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Bedrohte Räume #38 – Der Investoren-Blues des Sommers

Holsten knallt immer noch am dollsten!

Foto (o.): Holsten Brauerei

Sie sind im Sommerblues? Sie haben wirklich überhaupt keine Lust mehr auf ihre Wetter-App? Auf kreischende Teenies auf der Barkassenfahrt oder 2-jährige Greenhörnchen mit iPad im Kaifu Schwimmbad? Dann geht es Ihnen wie mir. Auch ich finde Ferien genauso doof, wie Schlagermove oder Harley Days. Aus diesem Grunde verweigere ich mich den Ferien und gehe der Frage nach, was uns Hamburgers eigentlich am ultimativ wichtigsten ist im Leben? Nein, Kinder sind es nicht! Urlaub, E-Roller oder Segway fahren? Sie liegen da- neben! Mit Häusle baue, Heirat oder Instagram landen Sie sogar vollkommen im Abseits! NOPE! ES IST BIER TRINKEN! BIER, BIER UND NOCH MAL BIER! Wir Hamburger lieben es zu gluckern, zu süffeln und zu schnasseln! Am liebsten morgens das Stützbier, mittags ’n kleines Helles und ab 18.00 Uhr Pils, Craft oder Kölsch – wir schwanken halt gern.

Wer als Bewohner dieser Stadt eins und eins zusammenzählen kann, weiß genau: bei BIER denken wir an Holsten oder Astra, egal, ob Mama jetzt „in Craft Beer“ macht oder nicht. Holsten knallt immer noch am dollsten. Das ist unsere Muttermilch, davon bringt uns keiner ab. Deshalb mögen wir auch das schöne große Holsten-Areal, von dem es all die Jahre so säuerlich nach Maische, Hopfen oder Gerste roch, all das haben wir ertragen, weil wir wussten: Morgen ist die Pfütze in der Flasche und wir wieder blitzeblau. Die Profis unter uns haben damals sogar am Zaun gestanden und sehnsüchtig in die alte Schwankhalle geblinzelt, bis das Gebräu verzapft war. Ach, ja, die alte Schwankhalle, das Sudhaus und all die schönen Funktionsgebäude des Holsten-Areals, die uns den süßen Saft bescherten, alles pure Nostalgie.

2019 sehen die Biergeschichte und das Areal nämlich schon ganz anders aus. Das alte Holstengelände ist heute das bedeutendste Stadtentwicklungsprojekt Hamburgs. Statt Bier werden hier jetzt 822 Millionen Euro bewegt, indem 1.400 Wohnungen, Gewerbeflächen, Community-Center und ein Hotel entstehen. Doch Investor SSN Development und Projektentwickler sind stinkesauer, denn genau dort, wo sie das Hotelchen geplant hatten, darf unsere wunderschöne 1911 erbaute Schwankhalle als frühes Kleinod des Eisenbetonbaus stehen bleiben. Kulturbehörde und Denkmalschutz haben sich für sie in die Bresche geworfen und in letzter Sekunde unter Denkmalschutz gestellt. Uff ! Das war knapp.

Nun aber geht das Gemecker los. „Das wussten wir vorher nicht! Ein neues Konzept können wir uns nicht leisten! Wie soll das denn gehen?“ Und statt die kleine Schwankhalle einfach klug in das Projekt zu integrieren, wird ein teures Ingenieursgutachten in Auftrag gegeben, um zu prüfen, ob die Halle vielleicht doch lieber baufällig sein soll und Altonas CDU-Fraktionschef Hielscher geht sogar so weit, dass er eine neue Planung im Bereich der Halle für vollkommen unmöglich hält!

Meine Damen und Herren Investierende, liebe CDU: Wir fliegen zum Mond! Ursula von der Leyen ist EU-Kommissionspräsidentin und Paul McCartney und Ringo Starr sind wieder gemeinsam auf der Bühne. Und sie wollen uns erzählen, dass es unmöglich sei, die kleine Schwankhalle zu erhalten? Schauen sie doch einmal nach Bremen, ja, ich sage Bremen und meine es auch: Deren große Schwankhalle ist als Labor und Arbeitsraum für lokale, nationale und internationale Projekte ein Knüller. Sie ist ein Künstlerhaus, in dem Künstler Zeit, Raum und Unterstützung für transdisziplinäre und selbstbestimmte Recherche, Fortbildung und Entwicklung bekommen. Sie ist auch Theater, Radiostudio, Probebühne und Gästewohnung.

Kultur auf historischem Gelände ist mehr als nur eine Option, es ist eine Notwendigkeit. Kulturhistorisch bedeutsame Industriegebäude zu retten, sollte Ihnen ein wichtiges Anliegen sein und damit wäre diese schöne Überraschung der Behörde, dass ein weiteres architektonisches Kleinod gerettet werden kann, für Sie eine geliebte Herausforderung, die zu bewältigen Sie jawohl imstande sind! Stoppen sie das Gejammer, krempeln sie die Ärmel hoch, um der schönen Schwankhalle zu neuem Glamour zu verhelfen und gluckern Sie diesen Sommer mal ein bis zwei Holsten. Die knallen auch bei Betriebsblindheit am dollsten.

Eure Raumsonde

Andrea


Who the fuck is…

Andrea Rothaug Szene Hamburg Stadtmagazin

Foto: Katja Ruge

Andrea Rothaug ist eine musikalische Raumsonde mit Hang zum Wort, Kulturmanagerin, Autorin, Dozentin, Veranstalterin, Präsidentin. Was diese Frau so alles treibt, erfahrt ihr unter www.andrearothaug.de


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Frischeparadies: Koch-Workshops von Cevice bis Käsekunde

Im Markthallen-Bistro-Konzept Frischeparadies macht nicht nur der Wocheneinkauf richtig Spaß – die spannenden Workshops liefern außerdem Profiwissen zur Zubereitung von Küchenklassikern und Trend-Food. Diese Kurse erwarten euch noch in diesem Jahr

Texte: Laura Lück
Foto (o.): Frischeparadies

 

Ceviche

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Foto: Silvia Trigo via Unsplash

Wer das Trendgericht Cevice und seine Geschichte verstehen will, kann in diesem Workshop drei Variationen der typisch peruanischen Vorspeise kennenlernen. Für rohen Fisch ist das Frischeparadies die richtige Adresse – vor der Heimfahrt unbedingt noch an der Fischtheke Halt machen!

17.7. + 16.10.2019


Brot backen

Rein in den Teig! Schmutzig machen ist hier erwünscht – ohne am Ende die heimische Küche schrubben zu müssen. Statt des Putzlappens schwingen die Teilnehmer auf dem Heimweg die volle Brottüte. Außerdem nehmen sie Back-Skills für drei bis vier Sorten mit nach Hause. Vorher gibt es noch eine gemeinsame Brotzeit.

19.7. + 11.10.2019


Käse Spezial

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Foto: Rebecca Orlov via Unsplash

Hier dreht sich alles um die Königsklasse des Käsesorten. Kursbesucher verkosten Brie de Meaux und ganz besondere Kreationen, die zum Beispiel mit Asche, Kräutern oder Alkohol versetzt sind. Der Mix ist bunt und kommt mit passendem Wein auf den Tisch.

7.8.2019


Street Food Latin

In fünf Gängen kann man hier die kulinarische Vielfalt Lateinamerikas erleben. Koch Stephen ist in Paraguay aufgewachsen, interpretiert Klassiker von Brasilien bis Argentinien neu und erklärt typisch südamerikanische Aromen, die später auch in der eigenen Küche gelingen.

9.8. + 25.10.2019


Krusten- und Schalentiere

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Foto: Frischeparadies

Eine klassische Lehrstunde: Wie werden Austern, Scampi, Hummer und Co. richtig zubereitet? Wie isst man sie möglichst elegant? Keine Sorge, nach diesem Kurs gibt’s nie wieder Panik und Blamagen!

14.8. + 2.10.2019


Schaumwein

Mit Matthias und Steffi hat das Frischeparadies zwei echte Weinexperten an Bord. In diesem Workshop bringen sie den Teilnehmern die Vielfalt des Schaumweins aus aller Welt näher – da geht nämlich noch viel mehr als Champagner!

21.8.2019


Vietnamesisch

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Foto: Sharon Chen via Unsplash

Alle lieben Pho und Ban Mi. Aber Selberkochen? Müssen da nicht super viele Gewürze rein? Wie spricht man die Zutaten überhaupt aus? Küchenchef Ivan nimmt Ängste und alle an die Hand. Er lehrt vier bis fünf Klassiker und gibt Nachhilfe in kulinarischer Geschichte des Landes.

23.8. + 8.11.2019


Käse

Der Traum: einmal durch eine klassische Käseuhr schlemmen! Das Frischeparadies macht’s möglich. Die Teilnehmer profitieren dabei von der großen Markt-Auswahl. Von mild bis kräftig und aus aller Herren Länder. Dazu wird passender Wein serviert.

28.8. + 13.11.2019


Austern Matinée

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Foto: Laura Peruchi via Unsplash

An diesem Freitag lohnt es sich, das Wochenende etwas früher einzuläuten. Besucher schlürfen hier nämlich schon nachmittags Sekt und Austern. Danach ein beschwipster Elbspaziergang – herrlich!

6.9. + 22.11.2019


Französische Brasserie

Stephen ist der Mann fürs kulinarische Savoir-vivre im Frischeparadies. Sein Wissen hat er sich als Koch im Restaurant Plât du Jour angeeignet. Mit den Kochschülern zaubert er ein Menü aus der klassischen Brasserie-Küche. Kalbsbries und Kaninchen in Senfsauce? Alles halb so wild – versprochen!

13.9. + 15.11.2019


Bayerische Jause

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Foto: David Nuescheler via Unsplash

O’zapf is! Oktoberfest geht auch im Norden. Auf Dirndl und Lederhosen kann der Hamburger getrost verzichten – aber Schweinshaxen, Brezeln und Bier schmecken auch Küstenjungs und -deerns.

20.9.2019


Bierkunde

O’zapf is! Oktoberfest geht auch im Norden. Auf Dirndl und Lederhosen kann der Hamburger getrost verzichten – aber Schweinshaxen, Brezeln und Bier schmecken auch Küstenjungs und -deerns.

27.9.2019


Sechs Weine, Sechs Gänge

Wein-c-zachariah-hagy-unsplash

Foto: Zachariah Hagy Unsplash

Es gibt doch kaum etwas Schöneres, als leckeres Essen und ein gutes Glas Wein. Welche Tropfen zu welchen Speisen passen und wie man sie schon beim Kochen in Gerichte einarbeiten kann, wird hier anhand von sechs Gängen erklärt.

27.11.2019


Lieblingsgerichte

Wer Überraschungen mag, wird sich in diesem Workshop gut aufgehoben fühlen: Ivan und Stephen bringen jeweils drei bis vier persönliche Lieblingsrezepte zum Nachkochen mit.

6.12.2019


Trüffelmenü

Man muss sich auch mal was gönnen: Zum Beispiel ein Menü, bei dem in allen fünf Gängen eine der teuersten (und leckersten) Zutaten steckt: der Trüffel. Der knollige Pilz ist nämlich ein echtes Allroundtalent und verträgt sich zum Beispiel hervorragend mit Zucker. So zieht sich die Trüffelspur bis zum Dessert durch.

13.12.2019


Frischeparadies: Große Elbstraße 210 (Altona)


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im
Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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Neueröffnung: Hamburgs erste Ratsherrn Bar

Das gepflegte Feierabend-Craft-Beer trinkt man jetzt im Mühlenkamp. 43 Sorten fließen aus den Zapfhähnen der neuen Ratsherrn Bar – Blick auf den Osterbekkanal inklusive

Text: Laura Lück
Fotos: Seren Dahl

Ratsherrn Bier gehört zu Hamburg wie Labskaus und Alsterschwäne. Zumindest das Pils mit dem Typen mit der Halskrause bekommen Hamburger in fast jedem Kiosk und den meisten Bars zwischen Blankenese und Billstedt. Dass die Marke erst jetzt die Eröffnung der ersten eigenen Ratsherrn Bar der Stadt feiert, ist fast irritierend – zu bekannt sind die leckeren Craft-Beer-Sorten und die kultige Brauerei in den Schanzenhöfen.

 

Ratsherrn_Brauerei-3-b_c-Seren-Dahl

 

Auch der neue Standort überrascht, hätte man doch eher auf die typischen Szenenviertel getippt: St. Pauli, Ottensen, Schanzen- oder Karoviertel. Betritt man die direkt am Osterbekkanal gelegene Location im Mühlenkamp, ergibt aber sofort alles Sinn. In der unteren der zwei Etagen fühlt man sich zwischen Schiffslampen mit Metallgitterfassung und warmen Holztönen wie im Bauch eines Bootes. Ausblick aufs Wasser gibt’s aber trotzdem. Die schwimmende Außenterrasse ist wohl künftig einer der schönsten Plätze fürs sommerliche Feierabendbier. Die vorbeifahrenden Stand-Up-Paddlern und Kanufahrern bekommen hier auch Sechserträger für die Bierpause über die Reling gereicht.

Ratsherrn_Brauerei-2_c-Seren-Dahl 43 Bierspezialitäten sprudeln in der Ratsherrn Bar aus 24 Zapfhähnen. Wem die Entscheidung schwerfällt, kann sich vertrauensvoll an das gut geschulte Personal wenden. Dieses empfiehlt nämlich nicht nur dem Geschmack entsprechendes Gebrautes von Hoptail bis Herrengedeck, sondern auch die zum jeweiligen Bieraroma passenden Speisen.

Gäste genießen hier kreative Stullen aus der Backstube des Braugasthauses Altes Mädchen oder Pastrami vom eigenen, am Bodden ansässigen Landwerthof. Freitag bis Sonntag öffnet die Bar außerdem schon ab 11 Uhr und lockt mit einem Frühstücksangebot am Wasser.

Ratsherrn Bar: Mühlenkamp 2 (Winterhude)


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Überquell-Brauereitour: Dem Craft Beer auf der Spur

Sonne, Pizza, Bier: Das Überquell auf St. Pauli lockt mit Außenterrasse und Selbstgebrautem – und einer unterhaltsamen Brauereitour mit Verkostung.

Text: Laura Lück

Das Überquell macht nicht nur wahnsinnig gute Pizza (die Margherita trägt hier nicht umsonst den Namen Königin) aus einem echten handgemauerten neapolitanischen Ofen ­– sie verstehen sich mindestens genauso gut aufs Bierbrauhandwerk. 2017 kaperten die Inhaber Patrick Rüther und Axel Ohm die Riverkasematten auf St. Pauli. Heute ist die idyllische Anlage mit Biergarten und Hafenblick wohl eine der schönsten Locations für Sommertage mit Hamburg-Feeling.

Was viele nicht wissen: Das Überquell beherbergt auch eine kleine, aber feine Brauerei. Auf dem Weg durch Restaurant und Pub passieren Besucher außerdem ein liebevoll gestaltetes Mini-Biermuseum, das die Geschichte unseres Nationalgetränks erzählt. Jeden Samstag und Sonntag finden im Überquell geführte Touren statt. In kurzweiligen 30-45 Minuten gibt’s jede Menge Input und Wissen und natürlich einen Besuch bei Braumeister Tobias Hess.

 

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Die Überquell-Inhaber Patrick Rüther und Axel Ohm

 

Er hat schon in Belize, Uganda, Mexiko und Russland als Braumeister gearbeitet und steht heute im Herzstück des Überquell: der Micro-Brauerei. Hier entstehen permanent fünf verschiedene Biersorten (Original Lager, Imperial Lager, Pale Ale, IPA, White IPA) und saisonale Spezialitäten, sowie monatliche Highlights. Natürlich wird im Anschluss auch ordentlich verkostet. Drei Bier sind inklusive. Bei sommerlichen Temperaturen kann es einem da schon etwas schwindlig werden – zum Glück ist die Pizza ja nicht weit.

Überquell: St. Pauli Fischmarkt 28-32


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