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Hamburger des Monats – Nadine und Alessandro

Nadine Herbrich und Alessandro Cocco haben mit „recyclehero“ ein soziales Start-up gegründet. Die Idee: mit einem Lastenrad-Abholservice Langzeitarbeitslosen und Geflüchteten Arbeit zu verschaffen – und Haushalten die lästige Entsorgung von Altglas und Altpapier abzunehmen

Interview: Ulrich Thiele
Foto: Jakob Börner

 

SZENE HAMBURG: Nadine und Alessandro, ein Abholdienst für Altglas und Altpapier – auf die Idee seid ihr bestimmt gekommen, weil sich dieses bei euch selbst stapelt, oder?

Nadine: Absolut, es fing mit einer klassischen WG-Situation an: Viele Menschen, die gerne mal eine Party feiern und danach stapeln sich die leeren Flaschen auf dem Balkon. Irgendwann kommt immer die Frage auf, wer das mal endlich wegbringt. Alessandro sagte dann, es müsste einen Abholdienst dafür geben. Diese Idee haben wir dann mit dem sozialen Gedanken verbunden.

Wieso diese Verknüpfung?

Nadine: Uns war schon immer klar, wenn wir irgendwann mal ein eigenes Projekt starten, dann soll es nicht rein profitgetrieben sein.

Alessandro: Es ist ein gesellschaftlich brisantes Thema, dass viele Menschen – Langzeitarbeitslose und Geflüchtete etwa – keine richtige Eintrittsmöglichkeit in den Arbeitsmarkt haben. Eine, die auch Menschen mit geringen deutschen Sprachkenntnissen oder ohne Führerschein eingliedert.

Wie funktioniert das Ganze?

Alessandro: Sobald wir unser Konzept auf Privatkunden ausweiten, stellen wir ihnen eine Kiste zur Verfügung. Über das Kontaktformular kann die Adresse eingegeben werden und wir geben Bescheid, wann wir den Inhalt entsorgen. Man muss dafür nicht zu Hause sein, sondern kann die Kiste einfach vor die Wohnungstür stellen. Die Kiste wird dann von unserem Hero, wie wir unsere Mitarbeiter nennen, geleert und wieder zurückgestellt. Wir kommen entweder im regelmäßigen Rhythmus oder auf Abruf. Wir lassen auch gerade eine App entwickeln, die voraussichtlich im August fertig sein wird. Über die App können dann die Bestellungen aufgenommen werden.

Was kostet das?

Alessandro: Wir bieten die Abholung für 7,90 Euro pro Kiste an. Für Privathaushalte wollen wir in Zukunft noch kleinere Kisten für 4,90 Euro einrichten. Die Abholung verläuft bargeldlos, die Bezahlung wird über Rechnung abgewickelt. Die Kunden können auch ihre Pfandflaschen in die Kiste legen, als Trinkgeld für unsere Heroes. Heute hat unser Hero Mohammed ein Franzbrötchen und Pfandflaschen als Trinkgeld bekommen.

 

„Die Heroes sollen nicht ewig bei uns arbeiten“

 

Wie viele Heroes arbeiten bei euch?

Alessandro: Zwei. Bis Jahresende wollen wir acht bis zehn Mitarbeiter einstellen, wenn wir mehr Lastenräder haben. Wir besitzen momentan nur ein Lastenrad, haben aber gerade zwei weitere bestellt, nachdem wir bei einer Crowdfunding-Kampagne über 24.000 Euro eingesammelt haben. Ein Lastenrad kostet 6.000 Euro – und ist übrigens klimaneutral, was uns sehr wichtig ist.

Ihr seht diesen Job als Eintritt in die Arbeitswelt. Geht es dann weiter?

Nadine: Wir wollen ein Sprungbrett sein, die Heroes sollen nicht ewig bei uns arbeiten. In Zukunft wollen wir Veranstaltungen organisieren, auf denen unsere Kunden und unsere Mitarbeiter sich beispielsweise zwanglos bei einem Abendessen kennenlernen können.

Alessandro: Der Gedanke dahinter ist, dass unser Kunde zum Beispiel erfährt, warum Mohammed geflüchtet ist, dass er vorher in Syrien Schreiner war und was er in Zukunft gerne machen möchte. Die Idealvorstellung ist, dass der Kunde eventuell einen Onkel hat, der gerade für seine Schreinerei Arbeitskräfte braucht und bei dem er mal zur Probe arbeiten kann. Der Wunschgedanke ist, dass sie auf ihren Touren jemanden kennenlernen, der sie in ihren Wunschberuf vermittelt.

Nadine: Für solche Veranstaltungen ist es aber noch zu früh. Das machen wir, wenn wir mehr Kunden und Heroes haben. Wir befinden uns derzeit noch in der erweiterten Pilotphase.

Wie lief die noch nicht erweiterte Pilotphase?

Nadine: Vor zwei Jahren haben wir beide unsere damaligen Jobs gekündigt. Ich war in der Bau- und Immobilienwirtschaft, Alessandro bei einer Privatbank. Wir brauchten eine Veränderung und wollten sieben Monate auf Reisen gehen. Allerdings trugen wir auch da schon die Idee für unser Social Start-up lose mit uns herum. Eines Tages fand im betahaus die Veranstaltung „Social Innovation Challenge“ vom Social Impact Lab Hamburg statt. Wir sind mit unserer noch rohen Idee dahin marschiert und haben neben fünf anderen Projekten, die schon viel weiter waren, unser Konzept vorgestellt. Man konnte ein Wochenende lang in einem Workshop das Konzept weiterentwickeln.

Dort haben wir auch entschieden, unser Angebot nicht ausschließlich auf obdachlose Menschen zu fokussieren – das war unser ursprünglicher Plan – sondern auch Geflüchtete und Langzeitarbeitslose miteinzubeziehen. Am Sonntag gab es dann einen Pitch, den wir tatsächlich gewonnen haben. Das war für uns der Beweis, dass wir an der Idee dranbleiben müssen.

Und habt eure Pläne für die Reise direkt über Bord geworfen?

Nadine: Nein, die Reise mit dem Camper haben wir trotzdem gemacht. Aber währenddessen weiter an unserer Idee gefeilt und in jedem Land, das wir besucht haben, Menschen von anderen sozialen Unternehmen getroffen, um von ihnen zu lernen. Als wir wieder zurückkamen, haben wir uns erst einmal wieder Jobs gesucht. Alessandro arbeitet derzeit noch, weil unser Projekt noch nicht rentabel ist, ich habe meinen Job gekündigt und konzentriere mich ganz auf recyclehero.

Wie habt ihr eure Heroes kennengelernt?

Alessandro: Neben dem direkten Kontakt zu Flüchtlingsunterkünften oder dem Schalten von Job-Inseraten, haben wir uns unter anderem letztes Jahr beim „Forum Flüchtlingshilfe“ auf Kampnagel mit unserem Lastenrad hingestellt und Menschen aus Eritrea und Nigeria angesprochen, ob sie eine Testfahrt machen wollen, um in Kontakt zu kommen. Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt und mit einem Interessenten sogar ein Kennlerngespräch vereinbart. Leider ist er aber nicht aufgetaucht.

 

„Wir haben in einem goldenen Käfig gelebt“

 

Kommen solche Fälle oft vor?

Nadine: Gerade heute morgen kam ein potenzieller Hero ein paar Stunden zu spät zum Probearbeiten, weil er den vereinbarten Zeitpunkt falsch verstanden hat – als er kam, hat er aber seinen Job super gemacht. Es geht uns generell darum, den Leuten keine Angst zu machen, sondern sie freundschaftlich zu unterstützen und zu zeigen: Wir meinen es nicht schlecht mit dir, wir sind zwar deine Arbeitgeber, aber wir sind auch Freunde oder Mentoren, die dir helfen wollen besser in der deutschen Gesellschaft und im deutschen Arbeitsmarkt zurechtzukommen.

Alessandro: Aber natürlich sind wir auch ein Unternehmen, ein sogenanntes Social Start-up, das davon abhängig ist, dass die Kunden einem wohlgesonnen sind. Deswegen müssen wir auf Pünktlichkeit und Verlässlichkeit bestehen. Vor allem die Restaurants, die wir bedienen, wissen um den sozialen Faktor, doch wenn sie wiederholt auf ihrem Altglas sitzen bleiben, verlieren sie natürlich die Geduld.

Wie ist es eigentlich, eine gesicherte Existenz aufzugeben?

Nadine: Für mich war die komfortable Situation mit gutem Einkommen schon ganz in Ordnung. Aber ich habe mir schon immer die Frage gestellt, ob mich das erfüllt. Ich habe dann irgendwann erkannt, dass ich nicht viel brauche und das, was ich wirklich brauche, meist keine Dinge sind. Alessandro und ich leben immer noch in einer WG, seit unserer Reise haben wir einen Hund, Viko, den wir in Griechenland adoptiert haben – die beiden und zu sehen, welchen Mehrwert unser Projekt recyclehero stiften kann, macht mich glücklich.

Alessandro: Ich habe auch jahrelang in einem goldenen Käfig gelebt. Für viele ist ja auch dieses abgesicherte Leben toll und richtig und sie mögen, dass alles planbar ist und es selten böse Überraschungen gibt. Ich will aber auch die bösen Überraschungen erleben und diese Ungewissheit wie es weiter geht wieder spüren. Das hält mich am Leben. Und auch der soziale Gedanke, einen gesellschaftlichen Mehrwert zu leisten, ist für mich erfüllender als die Arbeit in der Bank.

Recyclehero.de


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Kulturchoc: Diese Schokolade hilft bei der Integration

Mona Taghavi Fallahpour ist Gründerin und Geschäftsführerin des Food-Start-ups Kulturchoc, das Frauen nach Flucht oder Migration einen beruflichen Neueinstieg ermöglicht

Text und Interview: Erik Brandt-Höge
Fotos: Felix Valentin

Schokolade als Integrationshilfe? Klingt nach einer so süßen wie naiven Idee, ist aber ein bestens funktionierendes Sozialunternehmen. Kulturchoc heißt das Projekt, das Mona Taghavi Fallahpour vor einem Jahr gegründet hat. Ihr Konzept: Geflüchtete Frauen und Migrantinnen, die 35 Jahre oder älter sind, kreieren gemeinsam Köstlichkeiten und schaffen sich dadurch eine Zukunftsperspektive.

Korrekte Konfekte nennt die Kulturchoc-­Macherin das, was ihre Mitarbeiterinnen in einer Altonaer Küche aus u. a. Mandeln, Datteln und Safran zaubern. Alle Zutaten sind fair gehandelt, viele stammen aus den Herkunftsländern der Köchinnen.

Mona, die bereits seit elf Jahren für Vereine, Stiftungen und Organisationen an Bildungsprojekten arbeitet und sie umsetzt, wurde für Kulturchoc kürzlich für den Deutschen Integrationspreis ausgezeichnet – und das soll erst der Anfang sein, sagt sie …

SZENE HAMBURG: Mona, Kulturchoc wirkt wie ein Integrationsprojekt par excellence. Aber: Ist alles so einfach, wie es aussieht?

Mona Taghavi Fallahpour: Es hat schon eine gewisse Zeit gebraucht, unsere Vorhaben umzusetzen. Sozialunternehmen sind in Deutschland noch nicht so anerkannt wie in anderen Ländern, etwa in Amerika. Da ist man auch rechtlich schon weiter, was gemeinnützige Unternehmerarbeit angeht.

Woran liegt das?

Hier ist es einfach nicht üblich, etwas für soziale Projekte zu erwirtschaften. Es ist deshalb anfänglich gar nicht so leicht, die passenden Unterstützer für solche Unternehmen zu finden.

 

„Das Interesse ist riesig!“

 

Wie war es denn bei der Teamfindung für Kulturchoc: Haben sich schnell interessierte Frauen bei dir gemeldet?

Ich hatte und habe immer noch viel mehr Bewerbungen, als ich bewerkstelligen kann. Das Interesse ist riesig! Das habe ich schon zu Beginn gemerkt, als ich Kulturchoc noch ehrenamtlich als Workshop in einem Stadtteilzentrum in Altona angeboten habe.

Bei den Frauen kam das super an – genau wie bei den Kunden. Es lief so gut, dass ich im Oktober 2018 entschied, Kulturchoc hauptamtlich zu leiten.

Und nach welchen Kriterien suchst du die Mitarbeiterinnen aus?

Zunächst bekomme ich einen Lebenslauf von den Frauen, dann vereinbare ich einen Kennenlerntermin, bei dem wir auch gemeinsam in unsere Küche gehen. Dort können sich die Bewerberinnen mit den Frauen unterhalten und austauschen, die schon länger dabei sind und natürlich auch schon ein paar erste Konfekte rollen.

Danach setze ich mich mit allen zusammen, und wenn es passt, probieren wir es sechs bis acht Wochen aus und denken über eine längere Zusammenarbeit nach.

 

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Kulturchoc-Künstlerinnen bei der Handarbeit

 

Momentan sind sechs Frauen in unserer Küche, zwei von ihnen bereits festangestellt. Übrigens bietet Kulturchoc den Teilnehmerinnen auch neben der Arbeit einiges an, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken und ihre Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern, z. B. Fahrrad­- und Selbstverteidigungskurse, Stimm-­ und Präsentationstraining.

Das alles braucht eine Finanzierung. Wer unterstützt euch?

Im vergangenen Jahr haben wir eine Anschubförderung vom Bezirksamt Altona bekommen. Die Mitarbeiter dort haben sich dafür eingesetzt, dass Kulturchoc in Altona bleibt. Auch bei einem Crowdfunding haben wir erfolgreich mitgemacht und über 11.000 Euro an Spenden gesammelt. Und kürzlich sind wir von der Jury des Deutschen Integrationspreises auf den zweiten Platz gewählt worden, dafür gab es ein Preisgeld.

Die Weichen für weitere Erfolge sind also gestellt. Was ist das nächste Ziel?

Wir wollen wachsen. Wir wollen mehr Teilnehmerinnen aufnehmen und größere Maschinen anschaffen, um die Produktion zu verbessern. Und langfristig wollen wir uns natürlich selbst finanzieren.

Ich wünsche mir, dass wir irgendwann so weit sind, dass die Frauen den Laden selbst schmeißen können und ich mich Stück für Stück heraus­ziehen kann. Um das zu erreichen, haben wir u. a. vor, einen Webshop einzurichten, damit die Korrekten Konfekte auch bundesweit verschickt werden können. Momentan sind wir ja nur lokal unterwegs, z. B. auf Märkten in Hamburg. Der Webshop ist also der nächste große Schritt – und an neuen Produkten tüfteln die Frauen auch schon.

Kulturchoc.de


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im 
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Das Theaterschiff braucht Hilfe: SOS vom Nikolaifleet

„Das Schiff“ ist das einzige fahrtüchtige Theaterschiff Europas und 107 Jahre alt. Seit über vier Jahrzehnten liegt es im Nikolaifleet und bietet ein kleines, feines Kulturprogramm. Doch jetzt droht Hamburgs Theaterschiff der Untergang

Text: Dagmar Ellen Fischer
Fotos: Kerstin Sander

Parkett und Rang gibt es nicht, hier sitzt das Publikum achtern oder mittschiffs steuerbord. Keine Klingel, die Schiffsglocke ruft zur Vorstellung. Spätestens bei diesem Signal reißt sich das Publikum vom Blick aufs Wasser los und klettert vom Oberdeck in den Schiffsbauch. Dort garantieren 120 Plätze rundum beste Sicht. Jugendliche Backpacker sitzen hier neben ergrautem Stammpublikum, ein kichernder Mädelsabend neben Großeltern samt Enkel.

Knapp 70 Prozent Auslastung erreicht das Theaterschiff, so Eigentümer Heiko Schlesselmann, die Elbphilharmonie schwemmt eine stetig steigende Zahl Touristen ins Hafengebiet, und das kommt auch dem Theaterschiff zugute. Doch Einnahmen allein werden nicht reichen, wenn „Das Schiff “ demnächst auf die notwendige umfassende Sanierung zusteuert. Die gute Nachricht: Die Hamburger Bürgerschaft bewilligte schon 2017 den Betrag von 312.000 Euro aus dem sogenannten Sanierungsfonds 2020.

 

Zuschauerraum-Theaterschiff-Hamburg-(c)-Kerstin-Sander

Klein und fein: der Theaterraum unter Deck

 

Optimistisch machte sich Heiko Schlesselmann folglich im Januar 2018 mit einem großen Koffer auf, um das Geld in Empfang zu nehmen. Doch dann die böse Überraschung: Bevor das Geld fließen konnte, forderte ein Team aus Sachverständigen ein detailliertes Leistungsverzeichnis, also die präzise Aufstellung aller notwendigen Arbeiten samt Kosten. Das legte der Inhaber Ende 2018 vor, in der festen Überzeugung, nun alle Bedingungen erfüllt zu haben.

 

Sanierung doch teurer als erwartet

 

Die erneute Ernüchterung kam jedoch in Form einer Nachforderung – ein Schadstoff-Gutachten müsse her, von dem bislang keine Rede gewesen war. „Bei möglichen Schadstoffen werden Behörden besonders hellhörig, auch wenn ein solches Gutachten für Binnenschiffe gar nicht verpflichtend ist“, erläutert Schlesselmann.

Vier Wochen später lag das Ergebnis vor, man war fündig geworden: Blei in der Lackierung, Asbest in den Pontons und Glaswolle hinter der Innenverkleidung. In Zahlen: Die Kosten für eine grundlegende Sanierung hatten sich verdreifacht. Kalkuliert man mit dem bewilligten Geld aus dem Sanierungsfonds 2020 als einem Drittel, und addiert dazu ein weiteres Drittel, das vom Theaterschiff aus Rücklagen finanziert werden kann, bleibt ein Drittel offen …

 

Seht in diesem Video, wie es um „Das Schiff“ steht

 

 

Und dieses Leck kann gestopft werden, darin sind sich Schlesselmann und der künstlerische Leiter Michael Frowin einig. Zu den einträglichen Maßnahmen gehört eine Crowdfunding-Kampagne, Spendenaufrufe durch Übernahme von Stuhlpatenschaften und als Höhepunkt das Benefizkonzert in der Elbphilharmonie am 7. Dezember, unter anderem mit Gustav Peter Wöhler, Anna Depenbusch und Bodo Wartke.

Musik und Literatur prägten die schwimmende Bühne von Anfang an: Christa und Eberhard Möbius erwarben das ausgemusterte Schiff 1974 und eröffneten nach umfangreichem Umbau ein Jahr später Deutschlands erstes Theaterschiff mit einer Revue über Joachim Ringelnatz. In den folgenden Jahren waren sich selbst Größen wie Helmut Qualtinger und Gert Fröbe nicht zu schade, mit Lesungen Publikum an Bord zu locken. 2012 übernahm Heiko Schlesselmann erfolgreich das Ruder, mit einer Mischung aus Kabarett, Kindertheater und handverlesenen Gastspielen. Doch nun braucht er die Hilfe einer engagierten und spendablen Mannschaft, um Schiffbruch zu vermeiden.

Das Schiff: Nikolaifleet, Holzbrücke 2 (Neustadt)


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
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Zero Waste – Noch mehr Stückgut

Knapp ein Jahr nach der Eröffnung hauen sie die gute Nachricht raus: Stückgut eröffnet eine zweite Filiale. Schon bald lässt sich auch in der Rindermarkthalle unverpackt einkaufen.

Die Welt versinkt im Müll. Allein die Deutschen produzieren laut Bundesumweltamt jährlich 45 Millionen Tonnen, das sind rund 559 Kilo pro Einwohner. Um hier ein grünes Zeichen zu setzen, hat im Januar 2017 mit Stückgut Hamburgs erster Unverpackt-Laden in Ottensen seine Türen geöffnet. Per Crowdfunding hatten Christiane Bors, Insa Dehne, Sonja Schelbach und Dominik Lorenzen zuvor rund 43.000 Euro gesammelt, um ihren Traum von einem nachhaltigen Supermarkt zu verwirklichen. Hier gibt es (fast) alles – außer: Verpackungen. Und das kommt an. „Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen“, freut sich Geschäftsführerin Insa Dehne. „Offenbar sehnen sich die Menschen danach, ihren Plastikverbrauch einschränken zu können.“

Jetzt planen die Macher ihre zweite Filiale. Im Frühjahr soll sie in der Rindermarkthalle eröffnen. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen. Auf rund 100 Quadratmetern soll es auch dort Lebensmittel sowie Kosmetik und Haushaltsprodukte geben – alle verpackungsfrei und möglichst aus der Region. Denn schließlich geht es um Nachhaltigkeit und dafür braucht man keine weiten Wege. Wer einkaufen möchte, bringt sich seine Verpackungsbehälter mit – oder erwirbt einfach welche im Laden. Abfüllen, wiegen, fertig.

Der bestehende Laden in Ottensen bleibt von den neuen Plänen unbeeinträchtigt. Aktuell sucht das Stückgut-Team bereits nach Verstärkung für die neue Filiale. Es gibt viel zu tun: „Wir müssen die Ladeninneneinrichtung fertigstellen, Behälter und Ware bestellen und und und“, sagt Insa Dehne. „Aber diesmal wissen wir ja schon viel besser, wie es geht und was wir brauchen; das macht es etwas leichter.“ Auf Startnext hat das Stückgut- Team bereits ein neues Crowdfunding gestartet.

Text: Ilona Lütje

Unterstützt Stückgut auf Startnext unter www.startnext.com/stueckgut2

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Februar 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#StrassenWAHL: Deine Stimme zählt!

Nikolas Migut und sein Verein Straßenblues wollen mit der Aktion „Straßenwahl“ Wohnungslose motivieren, wählen zu gehen – das stärkt die Demokratie und das Selbstvertrauen der Menschen am Gesellschaftsrand. Ein Crowdfounding soll die Aktion jetzt möglich machen.

Copyright by David Diwiak

Wir trafen den Filmemacher zum Interview und wollten es genau wissen. Was ist geplant, wird es funktionieren und was hat ihn motiviert, die Straßenwahl zu initiieren? Nikolas Migut: „Die Idee ist aus aus einem Gespräch mit meiner Frau Milena entstanden, als wir uns über die momentanen politischen Zustände in Europa und den USA ausgetauscht haben. Gefühlt geht gerade die Demokratie vor die Hunde und wir wollten unseren Verein nutzen, um etwas dagegen zu tun. Wählen gehen bei der anstehenden Bundestagswahl fördert die Demokratie und da kam uns in den Sinn, dass die Obdachlosen oft nicht wissen, dass sie eine Wahlstimme haben, die genauso zählt, wie alle anderen. Und wie sie wählen können, wissen sie meist auch nicht.“

Der gemeinnützige Verein will mit der #StrassenWAHL Wohnungs- und Obdachlose jetzt ausführlich informieren. Sie sollen mit der Hilfe von StrassenBLUES e.V. zur Wahlurne gehen und ihr Kreuz machen. Doch für Flyer, Freecards und Tablet-Mieten wird ein bisschen Geld benötigt. Darum hat der Verein auf Betterplace ein Crowdfounding gestartet. 

 

Das komplette Interview erscheint in unserer nächsten SZENE HAMBURG.  Die neue Ausgabe gibt’s ab 31. August 2017.

Text: Hedda Bültmann

www.strassenwahl.de

Ab in die Crowd. Der Crowdfunding-Wettbewerb

Die Idee ist da. Und jetzt? Vor allem im kreativen und kulturellen Bereich setzen Gründer auf Crowdfunding, wenn es um die Finanzierung geht. Wir rufen zum Wettbewerb auf!

Gemeinsam mit der Hamburg Kreativ Gesellschaft (HKG) starten wir darum jetzt den Nordstarter Crowdfunding Contest. Was dahintersteckt und worauf es beim Crowdfunding ankommt, erzählt Isabel Jansen (auf dem Foto mit Kollege Jean Rehders) von der HKG.

SZENE HAMBURG: Für wen ist das Crowdfunding mit Nordstarter geeignet?

Isabel Jansen: Für alle Projektstarter aus Hamburg, die eine Idee aus dem kreativwirtschaftlichen oder kulturellen Bereich realisieren wollen.

Worin besteht der Vorteil einer regionalen Plattform?

Auf der Plattform unseres Kooperationspartners Startnext sind immer sehr, sehr viele Projekte gleichzeitig im Rennen. Mit Nordstarter kuratieren wir die Projekte aus Hamburg, sodass sie dort noch einmal eine größere Sichtbarkeit bekommen. Und Interessenten können gezielt schauen, was eigentlich in ihrer Nähe los ist: Welche Projekte gehen an den Start, wer braucht noch Unterstützung, wo kann ich vielleicht auch mal vorbeischauen und mir das Projekt genau ansehen.

 Wie viele Projekte habt ihr in den vergangenen fünf Jahren unterstützt?

Wir haben jetzt über 400 Projekte auf der Seite gehabt, davon waren natürlich nicht alle erfolgreich.

Etwa 250 Projekte haben ihr Funding-Ziel erreicht und wurden umgesetzt. Mittlerweile sind etwa 2 Millionen Euro für erfolgreiche Projektstarts zusammengekommen.

Was muss man mitbringen, um ein Projekt erfolgreich umzusetzen?

Natürlich erst mal eine gute Idee, und dann auch die Motivation, diese Idee in die Welt zu tragen, Mitstreiter zu finden, oft auch die gute Geschichte dahinter zu erzählen – und das bedingt dann natürlich eine gute Vorbereitung und eine authentische Projektpräsentation inklusive Kampagnenplanung.

Woran kann es scheitern?  

Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Projektstarter denken, dass es ein Selbstläufer wird und sie deshalb nicht richtig rausgehen mit ihrer Idee. Das funktioniert nicht. Man muss möglichst ein eigenes Netzwerk mitbringen, das Projekt engagiert vermarkten und unter die Leute bringen. / Interview Ilona Lütje

Nordstarter Crowdfunding Contest

 Vivie Ann

Finanzierte ihr erstes Album „Flowers & Tigers“, das im September 2016 erschien, über Crowdfunding. Die Hamburger Musikerin Vivie Ann. Foto: Sandra Ludewig

Gemeinsam mit der Hamburg Kreativ Gesellschaft startet SZENE HAMBURG den Nordstarter Crowdfunding Contest. Mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne auf Nordstarter.de können Kreative ihre Projekte vorstellen, finanzielle Unterstützer finden und es in die Tat umsetzen. Die Crowd entscheidet

Die drei Projekte mit den meisten finanziellen Unterstützern am Ende der Kampagne gewinnen Preisgelder in Höhe von insgesamt 3.000 Euro (1. Platz: 1.500 Euro, 2. Platz: 1.000 Euro und 3. Platz: 500 Euro) und werden medial von SZENE HAMBURG begleitet.

Die Spannbreite der möglichen Projekte ist groß: Kurzfilme, Designprodukte, Apps, Hörspiele, Prototypenentwicklung, Studioaufnahmen, Kunstmagazine, Ausstellungen, Modelabel, Festivals … 

Und so könnt ihr mitmachen

Registrierung und Vorbereitungsphase: 1. April bis 19. Juni 2017

Am 1. April startet die Registrierungsphase: Hier können Projekte auf der Crowdfunding-Seite Nordstarter in der Entwurfsphase eingepflegt werden. Der Entwurf ist nicht öffentlich sichtbar, alles kann bis zum Beginn der Finanzierungsphase geändert werden. Am 9. und 19. Mai können die Wettbewerbsteilnehmer an Workshops für die Vorbereitung der eigenen Crowdfunding-Kampagne teilnehmen und die Projektpräsentationen weiter bearbeiten. Referenten sind Maike Gosch und das Team von „Mit freundlicher Gestaltung“.

Vorstellung in SZENE HAMBURG

Alle Projektstarter, die bis zum 10. Juni ihr Crowdfunding-Projekt in der sogenannten Startphase veröffentlichen, werden in der Juli-Ausgabe von SZENE HAMBURG präsentiert. In der Startphase ist die Projektpräsentation online. Hier können die Projektstarter Feedback einholen, um ggf. Änderungen an der Projektpräsentation vorzunehmen.

Finanzierungsphase und Wettbewerbslaufzeit: 29. Juni bis 7. August 2017

Um am Wettbewerb teilzunehmen, müssen die Bewerbungen  bis zum 28. Juni (23:59 Uhr) für die Finanzierungsphase auf Nordstarter eingegangen sein. Alle Wettbewerbsteilnehmer absolvieren dann vom 29. Juni bis 7. August gemeinsam die Finanzierungsphase auf Nordstarter. In der Finanzierungsphase müssen die Teilnehmer genügend finanzielle Unterstützer finden, um das Finanzierungsziel zu erreichen – wenn nicht, geht das Geld an die Unterstützer zurück und das Projekt nicht in die Wertung des Wettbewerbs ein.

Verkündung der Gewinner

In die Wertung kommen alle Projekte, die ihr Crowdfunding-Projekt erfolgreich in der Finanzierungsphase des Wettbewerbs (29. Juni bis 7. August) finanzieren konnten. Die drei Projekte mit den meisten finanziellen Unterstützern gewinnen den Wettbewerb. Entscheidend ist allein die Anzahl der Geldgeber und nicht die Höhe der eingeworbenen Mittel.

Teilnahmebedingungen

Teilnehmen können Privatpersonen ab 18 Jahren, als Team, Unternehmen, Verein, Stiftung oder als sonstige Organisation mit Wohnsitz/Firmensitz in Hamburg. Das Crowdfunding-Projekt muss ein Mindestfinanzierungsziel von 2.000 Euro anstreben und zu den Richtlinien von Nordstarter passen.

Pexels

Tipps und Facts:

  • Registrierung: 1. April bis 19. Juni
  • Vorbereitungsworkshops:
  • 9. Mai – Storytelling für das eigene Crowdfunding-Projekt
  • 19. Mai – Wie erstelle ich ein authentisches Pitchvideo?
  • Wettbewerbslaufzeit: 29. Juni bis 7. August Finanzierungsphase auf Nordstarter
  • Registrierung und weitere Infos: www.kreativgesellschaft.org/nordstarter