet

 

Wegen der langen Zeit ohne offene Theater, gingen zwei Preise an digitale Inszenierungen. Helge Schmidt wurde für seine Inszenierung „Tax for free“ am Lichthof Theater ausgezeichnet, ein Projekt das im Rahmen des Formats #lichthof_lab entstanden ist. David Bösch, Patrick Bannwart und Falko Herold bekamen die Auszeichnung für ihr filmisches Gesamtkunstwerk „Weisse Rose“ an der Staatsoper Hamburg.

Der Sonderpreis ging in diesem Jahr an die Behörde für Kultur und Medien. Die Jury begründete die Auszeichnung mit der durchgehenden Unterstützung der Theater in Zeiten der Pandemie: „Hamburg hat dafür viel Geld in die Hand genommen, es wurde unbürokratisch gehandelt, dazu gab es Beratung in jeder Lage, zu jeder Zeit, und immer auch vom Senator Dr. Carsten Brosda selbst. Die Theater in Hamburg fühlten sich verstanden und sehr gut aufgehoben“.

Die Highlights der Verleihung mit allen Preisträger:innen gibt es ab dem 2. November 2021 um 19 Uhr auf theaterpreis-hamburg.org und auf dem YouTube-Kanal des Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

„Jetzt erst recht“: 11. Hamburger Club Awards

Am 25. August 2021 wurden die 11. Hamburger Club Awards verliehen, zum ersten mal Open Air im Schrødingers am Schanzenpark – mit glücklichen und verdienten Preisträger:innen

Text: Felix Willeke

 

Herrschte bei den 10. Hamburger Club Awards im Januar 2020 noch Aufbruchsstimmung, stand die 11. Ausgabe unter ganz anderen Vorzeichen: Kaum eine Branche wurde von der Pandemie derartig getroffen und ausgebremst wie die Kultur- und Clubszene. Deswegen fanden die 11. Hamburger Club Awards auch unter dem Motto „Jetzt erst recht“ statt. 2021 wurden Preise in fünf Kategorien vergeben: Bester Live-Stream 2020/2021, Bestes Open-Air-Event 2020/2021, Sonderpreis, die zerbrochene Gitarre und der Ehrenpreis.

 

Die Gewinner:innen

 

Der Sonderpreis ging 2021 an das Schrødingers im Schanzenpark; Foto: Charles Engelken

Der Sonderpreis ging 2021 an das Schrødingers im Schanzenpark; Foto: Charles Engelken

All Hands on Deck sicherte sich den Award für den besten Live-Stream 2020/2021. Am 22. Mai 2021 spielte das Kollektiv den ganzen Tag auf dem Hausboot von Fynn Kliemann und Olli Schulz, „eine bunte Mischung aus Musik, Interviews und Spaß“, so die Begründung der Jury. Außerdem wurden im Rahmen der Veranstaltung auch Spenden für #handforahand und #coronakuenstlerhilfe gesammelt.

Das Beste Open-Air-Event 2020/2021 fand laut der Jury in Planten un Blumen statt. Die Reihe Draussen im Grünen räumte den Preis ab. Im Musikpavillon der Parkanlage finden und fanden 2020 und 2021 Konzerte statt, die „die Fläche in Planten un Blomen neu denken, erschließen und mit einem breiten kulturellen Leben füllen“, so die Jury. Der Sonderpreis wurde ebenfalls von der neunköpfigen Expert:innen-Jury vergeben und ging an das Schrødingers im Schanzenpark. Die Jury würdigte neben dem Live-Spielort auch das „vielfältige gesellschaftliche Engagement des Teams rund um Claudia Mohr und John Schierhorn“, wie beispielsweise die wöchentliche Essensausgabe für bedürftige Menschen und das Fungieren als betreutes Zeltlager für wohnungslose Menschen im Winter.

 

Der Ehrenpreis und die zerbrochene Gitarre

 

Der Negativpreis die zerbrochene Gitarre ging 2021 an das Tanzverbot in der Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in der Freien und Hansestadt Hamburg; Foto: Charles Engelken

Während die ersten drei Preise mit Preisgeldern von ingesamt 1.000 Euro dotiert waren und in Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien vergeben wurden, vergab das Clubkombinat mit dem Ehrenpreis und dem Negativpreis „die zerbrochene Gitarre“ auch zwei eigene Awards. Der Ehrenpreis ging dabei an die Behörde für Kultur und Medien und wurde stellvertretend durch den Kultursenator Carsten Brosda entgegengenommen. Damit würdigt das Clubkombinat die Arbeit der Behörde, die mit Förderprojekten wie dem Kultursommer  maßgeblich dazu beitragen, „dass Clubkultur in Corona Zeiten noch eine Überlebenschance hat“, so die Begründung.

Der Negativpreis „die zerbrochene Gitarre“ ging an das Tanzverbot in der Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in der Freien und Hansestadt Hamburg. In seiner Begründung sagt das Clubkombinat unter anderem, dass aus seiner Sicht Tanzveranstaltungen unter Einhaltung von AHA-Regeln möglich sind, ohne hierbei den Gesundheitsschutz zu vernachlässigen.

 

Stimmen

 

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, lobte: „Diese besondere Ausgabe des Club Awards zeigt, wie wichtig die Clubkultur für Hamburg ist. Die Hamburger Clubszene prägt ganz wesentlich die Kulturstadt Hamburg. Der diesjährigen Ehrenpreis ist Ansporn, sich weiterhin gemeinsam für die vielfältige Kultur in Hamburg zu engagieren. Wir werden weiter miteinander im Gespräch bleiben, um sinnvolle Regelungen zu finden, mit denen das Infektionsrisiko begrenzt wird, die Kultur aber auch wieder wirklich aufleben kann. Vor allem aber kommt es jetzt darauf an, dass sich möglichst viele impfen lassen.“ Kai Schulz, 1. Vorsitzender des Clubkombinat Hamburg e.V., sagte: „Dass wir den Club Award in dieser Sonderausgabe veranstalten, ist für uns ein wichtiges Zeichen. Clubs sind Kultur – die viele Arbeit und das persönliche Engagement gilt es zu würdigen.”


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

In der Sommerpause – 3 Fragen an Nils Wendtland

Das Schauspielhaus schließt bereits im Mai seine Türen. Warum das notwendig ist und wo dennoch einige Produktionen zu sehen sind, erzählt der Pressesprecher.

SZENE HAMBURG: 2012 wurde das Schau­spielhaus das letzte Mal saniert, jetzt ab Mai stehen erneut Sanierungs­arbeiten an. Warum?
Nils Wendtland: Die beiden Ränge des knapp 120 Jahre alten Zuschauersaals müssen vollständig entkernt und statisch verstärkt werden. Eine Stabilisierung der Ränge ist dringend notwendig, um den schönen Saal auch für die nächsten 120 Jahre spielfähig zu halten. Der Saal wird damit an die Erfordernisse der heutigen Aufführungspraxis angepasst und lässt in Zukunft eine wesentlich dynamischere Nutzung zu. Die Sanierung erfolgt natürlich denkmalschutzgerecht, unsere Besucher werden daher später keine optische Veränderung feststellen. Parallel dazu sollen die sanitären Anlagen saniert sowie Teppichböden und Tapeten erneuert werden.

Dadurch können von Mai bis Oktober keine Aufführungen im Haus statt finden. Inwieweit machen sich die fehlen­ den Einnahmen durch den Kartenverkauf für das Haus bemerkbar?
In den genannten Zeitraum fallen ja auch die regulären Sommerferien (Betriebsferien) des Theaters sowie üblicherweise drei Wochen für technische Einrichtung und Endproben der Eröffnungspremieren. Der Spielbetrieb in der Kirchenallee verkürzt sich daher effektiv um 14 Wochen. In dieser Zeit sind wir mit vielen Gastspielen unterwegs, sowohl hier in Hamburg als auch europaweit. Damit erzielt das Schauspielhaus einen Teil seiner Einnahmen. Den Rest kompensiert die Behörde für Kultur und Medien verteilt auf zwei Spielzeiten im Rahmen ihrer Zuwendungen.

Was machen die Mitarbeiter und das Ensemble während der langen „Zwangspause“?
Wir arbeiten natürlich weiter, von einer „Pause“ kann nicht die Rede sein! Insgesamt sieben Produktionen des Deutschen Schauspielhauses und des Jungen Schauspielhauses sollen auf Tour gehen. Die derzeitige Planung sieht Gastspiele unter anderem in Berlin, Mülheim, München, Wien, Gütersloh, Dresden, Fürstenfeldbruck, Amsterdam, Brünn und Moskau vor. Und dazu kommen die Vorstellungen hier in Hamburg im Monsun Theater, auf Kampnagel, im Hotel „Stadt Altona“ und in der Immanuel-Kirche auf der Veddel. Parallel dazu laufen die Proben für die Premieren der nächsten Spielzeit. Da haben sowohl die technischen Gewerke als auch das Ensemble alle Hände voll zu tun.

Interview: Hedda Bültmann


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!