Beiträge

Nora Fingerscheidt über ihren Film „Systemsprenger“

„Systemsprenger“ werden im Amtsjargon Kinder genannt, die in keiner Familie, keinem Heim klarkommen. Die Wahlhamburgerin Nora Fingscheidt hat einen ebenso berührenden wie bestürzenden Film über solch ein Mädchen geschaffen

Text und Interview: Sabine Danek
Foto: Yunus Roy Imer – Port au Prince Pictures

 

Gleich mit ihrem ersten Spielfilm hat die Hamburger Regisseurin Nora Fingscheidt es in den Wettbewerb der Berlinale geschafft – und den Silbernen Bären gewonnen. Mit einem Drama wie eine Urgewalt, das von einem Mädchen erzählt, wie man es zuvor nicht kannte.

Von der neunjährigen Benni, die von ihrer überforderten Mutter der Fürsorge übergeben wurde, die Bobby-Cars durch die Gegend schmeißt, die tobt, schreit und abhaut. 27 Heime und Wohngruppen hat sie hinter sich, denn sie will einzig an einen Ort zurück: zu ihrer eigenen Mutter. Bennis Kampf um Liebe ist eine Tour de Force, die weit über die Geschichte hinausreicht, die einen zutiefst berührt, bestürzt und atemlos zurücklässt.

Nora-Fingscheidt-c-Philip-Leutert

Mehrfach ausgezeichnet: Nora Fingscheidt (Foto: Philip Leutert)

SZENE HAMBURG: Nora Fingscheidt, Sys­temsprenger ist ein so kalter und ungewöhnlicher Begriff. Wie wurde er Titel?

Nora Fingscheidt: Als ich das Wort das erste Mal gehört habe, ging es mir genauso. Das war während der Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm für die Caritas. Wir haben in einem Heim für wohnungslose Frauen gedreht, einem nicht sehr hoffnungsvollen Ort, wo eines Tages ein 14-jähriges Mädchen einzog.

Ich war schockiert darüber! Aber die Sozialarbeiterin erklärte uns gelassen, sie sei eben ein Systemsprenger. Das Wort ist so hart wie eindrücklich, es klingt nach Explosion und beschreibt gleichzeitig etwas sehr Tragisches. Von da an hat der Begriff mich begleitet.

Du hast auch das Drehbuch geschrie­ben. War es bei dieser Geschichte besonders wichtig, sie von Anfang an zu entwickeln?

Es gibt Stoffe, denen muss man sich einfach selber annähern. Ich hätte das Drehbuch gerne mit jemandem zusammen geschrieben, aber es gab Zeitprobleme. Es alleine zu schreiben war schon recht anstrengend.

War das Mädchen aus dem Haus für wohnungslose Frauen Vorbild?

Auf eine Weise schon, denn sie war der Ausgangspunkt für eine vierjährige Recherche. Die habe ich aber nicht nonstop betrieben, sondern zwischendurch immer wieder geschrieben. Ich war für zwei Wochen in einer Wohngruppe und habe anschließend an dem Drehbuch gearbeitet, dann eine Woche in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, wieder geschrieben, zehn Tage in einer Schule für Erziehungshilfe und so weiter.

Am Ende war ich noch einmal zehn Tage in einer Inobhutnahmestelle. Das war hart. Dorthin kommen die Kinder direkt aus den Familien, wenn es Zuhause eskaliert.

 

„Mein Weltbild hat sich ziemlich verdüstert“

 

Wie nahe geht einem so ein Projekt?

Sehr nahe. Mir ist es schwer gefallen, die vielen tragischen Fälle zu verarbeiten, die furchtbaren Familiengeschichten der Kinder, ihre Traumata und ihre Hilflosigkeit. Mein Weltbild hat sich ziemlich verdüstert und irgendwann konnte ich nicht einmal mehr U-Bahn fahren, ohne mögliche Fälle von Kindesmissbrauch zu sehen.

Ich habe dann ein Jahr pausiert und einen Dokumentarfilm über Mennoniten in Argentinien gedreht. Das Eintauchen in eine so andere Welt ohne Strom, ohne Internet und weltpolitische Überlegungen, in der nur das demütige Leben Gott gegenüber zählt, war gut. Auch wenn es dort andere Konflikte und Kindheitsprobleme gab, hat es die Dinge wieder etwas ins Verhältnis gerückt.

Die damals zehnjährige Helena Zengel, die im Film Benni spielt, war eine der ersten, die für diese Rolle vorgesprochen hat. Dennoch hast du noch viele andere gecastet.

Als ich das Drehbuch geschrieben habe, dachte ich, dass ich nie ein Kind finden werde, das diese Rolle spielen kann. Geschweige denn, dass ich Eltern finde, die das erlauben. Als wir schließlich das erste Casting hatten, war Helena tatsächlich das siebte Kind, das vorgesprochen hat. Ich war beeindruckt, aber habe mich nicht getraut, schon aufzuhören. Michael Haneke hat für „Das weiße Band“ 6.500 Kinder gecastet. Ich konnte mir wirklich nicht vorstellen, dass es so einfach sein kann.

Doch sie ist es dann geworden.

Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich alle anderen Mädchen mit Helena vergleiche. Die Aggression immer auch mit einer solchen Not zu spielen, mit etwas Verletzlichem und gleichzeitig Gefährlichem, das habe ich bei keiner anderen gefunden.

Wie geht man mit einem Kind um, das solche Extreme spielen muss?

Man lässt sich viel Zeit. Sechs Monate vor Beginn der Dreharbeiten haben Helena und ich angefangen, Bennis Charakter zu erforschen, wir haben zusammen Bennis Klamotten ausgesucht. Bennis kleiner Drache war Helenas Idee. Wir haben aufgelistet, wie Benni in verschiedenen Situationen reagiert und wie Helena, damit sie das nicht vermischt.

Gleichzeitig hatten wir so viele Drehtage, dass wir nur ein, zwei Filmminuten am Tag drehen mussten. Komprimiert in zwei Stunden Film sieht es schon so aus, als würde Benni ständig ausrasten, aber wir hatten auch ruhige und lustige Drehtage.

 

 

Wenn Benni ausrastet, wird die Leinwand pink und zu einem Kaleidoskop aus Bildsplittern. Wie kam es dazu?

Ansätze gab es schon im Drehbuch, in das ich Träume, beziehungsweise Albträume hineingeschrieben habe. Aber irgendwie steckten sie voller Klischees. Weil Helena als Kind nur fünf Stunden am Tag arbeiten darf, haben der Kameramann Yunus Roy Imer und ich damit begonnen, nach ihrem Drehschluss mit bunten Glühbirnen und Makroobjektiven zu experimentieren. Der Schnittmeister hat das weitergesponnen und so ist Schritt für Schritt diese Filmsprache entstanden.

Der Film baut eine unglaubliche Span­nung auf, alles scheint möglich. Wie schwer war es, da einen Schluss zu finden?

Das war wahnsinnig schwer. Es gab viele verschiedene Versionen, manche waren ganz ruhig. Aber schließlich wollten wir es knallen lassen. Wir haben versucht, Bennis Energie in alle Ebenen des Films zu übertragen, in die Farben, den Schnitt, die Tongestaltung und in die Dramaturgie. Auch das Ende entspricht ihrer Intensität. Es wird sehr ambivalent aufgenommen, aber ich möchte nicht zu viel verraten.

Für wen ist der Film?

Für Menschen, die sich für Kinder interessieren, ab 20 Jahren aufwärts bis in die hohen 70er. Auf den Festivals habe ich beobachten können, wie die unterschiedlichsten Leute von dem Film berührt sind.

Er handelt auch von der Liebe selbst, davon, was sie kann und wie viele Facetten sie hat.

Ja, von dem Bedürfnis des Menschen nach bedingungsloser Liebe und was passiert, wenn einem diese entzogen oder verweigert wird. Bis heute hat der Film 19 Preise gewonnen und das auf der ganzen Welt, in Taiwan, Portugal, der Ukraine oder auf dem Balkan. Auch wenn er im deutschen Sozialsystem angesiedelt ist, scheint er etwas ganz Universelles zu berühren.

Auf der Berlinale hat der Film den Silbernen Bären gewonnen. Wie war es, auf Anhieb im Wettbewerb zu sein? Und ab wann denkt man, dass man vielleicht gewinnen könnte?

Es war natürlich total großartig, aber gleichzeitig ist das alles auch ziemlich an mir vorbei gerauscht. Ich bin aus der völligen Überarbeitung in die Berlinale geschlittert. Der Film wurde nur drei Tage vorher fertig, erst am Tag vor der Premiere konnte ich mir ein Kleid besorgen.

Bevor ich mich besinnen konnte, war die Berlinale vorbei und plötzlich stand ein Bär in unserer Küche. Im Nachhinein kann ich das sehr genießen, aber währenddessen habe ich mich eher wie in einem Tornado gefühlt. Und damit gerechnet, wirklich einen Preis zu gewinnen, haben wir sowieso nie.

Systemsprenger: Ab 19.9.2019 im Kino


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, September 2019. Titelthema: Mobilität – Das bewegt die Stadt. Das Magazin ist seit dem 29. August 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Weißer Ring: Aus dem Leben gerissen

Wer Opfer von Diebstahl, Betrug oder sexualisierter Gewalt wird, findet Hilfe beim Weißen Ring. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Landesverbands Hamburg erzählt Vorsitzender Hans-Jürgen Kamp wie sehr Übergriffe Leben verändern und was #MeToo bewirkt hat

Interview: Sophia Herzog
Foto: Jessica Lewis via Unsplash

 

SZENE HAMBURG: Herr Kamp, Sie haben früher die berüchtigte Justizvollzugsanstalt Santa Fu geleitet, waren dann stellvertretender Leiter des Strafvollzugsamtes und sind seit fünf Jahren beim Weißen Ring. Was hat Sie zu diesem Seitenwechsel bewogen?

weisser-ring2-c-sophia-herzog

Vom Strafvollzug in die Opferhilfe: Hans-Jürgen Kamp (Foto: Sophia Herzog)

Hans-Jürgen Kamp: Während meiner Zeit im Strafvollzug habe ich mich regelmäßig mit dem Thema Resozialisierung beschäftigt, und mit der Frage, wie man Straftäter wieder auf die richtige Bahn leiten kann. Ich habe im Laufe der Zeit aber auch viele Menschen getroffen, die von diesen Straftaten betroffen waren. Und das hat mich zunehmend nachdenklicher gemacht. Dass ich die Aufgabe des Landesvorsitzenden beim Weißen Ring übernommen habe, hat sich dann aber doch eher zufällig ergeben.

Konnten Sie etwas aus Ihren früheren Jobs im Strafvollzug mitnehmen, dass Ihnen jetzt hilft?

Die Zahl der unmittelbaren Anknüpfungspunkte ist übersichtlich. Ich habe auf jeden Fall eine sehr gute Vorstellung davon, warum Menschen auf welche Art und unter welchen Umständen verschiedene Straftaten begehen. Und ich habe Menschen kennengelernt, die hinterher sehr betroffen waren von den Konsequenzen ihrer Tat. An der Frage, wie man diese Betroffenheit auch positiv instrumentalisieren kann, sind wir beim Weißen Ring ganz dicht dran.

Wir werfen mit dem Menschen, der zu Schaden gekommen ist, durchaus einen Blick auf den Täter und versuchen, in ihm nicht nur das grenzenlos Böse zu sehen, sondern seine Position auch differenziert zu betrachten. Im Einzelfall kann das auch zu einem Täter-Opfer-Ausgleich führen (Anm. d. Red.: Ein Täter-Opfer-Ausgleich ist ein Mittel zur außergerichtlichen Konfliktschlichtung, das von einem unparteiischen Dritten moderiert wird und bei dem sich Täter und Opfer in der Regel persönlich begegnen.)

 

„Opfer von Straftaten wollen nur eines: Gerechtigkeit“

 

Gelingt das den Geschädigten in der Regel, Verständnis für die Täter aufzubringen?

Gewiss nicht in der Regel! Die Opfer von Straftaten wollen nämlich nur eines: Gerechtigkeit, die durch eine verständnisvolle, auch die Interessen des Opfers oder der Opfer berücksichtigende Justiz hergestellt wird. Aber die nach wie vor häufig sehr täterorientierte Arbeitsweise der Justiz erschwert allen Beteiligten den Zugang zu einer ganzheitlichen Sichtweise.

Bei den ganzen erschreckenden Schicksalen denen Sie, auf beiden Seiten, begegnen – wie bleiben Sie positiv?

Das ist eine gute Frage. Früher, bei meinem Job im Strafvollzug, habe ich gelegentlich mit Menschen zu tun gehabt, deren unvorstellbare Emotionslosigkeit und kompletter Mangel an Empathie mich total ratlos gemacht haben.

Ich habe Menschen getroffen, denen auch ich nicht im Dunkeln begegnen möchte. Aber ich war auch immer in der Lage, das von meinem Privatleben zu trennen. Ich bin ja Jurist, habe aber in meinem Freundeskreis niemanden aus dieser Branche. Das hat vielleicht geholfen, weil ich privat immer anderen Themen begegnet bin.

Gelingt Ihnen das genauso gut, jetzt wo sie häufiger mit dem Leid der Opfer konfrontiert sind?

Hier ist das einfacher, als Vorsitzender habe ich mit konkreten Schicksalen nur theoretisch zu tun, da ich ja nicht selbst berate, und habe dadurch schon eine gewisse Distanz. Aber auch hier gibt es immer wieder Situationen, die mich betroffen machen. Der Weiße Ring beschäftigt sich im Moment sehr intensiv mit der Reform des Sozialen Entschädigungsgesetzes.

Er setzt sich dafür ein, dass auch Opfer mit Schockschäden eine Entschädigung bekommen. Diese Personen waren unbeteiligte Zeugen bei grausamen Ereignissen. Sie haben bestimmt von der schrecklichen Tat am Jungfernstieg im April 2018 gehört …

 

Professionelles Mitgefühl

 

Ein Mann hat damals seine Ex-Frau und die gemeinsame Tochter getötet.

Und jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie hätten auf der Bank daneben gesessen, kriegen das mit, und das kleine Kind stirbt kurz danach in Ihren Armen. Kaum einer kann das einfach so wegstecken, das ist eine traumatische Erfahrung. In solchen Fällen beraten und helfen wir als Weißer Ring natürlich auch. Wenn wir solche Fälle hier in der Runde besprechen, geht das an keinem spurlos vorbei.

Gleichzeitig müssen wir aber auch darauf achten, es nicht zu nahe an uns heranzulassen. Wir sprechen immer davon, dass wir gerne und professionell Mitgefühl haben, aber Mitleid vermeiden müssen. Wenn wir mitleiden, werden wir selbst zu Opfern und können nicht mehr stärken und schützen.

Wie verhindern Sie das intern?

Unsere Leute, die in solchen Situationen beraten und begleiten, werden in Aus- und Weiterbildungsseminaren systematisch auf die Gesprächssituationen vorbereitet. Es besteht auch die Möglichkeit von Supervisionen. Denn so eine physische Brutalität wie bei dem gerade genannten Mord oder wie bei dem Ehemann, der seine Frau mit heißem Öl überschüttet, weil sie sich einem anderen Mann zuwendet, macht fassungslos. Aber spektakuläre Fälle wie diese passieren zum Glück selten.

Die Opfer welcher Verbrechen nehmen die Beratung des Weißen Rings am häufigsten in Anspruch?

Der Bereich der Seniorenkriminalität ist sehr groß. Ganz typisch ist der Enkeltrick, bei dem alte Damen meistens telefonisch dazu manipuliert werden, große Summen an Geld abzuheben, weil der angebliche Enkel in Not ist. Das hat mit Dummheit wenig zu tun, sondern vielmehr mit der hohen manipulativen Kompetenz der Betrüger.

Auch Cyberkriminalität ist ein Thema, also zum Beispiel junge Mädchen, die leicht bekleidet Bilder von sich machen, an ihre Freunde schicken, und diese Fotos landen später im Internet.

Die überwiegende Zahl der Fälle, in denen der Weiße Ring tätig wird, betrifft aber gewalttätige Auseinandersetzungen in häuslichen Gemeinschaften und Sexualdelikte. Dabei sind übrigens auch manchmal Männer die Opfer, wenn auch deutlich seltener.

 

weisser-ring-c-sophia-herzog

85 Ehrenamtliche helfen beim Weißen Ring in Hamburg (Foto: Sophia Herzog)

 

Was macht das mit Menschen, wenn sie Opfer eines Verbrechens werden?

Ganz viel. Eine junge Frau erzählte mir einmal, dass sie neulich shoppen war und ihr Handy vor der Nase hatte. Einen älteren Mann, der ihr auf dem Gehsteig entgegengekommen ist, hat das so gestört, dass er sie nicht nur laut beschimpft, sondern auch absichtlich und ziemlich heftig angerempelt hat. Sie hat sich natürlich erschrocken und ist außerdem mit dem Oberkörper auf den Tisch eines Cafés gefallen, auf dessen Höhe sie gerade gelaufen ist.

Sie hat mir erklärt, dass sie empört war über dieses Verhalten, sie sich aber trotzdem dabei ertappt, dass sie sehr viel genauer auf die Menschen achtet, die ihr entgegenkommen. In vergleichbaren Situationen steckt sie jetzt lieber einmal mehr ihr Handy weg, aus Respekt davor, vielleicht doch noch einmal angerempelt zu werden.

Ist das eine leichte Form von Traumatisierung?

Eine Traumatisierung im klassischen Sinne ist das sicher nicht. Aber wenn jemand schon durch ein solches Erlebnis in seinem Verhalten beeinflusst wird, dann kann man sich vorstellen, was mit einem Menschen geschieht, der nicht einfach nur angerempelt, sondern zusammengeschlagen oder sexuell belästigt wird.

Das kann Dimensionen erreichen, in der die Betroffenen ihre normale Lebensfähigkeit verlieren. Sie trauen sich nicht mehr auf die Straße, schlafen nicht mehr, haben Angst vor Dunkelheit oder großen Menschenmassen. Das ist neben den physischen Folgen eines Verbrechens das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Es reißt den Opfern den Boden unter den Füßen weg.

Wie kann der Weiße Ring konkret helfen?

Wir haben den Ehrgeiz, dass jeder, der sich bei uns meldet, innerhalb von 24 Stunden eine Antwort bekommt. Das klappt im Regelfall, auch wenn manchmal das Wochenende dazwischenkommt. Wir arbeiten hier ja alle ehrenamtlich.

Die Mehrzahl unserer Kontakte zu den betroffenen Personen wird von der Polizei vermittelt, mit der wir eng zusammenarbeiten. Wir vereinbaren ein Treffen mit dem Opfer, entweder bei ihm oder ihr zu Hause oder bei uns in den Beratungsräumen.

kaffee-kuchen-c-tyler-lastovich-unsplash

Kaffee und Kuchen beim Beratungsgespräch (Foto: Tyler Lastovich)

Es gibt Kaffee, einen Keks, und dann sprechen wir einfach nur. Wir werten nicht, wir hören zu, und loten aus, wo Handlungsbedarf besteht. Je nachdem vereinbaren wir beispielsweise Beratungsgespräche bei Therapeuten, helfen bei Behördengängen und Anträgen oder vermitteln Rechtsberatung.

Wie lange sind die betroffenen Personen dann bei Ihnen in Beratung?

Das kommt drauf an. Manche Menschen sagen relativ zügig, dass es ihnen jetzt gut geht und sie alleine klarkommen. Bei manchen nimmt die Beratung und Begleitung aber einen langen Zeitraum in Anspruch.

Ein großer Aufgabenbereich des Weißen Rings ist auch die Prävention von Verbrechen …

Genau, das ist uns auch sehr wichtig. Wir halten viele Vorträge, zum Beispiel in Bürgervereinen, Seniorenheimen oder Schulen. Dort erklären wir, wie man sich vor Verbrechen wie Einbruch, Diebstahl oder Betrug schützen kann.

Für Schulen hatten wir lange das Projekt „Fair Play in der Liebe“, in dessen Rahmen wir mit Kindern im Alter von elf bis 14 Jahren über Fragen diskutiert haben wie „Was ist eigentlich Gewalt in der Beziehung?“, „Fängt das erst bei Schlägen an, oder schon früher?“ oder „Ist das okay, wenn der Freund die SMS seiner Freundin liest?“ Denn in diesem Alter fangen die ersten Liebesbeziehungen an. Mit dem Projekt hatten wir großen Erfolg, aber leider fehlen uns gerade die personellen Ressourcen in der Prävention, um solche Vorträge regelmäßig zu organisieren.

 

„Die Wahrnehmung der Opfer hat sich verändert“

 

Bewegungen wie #MeToo scheinen das Thema der Opferhilfe besonders in Bezug auf Sexualdelikte mehr in den Blickpunkt der Gesellschaft gerückt zu haben. Merken Sie das in ihren Statistiken?

Ich kann das nicht in konkreten Zahlen ausdrücken. Aber ich habe auf jeden Fall den Eindruck, dass Frauen mehr darüber sprechen, mutiger werden, es öfter anzeigen und in diesem Zuge auch in Kauf nehmen, dass sie erst mal Teil eines unter Umständen schmerzhaften Ermittlungsprozesses werden. An dieser Entwicklung wird aber auch deutlich, wie wichtig Opferrechte sind. Ich bin davon überzeugt, dass auch die gesteigerte Sensibilität von Seiten der Ermittlungsbehörden Grund für diesen Trend ist.

Wie zeigt sich das?

Ein Beispiel ist die Möglichkeit, Spuren von Gewalt im Rechtsmedizinischen Institut erfassen und dokumentieren zu lassen, auf Wunsch auch anonym. Niemand fragt nach oder wertet, das Opfer kann sich persönlich ganz zurücknehmen, hat aber die Beweise und kann später, wenn es will, immer noch rechtliche Schritte einleiten. Auch die Befragungsmethoden der Ermittlungsbeamten sind sehr viel empfindsamer geworden, die Bereitschaft, sich mit solchen Themen empathischer auseinander zu setzten, ist gestiegen. Und auch im Bereich der Justiz hat sich die Wahrnehmung der Opfer verändert.

Inwiefern?

Ich war neulich bei einer Veranstaltung für junge Richterinnen und Richter. Ein junger Staatsanwalt aus dem Publikum hat sich mit einem kleinen Appell an die Kollegen gewandt, dessen Forderung mich begeistert hat.

In Missbrauchsverfahren ist das Opfer oft der einzige Zeuge oder die einzige Zeugin. Wenn der Täter gesteht, bevor es zu der Aussage des Opfers gekommen ist, wird es direkt nach Hause geschickt. In seinem Appell hat sich der Staatsanwalt gewünscht, dass sich die Richter an dieser Stelle noch einmal die Zeit nehmen, um dem Opfer dennoch das Recht einzuräumen, sich einmal äußern zu können und es persönlich zum Beispiel nach seinem Wohlbefinden fragen.

Menschen fühlen sich auf diese Weise mit einbezogen, gesehen und ernstgenommen von der Justiz. Und für so eine Einstellung machen wir uns, als Weißer Ring, stark.

Weißer Ring: Winterhuder Weg 31 (Uhlenhorst)


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Gewalt, Geld – und Glück

Warum die erste Ausstellung in den neuen Räumen des Bucerius Kunst Forums von Krieg, Katastrophen und Konsumterror handelt und trotzdem glücklich macht

Text: Karin Schulze
Foto (o.): Peter Piller: Zungen / Tongues (10), 2002–2004

 

Mit dicken schwarzen Kopfhörern auf den Ohren und auf einem Wall aus Sandsäcken hockend – so hat man den Besucher des Bucerius Kunst Forums bisher noch nicht gesehen. Der Titel der aktuellen Ausstellung „Here We Are Today“ verweist denn auch gleich dreifach auf neues Terrain: Er lädt stolz ein in das von Gerkan, Marg und Partner hinter der alten Fassade neu gebaute Haus am Neuen Wall. Er deutet auf eine programmatische Öffnung des bislang eher dem Altehrwürdigen zugeneigten Hauses auch für Gegenwartskunst. Und er benennt das Thema, das die Arbeiten der 18 ausgestellten Künstler skizzieren: den heutigen Zustand unserer Welt.

So sitzt man also mit Kopfhörern auf Sandsäcken und lauscht dem Videovortrag von Hito Steyerl, die – nicht erst seit ihrer diesjährigen Ausstellung im New Yorker Park Avenue Armory – weltweit zu den inhaltlich entschiedensten und zugleich ästhetisch überzeugendsten Künstlern zählt. Ihre Lecture Performance mischt Fakten mit absurden Scheinargumenten, wichtigtuerischen Enthüllungsgestus mit schelmischen Blicken.

 

Kunst und Krieg

 

So gelingt ihr das Kunststück, eine Fake-Argumentation von nahezu Trump’scher Perfidie abzuliefern und doch ihren Gegenstand – den Zusammenhang von Kunst und Krieg, von Museumssponsoring und Rüstungsindustrie – ernsthaft zu beleuchten und über die Augen, die Ohren und die barrikadenartige Sitzfläche in den Betrachter einsickern zu lassen.

Ein paar Meter weiter in dem luftig mit Arbeiten bestückten Ausstellungsraum trifft man auf die S/W-Porträtfotos von Samuel Fosso. Sie zeigen stets ihn selbst – aber im Outfit und der Pose von Malcolm X, Patrice Lumumba, Nelson Mandela oder Angela Davies. Als African Spirits vermitteln sie durch das Verkleidungs- und Verkörperungsspiel hindurch ein würdevolles Bild dessen, was Aimé Césaire als „Négritude“ bezeichnete.

 

bucerius-Erkan_OEzgen_Wonderland_2016

Erkan Özgen: Wonderland (Filmstill), 2016

 

Den stärksten Eindruck aber hinterlässt die Videoarbeit „Wonderland“ des türkischen Künstlers Erkan Özgen. Die Kamera fokussiert einen dreizehnjährigen gehörlosen Jungen, der mit seiner Familie aus dem nordsyrischen Kobanê in die Türkei geflohen ist. Gestisch und mimisch berichtet er von den Taten des Islamischen Staats, von Bomben, Folter und Enthauptungen. Tief verunsichernd sind die Intensität des erlebten Terrors, die Fassungslosigkeit im Blick des Kindes, aber auch die bange Frage, welcher vielleicht unheilbare Schaden in seiner von Gräueln und Granaten perforierten Seele angerichtet wurde.

 

„Sie sieht hin, wo es weh tut“

 

Kathrin Baumstark, der neuen Direktorin des Hauses, ist mit der Auswahl der Projekte von 18 Künstlern eine starke Schau geglückt. Mit den Kapiteln „Verbrechen“ „Heimat“ (dort etwa Eva Leitolfs fotografische Erkundungen rassistisch motivierter Gewalt) oder „Kapital“ (mit Andreas Gurskys Konsumhorror-Collage „Amazon“) wird klug ein Panorama der Bruchstellen gezeichnet, an denen sich unsere Zukunft entscheidet. Dabei ist vor allem realistisch-dokumentarisch agierende Kunst zu sehen.

Selbst dort, wo man vor abstrakten monochromen Bildtafeln zu stehen meint, schaut man in Wirklichkeit auf Abbilder des Schreckens: Johanna Diehl hat die farbigen Einbände der Tagebücher aufgenommen, in denen ihre Großmutter die Verdrängungsleistung erbrachte, alle historischen oder familiären Katastrophen auszublenden, die sich zwischen 1936 und 2009 ereigneten.

Ausblenden – genau das macht die Ausstellung nicht. Sie sieht hin, wo es weh tut. Und beglückt damit. Denn sie sieht die Welt durch die Augen und die widerständige Anverwandlungskraft der Künstler. Nicht resignierend, sondern als Form handelnden Einspruchs.

Bucerius Kunst Forum: Here We Are Today. Das Bild der Welt in Foto- & Videokunst, 7.6.-29.9.19, Alter Wall 12 (Altstadt)


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Hamburgerin des Monats – Navina Nicke von Safe Night

Laute Musik, Nebel, eine ungewollte Hand am Hintern – bei Übergriffen im Nachtleben sind Betroffene oft hilflos. Akute Unterstützung bei Gewalt-Erfahrung bietet in einigen Clubs der Verein Safe Night. Die Mitinitiatorin und Türsteherin Navina Nicke über stereotypische Erwartungen und wie harmlose Momente ganz schnell kippen können.

Interview: Hedda Bültmann
Beitragsbild: Jakob Börner

SZENE HAMBURG: Navina, wer steht hinter Safe Night?

Navina Nicke: Das ist ein Zusammenschluss aus vier Clubs und einigen Freien, wie ich. Mit dabei sind das Uebel & Gefährlich, Moloch, Hafen- klang und Kulturelles Neuland e. V., die den Südpol betreiben. Den Verein haben wir Mitte 2017 gegründet und wir vom Club-Plenum arbeiten seit zweieinhalb Jahren ehrenamtlich.

Warum nur vier?

Das sind die, die sich anfangs zusammengetan haben und Lust dazu hatten. Mittlerweile gibt es auch Anfragen von anderen Clubs, aber wir können momentan leider strukturell nicht noch mehr Clubs aufnehmen.

Wo hakt es?

Die Mitarbeiter der Clubs würden dann mit im Plenum sitzen, das sich re- gelmäßig tri , um zu besprechen, wie wir weiterarbeiten können. Das wäre ein noch größerer Orga-Aufwand. Und diese Clubs würden auch das Aware- ness-Team für seine Partys buchen. Außerdem würden wir auch die Mitarbeiter der Clubs schulen wollen zum Umgang mit sexualisierter Gewalt oder Handlungsstrategien bei Verdacht auf K.O.-Tropfen. Dafür haben wir aber zurzeit keine Kapazitäten.

 

„Ich weiß nicht, wie oft ich verfickte Feministin genannt wurde.“

 

Wofür ist das Awareness-Team auf Partys zuständig?

Das ist eine Dienstleistung, die wir anbieten und die ein Club buchen kann. Das Team ist verkürzt gesagt der Gegenpol zur Tür. Wenn in einem Club etwas passiert, gibt es eine gewaltausübende Person, die von der Tür rausgeschmissen wird. Aber es gibt ja auch eine betroffene Person, um die sich niemand im Club kümmern kann. Dafür ist das Awareness-Team da. Sie unterstützen Betroffene, wenn diese das möchten.

Wer ist das Awareness-Team?

Mittlerweile haben wir einen Pool von über 20 Leuten, die ausgebildet wurden in Krisenintervention und Gesprächsführung und die sich viel untereinander austauschen, wie sie Betroffene in Clubs unterstützen können.

 

„Wir helfen nicht nur Frauen.“

 

Wie kann man sich das vor Ort vorstellen?

Wenn das Team für eine Party gebucht wird, haben sie dort einen festen Stand. Dort können sie angesprochen werden, auch, wenn sich jemand generell für die Arbeit interessiert. Aber sie laufen im Club rum und sind durch ein leuchtendes A auf der Kleidung gekennzeichnet. Allerdings greifen sie nicht in akuten Situationen ein, sondern vermitteln den Leuten, dass sie da sind, wenn Unterstützung gewünscht wird. Es sind zweier Teams, die alle sechs Stunden wechseln.

Und welche Rolle spielt dabei Safe Night?

Der Verein kümmert sich zum einen um die Awareness-Teams und zum anderen veranstalten wir zukünftig Schulungen für Mitarbeiter der Clubs. Damit Leute vor Ort sind, die im Ernstfall vorbereitet sind. Die Bar zum Beispiel sieht am meisten, da sie am dichtesten am Dancefloor ist. Die Tür ist am weitesten weg, ist aber eigentlich dafür da, als erstes zu intervenieren, wenn etwas passiert. Deshalb ist es total wichtig, die Mitarbeiter zu schulen, wie sie bei Konflikten unterstützen können.

 

„Leider ist Gewalt schon lange normalisiert, auch im Kontext einer Party.“

 

Es scheint immer wichtiger zu werden, Frauen zu unterstützen …

Wir helfen nicht nur Frauen, es gibt auch Gewalt beispielsweise gegenüber Queers und Transmenschen. Viel Gewalt findet im Nachtleben statt, aber das war schon immer so. Nur wird das Bewusstsein dafür größer, Betroffene werden lauter und die öffentliche Aufmerksamkeit ist da. Dadurch werden dringend notwendige Diskussionen angestoßen. In der Vergangenheit wurde darüber einfach nicht geredet.

Aber im Nachtleben scheint es eine besondere Dringlichkeit zu haben …

Partys sind ein sehr spezieller Raum, der sich unkontrollierbar anfühlt. Dort ist viel Nebel, laute Musik, die Leute sind berauscht und für manche ist es ein Freibrief, um an anderen Gewalt auszuüben. Die ist oft so normalisiert ist, dass sie nicht wahrgenommen wird, wie zum Beispiel die Hand am Hintern. Oft ist es ein vermeintlich geregelter Ablauf, man geht in eine Bar, trinkt, fängt an zu knutschen und dann versucht man mit irgendjemand nach Hause zu gehen. Das ist ein großer Teil von dem, was Leute vom Feiern wollen. Was aber auch zur Katastrophe führen kann.

Da es ab einem gewissen Punkt ausartet?

Leider ist Gewalt schon lange normalisiert, auch im Kontext einer Party. Es liegt an der weit verbreiteten stereotypen Vorstellung, wie es abzulaufen hat und die nicht auf Konsens ausgelegt ist. Männern wird vermittelt, wenn sie sich auf eine bestimmte Weise verhalten, dann passt das schon bei der Frau. Wenn nicht, dann ist sie eine Spaßbremse. Wir leben in einer Gesellschaft, die Männern jederzeit ermöglicht, Gewalt auszuüben, ohne dass dies irgendeine Form von Sanktionierung erfährt.

Scheitert das Finden eines Konsenses oft am Alkohol?

Es scheitert an den nicht gestarteten Versuchen. Es ist ein allgemeines gesellschaftliches Problem, dass in bestimmten Situationen vorausgesetzt wird, dass beide Parteien einverstanden sind und beide dasselbe wollen. Und klar,ab einem bestimmten Pegel ist es nicht mehr möglich, eine bewusste Entscheidung zu treffen.

Stimmt der äußere Eindruck, dass meist Männer auffällig werden?

Wenn es um sexualisierte Gewalt geht, ja, dann sind es meistens Männer, die gegenüber Nicht-Männern gewalttätig werden.

Wie reagieren Männer, wenn du, als weibliche Türsteherin, sie aus einer sexuell übergriffigen Situation raus aus dem Club ziehst?

Ich weiß nicht, wie oft ich allein gestern Nacht während meiner Schicht an der Tür, verfickte Feministin genannt wurde. Ich bekomme keine einzige Beleidigung ab, die nicht darauf abzielt, dass ich eine Frau bin. Letztens wurde ich Punkerfotze genannt und fand das mal eine Abwechslung (lacht).

 

„Die Tür ist das Medium, worüber der Club vermittelt, was für ein Ort er sein will.“

 

Wie wirkt sich die Türpolitik auf das Geschehen im Club aus?

Ich bemühe mich immer sehr, eine Anti-Rassistische und Feministische Türpolitik zu fahren und gucke, wie die Leute auf bestimmte Fragen von mir reagieren, wie sie überhaupt drauf sind, oder ob schon extrem betrunken. Die Tür ist das Medium, worüber die Kommunikation zwischen Club und Publikum stattfindet, wo der Club vermittelt, was für ein Ort er sein will. Einer, an dem sich alle Menschen wohlfühlen können, an dem darauf geachtet wird, dass alle miteinander respektvoll umgehen. Somit kann ich auch Einfluss darauf nehmen, welches Publikum im Laden ist oder aber auch als Argumentation, wenn ich jemanden rauswerfe.

Gibt es noch viele Türen, die anders handeln und denken als du?

Ich glaube, es gibt viele Orte, die sich dringend mit diesem Thema befassen sollten und das überhaupt nicht auf dem Radar haben, weil es einfach nicht Teil ihrer Philosophie ist.

Es muss also an beiden Seiten gearbeitet werden, die Einstellung der Gäste und der Clubs?

Genau. Die Philosophie der Clubs zeigt sich dann aber an vielen Stellen, wie beispielweise die Frauen-Männer- Quote beim Line-up. Das sind ganz viele Faktoren, die auf das gleiche abzielen aber sehr unterschiedlichen Einfluss auf die faktische Party haben.

Hat eure Arbeit in den Clubs schon etwas merklich bewirkt?

Ja. Vor allem erlebe ich es in dem Club, wo ich an der Tür stehe, und das Awareness-Team regelmäßig arbeitet. In dem letzten halben Jahr hat sich viel verändert. Anfangs war seitens der Gäste viel Neugierde da, aber auch ein kleiner Schock nach dem Motto: „Ist es hier so schlimm, dass ihr das braucht?“ Was nicht der Fall war, aber die Betreiber und die Mitarbeiter wollen, dass es den Gästen gutgeht und sie einfach eine gute Zeit haben können. Es ist eher wie ein Goodie obendrauf. Die Gäste haben es dann sehr schnell angenommen und mittlerweile es auch oft ein Kriterium für die Leute geworden, ob sie in den Club gehen oder nicht.

Safe Night e.V.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook und Instagram.


Lust auf mehr Stories aus Hamburg?