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Herbst-Oasen: Graue Tage? Gute Tage!

Es wird früher dunkel, immer kälter – und die Stimmung schon mal schlechter: Der Herbst ist da. Ein Herbst-Blues muss aber nicht aufkommen. Die Stadt bietet allerhand Orte, die von jetzt auf gleich stimmungsaufhellend wirken

Interview: Erik Brandt-Höge

 

Hygge Brasserie & Bar

 

Klein Dänemark in Nienstedten

Wer das Hygge betritt, weiß, warum das Wort Gemütlichkeit bedeutet (Foto: Nina Struve/Hygge)

Wer das Hygge betritt, weiß, warum das Wort Gemütlichkeit bedeutet (Foto: Nina Struve/Hygge)

Klar, eine Reise nach Dänemark lohnt sich immer. Schließlich gibt es dort diese kleinen, süßen, supergemütlichen Häuschen mit Kamin, in denen man sich von jetzt auf gleich geborgen fühlt. Genau dieses gute Dänemark-Gefühl gibt es aber auch in Hamburg, genauer: in Nienstedten. Die Hygge Brasserie & Bar bietet dort ein Wohlfühl-Ambiente der besonderen, weil eben dänischen Art. Fachwerk, Hängelampen, Ledersessel und -sofas, Kaminfeuer – alles da. Zudem eine feine Auswahl an Weinen und Cocktails sowie Essen aus aus hochwertigen, regionalen Zutaten.

Baron-Voght-Straße 179 (Nienstedten); hygge-hamburg.de

 

Komet

 

Versteckter Schuppen

Feiern auf dem Kiez ohne Touristen und Junggesellenabschiede, das Komet (Foto: Erik Brandt-Höge)

Feiern auf dem Kiez ohne Touristen und Junggesellenabschiede, das Komet (Foto: Erik Brandt-Höge)

Keine fünf Gehminuten weg vom Kiez-Gewimmel liegt ein kleiner, feiner Laden namens Komet. Etwas versteckt und deshalb nicht von Junggesellenabschiedssuffis überlaufen, können hier (aktuell nach 2G-Regel) die Abende und Nächte in alten Kinosesseln verbracht oder zu Blues, Soul, Rockabilly und Italo-Pop durchgetanzt werden. Zwischen Discokugel, gerahmten Filmstars an den Wänden und LeuchtGlobus finden übrigens auch regelmäßig Schallplattenauktionen statt.

Erichstraße 11 (St. Pauli); komet-st-pauli.de

 

Tropen-Aquarium Hagenbeck

 

Exotischer Kurzurlaub

Große Haie, kleine Fische und vieles mehr gibt es im Tropenaquarium bei Hagenbeck (Foto: Hagenbeck)

Große Haie, kleine Fische und vieles mehr gibt es im Tropenaquarium bei Hagenbeck (Foto: Hagenbeck)

Haien und Rochen ganz nah kommen, ohne sich dabei auch nur ansatzweise in Gefahr zu begeben: kein Problem – zumindest nicht im Tropen-Aquarium Hagenbeck. Durch die Sichtscheibe des Großen Hai-Atolls, einem 30 Meter langen Becken, können die genannten sowie viele weitere Meeresbewohner wie im Kino bestaunt werden. Neben dem Großen Hai-Atoll gibt es im Tropen-Aquarium unter anderem einen Krokodilsee, eine sattgrüne Dschungellandschaft und Hamburgs einzigen Wasserfall. Insgesamt sind im Tropen-Aquarium mehr als 14.300 exotische Tiere äquatorialer Gebiete zu Hause.

Lokstedter Grenzstraße 2 (Lokstedt); hagenbeck.de

 

Holthusenbad

 

Relaxen de luxe

Draußen Wind und Regen, drinnen im Holthusenbad relaxen (Foto: Bäderland)

Draußen Wind und Regen, drinnen im Holthusenbad relaxen (Foto: Bäderland)

Lust auf etwas Gesundes? Auf Tiefenentspannung? Auf Unterhaltung? Und nicht zuletzt auf hohe, teils sehr hohe Temperaturen? Das Holthusenbad bietet all das in seiner Saunalandschaft. Und zwar en masse. Nicht eine, nicht zwei, nicht drei, nein: ganze neun Schwitzangebote gibt es – von 45 °C bis 100 °C, von ruhig bis erlebnisreich. Unter anderem können in der Mediensauna (Foto) bei 90 °C-Aufgüsse ebenso genossen werden wie die dazu gelieferten Filme und Musiken.

Goernestraße 21 (Eppendorf); baederland.de

 

zeise kinos

 

Ab in den Sessel – und eine andere Welt

Eines der schönsten Programmkinos der Stadt, das zeise Kino (Foto: Jan Brandes)

Eines der schönsten Programmkinos der Stadt, das zeise Kino (Foto: Jan Brandes)

Kinos gibt es allerhand in der Stadt. Schöne Kinos auch. Besonders schöne sind die zeise kinos. In den Ottensener Zeisehallen, wo einst Schiffsschrauben produziert und in alle denkbaren Länder exportiert wurden, trifft heute Industrie-Charme auf moderne Glas-Stahl-Architektur. In den drei Kinos mit mehr als 523 Plätzen werden nationale wie internationale Top-Filme gezeigt, darunter viele Premieren mit Regisseuren, Schauspielern und Teams als Gästen. Auch Singer und Poetry Slams sowie Lesungen und Konzerte werden veranstaltet. Einmal in die gemütlichen Samtsessel gefallen, schon kann eine andere, faszinierende Welt erlebt werden. Übrigens können die Säle samt Film für ein Wunschkino auch gemietet werden.

Friedensallee 7–9 (Ottensen); zeise.de

 

Yu Garden

 

Oase südchinesischer Bauart

Das Yu Garden ist eine chinesische Oase mitten in der Stadt (Foto: Marc Sill)

Das Yu Garden ist eine chinesische Oase mitten in der Stadt (Foto: Marc Sill)

Schon gewusst: Hamburg und Shanghai sind Partnerstädte. 2006 wurde dieser Partnerschaft ein regelrechtes Denkmal im Hamburger Stadtbild gebaut: der Yu Garden. Das Teehausensemble nach südchinesischer Bauart ist außen wie innen ein absoluter Hingucker. Neben traditioneller chinesischer Küche wie gerösteter Ente mit Wokgemüse und Hoisin-Soße können hier zahlreiche Tees der Extraklasse genossen werden. Rund 13.000 Kilometer entfernt von Shanghai ist der Yu Garden eine Hamburger Oase, in der eine ferne Kultur durch ihre Küche kennengelernt werden kann.

Feldbrunnenstraße 67 (Rotherbaum); yugarden.de

 

Adolf-Jäger-Kampfbahn

 

Bierchen, Bratwurst, Fußball

Fußball wie früher, das ist Altona 93 (Foto: Erik Brandt-Höge)

Fußball wie früher, das ist Altona 93 (Foto: Erik Brandt-Höge)

Die Leidenszeit von Fußballfans und -spielern ist vorbei, sie sind wieder vereint. Tausende sind zurück in den Stadien und live dabei, wenn etwa der HSV und St. Pauli versuchen, in der 2. Bundesliga voranzukommen. Ein paar Nummern kleiner, deshalb aber nicht unspannender, sind die Spiele von Altona 93 auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Bierchen, Bratwurst und ziemlich ansehnlichen Fußball gibt es nämlich auch hier – und das zu ziemlich fairen Preisen.

Griegstraße 62 (Ottensen); altona93.de

 

Hamburger Tierschutzverein

 

Gassigehen mit Tierheim-Hunden

Ehrenamtlich mit Hunden Gassi gehen? Jap, das geht beim Hamburger Tierschutzverein (Foto: Hamburger Tierschutzverein)

Ehrenamtlich mit Hunden Gassi gehen? Jap, das geht beim Hamburger Tierschutzverein (Foto: Hamburger Tierschutzverein)

Schon mal in die Augen eines Tierheim-Hundes geguckt, wenn er aus seinem Gehege herauskommt, einen Spaziergang im Grünen macht, herumtollt und überall schnüffelt, wo es etwas zu schnüffeln gibt? Das ist das pure Glück! Und eben dieses färbt auf denjenigen ab, der den Spaziergang ermöglicht. Das Gassigehen ist eine enorm dankbare Aufgabe und nur eines der zahlreichen Ehrenämter, die man beim Hamburger Tierschutzverein ausüben kann. Nach einer Schulung sowie Probespaziergängen wird ein Gassi-Geh-Ausweis erworben – damit können die Hunde ausgeführt werden. Voraussetzung ist zudem ein Mindestalter von 18 Jahren. Aktuell sucht der Verein speziell für die Gassi-Zeiten unter der Woche Unterstützung.

Süderstraße 399 (Hamm-Süd); hamburger-tierschutzverein.de

 

Kaffee Stark

 

Gemütlich, gemütlicher, Stark

Auf der Suche nach einem gemütlichen Café für jeden Anlass, dann ab ins Café Stark (Foto: Erik Brandt-Höge)

Auf der Suche nach einem gemütlichen Café für jeden Anlass, dann ab ins Kaffee Stark (Foto: Erik Brandt-Höge)

Rausgekämpft aus dem Gewühl auf der Wohlwillstraße und reingekommen ins Kaffee Stark, schon ist Entschleunigung angesagt. Uriges Holzmobiliar, allerhand warm-leuchtende Kunst an den Wänden, Kissen en masse: So geht Café- und Bar-Spaß. Es gibt Kaffee, Kuchen, Snacks und Kaltgetränke, und es ist immer gemütlich, immer entspannend. Und übrigens auch immer vegan.

Wohlwillstraße 18 (St. Pauli); kaffeestark.de

 

Blankeneser Leuchtturm

 

Pötte gucken

Durchs Treppenviertel an die Elbe, selbst im grauen Herbst wunderschön (Foto: Erik Brandt-Höge)

Durchs Treppenviertel an die Elbe, selbst im grauen Herbst wunderschön (Foto: Erik Brandt-Höge)

Immer und immer wieder bombastische Bilder: Wenn die ganz großen Pötte langsam in den Hamburger Hafen einfahren. Gerade die halbe Welt umschippert, sind die XXL-Containerschiffe ihrem Zielort schon sehr nah, wenn sie den Leuchtturm Unterfeuer Blankenese passieren. Der hat eine Aussichtsplattform, von der aus Besucher die Riesen auf dem Wasser besonders gut beobachten und fotografieren können. Selbst bei Regen und im tiefsten Nebel empfehlenswert.

Treppenviertel (Blankenese)


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hier gibt’s die besten Franzbrötchen in Hamburg

Das Glück besteht aus Zimt, Zucker, Plunderteig und hört auf den Namen Franzbrötchen. Frisch und noch warm aus dem Ofen haben wir es am liebsten: Hier bekommt ihr die besten Franzbrötchen der Stadt

Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung, zuletzt aktualisiert 2020

 

Altes Mädchen

Ein Braugasthaus muss gutes Bier verkaufen – Ehrensache. Aber Franzbrötchen? Immer wieder sonntags könnt ihr euch im Alten Mädchen selbst von beidem überzeugen. Denn beim Frühschoppen landen hier die heißen Anwärter auf den Titel „Hamburgs bestes Franzbrötchen“ frisch aus der hauseigenen Backstube auf euren Tellern.

Altes Mädchen: Lagerstraße 28b (Sternschanze)

 

Bäckerei Braaker Mühle

Bäckerei Braaker MühleBei der Bäckerei Braaker Mühle werden Franzbrötchen-Puristen und Schokoliebhaber gleichermaßen glücklich: In dem knusprigen wie matschigen Plunder verbirgt sich je nach Wahl entweder die Geschmacksklassiker-Kombi aus Zimt und Zucker oder eine süße Versuchung aus bestem Kakao. Wir nehmen natürlich einfach beide!

Bäckerei Braaker Mühle: Barmbeker Straße 48 (Winterhude) 

 

Bäckerei Körner

Es heißt, über Geschmack lässt sich nicht streiten. Zum Glück braucht man das bei der Bäckerei Körner auch gar nicht, denn die dortige Franzbrötchen- Fangemeinde ist ziemlich groß und sich vor allem einig: Was hier als perfekte Fusion von butterigem, lockerem Teig und saftiger Füllung aus der Backstube kommt, ist absolute Spitzenklasse.

Bäckerei Körner: Blankeneser Landstraße 13 (Blankenese)

 

Berkenthiner Dorfbackstube

Auf den Wochenmärkten gibt es einige Delikatessen zu entdecken. Auf dem Goldbekmarkt sind das vor allem die fantastischen Franzbrötchen am Stand der Berkenthiner Dorfbackstube, besser bekannt als „Jürgen“. Die werden zwar – wir konnten es kaum glauben – in Lübeck hergestellt, können den guten Stücken aus Hamburg aber auf jeden Fall das Wasser reichen.

Berkenthiner Dorfbackstube: Wochenmarkt am Goldbekufer (Winterhude)

 

Café Luise

Im Café Luise wird noch wie zu Omas Zeiten gebacken: liebevoll per Hand und mit besten Zutaten. Kein Wunder, dass die Franzbrötchen dort nicht einfach nur gut sind, sondern sogar preisgekrönt! Hochwertige Butter bildet im saftigen Plunderteig die perfekte Harmonie mit Zimt und Zucker.

Café Luise: Erdkampsweg 12 (Fuhlsbüttel)

 

Café Reinhardt Bäckerei und Konditorei

Das Alstertal ist besonders im Frühling einen Besuch wert, Franzbrötchen-Fans reisen aber auch ganzjährig nach Poppenbüttel. Weil es dort – so sagt man – die besten der Stadt bei Reinhardt gibt. Dort könnt ihr in gemütlicher Atmosphäre den ganzen Tag frühstücken und es euch auf der Terrasse oder vor dem Kamin gut gehen lassen.

Café Reinhardt Bäckerei und Konditorei: Poppenbüttler Hauptstraße 37 (Poppenbüttel)

 

Die Kleine Konditorei

Nachhaltigkeit kann so gut schmecken! In der Kleinen Konditorei legt man nicht nur Wert auf die Qualität der Backwaren, sondern auch auf den schonenden Umgang mit der Umwelt. Die Franzbrötchen sind so schon ein Traum, ein gutes, grünes Gewissen lässt sie jedoch gleich noch besser munden. Dass dafür Menschen sonntags Schlange stehen, überrascht uns nicht wirklich.

Die Kleine Konditorei: Lutterothstraße 9–11 (Eimsbüttel)

 

Elbgold

Dass es bei Elbgold fantastischen Kaffee gibt, ist hinlänglich bekannt – die sagenhaften Franzbrötchen hingegen: Bis jetzt ein echter Geheimtipp! Fluffiger Teig trifft hier auf Zimt, Zucker und Butter und ergibt genau die richtige Konsistenz zwischen knusprig-karamellig und sabschig.

Elbgold: Lagerstraße 34c (Sternschanze)

Ihr Finkenwerder Bäcker

Wenn es mal auf eine Fahrradtour ins Alte Land verschlägt, sollte auf jeden Fall beim Finkenwerder Bäcker vorbeischauen. Zu nachtschlafender Zeit backt Besitzer Jan dort schön saftige Franzbrötchen sowie seine Eigenkreation, den Flensburger. Das ist ein weniger süßes Franzbrötchen mit Rosinen und Schmalz im Teig. Lecker!

Ihr Finkenwerder Bäcker: Steendiek 13 (Finkenwerder) 

Ludwig Daube

Daube blickt mittlerweile auf 130 Jahre Erfahrung im Backen von Franzbrötchen zurück – und diese Erfahrung schmeckt man: Mit genau dem richtigen Verhältnis aus Teig und Füllung sowie Zucker und Zimt kommen hier täglich echte Qualitätsbackwaren aus dem Ofen, so wie sie vielleicht sogar schon Oma genossen hat.

Ludwig Daube: Hamburger Straße 206 (Barmbek-Süd) 

 


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Appetit auf mehr? 

Luisa Neubauer im Interview: Raus aus der Komfortzone

Als Luisa Neubauer noch in Blankenese zur Schule ging, hatte sie nie vorgehabt, Vollzeit-Klimaaktivistin zu werden. Doch: Sie wurde zum bekanntesten Gesicht von Fridays for Future Deutschland und beschreibt in ihrem Bestseller, was Hamburg im Jahre 2050 bevorsteht

Text: Mathias Greulich 
Foto: Fridays for Future Deutschland

 

SZENE HAMBURG: Luisa Neubauer, Sie haben mit Peter Tschentscher beim Körber-Forum über die Klimakrise debattiert. Welchen Eindruck haben Sie vom SPD-Bürgermeister? 

Luisa Neubauer: Herr Tschentscher ist ein unaufgeregter Mensch. Man kann mit ihm sachlich diskutieren, es waren angenehme Gespräche. Dennoch ist in der Klimabilanz unter seiner Verantwortung noch dermaßen viel Luft nach oben. Hamburg hat als reiche CO2-intensive Stadt die Möglichkeit, Klimavorreiter zu werden. Ein grüner Leuchtturm im Norden.

Andere Städte sind da weiter.

Es war total irre. Einen Tag nach der Diskussion mit Herrn Tschentscher habe ich den Bürgermeister von Kopenhagen getroffen. Frank Jensen ist ein charismatischer Mensch. Übrigens kein Grüner, sondern ein Sozialdemokrat. Ich war sehr beeindruckt, wie visionär er beim Klimaschutz an die Sache herangeht. Kopenhagen will schon 2025 klimaneutral werden.

Noch im September demonstrieten 100.000 Hamburger für besseren Klimaschutz, am selben Tag hat die Bundesregierung ihr Klimapaket beschlossen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagt inzwischen in Richtung Fridays for Future, dass es nicht reiche, „jede Woche apokalyptische Bedrohungen zu beschreiben, die kaum zu bewältigen scheinen“. Die Demokratie werde schlecht geredet. 

Ich frage mich, aufgrund welcher Sachlage diese Aussagen von Herrn Steinmeier getroffen wurden. Wir sind Teil einer gelebten Demokratie, in dem wir Woche für Woche auf die Straße gehen. Das ist urdemokratisch, ebenso wie ziviler Ungehorsam. Wir wollen eine inhaltliche Debatte darüber führen, was man den Menschen zumuten kann. Es wird Zeit, dass die Regierung beim Klimaschutz endlich loslegt. Aber nicht so, wie es im Klimapaket vereinbart wurde, das zur Erreichung der Klimaziele nicht zielführend ist. Wir sind in einer entscheidenden Phase. Wir sind diejenigen, in deren Händen es liegt, ob das Ende der Klimakrise jetzt beginnen kann.

 

„Menschen brauchen Antworten und keine Beschwichtigungen“

 

Mit Alexander Repenning haben Sie gemeinsam das Buch „Vom Ende der Klimakrise. Eine Geschichte unserer Zukunft“ geschrieben. Sie sind beide aus Hamburg und skizzieren, was Ihrer Heimatstadt durch den Anstieg des Meeresspiegels im Jahr 2050 bevorsteht. Der Satz, dass sich „die Kinder auf den Schulhöfen im Sommer die Füße verbrennen werden“, wird als Panikmache kritisiert. 

Was wir beschreiben, passiert heute schon. Wir haben in der Recherche mit Stadtplanern gesprochen, die Schulhöfe mittlerweile anders konzipieren müssen. Die wissenschaftlichen Szenarien von häufigeren Sturmfluten und sehr viel heißeren Sommern sind die Spitze des Eisbergs. Was uns droht, ist schwer vorstellbar. Viele stellen sich die Frage, wie man mit den vorliegenden Informationen der Wissenschaftler umgeht. Darauf brauchen die Menschen ernsthafte Antworten und keine Beschwichtigungen. Viele Menschen, die unser Buch gelesen haben, schreiben mir. Das zeigt mir, dass es richtig war, diese Dinge so aufzuschreiben.

Als Sie selber noch auf die Grundschule Iserbrook gingen, haben Sie gegen deren drohende Schließung erfolgreich demonstriert. War es für Sie eine wichtige Erfahrung, dass Protest etwas bewirken kann? 

Politik hat im Alltag meist eine entfernte Dimension, aber damals haben wir eine Selbstwirksamkeit im Politischen erfahren. Es war glaube ich der Senat unter Ole von Beust, der reihenweise Grundschulen schließen wollte. Das war natürlich bildungspolitischer Nonsens, gegen den es einen breiten Widerstand gab.

Sie schreiben, dass Sie als 13-Jährige zum ersten Mal etwas über den Treibhauseffekt gehört haben. Eine Doppelstunde im Erdkundeunterricht, das war’s. 

Ich fand es damals irritierend, dass ein so wichtiges Thema in 90 Minuten gequetscht wurde. Ich begann, mich mit der Klimakrise zu beschäftigen. Ein Jahr später beschloss ich als Konsequenz auf die Informationen, die ich nach und nach gewann, Vegetarierin zu werden. Meine Eltern haben das damals noch nicht verstanden. Es gab immer mehr Fragen zu den ökologischen Grenzen des Wachstums und der Zukunft des Planeten, die ich mir stellte. Ein Jahr nach der Schule beschloss ich, Geografie zu studieren.

 

Klimaaktivistin mit 80-Stunden-Woche

 

Schüler bekommen auf dem Marion-Dönhoff-Gymnasium in Blankenese heute wahrscheinlich mehr Antworten zum Treibhauseffekt als Sie vor zehn Jahren. 

Damals hieß die Schule noch Willhöden. Ich war auch mal wieder dort, um über die Klimakrise mit der Oberstufe zu diskutieren. Sie geben sich inzwischen viel mehr Mühe, bei diesem Thema etwas zu verändern.

Was halten Ihre ehemaligen Mitschüler davon, dass Sie jetzt Vollzeit-Klimaaktivistin sind? 

Die finden es glaube ich ganz okay. Wir sind alle nach dem Abi unserer Wege gegangen und machen ganz unterschiedliche Sachen. Ich glaube, sie möchten nicht mit mir tauschen.

Im Frühjahr hatten Sie eine 90-Stunden-Woche. 

Das war als wir mit Fridays for Future begonnen haben, auf die Straße zu gehen. Ich hatte noch niemals eine Demo organisiert und bin aus meiner persönlichen Komfortzone herausgetreten. Mittlerweile mache ich einen Tag in der Woche frei und komme auf 80 Stunden.

Und Sie haben eine Morddrohung bekommen. 

Ja, das war extrem schockierend.

fridaysforfuture.de/ortsgruppen/hamburg

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 29. November 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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E-Sports: Der neue Komet am Sporthimmel

E-Sports: In Hamburg startet im Juli die erste eFootball-Liga, organisiert vom Hamburger Fußball Verband. Ein Club aus Blankenese ist einer der Pioniere

Text: Mirko Schneider
Fotos: Volker Tausend

Das folgende Zitat ordnet man unbesehen eher einem Teenager zu: „Geil, kenne ich aus den USA. Das ma­chen wir!“ Gesagt hat es der 75-­jährige Erich Talke auf ei­ner Sitzung des Fußball­ Abteilungsvorstandes des Amateur­fußballvereins Komet Blanke­nese zum Thema eFootball. Ge­meint hatte der stellvertretende Abteilungsleiter die Umrüstung eines Clubraums des Vereins mit dem Sternenschweif im Banner zu einer Players Lounge.

20.000 Euro investierte Komet also, um einen vier mal fünf Meter großen Raum mit Playstations, vier Monitoren, acht Plätzen für die Spieler sowie Beamer und Lein­wand auszustatten, damit die Wettkämpfe live im Klubheim übertragen werden können. Ge­zockt wird FIFA 19. Ein Spiel, so genial animiert und gestaltet, dass es fast realer wirkt als echte Spiele auf dem Fußballfeld. „Ich kenne die FIFA ­Serie durch meine Söhne, sie sind begeisterte Spieler. Felix ist 24, Philip 21“, sagt Komets Fußball­ Abtei­lungsleiter Volker Tausend (70). Auch er war sofort Feuer und Flamme für die Idee.

Aber warum? Dogmatisch betrachtet gehen alte, weiße Männer ja nie mit der Zeit und überhaupt: Sollten Amateur­fußballvereine nicht andere Pionierleistungen vollbringen als den virtuellen Fußball zu fördern?

 

„Hier kann auch der HSV Paris St. Germain schlagen“

 

Bastian Buß sieht es wie Talke und Tausend anders. Anfang des Jahres stellte ihn Ko­met als eSoccer­ Coach an. Seit vielen Jahren spielt Buß leiden­schaftlich die FIFA ­Serie, nahm an diversen Turnieren teil. Wenn er von seinen Schlachten erzählt wie der 3:4­ Niederlage nach Golden Goal beim Kicker­ E­ Sport ­Cup gegen den Top ­Spie­ler Niklas Raseck, ist er in sei­nem Element.

Außerdem sind beim eFootball Dinge möglich, von denen mancher Fußballfan nur wird träumen können. „Alle Spieler der Mannschaften ha­ben bei Turnieren die gleichen Stärkeeinstellungen, damit nie­mand einen Vorteil hat“, sagt Buß und lacht. „Das bedeutet: Hier kann auch der HSV Paris St. Germain schlagen.“ Wie ein Couch­-Potato, der sonst nichts im Leben kennt, wirkt der Stu­dent der Lebensmitteltechnologie allerdings nicht.

„Das Kli­schee vom ständig Cola trinkenden und übergewichtigen Zocker ist eben ein Klischee“, sagt Buß. „Wir versuchen, die Jugendlichen von daheim in den Club zu bekommen. Es geht darum, sich in Teams miteinander im Wettbewerb zu behaupten. Da findet viel sozialer Austausch statt.“ Zum Beispiel, wie im großen Fußball, per Videoanalyse oder bei der Taktikbesprechung. „Außerdem“, so Buß, „heißt es ja nicht real oder virtuell. Viele eFootball­-Spieler sind auch auf dem Feld aktiv.“

 

E-Sport-Komet-Blankenese-c-Volker-Tausend

Ein Spieltag in der eFootball-Liga / Foto: Volker Tausend

 

Acht Spieler organisieren sich bei Komet aktuell in drei Teams. Wer jedoch mag, kann im Clubraum spielen. Voraussetzung: Er muss 16 Jahre alt sein. Das Mindestalter ist eine Vorbeugungsmaßnahme gegen die vom Club ernst genommene und von Experten (unter anderem bei einer Anhö­rung in der Hamburger Bürgerschaft am 7. November 2017) immer wieder angemahnte Suchtgefahr.

Weiterhin schwelt nach wie vor die Debatte, ob eSport – und damit auch eFootball – wirklich als Sport gelten kann. Buß hat auch dazu eine klare Meinung: „Schach ist ja auch ein Sport. Hand­Auge­Koordination, Spielverständnis, analytische Fähigkeiten – es benötigt eine Menge, um gut zu spielen. Nicht nur mental, viele Spieler fangen nach wenigen Minuten an zu schwitzen. Körperliche Fitness ist wichtig und hilfreich.“

 

Auf zur Meisterschaft

 

Das Potenzial des eFootball längst erkannt hat der Hambur­ger Fußball ­Verband (HFV). Er belohnte das innovative Projekt von Komet Blankenese mit dem Ehrenamtspreis, den der HFV mit der Brauerei Holsten ver­gibt. Und nicht nur das. Im Juli startet die erste offizielle Ham­burger eFootball­-Liga. Proberunden fanden bereits statt, als Favoriten auf den Hamburger Titel gelten Komet Blankenese und der Eimsbütteler TV. Bei den Proberunden nahmen bis zu 30 Mannschaften teil. Tendenz steigend.

Seit 2017 organisierte der Hamburger Fußball­ Verband drei Hamburger Meisterschaften. In der Hamburger Liga soll im Abstand von ein bis zwei Wochen an den Wochenenden gespielt werden. Möglichst bei Vereinen wie Komet, die ent­sprechende Rahmenbedingungen bieten können.

Zuständig für das Thema im HFV ist Maximilian von Wolff (23), Beisitzer im Verbands­ Jugendausschuss. In den Jahren 2008 bis 2013 gehörte er zu den Top ­10 ­Spielern der Weltrangliste, heute ist der Student Hobbyspieler. Zusammen mit HFV­ Schatzmeister Christian Okun (39), auf dem Feld als Schiedsrichter für den Bahrenfelder SV aktiv, schob Wolff die Idee an. „Der Hamburger Fuß­ball­ Verband versteht sich hier als Dienstleister für seine Vereine. Mit der Infrastruktur des HFV können wir die Rahmenbedingungen gut schaffen und so die Organisation zentral vornehmen, genauso wie auf dem Feld oder in der Halle“, sagt Wolff.

 

Beeindruckende Fairness

 

Allerdings gehe es dabei nicht um finanzielle Absichten. Turniere, auf denen es Millionen zu verdienen gibt und neue Stars geboren werden, sind nicht das Ziel. „Wir haben gemerkt, dass das Thema eFootball sich immer mehr zunehmender Beliebtheit erfreut und der Hamburger Fußball ­Verband sich dafür einsetzen muss, einen Ligaspielbetrieb für unsere Vereine zu organisieren. Wir wollen dieses Angebot für die Vereine schaffen, um in der sonst von Kommerz geprägten eSports ­Szene die Bedeutung der Vereine und ihrer Mitglieder zu stärken. Gleichzeitig erhoffen wir uns davon auch eine Belebung der Clubhäuser“, erklärt Wolff.

Eine weitere Facette des eFootball fasziniert ihn zudem: „Mein persönliches Highlight ist immer wieder die Fairness bei den Aufeinander­ treffen. Ich erinnere mich gerne an ein K.o.­-Spiel bei einer Hamburger Meisterschaft, in dem durch einen Spielfehler ein Tor fiel und die Mannschaft, die das Tor gutgeschrieben bekam, postwendend ein Eigentor erzielte, um das vorherige Ergebnis wieder herzustellen. Das finde ich bis heute sehr beeindruckend.“ In diesem Sinne: Mögen die Spiele beginnen!

Komet-Blankenese.org


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im 
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Finkenwerder – Heimat südlich der Elbe

Einmal Finkenwerder, immer Finkenwerder – so sagen es die Bewohner. Ein Stadtteil, der sich kaum verändert. Dazu bezahlbare Mieten und die weitläufige Natur vor der Tür – genug Gründe, sein Leben lang zu bleiben.

Mit einem leichten Stupser an die Kaimauer legt die Fähre am Anleger Finkenwerder an. Gischt spritzt hoch, das Boot schwankt leicht. Es piept und die Rampe für die Passagiere wird heruntergelassen, so wie jeden Tag, wenn das Schiff zur Halbinsel fährt. Bei Wind und Wetter, ob es stürmt oder schneit – die Linie 62 der Hadag legt an und ab. Heute scheint die Sonne, weshalb auch viele Touristen hier von Bord gehen und ein großer Teil der Passagiere schiebt sein Fahrrad vom Schiff. Eine Reise nach Finkenwerder ist nicht nur die günstigere Hafenrundfahrt – wie die Stadt Hamburg selber anpreist – am Ende landet man in einem kleinen Idyll, in dem die älteren Herrschaften tatsächlich noch Platt schnacken.

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Glücklich verwurzelt in Finkenwerder: Maren Barth- Schulz Julie Sawall, Lisa Schwenzitzki (v. l. n. r.).

Ein grüner, schon fast dörflich wirkender Stadtteil: ein Kreisel, eine Eisdiele, ein Supermarkt und ein paar kleinere Läden. Es ist fast wie in den Urlaub fahren. Auch weil gleich hinter dem Ortskern die weite Landschaft beginnt.

„Wir genießen das viele Grün und die Natur um und in Finkenwerder“, sagt Lisa Schwenzitzki. Die 20-Jährige lebt schon immer in dem Ort, ist hier zur Schule gegangen und auch seit Kindesbeinen an Mitglied bei der Finkenwarder Speeldeel, eine norddeutsche Folklore-Gruppe. Ebenso Maren Bart-Schulz (37) und Julie Sawall (18). An einem Tisch in ihrem Vereinshaus sitzend, erzählen sie von ihrer Heimat und sind sich einig: Für ein Kind ist es hier sehr schön aufzuwachsen. Höhlen bauen, auf Bäume klettern oder mit Inlineskates über die Kaimauer donnern, das alles sei hier immer noch möglich. Auf der einen Seite fließt die naturbelassene Süderelbe, auf der anderen Seite beginnt das Alte Land mit seinen Obstplantagen, das viele Touristen anlockt und die hier von den Einheimischen liebevoll „Blütenspanner“ genannt werden.

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Das Vereinshaus Finkenwarder Speeldeel.

Rund neun Millionen Passagiere befördert die Hadag jährlich mit ihren Fähren durch den Hamburger Hafen bis runter nach Teufelsbrück und Blankenese. Alleine auf der Strecke der Linie 62 bis nach Finkenwerder sind es 4,5 Millionen. Doch die meisten Besucher bleiben im Anlegerbereich oder fahren auf den Elbradwegen weiter. Der Ort selbst wird weitestgehend verschont. Rund 12.000 Menschen leben hier auf einer Fläche von etwa 19 Quadratkilometern. Neben kleinen Fachwerk- und Reetdachhäusern, alten, urig und maritim wirkenden Fischerhäuschen finden sich auch die für Hamburg typischen Rotklinker-Bauten. Doch über drei, maximal vier Stockwerke scheint hier kein Haus zu reichen.

Im naheliegenden Ottensen wohnen vergleichsweise dreimal so viele Menschen auf einem Sechstel der Fläche von Finkenwerder. Auch die Mietpreise könnten unterschiedlicher nicht sein. Kostet der kalte Quadratmeter im hippen Viertel durchschnittlich 14 Euro, zahlt der Finkenwerder um die 9 Euro. Zehn Minuten braucht die Fähre von Finkenwerder nach Ovelgönne, aber dazwischen liegen Welten.

Maren, die ihren kleinen Sohn auf dem Arm hält, wohnt direkt im Zentrum, nahe dem Anleger. Julie und Lisa wohnen im Ort, in der Nähe vom Airbus-Gelände. Der Stadtteil Finkenwerder hat zwar eher einen Dorfcharakter, „doch durch das Industriegelände nebenan, ist es auch sehr städtisch geprägt“, erzählt Maren, „Vorher war hier ein Fischereibetrieb.“ Dann gründete dort die Hamburger Flugzeugbau, ein Tochterunternehmen von Blohm und Voss, ihr Werk. Inzwischen hat Airbus das Gelände übernommen. Waren es im Jahr 2.000 noch knapp 8.000 Mitarbeiter, werkeln heute mehr Menschen auf dem Gelände, als in Finkenwerder leben – ein Dorf im Dorf.

Was den Stadtteil besonders schön zum Leben macht, ist der familiäre Zusammenhalt, das Heimatgefühl. Hier kennt man sich. „Der Markt ist nicht groß, es sind nur wenige Stände, aber wenn man dort hingeht, braucht man Stunden“, so Julie, „Man klönt einfach mit allen.“ Die 18-Jährige war gerade ein Jahr in Australien und erlebte dort das komplette Gegenteil. Als Backpacker hat sie auf ihrer Reise Menschen aus vielen verschiedene Nationen kennengelernt, die man hier im Ort nicht so geballt antreffe. Der Ort ist eher beständig, es gäbe zwar auch hin und wieder neue Gesichter, aber es bleibe alles beim Alten. Maren hat zwischenzeitlich für ein paar Jahre in Eimsbüttel gelebt, ist aber wieder zurückgekommen. Sie habe das Familiäre vermisst. „Nach fünf Jahren kannte ich gerade mal zwei meiner Nachbarn“, erinnert sie sich. „Wenn man hier aufgewachsen ist, dann bleibt man hier, oder kommt immer wieder zurück“, erklärt Lisa.

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Zuverlässig und fix: Rund zehn Minuten braucht die Fähre von Finkenwerder bis nach Altona.

Ursprünglich gehörte Finkenwerder zu den „richtigen“ Elbinseln, doch aufgrund zahlreicher Sturmfluten im 12. und 13. Jahrhundert begann man nach und nach mit dem Deichbau, wodurch die Landverbindungen geschaffen wurden. Die wichtigste Verbindung ist aber die Fähre. Während die Städter bei Sturm Verspätungen auf die unregelmäßig fahrenden Busse und Bahnen schieben können, fährt die Fähre verlässlich bei jedem Wetter. „Außer bei Packeis“, so Maren, „Dann müssen sich die Eisbrecher erst einen Weg durch die gefrorene Oberfläche bahnen und die Schollen beiseiteschieben.“

Auch ist die Fähre die Verbindung zum Nachtleben. Denn das ist hier so beschaulich wie alles andere und zum Tanzen geht es auf den Kiez. Im Ort treffe man sich auf ein paar Bierchen im Vereinshaus oder an den Elbufern zum Grillen. Ein beliebter Platz ist das Vorland beim Duckdalben im Gorch-Fock-Park, an dem der Sonnenuntergang besonders schön sei. Was nach einem guten Ort klingt, um heimlich zu knutschen, eignet sich tatsächlich weniger dafür. Viele Anwohner gehen dort abends spazieren. „Immer kommt irgendwer um die Ecke, der entweder meine Mutter oder meinen Vater kennt“, so Lisa, „dann weiß es schnell ganz Finkenwerder.“ Aber keine Sorge, heimlich geknutscht wird hier trotzdem.

Über den kleinen Kreisel in der Dorfmitte geht es zurück zum Anleger. Von der anderen Seite der Elbe sieht man schon das Schiff anfahren, dass sich durch das Wasser pflügt. Mit einem leichten Stupser legt die Fähre am Pier an und der Ponton schwangt. Es piepst und die Rampe wird heruntergelassen. Viele Touristen steigen wieder an Bord des Schiffes, mit Sack und Pack und natürlich den Fahrrädern. Ihre Tour ist vorbei und schon legt die Fähre ab und schippert zurück, rüber zur großen, hektischen Stadt.

Text & Fotos: Elena Ochoa Lamiño


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 

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